HELENENTALRAWEG – DAS WEGERL IM HELENENTAL …

Der Reiseführer “Wienerwald für Entdecker” inspirierte mich zu dieser kleinen KulturRadtour durch das wildromantische Helenental. Ausgangspunkt der Radtour ist das wunderschöne Baden bei Wien.

Baden bei Wien und die Zeit des Biedermeiers

Baden Kaiserhaus

Den Aufstieg zum mondänen Kurort verdankt Baden dem “guten” Kaiser Franz I. Auf der Suche nach einer Sommerresidenz fiel die Wahl auf ein Stadtpalais in Baden. Reiche Bürger, Adelige und Künstler, die auch im Sommer die Nähe zum Kaiser suchten, folgten dem Kaiser umgehend. Sie ließen sich elegante Villen errichten und verbrachten im Kurort Ihre Sommerfrische. Seither ist Baden voller wunderbarer Bauwerke und reich an Anekdoten.

Marktplatz

Rathaus Baden

Bevor ich mich auf den Weg ins Helental mache, unternehme ich noch einen kleinen Spaziergang durch die ehrwürdige Kurstadt. Ich beginne meinen Rundgang am Marktplatz mit dem schlichten Kaiserhaus, dem imposanten Rathaus von Joseph Kornhäusel und der barocken Pestsäule.

Baden bei Wien

Über den “lieben” Kaiser Franz kursieren in Baden eine Menge an Anekdoten, wie zum Beispiel diese: Bei seinen Aufenthalten in Baden spielte der Kaiser Geige in einem Streichquartett im Haus des Greißlers Posch in der Wassergasse. Es heißt, wenn das Quartett bei offenem Fenster musizierte, dann war nur ein ganz jämmerliches Kratzen zu hören, sodass mancher Badener voller Verwunderung vor dem Fenster stehen blieb.

Baden bei Wien

Und noch eine Anekdote. Sie hat nur am Rande mit dem Kaiserhaus zu tun und handelt vom letzten kaiserlichen Hofzwerg. Der Zwerg hieß Mathias Gullia, war 89 cm groß und verstarb 1866 in Baden. Der Titel “Hofzwerg” existierte bis 1848 tatsächlich. Nach dem Ausscheiden aus dem kaiserlichen Zwergenstand arbeitete er als Kassier im ehemaligen Josefsbad. Kurios ist sein Tod. Die Presse wusste zu berichten, dass er “in Folge des Genusses von 24 Zwetschkenknödel starb, die wohl sein kleiner Magen nicht zu verdauen vermocht hatte.”

Kurpark am Kaiser Franz Ring

Baden bei Wien, Kurpark

Nur einen Katzensprung vom Marktplatz entfernt befindet sich der Kurpark. Über das gesellschaftliche Treiben im Kurpark schrieb Karl Friedrich Zelter seinem Freund Goethe im Jahr 1819 folgendes: “Der Park ist Sonntags wie ein türkisches Paradies. Was an schönen Weibern in Wien ist, stellt sich hier nach 11 Uhr ein, aufs anmutigste geputzt und gestutzt, dass man lauter Augen sein möchte. Es gibt viele schöne Frauen hier, besonders von mittlerem Alter, glatt, rein, weder bedeckt noch versteckt”.

Baden bei Wien, Kurpark

Franz Grillparzer blieb hingegen vom Anblick der schönen Frauen unbeeindruckt. Der österreichische Nationaldichter lauschte lieber den täglichen Kurkonzerten und konzipierte dabei seine Tragödie “Das goldene Vlies”. Der weitläufige Kurpark lädt zu langen Spaziergängen ein. Wer Lust und Laune hat, könnte noch zum Beethoven-Tempel gehen, der einen schönen Blick über baden bietet.

Beethovenhaus in der Rathausgasse 10

Beethovenhaus Baden

Ich spaziere noch beim Beethovenhaus vorbei, einem kleinen feinen Museum, welches sich im ehemaligen Wohnhaus Ludwig van Beethovens befindet. Beethoven verbrachte 15 Jahre lang seine Sommer in Baden und komponierte hier seine 9. Symphonie.

