PERCHTOLDSDORF – EIN SPAZIERGANG ZU WEIN UND KULTUR

Entdeckt die Sehenswürdigkeiten von Perchtoldsdorf, spaziert dann durch die Weinberge und lasst den Ausflug bei einem Heurigen ausklingen.

Der bekannte Weinort Perchtoldsdorf, im Volksmund Petersdorf auch genannt, ist der Ausgangspunkt unseres »Wein und Kultur«-Spazierganges, welchen wir Euch in diesem Beitrag vorstellen wollen.

Am Marktplatz von Perchtoldsdorf

Wehrturm und Detail der Pestsäule von Perchtoldsdorf

Beginnt Euren Spaziergang durch Perchtoldsdorf am besten beim 60 Meter hohen Wehrturm am Marktplatz. Das unübersehbare Wahrzeichen des Ortes zählt zu den größten erhaltenen Wehrtürmen Österreichs und ist ein Meisterwerk des Spätmittelalters. Durch seine Höhe konnten die Perchtoldsdorfer feindliche Angreifer schon von weitem erkennen. Und davon gab es viele. 1529 schauten zum ersten Mal die türkische Streitscharen vorbei, deren Angriffe jedoch erfolgreich abgewehrt werden konnten.

Wehrturm von Perchtoldsdorf

1683 kamen sie wieder und richteten großes Unheil an. Nach kurzer Belagerung bot der der befehlshabende Pascha den Verteidigern des Ortes überraschenderweise eine ehrenvolle Kapitulation gegen Lösegeld an. Die Perchtoldsdorfer willigten ein, zahlten das Lösegeld und wurden anschließend entwaffnet. Danach befahl der Pascha die Bewohner zu massakrieren. Nur schöne Frauen wurden verschont, da diese auf den Sklavenmärkten gutes Geld einbrachten.

Gedenktafel an die Türkenbelagerung

Die einzelnen Schauplätze dieses Kriegsverbrechens könnt ihr bei Eurem Spaziergang über den Marktplatz noch heute entdecken. Gedenktafeln mit Buchstaben erinnern an das blutige Gemetzel. Diese befinden sich beim Wehrturm, im kleinen Park neben dem Wehrturm, bei der Pestsäule, beim Rathaus und vor dem Pfarrhof.

Pfarrkirche von Perchtoldsdorf

Kirche und Martinikapelle

Nur ein paar Schritte vom Wehrturm entfernt steht die Pfarrkirche von Perchtoldsdorf. Das dem hl Augustinus geweihte Gotteshaus verdankt sein heutiges Aussehen einem Pfarrer Ebendorfer, der die Kirche im spätgotischen Stil großzügig umbauen ließ. Von der einst reichhaltigen gotischen Ausgestaltung ist nach der Plünderung und Brandlegung durch die türkischen Barbaren im Jahr 1683 wenig erhalten geblieben. Vermutlich ist Euch aufgefallen, dass die Kirche über keinen eigenen Kirchturm verfügt. Diese Rolle hat schon seit Jahrhunderten der Wehrturm übernommen.

Martinikapelle

Martinikaelle

Gleich neben der Pfarrkirche befindet sich die spätgotische Martinikapelle, die einst als Friedhofskapelle und Karner diente. Heute wird das ehemalige Beinhaus als Gedenkstätte der Gefallen beider Weltkriege genutzt.

Burg von Perchtoldsdorf

Burg von Perchtoldsdorf

Hinter der Pfarrkirche erhebt sich die Burg von Perchtoldsdorf, deren Ursprünge ins 11. Jhdt zurück gehen. Sie wurde zusammen mit vielen weiteren Burgen am Ostrand des Wienerwaldes errichtet, um das Reich der Babenberger vor den immer wieder einfallenden Ungarn zu schützen. Dem ersten Türkensturm im Jahre 1529 konnte sie standhalten, beim zweiten Angriff der Türken im Jahr 1683 wurde sie ein Raub der Flammen und fortan dem Verfall preisgegeben. Nach aufwendigen Sanierungsmaßnahmen befindet sich heute ein Kultur- und Veranstaltungszentrum darin.

Pestsäule von Perchtoldsdorf

Detail der Pestsäule

Während Wehrturm, Kirche, Karner und Burg den Nordrand des Marktplatzes dominieren, befindet sich im Zentrum des Platzes eine Dreifaltigkeitssäule, die an die Pestepidemie des Jahres 1713 erinnert. An der Südseite der Pestsäule könnt ihr ein Sockelrelief mit der Darstellung der Pest in Wien entdecken, welches dem berühmten Barockarchitekten Fischer von Erlach zugeschrieben wird.

