SCHLOSSPARK SCHÖNBRUNN – GLORIETTE, NEPTUNBRUNNEN & KAISERGESCHICHTEN

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Blick auf das Schloss

Spaziergang durch den Schlosspark Schönbrunn: Gloriette, Neptunbrunnen, Römische Ruine, Obelisk und Kaisergeschichten von Maria Theresia bis Kaiser Franz Joseph.

Wenn ein Park mehr erzählt als ein Schloss

Wien - Schloss Schönbrunn
Schloss Schönbrunn

Schloss Schönbrunn kennt fast jeder. Gelb, groß, fotogen – und meistens ziemlich überlaufen. Was viele dabei übersehen: Hinter dem Schloss beginnt eigentlich erst das eigentliche Schauspiel. Der Schlosspark von Schloss Schönbrunn ist kein Garten im klassischen Sinn. Eher eine sehr gut organisierte Mischung aus Machtinszenierung, Sichtachsen-Perfektion und erstaunlich vielen antiken Göttern, die nie einen Fuß nach Wien gesetzt haben. Und genau dort gehen wir jetzt hin.

Das Sommerschloss der Habsburger

Schloss Schönbrunn
Schloss Schönbrunn

Schloss Schönbrunn war nie nur Wohnsitz. Es war eine Bühne. Hier wurde geboren, regiert und gestorben. Franz Joseph kam hier zur Welt und ging hier auch wieder – 1916, mitten im Ersten Weltkrieg. 68 Jahre lang hatte er ein Reich zusammengehalten, das am Ende ohnehin schon in alle Richtungen knirschte. Sein Nachfolger Karl unterschrieb hier später noch die Verzichtserklärung auf den Kaiserthron. Ausgerechnet zum Faschingsbeginn am 11.11.1918. So bekam das Ende der rund 700-jährigen Herrschaft der Habsburger etwas fast Operettenhaftes – ein ganzes Reich tritt ab. Letzter Akt.

Warum im Schlosspark Schönbrunn kein Baum zufällig wächst

Schlosspark Schönbrunn - Sternbassin
Schlosspark Schönbrunn – Sternbassin

Schloss Schönbrunn war eines der großen Lebenswerke Maria Theresias und wurde unter ihr zur prunkvollen Sommerresidenz ausgebaut. Während sie sich um den Umbau des Schlosses kümmerte, steckte Franz Stephan seine Energie in die Gestaltung der Gartenanlage. Irgendjemand musste schließlich dafür sorgen, dass die Aussicht auch standesgemäß ausfällt. So entstand eine prächtige barocke Gartenwelt, in der nichts dem Zufall überlassen wurde.

Schlosspark
Schlosspark Schönbrunn

Bevor wir losgehen, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, wie ein barocker Garten eigentlich gedacht ist.
Im Barock ist Symmetrie keine Frage des Geschmacks, sondern eher eine Art Staatsräson mit ziemlich klaren Regeln und Heckenschere. Schon nach wenigen Schritten merkt man: Hier wächst nichts einfach so. Bäume stehen in Reih und Glied, Büsche sind millimetergenau geschnitten. Aus Alleen werden grüne Korridore, aus Wegen wird Führung. Jeder Schritt hat eine Richtung. Jede Sichtachse ein Ziel. Und diese Ordnung folgt einer ziemlich einfachen Logik: Ordnung bedeutet Macht. Alles ist sichtbar, alles ist gelenkt, alles hat seinen Platz.

Gloriette
Blick auf die Gloriette

Und genau dieses Prinzip bekommt hier seine große Bühne. 1765 stirbt jedoch überraschend Franz Stephan. Für einige Jahre ruht die weitere Gartengestaltung. Erst sieben Jahre nach dem Tod ihres Mannes beginnt Maria Theresia, den Garten endgültig in jene Form zu bringen, die wir heute noch durchqueren. Während sie das Schloss weiter ausbauen lässt, kümmert sich Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg um die weitere Gartengestaltung. So entstehen innerhalb weniger Jahre jene barocke Landschaft, die wir heute als selbstverständlich wahrnehmen – mit Gloriette, Neptunbrunnen, Obelisk und Römischer Ruine entlang einer streng gedachten Ordnung.

