Die schönste Art, den Traunsee zu entdecken, ist jene mit dem Schiff. Steigt mit uns an Bord der historischen „Rudolf Ippisch“ und begleitet uns vorbei am imposanten Traunstein, dem Postkartenmotiv Traunkirchen und dem sagenumwobenen Löwendenkmal bis nach Ebensee. Eine Route voller Geschichte – denn schon Kaiser Franz Joseph nahm diesen Weg auf seiner Reise in sein geliebtes Ischl.
Historische Schifffahrt am Traunsee

Schiffsreisen auf den tiefsten See Österreichs haben eine lange Tradition. Bereits im Jahr 1839 gründeten die beiden Engländer John Andrews und Joseph John Ruston die Traunsee-Schifffahrt. Ruston entwarf auch den berühmten Raddampfer „Gisela“, der seit 1872 seinen Dienst auf dem Traunsee versieht und heute noch zu den besonderen Schmuckstücken der Region zählt. Malerisch liegt das historische Schiff vor dem Gmundner Rathausplatz vor Anker und erinnert an eine Zeit, als Reisen noch deutlich gemächlicher vonstattenging.

Da es bis 1861 keine durchgehende Straßenverbindung ins Salzkammergut gab und die Salzkammergutbahn erst 1877 eröffnet wurde, war der Weg in die Region lange Zeit beschwerlich. Auch Kaiser Franz Joseph musste auf seiner Reise in sein geliebtes Ischl in Gmunden den Hofsonderzug verlassen und auf das Schiff umsteigen. Von dort führte ihn der Weg über den Traunsee bis nach Ebensee, ehe ihn eine Kutsche weiter in sein Sommerdomizil brachte. Heute ist diese Strecke natürlich kein notwendiger Reiseabschnitt mehr – sondern eine der schönsten Möglichkeiten, den Traunsee und seine Geschichte ganz entspannt zu erleben.
Mit der „Rudolf Ippisch“ über den Traunsee

Schiff ahoi, Leinen los! Das Signalhorn der „Rudolf Ippisch“ ertönt zur Abfahrt. Langsam nimmt das 1928 erbaute Ausflugsschiff Fahrt auf und setzt seinen Kurs Richtung Seeschloss Ort. Das historische Motorboot zählt zu den ältesten und schönsten Ausflugsschiffen Österreichs und passt damit perfekt zu einer Reise, bei der nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg dorthin zum Erlebnis wird.
Seeschloss Ort

Schon kurz nach der Abfahrt wartet mit dem Seeschloss Ort eines der bekanntesten Wahrzeichen Gmundens auf uns. Vom Wasser aus zeigt sich das Schloss mit seiner langen Holzbrücke und der kleinen Insel von einer besonders schönen Seite. Spätestens bei diesem Anblick zücken die meisten Besucher ihre Kamera. Kein Wunder, denn das bereits 909 erstmals urkundlich erwähnte Schloss zählt zu den ältesten Bauwerken des Salzkammerguts.

Einer Sage nach soll der Riese Erla das Schloss aus Liebe zur Traunseenixe Blondchen erbaut haben. So romantisch die Geschichte auch klingt – wahrscheinlich gehört sie doch eher ins Reich der Legenden.

Wesentlich spannender als die Sage ist allerdings die Geschichte eines späteren Schlossbesitzers. Erzherzog Johann Salvator galt mit seinen liberalen Ansichten und seinem unkonventionellen Lebensstil als das »Enfant terrible« der Habsburger. 1889 kehrte er dem Adel überraschend den Rücken, legte seine Titel ab, nannte sich fortan Johann Orth und heiratete die Tänzerin Milli Stubel.

