
Poreč entdecken: Sehenswürdigkeiten, Euphrasius-Basilika, venezianische Altstadt und versteckte Gassen. Ein atmosphärischer Stadtspaziergang durch Istriens Küstenstadt.

Poreč gehört zu diesen Städten an der istrischen Küste, die auf den ersten Blick wirken, als wären sie ausschließlich für Sommerurlaub, Eisstände und Apartments mit Meerblick gebaut worden. Dabei blickt die kleine Stadt auf eine Geschichte zurück, bei der halb Europa irgendwann einmal vorbeigeschaut hat.

Römer, Byzantiner, Franken, Venezianer und Habsburger – alle waren sie da und haben Spuren hinterlassen. Nach dem Untergang der Donaumonarchie fiel Istrien nach dem Ersten Weltkrieg an Italien, ehe die Region nach dem Zweiten Weltkrieg zu Jugoslawien kam. Heute gehört Poreč zu Kroatien. Und nach all den Jahrhunderten hat man ein wenig den Eindruck, dass hier jede Großmacht irgendwann einmal auftauchte – manche zum Regieren, manche zum Plündern und manche vermutlich nur wegen des Meeres, dass hier ausgesprochen schön blau ist.

Sogar die Genuesen kamen vorbei. 1354 plünderten sie die Stadt und zündeten sie an. Heute kommen statt der Genuesen Reisegruppen mit Strohhüten und Smartphones. Das Prinzip bleibt ähnlich: Alle drängen gleichzeitig durch dieselben Gassen.
Decumanus – Die touristische Hauptschlagader der Altstadt

Das Zentrum von Poreč folgt bis heute dem alten römischen Straßensystem. Die wichtigste Achse ist der Decumanus Corso, die west-östlich verlaufende Hauptgasse der Altstadt. Dort spielt sich praktisch alles ab: flanieren, einkaufen, essen, fotografieren und gelegentlich abrupt stehen bleiben, weil mitten vor einem jemand entdeckt hat, dass sein Eis schmilzt und auf das T-Shirt tropft.

Die Straße wird von Restaurants, Souvenirläden und kleinen Geschäften dominiert, die irgendwo zwischen charmantem Kunsthandwerk und importiertem Plastikramsch pendeln. Man bekommt Lavendelsackerln, Olivenholzbrettchen, Magneten mit Sonnenuntergang und vermutlich auch Dinge, deren eigentliche Funktion bis heute ungeklärt ist.

Und trotzdem funktioniert diese Straße erstaunlich gut. Zwischen den Fassaden tauchen immer wieder venezianische Fenster, gotische Details oder alte Steinreliefs auf, die daran erinnern, dass hier seit Jahrhunderten Menschen durchmarschieren. Das eigentliche Poreč beginnt allerdings erst dort, wo man den Mut hat, einmal links oder rechts abzubiegen.
Die stilleren Gassen – Dort, wo Poreč plötzlich wieder echt wirkt

Sobald man eine der Seitengassen verlässt, wird es schlagartig ruhiger. Plötzlich hört man nicht mehr hundert Gespräche gleichzeitig, sondern nur noch Schritte auf alten Steinen, das Klappern von Geschirr aus irgendeiner Küche und gelegentlich eine Katze, die aussieht, als würde sie hier seit der venezianischen Herrschaft wohnen.

Gerade dort entdeckt man die kleinen fotografischen Perlen der Stadt: Blumenumrankte Portale, verwitterte Fensterläden und enge Durchgänge, in denen scheinbar die Zeit beschlossen hat, ein wenig langsamer zu arbeiten. Und wie fast überall in Istrien merkt man auch hier: Die schönsten Ecken liegen selten dort, wo die meisten Menschen stehen.
Euphrasius-Basilika – Byzantinischer Größenwahn mit Goldmosaiken

Die bekannteste Sehenswürdigkeit von Poreč liegt im nördlichen Teil der Halbinsel: die Euphrasius-Basilika. Und selbst Menschen, die normalerweise bei Kirchenbesichtigungen eher defensiv reagieren, müssen zugeben: Das hier ist beeindruckend.

Die heutige Basilika entstand im 6. Jahrhundert unter Bischof Euphrasius, der offenbar der Meinung war, dass die bestehende Kirche für seine Ansprüche ein wenig zu bescheiden geraten war. Inspiriert von der byzantinischen Kunst ließ er eine neue Basilika errichten – vermutlich mit dem durchaus nachvollziehbaren Gedanken, dass man nach 1500 Jahren noch immer über ihn sprechen soll. Hat funktioniert.

Die Euphrasius-Basilika zählt heute zu den bedeutendsten Sakralbauten Kroatiens und wurde 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Vor allem deshalb, weil sie über die Jahrhunderte erstaunlich wenig verändert wurde und dadurch eines der wichtigsten Zeugnisse frühbyzantinischer Kunst im Adriaraum geblieben ist.

Der größte Schatz der Basilika sind die Mosaiken in der Hauptapsis. Goldene Flächen, Heilige, Symbole und Figuren, zusammengesetzt aus unzähligen kleinen Steinen, die auch nach rund fünfzehn Jahrhunderten noch immer leuchten, als hätte sie jemand erst vorige Woche fertiggestellt.
Porec – Der Blick vom Glockenturm

Wer die knarrenden Holzstufen des Glockenturms hinaufsteigt, wird oben mit dem wahrscheinlich schönsten Blick über Poreč belohnt. Die roten Dächer der Altstadt, das Meer, die kleinen Gassen und dahinter die istrische Küste – alles liegt plötzlich erstaunlich ordentlich unter einem.

Und gleichzeitig merkt man erst von oben, wie klein die Altstadt eigentlich ist. Eine Halbinsel voller Geschichte, zusammengepresst auf wenigen Gassen, durch die seit Jahrhunderten Händler, Seeleute, Touristen und vermutlich auch einige Menschen mit sehr schlechtem Orientierungssinn laufen.
Venezianische Türme und der Markuslöwe

Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind heute noch drei Türme erhalten. Am auffälligsten ist der fünfeckige Turm aus dem 15. Jahrhundert, direkt an der touristischen Hauptmeile gelegen und praktisch unmöglich zu übersehen. Und natürlich prangt auch hier wieder der Markuslöwe an der Fassade. Der venezianische Löwe ist überhaupt so etwas wie das inoffizielle Wappentier der gesamten Adriaküste. Irgendwann entsteht der Eindruck, dass Venedig früher offenbar keinen Stein aufstellen konnte, ohne vorher noch schnell einen Löwen hineinzumeißeln.
Fazit: Poreč kann mehr als Badeurlaub

Poreč ist heute ohne Zweifel ein Touristenort. Im Sommer oft laut, voll und manchmal knapp davor, sich selbst im Souvenirangebot zu verlieren. Und trotzdem besitzt die Stadt etwas, das viele reine Badeorte nie bekommen: Geschichte mit Substanz. Zwischen Römern, Byzantinern, Venezianern und UNESCO-Mosaiken liegt hier eine Altstadt, die man nicht nur konsumiert, sondern tatsächlich durchwandert. Man muss dafür nur gelegentlich die Hauptgasse verlassen. Und genau dann zeigt Poreč plötzlich, dass es weit mehr ist als nur ein Ort für Sonnenliegen, Cevapcici und aufblasbare Flamingos.
Fotoalbum
Weitere Fotos zu diesem Stadtrundgang findest du auf Flickr unter POREC – ZWISCHEN WELTKULTURERBE, VENEZIANERN UND KÜHLSCHRANKMAGNETEN
