RADWEG HALLO NACHBAR – VON LAA AN DER THAYA NACH MIKULOV

Die prächtige Altstadt von Mikulov und die Kellergasse am Galgenberg prägen die Radrundtour »Hallo Nachbar, Ahoj sousede«, die in Laa/Thaya startet. Dieser schöne und grenzüberschreitende Radweg verläuft meist flach entlang des ehemaligen »Eisernen Vorhangs«, der einst Europa in Ost und West teilte. Eine Radtour mit viel Natur und Zeitgeschichte.

Laa an der Thaya – Ausgangspunkt der Radtour »Hallo Nachbar«

Laaer Burg

Laa an der Thaya ist Ausgangspunkt unserer heutigen Radtour »Hallo Nachbar, Ahoj sousede«. Das Auto parkt ihr am besten in der Nähe des Bahnhofs. Doch bevor es so richtig mit der Radtour losgeht, unternehmen wir noch eine kurze »Stadtrundfahrt« durch die von den Babenbergern gegründete alte Grenzstadt.

Rathaus Laa an der Thaya

Unser erstes Ziel ist der Stadtplatz mit seinem markanten Rathaus, welches aus Anlass des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef im Stil des Historismus errichtet wurde.

Rathaus von Laa an der Thaya

Das für eine Kleinstadt fast überdimensioniert wirkende Neorenaissance-Rathaus, sollte Laas Aufstieg zu einem politischen und wirtschaftlichen Zentrum der Region widerspiegeln.

Dreifaltigkeitssäule in Laa an der Thaya

Weiter geht es zur Stadtpfarrkirche, wo einst ein gewisser Enea Silvio Piccolomini zu seinen Schäfchen predigte. Piccolomini verglich die Stadt gerne spöttisch mit Venedig, da Laa jahrzehntelang als eine verarmte, von Sumpfland umgebene Provinzstadt galt.

»Du uralte Stadt Laa bist die Nebenbuhlerin Venedigs. So wie diese mitten im Kot, liegt jene mitten im Meer«

Enea Silvio Piccolomini
Pfarrkirche von Laa an der Thaya

Die Kirche selbst wurde im 13. Jdht errichtet und zählt zu den großen spätromanischen Gotteshäusern des Viertels. Sie ist dem Hl Vitus geweiht. Zu höheren Weihen kam auch noch Piccolomini. Der einstige Pfarrer Laas wurde 1458 als Papst Pius II auf den Stuhl Petri gewählt.

Hoffmann Mühle in Laa an der Thaya

Gleich in der Nähe der Kirche befindet sich die Hoffmann Mühle. 1526 bewilligte Kaiser Ferdinand I die Stadtmauer zu durchbrechen um eine Wassermühle zu errichten. Während das Wohnhaus der Müller innerhalb der Stadtmauer erbaut wurde, befand sich das Mühlhaus außerhalb der Befestigungsanlage.

Hoffmann Mühle in Laa an der Thaya

Die Mühle wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Der Verkaufspreis wurde stets mit einer erklecklichen Anzahl von Weinflaschen bezahlt. Ihr heutiges Aussehen verdankt die Getreidemühle der Familie Hoffmann, die diese in der Mitte des 19. Jhdt durch einen Umbau modernisierte und technisch auf den letzten Stand brachte.

Laaer Burg

Zum Abschluss unserer »Stadtrundfahrt« besuchen wir noch die Laaer Burg, die einst als Rückzugsort bei Bedrohungen diente. Der imposante Bau mit seinem Butterfassturm stammte aus dem 13. Jhdt und war für Jahrhunderte landesfürstliches Erblehen der Grafen Trautson.

Ausblick vom Butterfassturm

Auf keinem Fall solltet ihr den Ausblick vom rund 26 Meter hohen Butterfassturm versäumen. Von der Aussichtsplattform genießt ihr einen wunderschönen Panoramablick über die Stadt bis zum Buschberg oder zu den Pollauer Bergen in Mähren.

Von der Grenze über Hevlín nach Jevišovka

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Genug der Geschichte! Schwingen wir uns wieder auf das Rad und fahren Richtung Grenze. Der Grenzübertritt ist unspektakulär. Spektakuläres und Historisches hingegen passierte hier am 17. Dezember 1989. An diesem Tag durchschnitten die beiden damaligen Außenminister Mock und Dienstbier den Stacheldraht, der Österreich und Tschechien für Jahrzehnte trennte.

Am Weg zurück nach Österreich

Kurz nach der Grenze, ein Hauch von Ostblock-Charme. Da ein Grenzbunker, dort eine Wechselstube und ein Shopping-Center, wo es billigen Alkohol zu kaufen gibt.

