SEMMERING – ALTE VILLEN, DREI GRANDHOTELS UND DER 20 SCHILLING-BLICK

Eine gemütliche Semmering-Rundwanderung zu alten Villen, den drei historischen Grand-Hotels, zur Doppelreiterwarte am Wolfsbergkogel und zum berühmten 20 Schilling Blick.

Semmering – Sommerfrische des Fin de Siècle

Südbahnhotel am Semmering

Bei diesem beschaulichen Ausflug auf den Semmering tauchen wir ein in die Welt des Fin de Siècle, als Adel, Großbürgertum, Industrielle, Künstler, Literaten und Schauspieler zur Sommerfrische auf den »Zauberberg« fuhren. Sie alle residierten in einem der drei großen Semmering-Hotels, dem Panhans, dem Südbahnhotel oder dem Kurhaus Semmering.

Alte Villen am Semmering

Der Aufschwung zu einem der bekanntesten Erholungsorte der Donaumonarchie begann mit der Eröffnung der Semmeringbahn 1854 und der Errichtung des Südbahnhotels im Jahr 1882, welches schon bald von der gut situierten Wiener Gesellschaft regelrecht gestürmt wurde. Den Niedergang als Sommerfrische läutete der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich ein. Als man in den 1960er Jahren lieber auf Urlaub nach Bibione, Caorle oder Lignano auf Urlaub fuhr, verfiel der Semmering endgültig in einen Dornröschenschlaf.

Startpunkt Bahnhof Semmering

Ghegadenkmal

Wir starten am Bahnhof Semmering, wo uns gleich das imposante Denkmal zur Erinnerung an Carl Ritter von Ghega, dem Erbauer der Semmeringbahn, ins Auge sticht. Das Projekt »Semmeringbahn« galt anfangs als heftig umstritten. Die Gegner von Ghegas Plänen kritisierten, dass keine Lokomotive in der Lage wäre, die Steigungen zu bewältigen. Doch die Kritiker sollten sich irren.

Weinzettelwand

Am 17.Juli 1854 wird die Semmeringbahn als erste Gebirgsbahn der Welt feierlich eröffnet. Bis heute gilt die Semmeringbahn als Meilenstein der Eisenbahngeschichte, deren Streckenverlauf von 14 Tunneln 16 Viadukten und einer Vielzahl von Steinbrücken geprägt ist. Die vielen Tunnel, Viadukte und Brücken wurden von 20.000 Arbeitern innerhalb von sechs Jahren errichtet und stellten für die damalige Zeit eine technische Meisterleistung dar. Seit 1998 gehört die Semmeringstrecke zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Grandhotel Panhans

Hotel Panhas

Die Zeiten als Pferdekutschen am Bahnhof auf Sommerfrische-Gäste warteten und diese den Berg hinauf zum Panhans kutschierten, sind längst Schnee von gestern. Wir spazieren per pedes über mehrere Serpentinen zum berühmten Hotel der Jahrhundertwende hinauf. Der »Riesenkasten« wurde im Jahr 1888 von Vinzenz Panhans eröffnet, der zuvor Küchenchef im seit 1882 bestehenden Südbahnhotel gewesen war.

Hotel Panhas

1913 wurde das Hotel nach Plänen der Architekten Fellner und Helmer im Stil eines Schweizer Sanatoriums mit aneinander gereihten Loggien umgebaut. Seit dieser Zeit galt das Panhans als eines der größten und luxuriösen Grandhotels Europas. Die Gästeliste des Panhans vor dem ersten Weltkrieg liest sich wie die Gästeliste eines Wiener Literaten-Cafés: Peter Altenberg, Karl Kraus, Arthur Schnitzler oder Stefan Zweig residierten im damaligen »Märchenparadies der vornehmen Welt«. Doch vom einstigen Glanz ist wenig übriggeblieben. Mit dem Ausbleiben der Gäste nach dem Zweiten Weltkrieg stellte das alte Panhans im Jahr 1969 seinen Betrieb ein.

Pfarrkirche zur hl Familie

Kirche zur hl Familie

Wir verabschieden uns vom Panhans und besuchen die Pfarrkirche Semmering, die nur einen Katzensprung vom einstigen Grandhotel entfernt liegt. Das Gotteshaus, welches der hl Familie geweiht ist, wurde 1894 vom Architekten Gustav Neumann im neogotischen Stil errichtet. Da aber das Geld für den Kirchenbau knapp war, verzichtete man anfangs auf einen Kirchturm. Dies soll Peter Rosegger zu der Aussage bewegt haben, dass »so viele Semmering-Villen Türme ohne Glocken haben, aber die Kirche hat für die Glocken keinen Turm«.

