RUNDWANDERWEG ZUM PEILSTEIN UND ZUR WALLFAHRTSKIRCHE HAFNERBERG

Der sechzehn Kilometer lange Rundwanderweg “Die große Peilsteinrunde über den Hafnerberg” führt von Weissenbach über die Wallfahrtskirche am Hafnerberg auf den Peilstein, dem beliebtesten Kletterberg der Wiener.

Weissenbach an der Triesting

Weissenbach/Triesting

Weissenbach ist Ausgangspunkt unserer rund 16 km langen Peilsteinrunde zum Hafnerberg und Peilstein. Mit morgendlichem Elan marschieren wir vom Bahnhof Weissenbach los. Erstes Ziel ist ein Denkmal neben der neogotischen Herz-Jesu-Kirche.

Weissenbach/Triesting

Es erinnert an den Unternehmer Adolph von Pittel. Baron Pittel gilt als Pionier der österreichischen Zement- und Betonindustrie. Frühzeitig erkannte der Unternehmer das Potenzial von Weissenbach als Sommerfrische. Er investiert großzügig in Gastronomie- und Hotelbetriebe, lässt Parkanlagen errichten und engagiert sich für den Bau der Eisenbahn durch das Triestingtal. Von der Fertigstellung der Leobendorfer-Bahn profitierte auch der Nachbarort Neuhaus. Dazu aber später am Ende der Wandertour. 

Große Peilsteinrunde

Wir verabschieden uns von Baron Pittel, wandern weiter und folgen der blauen Markierung. Die nächsten fünf Kilometer sind abwechslungsreich. Wiesen und Mischwälder wechseln sich ab.

Große Peilsteinrunde

Das Laub beginnt sich langsam zu verfärben. Der Weg führt leicht bergauf und ist einigermaßen gut markiert. Schon bald kommt die Wallfahrtskirche Hafnerberg in Sicht.

Wallfahrtskirche am Hafnerberg

Wallfahrtskirche Hafnerberg

Die Wallfahrtskirche am Hafnerberg liegt an der Via Sacra, dem legendären Pilgerweg von Wien nach Mariazell. Wie so oft, beginnt die Geschichte eines Wallfahrtsortes mit einem Wunder. Die Gattin eines Müllermeisters reiste einst in der Kutsche nach Mariazell.

Wallfahrtskirche Hafnerberg

Am Hafnerberg geraten die Pferde in Panik und gehen durch. Das Gespann droht einen Hang hinunterzustürzen. Doch himmlische Hilfe bringt Kutsche und Pferde rechtzeitig zum Stehen. Zum Dank für die wundersame Errettung seiner Frau stiftete der Müllermeister eine Mariensäule.

Wallfahrtskirche Hafnerberg

Und dann passiert 1716 noch ein Wunder. Wieder sind Pilger am Weg nach Mariazell. Am Annaberg nimmt die Pilgerreise für ein Ehepaar ein jähes Ende. Die Pest grassiert allerorts und die Weiterreise nach Mariazell ist verboten. Das Paar kehrt um. Als die Nacht einbricht, suchen sie ein Übernachtungsquartier. Doch die Türen bleiben wegen der Ansteckungsgefahr mit der Pest fest verschlossen.

Wallfahrtskirche Hafnerberg

Am Hafnerberg erflehen sie Beistand von der Gottesmutter, die ihre Gebete erhört. Dem Paar wird in einem nahen Haus Unterkunft gewährt. Aus Dankbarkeit lässt das Ehepaar anstelle der Mariensäule eine Kapelle am Hafnerberg errichten. Weitere Wunder ziehen immer mehr Pilger an. Der rege Pilgerstrom macht bald eine Erweiterung der Kapelle notwendig, bis schließlich der Bau der barocken Wallfahrtskirche beschlossen wird.

Große Peilsteinrunde

Genug von Wundern und Legenden. Setzen wir den Weg zum Peilstein fort. Die nächsten zwei Kilometer sind noch gemütlich zum Gehen. Beim Mostheuriger Karner ist der gemütliche Teil der Strecke vorbei, von nun an geht’s bergauf. Wir folgen der rot-weiß-roten Markierung. Am teils steilen und steinigen Wanderweg machen wir nur langsam Höhenmeter.