Arnulf Rainer Museum am Josefsplatz 5

Arnulf Rainer Museum

Das Arnulf Rainer Museum befindet sich im ehemaligen “Frauenbad”, das 1821 im Stil des französischen Klassizismus errichtet wurde. Nach Einstellung des Badebetriebs in den 1970er Jahren wurde das Baujuwel umfassend restauriert und zu einem Museum umgebaut. Dieses ist dem in Baden geborenen Maler Arnulf Rainer gewidmet.

Auf ins Helenental

Wegerl im Helenental

Diejenigen, die sich zu Kaisers Zeiten keine Villa leisten konnten, fuhren für eine Landpartie nach Baden. Man unternahm zuerst einen kleinen Spaziergang in der freien Natur und danach ließ man den Tag beim Heurigen oder in einem der zahlreichen Gasthäuser entlang der Strecke ausklingen. Nachdem sich diese Wanderungen durch den Wienerwald bei Bürgern und Künstlern steigender Beliebtheit erfreuten, wurde eine Promenade am linken Schwechatufer bis zur Krainerhütte angelegt. Und das legedäre “Wegerl im Helenental” war geboren .

Ich kenn ein kleines Wegerl im Helenental, dass ist für alte Ehepaare viel zu schmal …

Alexander Steinbrecher
Baden Doblhoffpark

Mit dieser bekannten Melodie auf den Lippen beginne ich meine kleine “Bike and Sightseeing”-Tour durch das wildromantische Helenental. Als Ausgangspunkt eignet sich der Doblhoffpark, wo man recht gut mit dem Auto parken kann. Bereits einen Kilometer später und der Überwindung eines kleinen Anstiegs erreiche ich mein erstes Ziel, den “Grabstein der Weilburg”.

Ich bau Dir ein Schloss …

Grabstein der Weilburg

“Ich bau dir ein Schloss, so wie im Märchen …”, dachte sich der frischverliebte Erzherzog Karl, der legedäre “Sieger von Aspern”. Er hatte gerade die Frau seines Lebens gefunden. Als Beweis seiner Liebe ließ er für seine junge Gemahlin Henriette die Weilburg durch den Architekten Josef Kornhäusl an dieser Stelle errichten.

O wäre mein Arm vermögend genug, solches Gebäude, wohin es gehört, zu verschieben!

Ludwig van Beethoven

Beethoven, der auf Schloss Weilburg öfter zu Gast war, gefiel der “neumodische” Bau überhaupt nicht. Er hätte die Weilburg am liebsten an eine andere Stelle versetzt oder gleich abgerissen. Sein Wunsch ging knapp 140 Jahre später in Erfüllung. Das Schloss geriet in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges in Brand und wurde schwer zerstört. Die Reste der Ruine wurden in den 1960er Jahren endgültig geschliffen. Übrig blieb nur der Wappenstein, der an die Weilburg erinnert.

Spuk in der Burgruine Rauheneck

Am Weg zur Burgruine Rauheneck

Vom Wappenstein führt auch ein etwa 500 Meter langer Wanderweg zur Burgruine Rauheneck.

Burgruine Rauheneck

Das Rad lasse ich beim Wappenstein stehen und mache mich zur Fuß auf den Weg. Nach zehn Minuten und der Überwindung zahlreicher knarrender Holzstufen stehe ich am Bergfried der Ruine. Von hier hat man einen wunderbaren Ausblick auf das Helenental, die Stadt Baden und die Ruine Rauhenstein auf der vis-a-vis Seite des Tals.

Ruine Rauhenstein

Vielleicht trefft Ihr auch auf den alten Ritter Turso, der hier als Geist sein Unwesen treiben soll. Wer den armen Geist erlösen will, hier eine kleine Checkliste, welche Aufgaben erfüllt sein müssen, dass seine Seele Ruhe findet.