Das „Große Parterre“ – wo alles beginnt, aber nichts zufällig ist

Gloriette und Neptunbrunnen
Schlosspark Schönbrunn – Das „Große Parterre“ mit Neptunbrunnen und Gloriette

Wir starten im „Großen Parterre“ zwischen Schloss und Hügel. Und schon hier wird klar: Das ist kein Spaziergarten. Das ist eine Bühne.

Statue - Raub der Helena
Schlosspark Schönbrunn: Raub der Helena

Links und rechts stehen 32 Statuen aus der antiken Mythologie. Helden, Götter, Halbgötter – eine ziemlich eindrucksvolle Gesellschaft, die einem beim Lustwandeln begleitet. Wesentlicher Bestandteil dieser Mythologie sind Homers Ilias, der Krieg um Troja und Vergils Aeneis. Der Bildhauer Wilhelm Beyer hat diese Figuren mitgestaltet. Von ihm stammt auch ein bemerkenswertes Zitat:

Freylich werden auf diese Art angebrachte Statuen dem Pöbel, der keine Kenntniß von Mythologie hat, kein feines und beziehendes Gefühl erwecken […]
Wilhelm Beyer, Bildhauer

Statue - Januns und Bellona
Schlosspark Schönbrunn: Januns und Bellona

Heute stehen genau hier Menschen aus aller Welt, bleiben kurz stehen, heben das Handy, machen ein Foto und gehen weiter. Für die einen sind es einfach „alte Figuren“, für die anderen ein ziemlich dankbarer Hintergrund für ein Foto. Die Statuen nehmen das erstaunlich gelassen hin. Sie stehen seit Jahrhunderten da und haben vermutlich beschlossen, auch das noch auszuhalten.

Schloss Schönbrunn
Schloss Schönbrunn

1908 wurde dieser Ort kurzzeitig zum Mittelpunkt Wiens, als über 80.000 Schulkinder dem Kaiser gratulierten. Ein Moment, der irgendwo zwischen Gänsehaut, Pflichtgefühl und ordentlich Choreografie liegt. Stefan Zweig hat diese Szene in Die Welt von gestern eindrücklich festgehalten. Er beschreibt, wie Franz Joseph „von der großen Treppe, umringt von seiner Familie und den schmucken Uniformen der Generäle, die Huldigung der Schüler entgegennahm, die mit ihren dünnen Stimmen in rührendem Massenchor Haydns Kaiserhymne sangen“.

Neptun durfte hier den Kaiser spielen

Neptunbrunnen
Neptunbrunnen im Schlosspark Schönbrunn

Ein paar Schritte weiter wartet der Neptunbrunnen. Neptun steht hier nicht einfach herum. Er inszeniert sich. Umgeben von Nymphen, Figuren und ziemlich viel barocker Dramatik. Und natürlich ist das kein Zufall. Im Barock war Symbolik so etwas wie die zweite Amtssprache. Neptun ist hier nicht nur Meeresgott, sondern ziemlich eindeutig ein Stellvertreter des Kaisers. Ordnung über das Wasser, Ordnung über das Reich – die Logik ist angenehm direkt. Man hätte vermutlich auch einfach „Kontrolle“ draufschreiben können, aber das wäre dann doch zu ehrlich gewesen.

Die Gloriette – Maria Theresias schönstes Aussichtszimmer

Gloriette
Die Gloriette im Schlosspark Schönbrunn

Jetzt geht es langsam bergauf. Der Weg zur Gloriette zieht sich in eleganten Serpentinen den Hügel hinauf. Und während man steigt, stellt sich leise die Frage, ob das früher wirklich als Spaziergang gedacht war oder eher als höfische Fitnessprüfung. Die Gloriette selbst wurde als Ruhmestempel im Schlosspark Schönbrunn errichtet – zur Erinnerung an einen Moment, in dem man zeigen wollte: Ja, wir haben auch einmal gewonnen. Und das ausgerechnet gegen den Preußen-König Friedrich den Großen, dem die habsburgische Armee im Siebenjährigen Krieg ihre erste Niederlage beibrachte.