Pestsäule

Es wird vermutet, dass das Relief einst die Wiener Pestsäule hätte schmücken sollen. Warum es dann in Perchtoldsdorf gelandet ist, darüber schweigen aber die Geschichtsquellen.

Der Marktplatz von Perchtoldsdorf

Rathaus von Perchtoldsdorf

Nehmen wir noch den restlichen Platz genauer unter die Lupe! Gesäumt wird der Marktplatz von Häusern aus der Zeit der Spätgotik und Renaissance. Besonders sehenswert ist das Regenharthaus am Marktplatz Nr 6, das gotische Rathaus auf Nr 10 und der Strenningerhof mit seinem schönen Arkadenhof auf Nr 3.

Arkaden im Strenningerhof

Benannt ist der Hof nach Adam Strenninger. Dabei handelt es sich um jenen unglücklichen Marktrichter, der im Jahr 1683 dem türkischen Befehlshaber das Lösegeld übergeben hatte und im Anschluss daran um einen Kopf kürzer gemacht wurde.

Durch die Weingärten

In den Weingärten von Perchtoldsdorf

Vom Marktplatz biegt ihr nun in die leicht ansteigende Elisabethstraße ein, die Euch über ein Villenviertel direkt in die Weingärten führt. Gemächlich geht es durch die Rebenlandschaft, die zu jeder Jahreszeit ihren Reiz hat. Ihr spaziert dabei durch die Rieden Hochrain, Juden, Haschpl, Greiten, Hagenau oder Schirgen.

In den Weingärten von Perchtoldsdorf

Alle diese Flurnamen stammen aus dem Mittelalter und sind nicht immer einfach zu deuten. Hochrain bezeichnet eine abschüssige Lage, die Riede Juden erinnert an einen jüdischen Besitzer, Greiten weist auf gerodetes Land hin, Hagenau bedeutet Hecke und Schirgen heißt nichts anderes als »schiach«.

Der Weisse Stein

Habt ihr schon den »Weißen Stein« entdeckt, der über den Weingärten thront? Dieser erinnert an den Hiata Thomas, den Weintraubendiebe im Jahre 1422 am Fuße des Weißen Steins brutal verprügelten. Der Schwerverletzte wurde glücklicherweise rechtzeitig gefunden und  gesund gepflegt. Zu Leonhard, am 6. November, konnte sich Thomas das erste Mal wieder in die Kirche schleppen und am Gottesdienst teilnehmen.

In den Weingärten von Perchtoldsdorf

Auf diese Geschichte geht der bekannte Perchtoldsdorfer »Hiataeinzug« zurück, wo die Hiata mit der Erntedankkrone in die Kirche einziehen. Die Hiata oder Weinhüter hatten seit Jahrhunderten die Aufgabe die Weingärten – vom Beginn der Traubenreife bis zum Abschluss der Lese – zu bewachen und den Diebstahl von Trauben zu verhindern.  Dabei lebten sie in einfachen Hiata-Hüten zwischen den Rieden.

In den Weingärten von Perchtoldsdorf

Mittlerweile sind wir am Aussichtspunkt am Ende des Haspelweges angekommen, wo ihr einen schönen Ausblick auf die Weingärten von Perchtoldsdorf genießen könnt. Von hier geht es leicht bergab zum Schirigraben, der euch wieder Richtung Zentrum führt.

Hugo Wolf Haus in Perchtoldsdorf

Hugo Wolf Haus

Unser nächstes Ziel ist die Adresse Brunner Gasse Nr 26, wo ein typisches Weinhauerhaus steht, dessen Wurzeln bis in das 16. Jhdt zurückreichen. In diesem Haus wohnte der ewig mittellose Komponist Hugo Wolf. Bekannt wurde der Zeitgenosse von Gustav Mahler durch die Vertonung der Gedichte des deutschen Lyrikers Eduard Mörike. Sein Einkommen verdankte er nur der Großzügigkeit weniger Gönner.

Hugo Wolf Haus

Zu diesen zählte auch die Familie Werner, die Wolf in der Zeit zwischen 1888 und 1896 ihr Haus in Perchtoldsdorf während der Wintermonate, wenn es von ihnen nicht selbst bewohnt war, überließen. Heute ist in dem alten Gemäuer ein Hugo-Wolf-Museum untergebracht, welches an den im Jahre 1903 in einer Irrenanstalt verstorbenen Musiker erinnert.

