DRESDEN – AUF DEN SPUREN VON KURFÜRST AUGUST UND SEINEN MAITRESSEN

Bei diesem Stadtspaziergang durch Dresden wandeln wir auf den Spuren von August dem Starken und seiner Lieblingsmätresse der Gräfin Cosel. Wir starten am Neustädter Markt und spazieren zuerst durch die Innenstadt Dresdens. Mit einem historischen Dampfschiff geht es weiter zum Schloss Pillnitz. Und der Lößnitzdackel bringt uns am Ende zum Schloss Moritzburg.

Herkules und Casanova

Denkmal August der Starke in Dresden

Da reitet er also dahin, der Kurfürst August. Die goldene Reiterstatue ist für jedermann sichtbar und der ideale Ausgangspunkt um eine Stadtführung zu beginnen. Kurfürst August der Starke kann mit Fug und Recht als sächsischer Casanova bezeichnet werden. Bei schönen Frauen wurde er stets schwach. Er vergnügte sich mit dutzenden Mätressen und zeugte 384 Kinder, so sagt es die Legende. Tatsache ist, dass Dresden unter seiner Herrschaft zu einer der schönsten Barockstädte Deutschlands erblühte. Mit seiner Lieblingsmätresse, der Gräfin Cosel, teilte er mehr als neun Jahre das Bett. Als sie sich aber zu sehr in seine Politik einmischte, fiel die Cosel in Ungnade. August verbannte sie auf die Burg Stolpen, wo die Gräfin die restlichen 49 Jahre bis zu ihrem Tod verbrachte.

Der Blick des Canaletto

Canaletto-Blick

Bevor wir über die Augustusbrücke in die Innenstadt gehen, machen wir noch schnell einen Abstecher an das Elbufer. Von hier bietet sich ein fantastischer Blick auf Elbe, Brühlsche Terrasse, die katholische Hofkirche und die Kuppel der Frauenkirche. Vor rund 270 Jahren stand hier ein gewisser Bernardo Bellotto und malte die Silhouette der Stadt. Sein Bild ging als Canaletto-Blick in die Kunstgeschichte ein und wurde weltberühmt. Beauftragt wurde der Maler vom Sohn August, des Starken. Die Augustbrücke führt uns direkt zum Dresdner Schloss und der katholischen Hofkirche.

Liebe zu Kunst und Kultur

Dresdner Schloss und Hofkirche

Das Dresdner Schloss war Residenzschloss der sächsischen Kurfürsten und Könige. Nach Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg brannte das Schloss bis auf die Grundmauern nieder. Die DDR – Führung wollte die Ruine schleifen. Doch dieses Schicksal blieb dem Schloss erspart. Man entdeckte, dass sich die unterirdischen Gewölbe hervorragend für die Champignonzucht eigneten. Nach der Wende wurde das Dresdner Schloss wieder aufgebaut und beherbergt heute die wertvollen Kunstsammlungen von Kurfürst August.

Dresdner Schloss

Unter Kurfürst August beginnt für Dresden ein goldenes Zeitalter. Es entstehen die Frauenkirche und der Zwinger. Er holt zahlreiche Künstler an den Hof, sammelt Gemälde, Juwelen oder Porzellan aus China. Seine Sammelleidenschaft geht soweit, dass er sogar Dragonerregimenter gegen wertvolle Kunstgegenstände tauscht. Er gibt das Geld mit vollen Händen aus. Seine Liebe zu Kunst und Kultur reißt ein großes Loch in den Staatshaushalt. Um die Staatskassen wieder zu füllen erfindet sein Premierminister Heinrich von Brühl eine Verbrauchersteuer, eine Art Vorläufer der heutigen Mehrwertsteuer.

Wir nutzen natürlich die Möglichkeit den Hausmannsturm zu besteigen. Von dort oben hat man nicht nur einen schönen Ausblick auf die Stadt, sondern auch auf das Opernhaus und den davorliegenden  Theaterplatz.

Sein Herz schlägt für schöne Frauen

Hofkirche

Die katholische Hofkirche mit ihrem eindrucksvollen Turm dominiert die Dresdner Stadtsilhouette. Auch dieser Bau wurde von August dem Starken initiiert. In der Hofkirche liegen die Herrscher Sachsens begraben. Doch der berühmteste fehlt aber. Da August auch polnischer König war, wurde sein Leichnam in Krakau beigesetzt. Nur sein Herz kam zurück nach Dresden und fand in der Hofkirche seine letzte Ruhestätte. Dieses befindet sich in einer Kapsel in der sogenannten Stiftergruft. Eine Legende besagt, dass sein Herz jedes Mal zu schlagen beginnt, wenn eine schöne Frau vorbeigeht.

Haben Sie noch nicht Maria von Weber’s “Freischütz” gehört?

Semperoper

Die Dresdner Oper am Theaterplatz wurde vom bekannten Architekten Gottfried Semper errichtet. 1841 wurde das erste Opernhaus nach den Plänen von Gottfried Semper errichtet. Dieses brannte 1869 ab. Auch mit der Errichtung des Neubaus wurde Semper beauftragt. Es entstand ein Opernhaus im Stil der italienischen Hochrenaissance.