Gloriette
Die Gloriette im Schlosspark Schönbrunn

Oben angekommen stellt sich übrigens dieselbe Frage wie seit rund 250 Jahren: Schaut man zuerst auf die Aussicht – oder tut man zumindest kurz so, als würde einen die Architektur interessieren? Viele der Steinsäulen, Kapitelle und Arkadenbögen stammen aus dem Schloss Neugebäude. Maria Theresia hatte es zuvor recht unaufgeregt zu einem Schießpulverdepot umfunktioniert. Als man später Baumaterial für die Gloriette brauchte, nahm man, was noch brauchbar war. Nachhaltiges Recycling war also auch im 18. Jahrhundert schon ein Thema – nur mit etwas mehr Anspruch auf Ewigkeit.

Frühstück mit Aussicht – und ein paar unausgesprochenen Geschichten

Gloriette
Die Gloriette im Schloss Schönbrunn Park

Die Gloriette war tatsächlich einmal Frühstücksort. Kaiser Franz Joseph soll hier oben gesessen haben, mit Blick über Wien. Sehr wahrscheinlich nicht allein. Katharina Schratt spielte in dieser Geschichte eine Rolle, die man höflich als „diskret präsent“ bezeichnen könnte. Die Burgschauspielerin war eine der bekanntesten Theaterfiguren ihrer Zeit, lebte durchaus großzügig und hatte eine ausgeprägte Vorliebe für ein entsprechendes Lebensniveau – das nicht immer ganz ohne kaiserliche Unterstützung auskam.

Gloriette
Die Gloriette im Schloss Schönbrunn Park

Franz Joseph überhäufte sie mit Geschenken, schenkte ihr eine Villa nahe Schönbrunn und half auch sonst gelegentlich aus, wenn die finanzielle Lage wieder etwas unruhiger wurde. Sisi wiederum hielt sich von dieser Konstellation konsequent fern – vorzugsweise unterwegs. Jahrelang galt Schratt als die engste Vertraute des Kaisers, was im höfischen Umfeld zwar nie offiziell benannt, aber auch nie wirklich übersehen wurde.

Die Römische Ruine – schön kaputt, aber absichtlich!

Römische Ruinen
Die römischen Ruinen im Schlosspark Schönbrunn

Wir spazieren nun wieder den Schönbrunner Berg hinunter – oder „laufen“, wie auch der unportlichste unserer Lieblingsnachbarn sagen würde. Ein Begriff, der in Wien ungefähr die gleiche Wirkung hat wie jemand, der im Kaffeehaus nur einen Kaffee bestellt. Bei uns geht man. Vielleicht auch zügig. Aber man läuft nicht gleich, nur weil man sich bewegt. Das klingt immer so, als hätte man es besonders eilig oder würde mit keuchender Zunge einer U-Bahn hinterher hetzen. Während wir noch über sprachliche Feinheiten philosophieren, hat die Römische Ruine offenbar beschlossen, einfach am Wegesrand aufzutauchen. Römische Ruine Schönbrunn ist genau das, was der Name sagt – nur eben absichtlich so gebaut. Künstliche Ruinen galten zur Zeit Maria Theresias als der „letzte Schrei“ in der Gartengestaltung.

Römische Ruinen
Die römischen Ruinen im Schlosspark Schönbrunn

Ursprünglich hieß die 1778 von Hohenberg entworfene Römische Ruine „Ruine von Karthago“ – ein ziemlich selbstbewusster Verweis darauf, wie Imperien mit anderen Imperien umgehen. Gemeint war der Sieg Roms über den Erzfeind Karthago. Da sich die Habsburger gerne als Nachfolger der römischen Kaiser sahen, wurde das in Trümmern liegende Karthago so etwas wie eine steinerne Warnung an die Gegner des Hauses: „Seht her, so ergeht es euch, wenn ihr es euch mit uns verscherzt“.

Schon wieder eine Liebschaft des Kaisers?

