# 09 BUÇACO, AVEIRO – VOM ZAUBERWALD IN DAS VENEDIG PORTUGALS

Portugal Rundreise 9.Tag: Der Wald von Buçaco scheint aus einem Märchen der Gebrüder Grimm entsprungen zu sein. Es fehlen nur mehr Hänsel und Gretl. Vielleicht entdeckt Ihr die kleinen Ausreißer in Aveiro, dem “Venedig Portugals”. Der Vergleich mit der italienischen Lagunenstadt hinkt jedoch gewaltig.

Programm Tag 9
Der Vormittag lädt zu einer kleinen Wanderung durch den Buçaco Nationalpark (ca 2 bis 3 Stunden) ein. Bevor es weiter nach Aveiro geht, bietet sich eventuell noch eine kleine Kaffeepause im ehemaligen Jagdschloss – dem heutigen Palace Hotel do Bussaco – an. Nach einem Spaziergang durch Aveiro mit der Besichtigung des kleinen Jugendstilmuseums, geht es zum Ausklang des Tages an die Küste. Costa Nova do Prado ist bekannt für seine gestreiften Häuser. Anschließend Rückfahrt nach Luso.

Buçaco Nationalpark

Buçaco Nationalpark

Geister gibt es nur im Märchen, oder? Nach einer Wanderung durch den Wald von Buçaco sind wir uns nicht mehr so sicher. Die Gebrüder Grimm lassen grüßen. Wir folgen einem schmalen Wanderweg. Langsam aber stetig führt er uns zwischen den Stationen eines Kreuzwegs den Berg hinauf.

Buçaco Nationalpark

Der Aussichtspunkt Cruz Alta ist das Ziel. Oder nur das Ende des Kreuzwegs. Wir sind uns noch nicht sicher. Der gepflasterte Weg ist rutschig, in der Nacht hat es geregnet. Der Wind rauscht durch alte verkrüppelte Bäume. Die Baumrinde ist bewachsen mit Moos und Flechten.

Buçaco Nationalpark

Kein Mensch weit und breit. Oder doch? Schwebt dort nicht der Geist von König Carlos vorbei? Die Phantasie spielte nur einen Streich. Fehlt nur noch, dass hinter der nächsten Wegbiegung das Gold-Tor aus Frau Holle steht. Der Gedanke ist noch gar nicht zur Seite gewischt, als vor uns ein altes Steintor auftaucht. Spooky, oder? Beim Durchschreiten des Torbogens fällt weder Gold noch Pech herab, nur ein kleiner Schweißtropfen von der Stirn.

Buçaco Nationalpark

Seit Jahrhunderten umgibt eine alte Steinmauer den geheimnisvollen Wald. Mönche haben sie errichtet. Schufen sich ein Refugium mit Kloster, Kreuzweg und Marterln. Hegten und pflegten die mehr als 300 exotischen Pflanzenarten. Portugiesische Eroberer machten diese den Mönchen zum Geschenk.

Buçaco Nationalpark

Nach der Auflösung der Klöster am Ende des 19. Jhdts, ließ König Carlos ein Jagdschloss errichten. Der Architekt plante es im neo-manuelinischen Stil mit reichlich Zierrat. Eine Form des Historismus, der an das “Goldene Zeitalter” Portugals mit all seinem Pomp erinnern soll.

Buçaco Nationalpark

Der Bauherr starb kurz nach der Fertigstellung seines Palastes. Die Kugeln eines Attentäters beendeten sein Leben frühzeitig. Nach dem Tod des Königs wurde das Jagdschloss zu einem Luxushotel umgebaut. Ob der Geist des Königs durch die Räumlichkeiten schwebt? Diese Frage klären wir bei einem Espresso im Kaminzimmer des Hotels. Frisch gestärkt und vielleicht um eine Antwort reicher, fahren wir weiter nach Aveiro.

Aveiro

Aveiro, Jugendstilhaus

Wir erreichen Aveiro bei strömenden Regen. Mit einem Schirm bewaffnet machen wir uns trotzdem auf zur Erkundungstour. Schließlich wollen wir ja wissen, ob Aveiro zur Recht den Beinamen Venedig Portugals trägt.

Man sagt, Aveiro sei das portugiesische Venedig, doch niemand würde sagen, Venedig sei das italienische Aveiro.

José Saramago, Die portugiesische Reise

Aveiro

Eines können wir jetzt schon verraten, der Vergleich mit Venedig ist maßlos übertrieben. Drei Kanäle durchziehen das Zentrum von Aveiro. Eine Rialtobrücke oder einen Dogenpalast suchen wir vergeblich. Aufgrund des schlechten Wetters, strengen wir uns aber auch mit der Sucherei nicht lange an.

Aveiro, Barcos Moliceiros

Aber es gibt Gondeln. Bunte noch dazu. Fotogen ankern die Langboote, die Moliceiros, am “Canale Grande”. Einst sammelten die Moliceiros Algen für die Düngerproduktion ein. Heute fischen sie nach Touristen, die Aveiro entlang der Kanäle kennen lernen möchten.

Aveiro, Jugendstilhaus

Wir ziehen den Besuch des kleinen Jugendstilmuseums an der Uferpromenade einer Kanalrundfahrt vor. Viel gibt es aber nicht zusehen.

Art Deco in Aveiro

In der Zwischenzeit hat der Regen eine Pause eingelegt. Sogar die Sonne blinzelt hinter den Wolken hervor. Der ideale Zeitpunkt um noch einen Abstecher an die Küste zu unternehmen.

Costa Nova do Prado

Aveiro, Costa Nova

Der Küstenort Costa Nova do Prado ist unser Ziel. Im Hochsommer überlaufen, treffen wir am heutigen Tag auf wenige Besucher. Das Wetter wechselt ständig. Auf Regen folgt Sonnenschein. Wir spazieren die Uferpromenade entlang, die mit Holzhäuser im “Zebralook” gesäumt ist. Die abwechselnd mit weißen und bunten Streifen bemalten Häuser wirken putzig.

Aveiro, Costa Nova

Weniger putzig sind die dunklen Wolken und das Gewitter über dem Meer. Wir beschließen unsere heutige Tour zu beenden und treten den Heimweg an.

INFOS

Reiseroute

Luso > Buçaco Nationalpark (6 km) > Aveiro (50 km) > Costa Nova do Prado (10 km) > Luso (65 km) > Gesamtdistanz (131 km)

Übernachtungstipp in Luso

  • Vila Duparchy, eine wunderschöne Villa in einem riesigen Garten aus dem 19. Jahrhundert mit “Agatha Christie-Feeling”. 

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