Der ehemalige Erzherzog machte sogar das Kapitänspatent und kaufte einen eigenen Frachtdampfer. Gemeinsam mit Milli brach er zu einer Reise nach Südamerika auf – doch von dieser kehrte das Paar nie zurück. Vermutlich geriet das Schiff im Juli 1890 nahe Kap Hoorn in einen schweren Sturm und sank. Dass rund hundert Jahre später ausgerechnet sein ehemaliges Schloss als Kulisse für die Fernsehserie »Schlosshotel Orth« berühmt werden sollte, hätte Johann Orth wohl mit einem Schmunzeln verfolgt. Vielleicht hätte er sich sogar selbst für einen Gastauftritt beworben.li für einen Gastauftritt in der Serie sofort zur Verfügung gestanden.
Traunstein

Gemütlich pflügt der Bug der „Rudolf Ippisch“ mit rund 25 km/h durch das Wasser. Während die Uferlandschaft langsam an uns vorbeizieht, erhebt sich vor uns der Traunstein, der mit seinen knapp 1.700 Metern nicht umsonst als „Wächter des Salzkammerguts“ bezeichnet wird. Seine schroffen Felswände fallen beinahe senkrecht zum See ab und verleihen ihm jene beeindruckende Silhouette, die den Traunsee so unverwechselbar macht. Den höchsten Punkt des Traunsteins ziert ein zehn Meter hohes Gipfelkreuz, das von Kriegsheimkehrern errichtet wurde und an die gefallenen Soldaten beider Weltkriege erinnert.

Vom Schiff aus wirkt der Traunstein beinahe unbezwingbar. Wer den Gipfel erreichen möchte, muss allerdings einiges an Erfahrung und Ausdauer mitbringen. In nur zwei Tagen schleppten 600 Männer und Frauen die rund 4.000 Einzelteile des Kreuzes auf den Gipfel. Heute ziehen mehrere Klettersteige jedes Jahr zahlreiche Bergsteiger in seinen Bann. Doch der Traunstein zeigt auch seine gefährliche Seite. Seit am 15. August 1898 der erste tote Bergsteiger am Traunstein registriert wurde, verloren bereits mehr als 140 Alpinisten bei der Besteigung ihr Leben. Wir genießen den gewaltigen Anblick daher lieber aus der sicheren Entfernung – und lassen den „Wächter des Salzkammerguts“ einfach an uns vorbeiziehen.
Traunkirchen – ein Postkartenmotiv am Traunsee

Das nächste Ziel unserer Schiffsreise ist Traunkirchen. Langsam nähert sich die „Rudolf Ippisch“ dem Anleger und kündigt mit ihrem Signalhorn die Ankunft an. Schon von weitem fällt die auf einer Halbinsel gelegene Pfarrkirche ins Auge. Gemeinsam mit dem See und den Bergen im Hintergrund gehört sie zu den schönsten Postkartenmotiven des Salzkammerguts. Mehrfach einem Brand zum Opfer gefallen, erhielt das Gotteshaus sein heutiges barockes Aussehen im Jahr 1632.

Einen Besuch der Kirche legen wir Euch besonders ans Herz, denn die berühmte Fischerkanzel solltet Ihr auf keinen Fall versäumen. Von einem unbekannten Meisterschnitzer im Jahr 1753 geschaffen, zeigt sie das Wunder des reichen Fischfangs. Dargestellt ist jene Szene aus dem Johannesevangelium, in der der auferstandene Jesus den Aposteln am See Genezareth zu einem reichen Fang verhilft, nachdem sie zuvor erfolglos geblieben waren. Ein kleines Kunstwerk, das eindrucksvoll zeigt, wie eng die Geschichte Traunkirchens seit Jahrhunderten mit dem Wasser verbunden ist.

Doch Traunkirchen besitzt noch ein weiteres Motiv, das fast jeder Besucher kennt: die Johanneskapelle. Malerisch erhebt sie sich auf einem Felsen über dem Traunsee und bietet einen der schönsten Ausblicke unserer Schifffahrt. Heute wirkt der Platz ruhig und idyllisch – doch seine Geschichte reicht weit zurück. Bereits vor rund 3.500 Jahren soll sich hier eine heidnische Kultstätte befunden haben, an der die Menschen den Göttern Opfer darbrachten.