Die Hochstraße – Corso und Flaniermeile

Der ehemalige Corso

In Wien flanierte man zur Jahrhundertwende am Ring, in Abbazia am Lugomare und am Semmering entlang der Hochstraße, die das Panhans und das Südbahnhotel bis heute verbindet. Bei einem Spaziergang entlang der Flaniermeile schlossen Großindustrielle lukrative Geschäftsverträge ab, mokierten sich Kaffeehausliteraten über den schlechten Schreibstil eines Konkurrenten und die Damen der bessern Gesellschaft hielten Ausschau nach einer »passenden Partie« für ihren den Backfischalter entflohenen Nachwuchs.

Villenspaziergang am Semmeringa am

Mit der Eröffnung des Südbahnhotels im Jahre 1882 entwickelte sich der Semmering rasch zu einer beliebten Sommerfrische, wo man würzige Bergluft atmen und dem Gestank im sommerlichen Wien entfliehen konnte. Betuchte Gäste ließen sich schon bald ihre eigenen repräsentativen Villen mit Holzbalkonen, Türmchen und Erkern entlang der Hochstraße errichten. Davon gibt es heute noch einige zu sehen. Die Cafés, oder Restaurationen, die einst für das leibliche Wohl sorgten, sind hingegen verschwunden.

Nostalgie an der Hochstraße

Wir flanieren ebenfalls der Hochstraße entlang, studieren die Schaukästen des Hochstraßenmuseums, die Auskunft über die Geschichte des Semmering geben und bestaunen jene Geschäftsfassade, die in Riesenlettern Agfa-Filme bewirbt.

Aussichtsterrasse Wetterhäuschen

Wetterstation auf der Hochstrasse

Fast schon am Ende der Hochstraße erreichen wir eine Aussichtsterrasse mit einem historischen Wetterhäuschen. Von hier habt ihr wohl den schönsten Blick auf das alte Südbahnhotel, welches das nächste Ziel unserer Wanderung ist.

Das ehrwürdige Südbahnhotel

Südbahnhotel

Das weithin sichtbare Südbahnhotel mit seiner auffälligen grünen Dachlandschaft mit Zwiebeltürmchen und bedachten Rauchfängen galt einst als das Wahrzeichen der Semmering-Region. Um die Jahrhundertwende war das auf genau 1.000 Metern Seehöhe erbaute »Palasthotel« eines der führenden Luxushotels Europas. Nehmt Euch Zeit und umrundet dieses prächtige historische Hotel mit seinem Fachwerk und den reich verzierten Holzbalkonen.

Südbahnhotel am Semmering

In seiner glorreichen Vergangenheit wurde das Südbahnhotel mehrfach umgebaut und mit den neuesten Annehmlichkeiten der damaligen Zeit ausgestattet. Schon bald nach seiner Eröffnung im Jahre 1882 zog das Hotel aristokratische Kreise, das vermögende Bürgertum und exzentrischer Zeitgenossen an. In einem Bonmot hieß es, »Wer die roten Sisalläufer der Bel Etage betrat, war entweder der Creme de la Creme der Gesellschaft zuzurechnen oder Zimmerkellner«.

Südbahnhotel

Vinzenz Panhans begann seine Karriere als Küchenchef im Südbahnhotel und verzauberte die Gäste mit seiner außergewöhnlichen Kochkunst. Nur wenige Jahre später gründete er sein eigenes Hotel und wurde zum schärfsten Konkurrenten des Südbahnhotels.

Südbahnhotel

Trotz seines fortschreitenden Verfalls strahlt der schlossartige Bau noch immer die Eleganz der Jahrhundertwende aus. Wie auch die anderen Grandhotels am Semmering geriet das Südbahnhotel in den Nachkriegsjahren in massive wirtschaftliche Schwierigkeiten, sodass in den 1970er Jahren ein Teil des Gebäudes in Eigentumswohnungen umgewidmet und das Hotel selbst geschlossen wurde.