Checkliste:

Es muss…

  • am Bergfried der Burg Rauheneck eine Föhre wachsen
  • aus dem Holz der Föhre eine Wiege gezimmert werden
  • in dieser Wiege ein Sonntagskind geschaukelt werden
  • dieses Kind Priester werden
  • dieser Priester seine erste Messe lesen

Erst wenn alle diese Aufgaben erfüllt sind, dann findet die Seele von Ritter Turso ihre Ruhe. Was der arme Turso verbrochen hat, dass er so hart bestraft wurde, darüber schweigt die Geschichtsschreibung.

Urtelstein – Das Verkehrshindernis

Urtelstein

Zurück zum „Grabstein der Weilburg“. Ich schwinge mich auf das Rad und genieße die kurze Abfahrt ins Tal. Von nun an geht es – mehr oder weniger eben – immer entlang der Schwechat. Zahlreiche Bankerl und Rastplätze laden zum Verweilen ein. An besonders heißen Tagen kann man in der Schwechat auch seine Füße wunderbar kühlen.

Nächstes Ziel ist der Urtelstein. Jahrhundertelang versperrte der mächtige Fels das Helenental. Eine Umfahrung war für Kutscher nur durch die Schwechat oder auf einem schmalen Holzsteg möglich. Insbesondere der Weg durch die Schwechat hatte seine Tücken. Denn beim Urtelstein bildete die Schwechat einen Strudel, der Kutscher, Pferde und Wagen bei höherem Wasserstand gerne in die Tiefe zog.

Das musste sich – als das Helenental vom guten Kaiser Franz als Ausflugsziel entdeckt wurde – rasch ändern. Der Fels wurde mit 15.000 Sprengschüssen beschossen. Und schon war die gefahrenlose Durchfahrt Richtung Mayerling und Heiligenkreuz möglich.

Bewahre uns vor Seuchen

Erinnerungen an einen berühmten Komponisten

Den Abschnitt zwischen Urtelstein und Cholerakapelle schätze Beethoven wegen seiner Unberührtheit ganz besonders. Ein Spaziergang durch das Helenental war es auch, der Beethoven zu seiner „Ode an die Freude” – der Europahymne – inspirierte.

Schwechater Au

Flott erreiche ich mein nächstes Ziel beim Gasthaus “Zur Cholerakapelle”.

Cholerakapelle

Ein schmaler Weg führt am westlichen Ende des Parkplatzes zu einer kleinen Wallfahrtskapelle, die ein Wiener Bürgerpaar aus Dankbarkeit für die Verschonung vor der Cholera stiftete.

Die Tragödie von Mayerling

Jagdschloss Mayerling

Der Helenentalradweg endet leider in Sattelbach, knapp neun Kilometer nach meinem Ausgangspunkt. Um mein letztes Ziel “Mayerling” zu erreichen, muss ich meine Radtour auf der Bundesstraße 210 fortsetzen, die leider stärker befahren ist.

Rund vier Kilometer später erreiche ich jenes ehemalige Jagdschloss, wo sich die Tragödie von Mayerling ereignete. In der Nacht zum 30. Jänner 1889 erschoss Kronprinz Rudolf zuerst seine Geliebten Mary Vetsera und beging anschließend Selbstmord. Es könnte aber auch anders gewesen sein. Nichts Genaues weiß man nicht. Zurück nach Baden nehme ich den gleichen Weg.

Fazit

Ein kleiner feiner Kulturradweg mit interessanten Sehenswürdigkeiten. Leider ist die Fahrt nach Mayerling nur auf einer stärker befahrenen Straße möglich.

Streckenplan

Tourdaten

Radweg-Symbol: Radweg Nr 40 bzw grünes Schild mit Aufschrift Helenentalradweg

Schwierigkeit: leicht, immer entlang der Schwechat: ca 9 km (eine Richtung Doblhoffpark – Sattelbach, + 4 km bei Verlängerung nach Mayerling)

Highlights dieser Tour:

  • Gedenkstein Weilburg
  • Burgruine Rauheneck
  • Cholerakapelle
  • Jagdschloss Mayerling

GPS-Daten: Route 3463461

Der Weg ist sehr gut ausgeschildert und bis Sattelbach sehr familienfreundlich.