Peilstein

Peilsteinhaus

Nach rund drei Kilometern erreichen wir das Schutzhaus und Gipfelkreuz am Peilstein. Der 716 m hohe Peilstein ist wegen seiner steil abfallenden Felswände ein beliebtes Kletterziel.

Peilsteigipfel

Unzählige Kletterrouten führen zum Gipfelkreuz, die zum Teil schräge Namen tragen: Klobrille, Hexeneinmaleins oder Mary Vetseras Schicksalsschlag.

Peilsteigipfel

Vom Gipfelkreuz des Peilsteins haben wir freie Sicht zur Wallfahrtskirche am Hafnerberg, zum Hocheck und Schöpfl. Am Horizont Rax und Schneeberg. Oder doch nicht? Wir sind uns nicht sicher.

Große Peilsteinrunde

Nach einer kurzen Rast im Gastgarten der Peilsteinhütte treten wir den Abstieg nach Neuhaus an. Die rot-weiß-rote Markierung weist uns den Weg. Über Stock und Stein geht es bergab. Das Knie beginnt zu schmerzen und der kleine Zeh auch. Man wird nicht jünger.

Burg Neuhaus

Schloss Neuhaus

Nach drei Kilometern ist der Abstieg fast überstanden. Kurz vor Neuhaus erreichen wir eine Weide mit einem 1A-Blick auf die Burg Neuhaus. Um 1240 errichtet, wird die Burg 1683 von den Muselmanen geplündert und niedergebrannt. Kaiser Karl VI, der Vater von Maria Theresia, lässt die Burg persönlich wieder instand setzen und eine Spiegelmanufaktur einrichten.

Schloss Neuhaus

Eine Gedenktafel im Burghof erinnert daran. Auf Betreiben von Maria Theresia zieht eine Volksschule in die Burg ein. Doch das ist Schnee von gestern. Heute befindet sich die Burg zum Teil in Privatbesitz, der andere Teil gehört der Erzdiözese Wien.

Neuhaus

Neuhaus - Curhotel Stefanie

Wir folgen dem Burgsteig hinunter nach Neuhaus, das um die Jahrhundertwende als “Perle des Triestingtals” in zeitgenössischen Reiseführern angepriesen wurde. Tatsächlich zählte Neuhaus zu den mondänen Kurorten der kuk Monarchie. Mit der Fertigstellung der Leobersdorfer-Bahn um 1890 setzte ein regelrechter “Sommerfrische-Boom” ein. Die betuchten Bürger Wiens stürmten das Umland, suchten nach Erholung, Zerstreuung und Amüsement.

Neuhaus Curhotel d´Orange

Simon Graf Wimpffen schuf aus dem Nichts das perfekte Urlaubsdomizil für die Reichen und Schönen der Donaumetropole. Der Graf schneiderte für jeden Geldbeutel das richtige Angebot. Für die ärmere Bevölkerung baute er Lufthütten, kleine Holzhütten, die für kleines Geld gemietet werden konnten. Die gehobene Mittelschicht quartierte sich in den Nobelhotels ein, wie dem Curhotel d’Orange. Dieses galt als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens des Fin de siècle.

Neuhaus - Villen

Für Adel und Großbürgertum mit ihren Dienstboten ließ der Graf Villen in unterschiedlichen Größen errichten. Selbst der Kaiser weilte in Neuhaus öfter zu Gast, spazierte durch den Kurpark oder ritt zur Jagd in die umliegenden Wälder.

Neuhaus

Die anderen Gäste von Neuhaus vergnügten sich in der Rollschuhhalle, maßen ihr Können bei einer Partie Tennis oder spielten eine Runde Crocket. Mit den Schüssen auf den Thronfolger in Sarajewo 1914 begann das Ende der Sommerfrische und von Neuhaus.

Weissenbach/Triesting

Von Neuhaus ist es nur mehr ein Katzensprung bis zum Ausgangspunkt zurück.

Streckenplan Peilsteinrunde über Hafnerberg

Tourdaten Peilsteinrunde

Wanderweg-Symbole: blau-weiße bzw rot-weiß-rote Markierung; es empfhielt sich eine Karte

Schwierigkeit: mittel

Strecke: ca 15 km  

Highlights der Strecke:

  • Panoramablick vom Peilstein
  • Wallfahrtskirche Hafnerberg
  • Ruine Neuhaus

Es empfiehlt sich eine Karte der Region mitzunehmen oder die GPS-Daten runterzuladen.