BAROCKJUWEL – DIE SEHENSWÜRDIGKEITEN VON SCHÄRDING ENTDECKEN

Schärding muss man besuchen! Die Stadt am Inn ist ein Juwel barocker Baukunst mit viel Geschichte. In diesem Beitrag erfahrt Ihr die perfekte Route für einen Stadtspaziergang durch Schärding und viele Anekdoten über die Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Schärding – Eine kleine historische Stadt

Schärding - Linzer Tor

Beginnen wir unseren Stadtspaziergang durch Schärding beim mächtigen Linzer Tor. Gleich dahinter versteckt sich der Obere Hauptplatz, der zu den schönsten Barockplätzen Österreichs zählt.

Schärding - Silberzeile

Schärding war jahrhundertelang eine wichtige Handelsstadt. Davon zeugen noch heute die prächtigen Häuser in der Silberzeile. Der Name Silberzeile geht auf die reichen Kaufleute zurück, die sich hier angesiedelt hatten und in deren prallen Geldbeuteln das »Silber« fröhlich klimperte. Je stattlicher die Häuser, desto reicher waren deren Besitzer.

Schärding - Silberzeile

Die kräftigen Farben der Hausfassaden sind nicht zufällig gewählt. Es handelt sich dabei um die mittelalterlichen Zunftfarben. So färbten Bäcker ihre Häuser »Blau«, »Rot« war die Farbe der Fleischhauer, »Braun« stand für Sattler und »Gelb« zeigte das nächste Wirtshaus an. Praktisch für alle Reisenden und Kutscher, denn die wussten gleich, wo es Speis und Trank gab.

Schärding - Rathaus

Mit dem Handel kam aber auch der Verkehr in die Stadt. Erz, Getreide, saure Weine, feine Gewürze aus der Levante, venezianische Glaswaren oder kostbare Stoffe wurden auf dem Inn nach Schärding gebracht. Fuhrwerke drängten jeden Tag in die Stadt und transportierten die kostbaren Güter weiter.

Schärding - Zunftzeichen

Um einen reibungslosen Abtransport mit den Fuhrwerken zu bewerkstelligen, ließen Kaufleute Plätze und wichtige Straßen mit Steinen pflastern, da diese damals noch unbefestigt waren und beim geringsten Regen schlammig und unbefahrbar wurden.

Schärding - Unterer Stadtplatz

Aus dieser Zeit stammt die Redensart »ein teures Pflaster«, denn nur reiche Kaufleute konnten sich Pflastersteine leisten und in der Regel war das Leben in diesen Städten durch hohe Mieten und Grundstückspreise teuer.

Schärding - Rathaus

Vorbei am Rathaus spazieren wir weiter über den Unteren Stadtplatz und bewundern die vielen kleinen Details an den prächtigen Hausfassaden.

Schärding - St Georgs Brunnen

Stellt Euch neben den St.-Georgs-Brunnen in der Mitte des leicht abfallenden Platzes und dreht Euch um die eigene Achse um die Schönheit der Hausfassaden zu erfassen.

Schärding - Unterer Stadtplatz

Unser persönlicher Favorit ist Haus Nr 9 mit seiner schönen Stuckfasade und dem kleinen Erker.

Schärding - Unterer Stadtplatz

Besonders auffällig ist ein Fresko mit folgender Inschrift »Heuchler, zieh‘ zuvor den Balken aus deinem Auge, dann magst du sehen, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst«! Der Legende nach wollte sich damit der einstige Besitzer des Hauses an einem Ratsherrn rächen, weil er sich ein einem Rechtsverfahren von diesem ungerecht behandelt gefühlt hatte.

Schärding - Wassertor

Wie eine biblische Plage suchten schwere Hochwässer Schärding heim. Hochwassermarken an zahlreichen Häusern oder am Wassertor am Ende des Unteren Platzes zeugen von den Überschwemmungskatastrophen.

Schärding - Unterer Stadtplatz

Zu einer biblischen Plage entwickelte sich auch ein gewisser Herr Napoleon. Zweimal fielen seine Truppen in Schärding ein. Während im Jahr 1805 die Stadt noch halbwegs glimpflich davon kam, schossen vier Jahre später die französischen Truppen Schärding mit ihren Kanonen in Schutt und Asche.

Schärding - Unterer Stadtplatz

Nur ein einziges Stadtviertel blieb vom Bombardement verschont. Weil sich der Heerführer der napoleonischen Armee – Marschall Massena –beim »ersten Besuch« in eine hübsche Wirtstochter über beide Ohren verliebt hatte, befahl er das Gasthaus ihrer Eltern nicht zu beschießen.

Schärding - Heilig Geist Kirche

Die Kirche Schärdings, die auf einem Hügel über der Stadt thront, erging es während der napoleonischen Besatzung auch nicht besser. Wie die meisten Häuser der Stadt wurde sie während der Kampfhandlungen ein Raub der Flammen.