Semperoper

Nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg entschied man sich für einen weitgehend originalgetreuen Wiederaufbau der Semperoper. Dieser begann erst 1977. Anlässlich des 40. Jahrestages der Zerstörung wurde am 13. Februar 1985 die Semperoper mit Carl Maria von Webers Oper “Der Freischütz” wiedereröffnet. Bevor es weiter zum Zwinger geht, werfen wir noch schnell einen Blick auf den Fürstenzug.

Das Bilderbuch der sächsischen Herrscher

Fürstenzug

An der Außenmauer des Schlosses findet man wohl eine der bekanntesten Dresdner Sehenswürdigkeiten – den “Fürstenzug”. 25.000 Fliesen aus Meißner Porzellan erzählen auf einer Länge von 102 Metern die Geschichte der sächsischen Herrscher. Porzellan war an europäischen Fürstenhäusern sehr begehrt. Es wurde zu horrenden Preisen aus China importiert, da das Herstellungsverfahren lange Zeit geheim gehalten wurde. Der Zufall will es, dass Kurfürst August den Apothekerlehrling Johann Friedrich Böttger kennenlernt. Böttger behauptet er könne aus minderwertigen Materialien Gold machen.

 

Fürstenzug

Doch statt Gold entdeckt er in seinem Laboratorium das Herstellungsverfahren von weißen Porzellan. August der Starke gründet daraufhin die Porzellanmanufaktur Meißen und schlägt damit drei Fliegen mit einem Schlag: Nie mehr teure Porzellanimporte aus China, dafür Einnahmen durch teure Verkäufe von Porzellan an andere Fürstenhäuser und die Sanierung des maroden Staatshaushalts. Weiter geht unser Spaziergang zu einem der bedeutendsten Barockbauten Dresdens.   

Rauschende Feste und betörende Frauen

Zwinger

Ein weltberühmtes Prachtwerk des Barock und ein weiteres Machtsymbol August des Starken ist der Zwinger. Hier veranstaltete er unter freiem Himmel rauschende Feste und gab verschwenderische Bälle. Vergnügt sich mit den schönsten Frauen des Fürstentums und beglückt sie mit seiner Manneskraft. Obwohl August verheiratet war, kennt er das Wort “Treue” nur vom Hörsagen. Seine Frau Eberhardine verspottet er wegen ihrer Frömmigkeit als die Betsäule Sachsens. Hauptsache sie bringt einen Thronfolger auf die Welt, was auch schlussendlich gelingt. Als August Constantia von Cosel kennenlernt, hatte sich seine Frau Eberhardine längst vom Hof zurückgezogen und lebte auf ihrem Witwensitz Pretzsch.

Zwinger

Die Cosel lernt August der Starke nicht bei einem rauschenden Fest im Zwinger kennen, sondern während eines Brandes in der Innenstadt. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Er holt sie an seinem Hof und schon bald bekleidet die Cosel das Amt einer offiziellen “Maitresse en titre”. Quasi die Chef-Mätresse mit repräsentierenden Aufgaben und politischem Einfluss. Die Cosel steht ab nun im Mittelpunkt des höfischen Lebens. Sie organisiert prächtige Bälle, gibt glänzende Empfänge und begleitet August auf seinen Reisen. Im Laufe der Jahre schenkt sie ihm nicht nur drei Kinder, sondern beginnt immer unverschämtere Forderungen zu stellen: Eine jährliche Apanage von 100.000 Taler, einen Fürstentitel und ein schriftliches Eheversprechen.  August erfüllte ihre Forderungen und mehr noch, er lässt das Taschenbergpalais errichten und schenkte ihr Schloss Pillnitz. 

Zwinger

Zurück zum Zwinger. Dieser beherbergt heute mehrere Museen. An der Nordseite des Zwingers befindet sich die Semper-Galerie mit der weltweit berühmten Sammlung von Gemälden “Alter Meister” aus der Zeit der Renaissance bis zum Barock.

Weiter geht es in die Innenstadt zu der wohl bekanntesten Kirche Dresdens, der Frauenkirche.

Auferstanden aus Ruinen

Frauenkirche

August der Starke liebte Venedig. Besonders beeindruckte ihn die mächtige Kuppelkirche Santa Maria della Salute, die an der Einmündung des Canal Grande in die Lagune steht und das Stadtbild Venedigs dominiert. Und so stellte sich August die Frage, ob nicht ein ähnlicher Bau das Stadtbild von Dresden bereichern würde. Eine Entscheidung war rasch getroffen. Er beauftragte den Baumeister George Bähr mit der Errichtung einer monumentalen Kuppelkirche. 

Martin Luther Denkmal

Heute zählt die Frauenkirche zu den bedeutendsten protestantischen Kirchen des deutschen Barocks. Die 95 m hohe steinerne Kirchenkuppel ist die höchste nördlich der Alpen. Über zwei Jahrhunderte hinweg prägte die »steinerne Glocke« das Dresdner Stadtbild. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Frauenkirche in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 durch den in Dresden wütenden Feuersturm schwer beschädigt und stürzte am Morgen des 15. Februar ausgebrannt in sich zusammen. In der DDR blieb ihre Ruine erhalten und diente als “Mahnmal gegen den Krieg”. Nach der Wende begann der Wiederaufbau. 60 Jahre nach der Zerstörung der Frauenkirche erfolgte am 30. Oktober 2005 die feierliche Einweihung des Sakralbaues.

