SALZKAMMERGUT- EIN KURZER SPAZIERGANG ZU DEN SEHENSWÜRDIGKEITEN VON HALLSTATT

Hallstatt ist das Symbol von »Over-Tourism« in Österreich. Wir haben das pittoreske Dorf kurz nach dem Ende des Corona-Lockdowns besucht und waren überrascht, wieviele Österreicher die gleiche Idee hatten. Alle wollten Hallstatt einmal in Ruhe ohne asiatische Touristenhorden erleben.

If it’s Tuesday, 9 o’clock, this must be Hallstatt

Blick auf Hallstatt

An normalen Tagen drängen sich mehr als 10.000 Tagestouristen durch die kleine 800 Seelengemeinde. Eine wahre Armada an Reisebussen spukt im Fünf-Minuten-Takt fotografiewütige Asiaten an den Parkplätzen am Ortseingang aus. Von dort hetzen sie im Eilschritt durch die einzige Dorfstraße bis zum Aussichtspunkt mit dem schönsten Blick auf Hallstatt.

Hallstatt

Kaum ist der Aussichtspunkt erreicht, werfen sie sich in instagramtaugliche Posen und lächeln beim Fotografieren wie ein Hutschpferd. Darüber schrieb bekanntlich schon Franz Lehár eine ganze Operette. Der stille Betrachter dieses Szenarios denkt sich dabei nur seinen Teil. Nach einer Stunde Aufenthalt geht schon wieder weiter nach Wien, Prag oder Budapest. Spontan fällt uns dazu ein, »If it’s Tuesday, 9 o’clock, this must be Hallstatt«.

Marktplatz von Hallstatt

Doch warum ist Hallstatt so beliebt? Vermutlich liegt es an der perfekten und außergewöhnlichen Lage am See. Auf dem schmalen Uferstreifen zwischen Hallstätter See und der schroffen Steilwänden des Dachstein-Massivs drängen sich pittoreske Häuser dicht nebeneinander.

Hallstatt

Wie Schwalbennester kleben sie am steilen Berghang. Jahrhundertelang war Hallstatt nur mit dem Boot oder auf schmalen Bergpfaden erreichbar. Die berühmte Seestraße durch den Ort gibt es erst seit 1890.

Hallstätter See

Der tiefschwarze See sorgt für eine mystische Stimmung. Die ideale Kulisse für einen Alpenthriller! In meinem Kopf beginnt ein Film abzulaufen. Dicke Nebelschwaden ziehen geisterhaft über den See. Blaulicht spiegelt sich auf der vom Nieselregen feuchten Uferstraße. Neugierige Einheimische beobachten, wie Rettungstaucher eine Leiche aus dem See bergen.

Hallstatt

»Wassergeister haben sich die Wagner Resi g´holt«, munkelt die alte Thalhammerin. Schnell macht jedoch ein anderes Gerücht die Runde. Von Mord ist die Rede. Und von einer chinesischen Investorengruppe, die bereits mehrere Seegrundstücke beim schönsten Ausblick auf Hallstatt aufgekauft haben soll, um dort ein Luxushotel für zahlungswillige chinesisische Hochzeitspaare zu errichten.

Hallstatt

Das Haus der Wagnerin wäre eines der letzten Grundstücke gewesen, die die Immobilienhaie für die Umsetzung ihres Planes benötigt hätten. Doch trotz eines unmoralisch hohen Geldangebots weigerte sich die Wagner Resi ihren Grund und Boden zu verkaufen. Filmriss …!

Gebots- und Verbotsschilder in Hallstatt

Beginnen wir mit unserem kurzen Spaziergang durch Hallstatt. Auffallend sind die die zahlreichen »Betreten verboten« und »Keine Drohnen« Schilder. Anscheinend hat sich noch immer nicht bei den asiatischen Touristen herumgesprochen, dass Hallstatt kein Freilichtmuseum mit festen Öffnungszeiten ist. Und ganz ehrlich, wer will schon einen wildfremden Chinesen mit Selfie-Stick in seinem Wohnzimmer stehen haben.

Hallstatt

Wir schlendern über den bekannten Hauptplatz von Hallstatt und visieren unser nächstes Ziel an. Eine Treppe führt uns hinauf zur spätgotischen Pfarrkirche Maria am Berg, die auf einem Felsen über den Dächern des Dorfes thront. Beeindruckend ist der im Jahre 1515 angefertigte Knappenaltar mit zwei Flügelpaaren.

Friedhof Hallstatt

Von der Kirchenmauer habt ihr einen schönen Blick auf den See und die zu Euren Füßen liegende evangelische Kirche, die 1863 eingeweiht wurde.

Friedhof Hallstatt

An der Nordseite der Pfarrkirche Maria am Berg steht im Friedhof der Karner mit dem kleinen Beinhaus. Nachdem bekanntlich Platz in Hallstatt Mangelware ist, wurden bis ans Ende des 19. Jhdt die Gebeine der Toten nach etwa 20 Jahren exhumiert, in der Sonne gebleicht und anschließend bemalt.

Beinhaus von Hallstatt

Mehr als 600 mit Eichenlaub oder Blumenkränzen bemalte Totenschädel liegen hier fein säuberlich gestapelt und warten auf das Jüngste Gericht. Auf der Stirn sind Geburts- und Sterbedatum, sowie der Name des Verblichenen vermerkt. Die leeren Augenhöhlen starren die Besucher des Beinhauses an, als wollen sie ihnen mitteilen, dass »wir, die hier versammelten Knochen, auf die eurigen warten!«

Souvenirs aus Hallstatt

Spazieren wir weiter! Während der Anblick der pittoresken Häuser entlang der Uferpromenade unser Herz erfreut, stoßen uns die Standeln mit Kebap, Coffee to go, und billigen Touristenkitsch »Made in China« süß-sauer auf. Muss das wirklich sein?

Blick auf Hallstatt

Schon bald haben wir unser letztes Ziel unseres Spaziergangs durch das Dorf erreicht. Wir stehen am  berühmtesten Aussichtspunkt mit dem schönsten Blick auf Hallstatt. Dort, wo normalerweise Chinesinnen mit ausgeliehenen Dirndln oder Möchtegern-Influencerinnen mit Schmollmund und aufgespritzten Lippen sich gegenseitig auf die Zehen steigen, herrscht hier heute Gelassenheit und Ruhe.

Hallstatt

Der heiligen Corona sei Dank! So ruhig geht es hier wohl selten zu. Nur ein paar einheimische Touristen schießen das berühmte Erinnerungsfoto vom malerischen Hallstätter See, den beiden Kirchtürmen und den Häusern, die sich an die steilen Berghänge schmiegen.

Hallstätter See

Wenn ihr uns fragt, ob uns Hallstatt gefallen hat, dann lautet die Antwort» Ja und Nein«. Ja, weil Hallstatt durch seine Lage zwischen See und Berg viel Flair hat. Nein, weil uns persönlich billige Souvenir-Shops, Döner-Buden und Touristenmassen stets auf die Nerven gehen.

Hallstatt

Nicht empfehlen würden wir den Besuch des kleinen Dorfes, wenn die Touristenmassen -wie die Heuschrecken der biblischen Plagen- wieder über Hallstatt herfallen. Denn die Auswirkungen des »Over-Tourism« sind der Tod jedes Charmes, Flairs und jeglicher Identität.