Pfarrkirche von Hevlín

Schon bald nach der Grenze erreichen wir den kleinen Ort Hevlín (Höflein) mit einer spätbarocken Kirche am Dorfplatz. Der Blick in den reichverzierten Innenraum der Kirche ist auf alle Fälle einen Blick wert.

Sonnenblumen

Von hier radeln wir am Radweg »Hallo Nachbar, Ahoj sousede« gemütlich und ohne nennenswerte Steigungen weiter Richtung Jevišovka. Sonnenblumenfelder wechseln sich mit Getreidefeldern ab.

Am Radweg "Hallo Nachbar"

Die Monotonie der Landschaft wird nur von kleinen Wäldchen, die als Windschutz dienen oder von versteckten Bunkeranlagen, die einst zur Sicherung  der Grenze errichtet wurden, durchbrochen.

Storchen-Rastplatz bei Jevišovka

Bei Jevišovka (Fröllersdorf) lädt der gemütliche Storchen-Rastplatz für eine kurze Erholungspause ein. Wer dem Dorf einen kurzen Besuch abstatten will, muss nur über den Bahnübergang beim Rastplatz radeln. Jevišovka wurde bereits im 13. Jhdt gegründet.

Gedenksäule

Durch die wiederholte Zerstörung während der Hussitenkriege und des böhmisch-ungarischen Krieges verödete die Ortschaft. Erst mit der Ansiedlung kroatischer Familien, die am Beginn des 16. Jhdt aus ihrer Heimat vor den türkischen Invasoren geflohen waren, begann das Wiedererwachen von Jevišovka. An dieses Ereignis erinnert noch heute eine Stele beim Ortseingang.

Haus mit typischen kroatischen Stuckschmuck

Sehenswert sind neben der Ortskirche, einige Häuser mit typischen kroatischen Stuckschmuck. Während die deutschsprachige Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei fliehen musste oder brutal vertrieben wurde, siedelte man die als »politisch unverlässlich« geltenden Kroaten aus Jevišovka zwangsweise in andere mährische Dörfer im Landesinnern um.

Von Jevišovka nach Mikulov

Am Radweg nach Mikulov

Radeln wir weiter. Die Landschaft ändert sich überraschenderweise nicht. Gemüse- und Getreidefelder soweit das Auge reicht. Am Wegesrand sorgen jedoch Mohnblumen, Wiesenmargeriten und bunt blühende Distelbüsche für farbige Abwechslung.

Grenzturm

Bei Nový Přerov erinnert ein alter Wachturm inmitten von Weingärten, dass die österreichische Grenze zum Greifen nahe ist. Wo sich heute Radler mit »Ahoi« grüßen, verlief bis 1989 der »Eiserne Vorhang«, der Europa in Ost und West teilte.

Schloss Mikulov

Am gut ausgebauten Radweg geht es trotz Gegenwindes flott an den Dörfern Dobré Pole und Březí vorbei. Bereits kurz nach Březí eröffnet sich erstmals der Blick auf das imposante Barockschloss von Mikulov, welches sich majestätisch über der Stadt erhebt.

Ein Stadtspaziergang durch Mikulov (Nikolsburg)

Sgraffito-Haus und Turm der Wenzelskirche, Mikulov

Den Abstecher in das reizende mittelalterliche Städtchen Mikulov können wir absolut empfehlen. Ein gut markierter Radweg führt Euch direkt in das Zentrum der Altstadt und zum imposanten Schloss Nikolsburg.

Schloss Mikulov

Das heutige Aussehen erhielt das Schloss durch einen großzügigen Umbau in den Jahren 1719–1730 unter den Fürsten von Dietrichstein, die das Schloss im 16. Jhdt erworben hatten. Am 26. Juli 1866 war das Schloss Schauplatz eines wichtigen historischen Ereignisses. An diesem Tag wurde hier, nach der schweren Niederlage bei Königgrätz, ein Friedensvertrag zwischen Österreich und Preußen unterzeichnet.

Bürgerhaus "Zu den Rittern", Mikulov

Machen wir einen kurzen Spazieren über den sehenswerten Stadtplatz. Viele der Häuser stammen aus der Zeit der Renaissance. Besonders prachtvoll ist das Bürgerhaus »Zu den Rittern« mit seiner auffälligen Sgraffito-Fassade.

Pomonabrunnen, Mikulov

Dominiert wird der Stadtplatz vom Turm der Wenzelskirche und einer monumentalen Barocksäule, die von einem Fürsten von Dietrichstein in Auftrag gegeben wurde. Die Dietrichsteins prägten für viele Jahrhunderte das Gesicht von Mikulov.

Dietrichstein-Gruft, Mikulov

Ihre letzte Ruhestätte fanden die Mitglieder der Familie in der Dietrichstein-Gruft, am unteren Ende des Hauptplatzes. Der Kirchenbau mit den sterblichen Überresten von 45 Dietrichsteinern, wurde nach einem Entwurf von Fischer von Erlach errichtet.