Bevor wir mit einem historischen Dampfschiff zum Schloss Pillnitz reisen, machen wir noch schnell einen Abstecher zur Brühlschen Terrasse.

Dresden – hier wurde die Schönheit erfunden

Hofkirche

Diese prachtvolle Promenade entstand durch den barocken Umbau der einst mächtigen Stadtmauer. Als Dank für seine treuen Dienste, schenkte August seinem Premierminister Heinrich von Brühl das Areal. Brühl wusste, wie er seinem Kurfürsten eine Freude machen konnte und ließ die Brühlschen Herrlichkeiten – Galerie, Bibliothek, Belvedere, Palais und Gartenanlage – errichten. Goethe nannte die prächtige Promenade einst den “Balkon Europas”. Nur geladene Gäste durften die Terrasse betreten. Hier trafen sich Adelige aus ganz Europa um zu lustwandeln, über Politik zu sprechen, Geschäfte abzuschließen oder um Ausschau auf ein erotisches Abenteuer zu halten.

Wir gehen nun zur Anlegestelle der “Weißen Flotte”, wo uns ein historisches Dampfschiff nach Schloss Pillnitz bringt.

Die Elbe als Bühne

Auf der Elbe

Natürlich kann man auch mit dem Bus nach Pillnitz fahren. Gemütlicher ist aber eine Fahrt mit einem der historischen Dampfschiffe auf der Elbe und man hat einen bessern Ausblick auf die Stadt. Man passiert die Villa Stockhausen, wo einst der erfolgreiche Odol Fabrikant Ernst August Lingner zu Anfang des 20. Jhdt. ganz im Stile August des Starken aufwendige Feste feierte.

Das Blaue Wunder

Beeindruckend auch die Hängebrücke “Blaues Wunder”. Sie war in ihrer Entstehungszeit eine der ersten Stahlbrücken dieser Spannweite, die keinen Strompfeiler in der Elbe benötigte. Ihren Namen erhielt die Brücke aufgrund ihres blauen Anstriches und der gewagten Konstruktionsweise.

Liebesbeweis und Liebesentzug

Schloss Pillnitz

Unter den Lustschlössern, rund um Dresden, nimmt Pillnitz einen besonderen Rang ein. 1703 schenkte der Fürst der Cosel das Schloss als Liebesbeweis. Spötter meinten, dass die “Cosel mittlerweile dem Land mehr koste, als eine Armee zu unterhalten”. Zeitzeugen beschreiben die Cosel als schön, ehrgeizig und intelligent, aber auch als aufbrausend, hochmütig und dünkelhaft. Zunehmend begann die Cosel auch ihre Stellung bei Hof zu missbrauchen.  Als sie auch noch versuchte eine neue Mätresse des Fürsten vom Hof zu ekeln, fiel sie in Ungnade und musste fliehen. Sie floh nach Preußen.

Schloss Pillnitz

Die Flucht wurde jedoch in Sachsen als Landesverrat ausgelegt. In Wahrheit fürchtete August, dass die Cosel das Dokument mit seinem Eheversprechen publik machen könnte, was eine Riesenblamage für den Kurfürsten bedeutet hätte. August handelte rasch. Im Austausch gegen die Cosel bot er dem preußischen König nach Sachsen geflohene preußische Deserteure an. Der Preußenkönig willigte ein. Die Cosel wurde von Preußen ausgeliefert und sofort unter Arrest gestellt. Bis zu ihrem Tod wurde sie 49 Jahre lang auf der Burg Stolpen gefangen gehalten.

Schloss Pillnitz

Kurfürst August behielt Schloss Pillnitz für sich und ließ es im fernöstlich anmutenden Stil umbauen.

Lößnitzdackel

Zurück in Dresden wechseln wir das Verkehrsmittel. Mit dem Lößnitzdackel – einer mit Dampf betriebenen Schmalspurbahn – geht es zum Schloss Moritzburg.

Schloss Moritzburg

Vor den Toren Dresdens liegt Schloss Moritzburg mit seinen vier mächtigen Türmen. Kurfürst August hatte den Vorgängerbau zu einem barocken Lust- und Jagdschloss umbauen lassen. Teiche und Tiergehege wurden angelegt, kleinere Repräsentationsbauten, wie das Fasanschlösschen oder ein Leuchtturm errichtet.

Moritzburg

Der Schlosspark war Bühne für Augusts rauschende Feste. Riesige Feuerwerke beleuchteten den Nachthimmel. Es fanden Gondelregatten statt und man Inszenierte sogar kleine “Seeschlachten” mit hölzernen Fregatten zum Vergnügen des Hofes. Hier bei der Moritzburg endet unsere Tour über August den Starken und seine Maitressen. Wir fahren zurück nach Dresden und stärken uns passenderweise im Coselpalais mit Kaffee und Kuchen.