Kreuzweg Hochberg

Kreuzweg am Hochberg

Jetzt wird es nochmals kurz sportlich. In der »Brunnen Gasse« weist uns ein Schild den Fußweg zum Kreuzweg am Hochberg hinauf. Den Kreuzweg mit seinen modernen Stationen wurde im Jahr 2003 vom Vorarlberger Bildhauer Herbert Meusburger geschaffen. Dabei wurde eine barocke Kreuzigungsgruppe, die auf der Spitze des Hochbergs steht, als zwölfte Station eingebunden.

Kreuzweg am Hochberg

Die von Meusburger geschaffenen Stationen sollen dabei nicht an die Passion Christi erinnern, sondern stellen die Gegensätze »Tod und Leben«, sowie »das Trennende und das Verbindende« dar. Ob dies dem Künstler gelungen ist, darüber müsst ihr Euch selbst ein Bild machen. Der Aufstieg zum Hochberg lohnt – dank der herrlichen Aussicht – auf alle Fälle.

Der Knappenhof in Perchtoldsdorf

Knappenhof in Perchtoldsdorf

Zum Abschluss unserer Wanderung durch Perchtoldsdorf steht noch ein Schloss, genauer gesagt ein Schlösserl, am Programm. Dieses barocke Kleinod wird gerne als schönster Profanbau Perchtoldsdorfs bezeichnet und befindet sich in der Wiener Gasse 17. Sein heutiges Aussehen verdankt der Knappenhof dem kaiserliche Hoflieferanten Johann Wolfgang Haymerle. Der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Haymerle brachte es als Tuch- und Galanteriewarenhändler zu einem beträchtlichen Vermögen.

Knappenhof in Perchtoldsdorf

Am Beginn des 18. Jhdt begann er sukzessive Grundstücke in Perchtoldsdorf aufzukaufen, sodass er bald der zweitgrößte Privatgrundeigentümer des Ortes war. Daneben nahm er als Theater- und Opernunternehmer eine wichtige Schlüsselrolle im gesamten kaiserlichen Hoftheaterleben ein. So produzierte er rund 130 Opern, Serenaden, Kammerfeste und Oratorien für den Wiener Hof. Darunter auch die Oper »Achille in Sciro«, welche zur Hochzeit von Maria Theresias mit Franz Stephan von Lothringen am Kärtnertor-Theater in Wien 1736 uraufgeführt wurde.

Knappenhof in Perchtoldsdorf

Sehenswert ist der Innenhof des Schlösserls mit einer eleganten Freitreppe, die von zwei muskelbepackten Atlanten getragen wird. Heute befindet sich im Knappenhof die »Franz-Schmidt-Musikschule«, die ihren Namen den in Perchtoldsdorf verstorbenen Komponisten Franz Schmidt verdankt.

Knappenhof in Perchtoldsdorf

Hinter dem Knappenhof lädt Euch noch die im Jahre 1983 wiederhergestellte barocke Gartenanlage zu einem kleinen Ratespiel ein. Hier stehen neun Skulpturen, die Götter aus der griechischen und römischen Mythologie darstellen. Der Weingott Bacchus ist leicht zu erraten, doch welche von den Figuren ist Flora, Herkules, Hera, Ceres, Paris, Venus, Amor oder Diana?

Nun ist es geschafft! Nach so vielen Kilometern habt ihr Euch wahrlich eine Jause und ein Glaserl Wein bei einem der zahlreichen Heurigen verdient. Wir hoffen, dass Euch unser Wein und Kultur Spaziergang durch Perchtoldsdorf gefallen hat und ihr das eine oder andere Unbekannte entdecken konntet. Viel Spaß beim »Nachwandern«!

Autorentipp
Eine weitere schöne Wanderung führt von Perchtoldsdorf durch den Naturpark Föhrenberge über Sittendorf und Mayerling nach Heiligenkreuz. Die Streckenlänge beträgt rund 16 km. Zurück von Heiligenkreuz nimmt man zuerst den Bus nach Mödling und dann weiter mit der S-Bahn nach Perchtoldsdorf. Mehr dazu im Beitrag »VIA SACRA – VON PERCHTOLDSDORF ZUM STIFT HEILIGENKREUZ«

Die Route

Marktplatz » Elisabethstraße » Haspelweg (Markierung Weinrunde) » Schirigraben » Anton Schachinger Gasse » Kunigundbergstraße » Hugo Wolf Gasse » Schwedenweg » Brunner Gasse » Kreuzweg Hochberg » Brunner Gasse » Marktplatz » Wiener Gasse
ca 7 km oder rund 10.000 Schritte