Jüdischer Friedhof Mikulov

Zu einem besinnlichen Spaziergang lädt der jüdische Friedhof am nördlichen Rand der Altstadt ein. Für viele Jahre war die jüdische Gemeinde von Mikulov die größte in Mähren. Von den mehr als 4.000 Grabsteine stammt der älteste lesbare aus dem Jahr 1605.

Trauerhalle am Jüdischer Friedhof Mikulov

Die Zeremonienhalle des Friedhofs im Stil des Historismus plante der Architekt Max Fleischer, der sein Handwerk in Wien bei August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll erlernte.

Schloss Mikulov

Wer noch Lust, Laune und genug Energie hat, folgt dem Kreuzweg auf den Heiligen Berg hinauf. Der Anstieg ist ein wenig anstrengend, doch dafür habt ihr den schönsten und besten Blick auf Mikulov.

Am Heiligen Berg von Mikulov

Sehenswert ist auch die Barockkapelle am Gipfel des Berges, die zu den ältesten Wallfahrtsstätten Mährens zählt.

Von Mikulov nach Wildendürnbach

An der Grenze bei Mikulov

Wir verabschieden uns von Mikulov und radeln wieder zur Abzweigung zurück und folgen dort ein Stück dem EuroVelo 13 in südlicher Richtung bis zur österreichischen Grenze.

Denkmal von Jan Koblasa "Die Familie"

Direkt an der Grenze erinnert ein Denkmal des tschechischen Bildhauers Jan Koblasa an das Schicksal der Familie Kyncl. Die Kyncls waren 1968, nach Niederschlagung des Prager Frühlings durch sowjetische Truppen, aus der Tschechoslowakei geflohen. Als Ausdruck ihres Dankes an die österreichischen Nachbarn, die ihnen bei der Flucht ins Exil geholfen hatten, ließen die Kyncls diesen Gedenkstein 1998 errichten.

Am "Hallo Nachbar"- Radweg

Während auf der tschechischen Seite der Radweg fast eben verläuft, wird es im Weinviertel nun ein wenig hügeliger. Auch auf der österreichischen Seite dominieren Getreide- und Gemüsefelder die Landschaft.

In der Kellergasse am Galgenberg

Schon bald nach Pottenhofen könnt ihr in der Ferne den Galgenberg ausmachen, auf welchem wir nun direkt Kurs nehmen.

Kellergasse am Galgenberg

In der Kellergasse am Galgenberg

Die Kellergasse am Galgenberg zählt sicherlich zu den schönsten im Weinviertel. Fotogen verteilen sich rund um den von den Einheimischen liebevoll genannten “Golingbir” 180 Presshäuser und Weinkeller auf drei Ebenen.

Wildendürbach

Den Namen erhielt der »Berg« durch einen Galgen, der bis 1827 am Gipfel stand. Heute wacht die Kirchturmspitze der im Jahr 1971 abgerissenen Dorfkirche über dem »Dorf ohne Rauchfänge«.

In der Kellergasse am Galgenberg

Nach einem kurzen Spaziergang durch die idyllische Kellergasse mit ihren weiß gekalkten Presshäusern, radeln wir nun Richtung Wildendürnbach.

Von Wildendürnbach zurück nach Laa an der Thaya

Am "Hallo Nachbar"- Radweg

Von Wildendürnbach führt uns die Radroute weiter durch die Laaer Ebene über Neudorf bei Staatz zurück nach Laa an der Thaya. Vor uns liegen noch rund zwölf leicht hügelige Kilometer.

Am "Hallo Nachbar"- Radweg

Wieder erwartet uns viel Natur auf der Strecke. Bäume und Schatten sind jedoch leider Mangelware. Für Abwechslung sorgen diesmal einige Marterln am Wegesrand.

Am "Hallo Nachbar"- Radweg

Doch dann ist es geschafft. Vor uns taucht das Ortsschild Laa auf. Von hier ist es dann nicht mehr weit bis zu unserem Ausgangspunkt.

Autorenfazit

Schöne und relativ flache Radtour durch das Weinviertel und Mähren. Besonders gefiel uns der Blick vom Butterfassturm in Laa, der Stadtspaziergang durch Mikulov und die Kellergasse am Galgenberg.

Fotoalbum
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einer Radtour ins Burgenland inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Radtour findet Ihr im Fotoalbum unter: Radweg Hallo Nachbar – Von Laa nach Mikulov

Streckenplan

Hinweise

Radweg-Symbol: hellgrünes Schild mit der Aufschrift »Hallo Nachbar, Ahoj sousede«

Schwierigkeit: mittel

Strecke: ca 62 km 

Highlights der Strecke:

  • Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Mikulov
  • Kellergasse Galgenberg
  • Ausblick vom Butterfassturm in Laa an der Thaya