Auch um den markanten Felsen ranken sich spannende Geschichten. Bis ins 11. Jahrhundert sollen hier Piraten gehaust haben, wie eine Inschrift an der Johanneskapelle erzählt. Von ihrem Versteck aus machten sie angeblich Jagd auf die schwer beladenen Salzschiffe aus Hallstatt. Salz galt über Jahrhunderte als das „weiße Gold“ des Salzkammerguts und war eines der wichtigsten Handelsgüter der Region. Wenn wir heute mit dem Schiff ruhig über den Traunsee gleiten, erinnert kaum etwas daran, dass hier einst Handelswege, Salztransporte und Piratenlegenden den Alltag bestimmten.
Die schlafende Griechin am Traunsee

Wir verabschieden uns langsam von den Postkartenmotiven Traunkirchens und werfen einen Blick auf die gegenüberliegende Seite des Sees. Dort hält sie ihren scheinbaren Schlaf: die „schlafende Griechin“. So nennt der Volksmund den Erlakogel, dessen Silhouette an eine liegende Frau mit markanter Nase erinnert. Natürlich darf auch hier eine Sage nicht fehlen. Der Überlieferung nach soll der Riese Erla nach dem Tod seiner großen Liebe Blondchen ihre Gesichtszüge zum Gedenken in den Berg gemeißelt haben. Ob diese Geschichte stimmt? Wahrscheinlich nicht. Aber gerade solche Erzählungen machen die Landschaft des Salzkammerguts so besonders – denn manchmal sind es die alten Legenden, die einem Berg ein Gesicht geben.
Das Löwendenkmal – Erinnerung an eine neue Zeit

Gemächlich reisen wir mit unserem historischen Motorboot weiter Richtung Ebensee. Heute erscheint die Verbindung zwischen Gmunden und Ebensee selbstverständlich, doch das war nicht immer so. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es keine durchgehende Straßenverbindung ins Salzkammergut. Die Region war schwer erreichbar und besonders der Transport von Gütern stellte eine große Herausforderung dar. In Gmunden wurden Waren auf Schiffe verladen und anschließend über den Wasserweg nach Ebensee gebracht.

Erst 1861 konnte eine neue Uferstraße zwischen den beiden Orten feierlich eröffnet werden. Für die damalige Zeit war diese Verbindung eine beeindruckende technische Leistung. Zu Ehren Kaiser Franz Josephs wurde anlässlich dieses Ereignisses das Löwendenkmal errichtet, das noch heute am Ufer des Traunsees steht.

Der Schöpfer des Denkmals ist unbekannt. Hartnäckig hält sich jedoch die Geschichte, dass sich der Künstler bei der Enthüllung in die Tiefen des Traunsees gestürzt haben soll, nachdem er bemerkte, dass er die Zunge des Löwen vergessen hatte. Eine schöne Geschichte – auch wenn sie vermutlich eher ins Reich der Legenden gehört. Tatsächlich erlebte das Denkmal aber selbst eine bewegte Vergangenheit: 1963 wurde es von italienischen Neofaschisten gesprengt und im Folgejahr mühsam rekonstruiert.
Ebensee – das Ende unserer Schifffahrt über den Traunsee

Nach rund einer Stunde Fahrzeit erreichen wir Ebensee, wo es nach einer kurzen Pause wieder zurück nach Gmunden geht.
Fazit
Eine Schifffahrt über den Traunsee ist weit mehr als eine gemütliche Fahrt über einen der schönsten Seen Österreichs. Sie verbindet Landschaft, Geschichte und die schönsten Orte des Salzkammerguts auf eine besonders entspannte Art. Vom Wasser aus entdeckt man bekannte Sehenswürdigkeiten noch einmal aus einer neuen Perspektive: Schloss Ort wirkt märchenhaft, der Traunstein gewaltig und Traunkirchen mit seiner Kirche auf der Halbinsel beinahe wie ein gemaltes Bild.
Hinweis
Wer den Ausflug zu einem echten Salzkammergut-Wochenende ausbauen möchte, findet in unseren Beiträgen Gmunden an einem Tag entdecken und zu Seenwanderungen rund um Gmunden weitere Tipps.
Fotoalbum
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einem Ausflug nach Gmunden und an den Traunsee inspirieren konnten. Noch mehr Fotos aus dem Salzkammergut findet Ihr im Fotoalbum unter: Salzkammergut – Perfekte Tage in Gmunden am Traunsee
Hinweis: Erstfassung Juli 2021, umfassend aktualisiert und überarbeitet Juni 2026