Skulpturenpark Semmering

Skulpturenpark am Semmering

Nachdem wir das Hotel von allen Seiten ausgiebig betrachtet haben, folgen wir den Wegweisern Richtung Doppelreiterwarte und 20 Schilling Blick, die uns ein paar Höhenmeter tiefer und durch einen schattigen Wald zum Skulpturenpark führen. Im Skulpturenpark sind Werke des Künstlers Ignaz Semlitsch ausgestellt, die er aus den verschiedensten Metallen und Acryl geschaffen hat. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht.

Kurhaus Semmering

Kurhaus Semmering

Vom Skulpturenpark ist es nicht weit bis zum dritten großen Grand-Hotel der Jahrhundertwende. Das Kurhaus Semmering wurde 1909 eröffnet und galt mit seiner Ausstattung und Einrichtung als ein Musterbeispiel einer eleganten Kuranstalt, wie sie Thomas Mann in seinem »Zauberberg« schilderte. Das nach den Plänen der Architekten Krauß und Tölk errichtete Nobelquartier am Wolfsbergkogel war bekannt für seine medizinisch verordneten Liegekuren in frischer Höhenluft und den einzigartigen Blick auf den Sonnwendstein.

Kurhaus Semmering

»Die Kur ist der melancholische und mühselige Versuch, eine gebrochene Maschinerie zu reparieren«, meinte Peter Altenberg bei seinem Aufenthalt im Kurhaus. Unter den zahlreichen weiteren Kurgästen finden sich so klingende Namen wie Max Reinhardt, Arthur Schnitzler, Anton Wildgans oder Franz Werfel.

Kurhaus Semmering

Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 begann auch für das Kurhaus die Zeit des stetigen Niedergangs. Zuerst wurde es als Wehrmachtlazarett verwendet, danach als Unterkunft für die russische Besatzungsmacht. Bis 1988 diente das Kurhaus noch als Erholungsheim für Bundesbedienstete.

Doppelreiterwarte

Blick auf den Kurort Semmering

Ein leicht ansteigender Waldpfad führt uns zuerst zu einem Aussichtpunkt mit herrlichem Blick auf den Kurort Semmering und anschließend zu der im Jahre 1910 errichteten Doppelreiterwarte.

Weinzettelwand

Von der Aussichtsplattform bietet sich ein 1A-Rundblick über die Weinzettelwand, Rax und Schneeberg. Die 300 Meter hohe und rund 1.200 Meter lange Weinzettelwand galt als das größte Hindernis beim Bau der Semmeringbahn. Ursprünglich plante Ghega die Trasse der Bahn außen an der Steilwand entlangzuführen. Doch nach einem Felssturz, bei dem 14 Bergleute starben, musste Ghega die Trasse umplanen und in das Berginnere verlegen.

Der legendäre 20 Schilling Blick

20 Schilling Blick

Nachdem wir einen kurzen steilen Pfad über Stock und Stein überwunden haben, geht es gemütlich durch einen dichten Wald weiter. Nach wenigen Gehminuten erreichen wir den berühmten »20 Schilling Blick«. Von hier eröffnet sich die wunderschöne Aussicht auf das 184 m lange und 46 m hohe »Kalte Rinne-Viadukt«, welches einst als Motiv die Rückseite des österreichischen 20 Schilling Note zierte. Daher auch der Name für diesen Aussichtspunkt. Fast fühlt man sich in eine Modelleisenbahnanlage versetzt, wenn ein winzig kleiner Zug das Viadukt quert und in einem Tunnel verschwindet.

Zurück zum Ausgangspunkt

Alte Villen am Semmering

Nachdem wir die Aussicht beim 20 Schilling Blick ausgiebig genossen haben, machen wir uns auf den Rückweg. Ihr folgt dem Wanderweg weiter bis zur Kurhausstraße, spaziert den Waldweg zum Südbahnhotel hinauf und folgt anschließend der Adlitzgrabenstraße, Villenstraße und der Südbahnstraße bis zum Bahnhof Semmering. Entlang dieser Route könnt ihr noch die eine oder andere hübsche Villa entdecken. Wir hoffen, die Tour hat Euch gefallen und wir wünschen Euch viel Spaß beim »Nach«Wandern.

Fotoalbum
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einer Wanderung am Semmering inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Wanderung findet Ihr im Fotoalbum unter: SEMMERING –WANDERN AUF DEN SPUREN DES FIN DE SIÈCLE