Schärding - Heilig Geist Kirche

Der damalige Pfarrer Josef Isidor Kaltenegger beklagte sich, dass die Franzosen die heiligen Hostien schändeten, Heiligenfiguren zertrümmerten und Schlachtvieh in die Kirche trieben. Zum Gaudium aller Anwesenden wurde einem Ochsen noch ein kostbares Priestergewand umgehängt bevor das Tier in der Kirchenruine geschlachtet wurde.

Schärding - Das kleinste Haus

Ganz in der Nähe der Kirche befindet sich die Brunngasse, wo sich Schärdings schmalstes Haus versteckt. Ganze 2,40 Meter ist es breit und besitzt nur ein Fenster pro Stockwerk. Bei der Einführung neuer Steuern waren Finanzminister schon immer sehr erfindungsreich. So gab es früher eine Fenstersteuer, wo die Anzahl der Fenster ausschlaggebend für die Besteuerung war. Deshalb bauten ärmere Bürger schmälere Häuser mit weniger Fenster.

Schärding - Wassertor

Wir spazieren nun weiter durch das Wassertor und stehen nun am Ufer des Inns, der die Grenze zu Bayern bildet.

Schloss Neuhaus

Auf der bayrischen Seite des Flusses seht ihr Schloss Neuhaus. Dieses befand sich einst im Besitz der Landgräfin von Fürstenberg, die jedoch das Schloss im Jahr 1800 am Spieltisch an den Münchner Advokaten Georg Obermeier verlor.

Schärding - Bäckerschupfen am Inn

Ein Stück weiter flussaufwärts – kurz nach der Alten Innbrücke – sehen wir welches Schicksal Bäckern blühte, die zu leichtes oder minderwertiges Brot feilboten. Beim »Bäckerschupfen« wurde der Beschuldigte in einen Holzkäfig gesetzt und mit einer Art Wippe unter tosendem Applaus mehrfach ins Wasser getaucht.

Schärding - Orangerie

Unser nächstes Ziel ist die Orangerie, welche der Bierbrauer Georg Wieninger an der alten Stadtmauer Ende des 19. Jhdt errichten ließ. Wieninger machte sich als Agraringenieur einen Namen und widmete sein nahe gelegenes Landgut Otterbach in eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt um.

Schärding - Orangerie

Er gilt auch als Gründungsvater der »Ersten Zentral-Teebutter-Verkaufsgenossenschaft«, die mit Schärdinger Käse in ganz Österreich berühmt wurde.

Schärding - Schlosstor

Zum Abschluss unseres Stadtspazierganges durch Schärding besuchen wir noch den Schlosspark. Das dazugehörige Schloss wurde 1809 während der Franzosenkriege fast völlig zerstört und nicht mehr aufgebaut.

Schärding - Schlosstor

Lediglich das Schlosstor blieb erhalten, welches einst als Wohnung des herzoglichen Burghüters diente.

Schärding - Alte Innbrücke

Vom Pavillon im Schlosspark habt ihr eine wunderbare Aussicht auf die Alte Innbrücke und Schloss Neuhaus. Wenn ihr die schmale Treppe zu den Schlossberg-Terrassen hinuntersteigt, dann stattet doch dem »Liebestollen Franzosen« einen kurzen Besuch ab. Er wird sich sicherlich freuen.

Schärding - Schlossparkterrasse

Bereits seit über 200 Jahre schmachtet er in seiner Mauernische. Die Legende weiß zu berichten, dass er nach einer heißen Liebesnacht mit einer Schärdinger Schönheit den Abzug seiner Kameraden versäumt hatte.

Schärding - Schlossparkterrasse

Auf Rache sinnende Schärdinger nahmen den verliebten Gockel fest und sperrten ihn in die besagte Mauernische. Angeblich soll ihn aber seine Geliebten später wieder befreit haben.

Schärding - Schlosspark

Zu sehen gibt es im Schlosspark noch einen 26 Meter tiefen Brunnen, in dem die Tochter des Burgverwalters beim Spielen einst gefallen war und in letzter Sekunde von einem Knecht gerettet werden konnte, sowie eine Kanone aus der Zeit der Franzosenkriege, die an die vielen blutigen Schlachten erinnern soll. So genug der Geschichten, jetzt habt ihr Euch eine Belohnung verdient.

Schärding - Zunftzeichen

Wir gehen in die »Bums‘n«. Dabei handelt es sich nicht um ein einschlägiges Etablissement oder ein Tschocherl, sondern um ein bodenständiges Wirtshaus mit Innviertler Spezialitäten. Der Name kommt von den Bierfässern, die von den Bierkutschern über den leicht abschüssigen Boden in den Keller gerollt wurden und dort lautstark an die Wand »bumsten«. Vergesst auf keinen Fall das hauseigene Baumgartner-Bier zu verkosten.

FOTOALBUM
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einem Ausflug nach Schärdimg inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu diesem Ausflug findet Ihr im Fotoalbum unter: SCHÄRDING – BAROCKES JUWEL AM INN