Römische Ruinen
Die römischen Ruinen im Schlosspark Schönbrunn

Ob Kaiser Franz Joseph mit Anna Nahowski wohl jemals bei einem Spaziergang über die Symbolik der Römischen Ruinen philosophiert hat, ist nicht überliefert. Kennengelernt haben sich die beiden 1875 jedenfalls tatsächlich bei einem morgendlichen Spaziergang im Schlosspark. Der Kaiser soll sie dabei mit den Worten angesprochen haben: „Sie gehen aber fleißig spazieren.“

Römische Ruinen
Die römischen Ruinen im Schlosspark Schönbrunn

Was als zufällige Begegnung begann, entwickelte sich zu einer über zehn Jahre andauernden, diskreten „Gspusi“ – beobachtet von der Geheimpolizei, allerdings ohne dass selbst Franz Joseph davon Kenntnis gehabt haben dürfte. Aus dieser Verbindung stammt möglicherweise auch Anna Nahowskis Tochter Helene, die später die Frau des Komponisten Alban Berg wurde. Als Franz Joseph später Katharina Schratt kennenlernte, endete die Beziehung zu Anna still und unaufgeregt – mit einer großzügigen finanziellen Abfindung, wie es in höfischen Angelegenheiten gelegentlich üblich war.

Der Brunnen, der dem Schloss seinen Namen gab

Der schöne Brunnen
Der Schöne Brunnen von Schloss Schönbrunn

Zwischen Römischer Ruine und Obeliskenbrunnen steht etwas abseits der „Schöne Brunnen“, der dem Schloss seinen Namen gab. Errichtet wurde das Brunnenhaus 1771 vom Hofarchitekten Isidore Canevale. Drinnen wacht die Quellnymphe Egeria über das Wasser – zumindest in steinerner Form. Aus ihrer Amphore floss einst jenes Quellwasser, das am Hof als besonders begehrt galt.

Der schöne Brunnen
Quellnymphe Egeria im Schönen Brunnen

Vermutlich labte sich auch hier Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sisi, nach einem ihrer Morgenspaziergänge durch den Schlosspark. Sisi spazierte allerdings nicht. Sie marschierte – in einem Tempo, das ihre Hofdamen regelmäßig an sportliche Grenzerfahrungen heranführte.

Statue - Rhea Kybele
Im Park von Schloss Schönbrunn

Man stelle sich nur diese skurrilen Anblick vor: Sisi eilte vorneweg, und in respektvollem Abstand folgten die Hofdamen, schwer nach Luft keuchend. „Ich bin totgegangen!“, soll die Hofdame Gräfin Festetics nach einem besonders anstrengenden Spaziergang gestöhnt haben.

Der Obelisk – wenn Ruhm in Stein gemeißelt wird

Obeliskbrunnen
Der Obilisk im Schlosspark Schönbrunn

Am Ende unseres Spaziergangs durch den Schönbrunner Schlosspark wartet der Obeliskbrunnen. Ein Monument, das schon aus der Ferne signalisiert: Hier geht es um Bedeutung.

Obeliskbrunnen
Der Obelisk im Schlosspark Schönbrunn

Der Obelisk wurde mit unzähligen Hieroglyphen versehen, die vom Ruhm und der Regentschaft Maria Theresias berichten sollen – die Kaiserin selbst wurde dabei sogar als Göttin Isis dargestellt. Eine durchaus selbstbewusste Bildsprache.

Obeliskbrunnen
Der Obelisk im Schlosspark Schönbrunn

Getragen wird das Ganze von vier goldenen Schildkröten, die Stabilität und Ewigkeit des Habsburgerreiches symbolisieren sollen. Kurios bleibt dabei vor allem eines: Als der Obelisk 1777 aufgestellt wurde, konnte niemand die ägyptischen Schriftzeichen tatsächlich lesen. Das gelang erst Jahrzehnte später, 1822, nach der Entzifferung des Steins von Rosetta. Das ist vielleicht das Schönste an dieser Geschichte: Man hat vorsorglich Ruhm in Stein gehauen und darauf vertraut, dass er später schon irgendwie stimmen wird.

Najaden-Brunnen
Najaden-Brunnen

Hier endet nun unser kleiner Spaziergang durch den Schlosspark Schönbrunn und wir wünschen Euch viel Spass beim „Nachgehen“ dieser Tour.

Fotoalbum

Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einem Spaziergang durch den Schönbrunner Schlosspark inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Tour findet Ihr im Fotoalbum unter: SCHLOSS UND SCHLOSSPARK VON SCHÖNBRUNN

Hinweis: Erstfassung Jänner 2021, umfassend aktualisiert und überarbeitet Juni 2026