G´SCHICHTEN AUS ABBAZIA – ZU BESUCH IM SCHÖNSTEN SEEBAD DER DONAUMONARCHIE

Begleitet uns bei einem Entdeckungsspaziergang durch Abbazia/Opatija, dem schönsten Seebad der Donaumonarchie, wo einst der Jetset des Fin de Siècle seine Sommerfrische verbrachte.

Opatija, Hotel Miramare

Wir sitzen auf der Terrasse des Hotels Miramar, genießen ein wunderbares Abendessen und lassen nochmals unsere Entdeckungstour durch Abbazia Revue passieren.

Abbazia – Sommerfrische an der österreichischen Riviera

Opatija

Abbazia, die Perle der österreichischen Riviera, die Traumdestination des Jetsets der Donaumonarchie. Hier verbrachten die Reichen, Schönen und Adeligen ihre Sommerfrische. Sie erholten sich vom Regieren, knüpften lukrative Geschäftskontakte oder fanden Ideen für neue Romane.

Opatija, Hausfassade

Ende des 19. Jhdt wurde Abbazia – das heutige Opatija – zum angesagtesten “Curort” Österreich-Ungarns. Namhafte Mediziner – wie Theodor Billroth – priesen die Vorzüge des lokalen Klimas. Ein Spaziergang in der mit Salz angereicherten Luft, dem Aerosol, galt als wichtiges therapeutisches Mittel gegen Tuberkulose und Atemswegerkrankungen.

Opatija, kuk Villa

Seine Blütezeit erlebte Abbazia zwischen 1890 und 1914. Hotels, Badeanstalten und Sanatorien schossen wie Schwammerl aus dem Boden. Wer über genügend Kleingeld verfügte ließ sich eine elegante Villa mit Seezugang errichten.

Ein Spaziergang durch das alte Abbazia, dem heutigen Opatija

Opatija

Viele dieser alten Villen mit ihren -zum Teil verspielten – stuckverzierten Fassaden, Türmchen, Erkern, Veranden, Balkonen und Ziergiebeln, haben wir auf unserer Entdeckungstour durch die Stadt entdeckt.

Opatija

Leider findet man auch Bausünden aus der Zeit Titos. So ist das Hotelhochhaus Ambasador das krasse Gegenteil zu den wunderschön erhaltenen Villen der Gründerzeit.

Opatija, reicher Fassadenschmuck

Die alten Villen sind Häuser voller Geschichten. Wenn sie reden könnten, hätten sie viel zu erzählen. Von Liebe und Leidenschaft, von seinen berühmten Bewohnern und von rauschenden Festen. Dazu aber noch später.

Opatija

Die Gästeliste des mondänsten Seebades der Donaumonarchie liest sich wie das “Who-is-Who” des Fin de Siècle: Arthur Schnitzler, Kronprinz Rudolf, Alexander Girardi, Isadora Duncan, der deutsche Kaiser Wilhelm II, Kaiser Franz Joseph – die Aufzählung könnte noch ewig fortgesetzt werden.

Lungomare – Sehen und Gesehen werden beim Flanieren über die Uferpromenade

Opatija, Lungomare

Die Uferpromenade, der Lungomare, ist nach Kaiser Franz Joseph benannt. Sie führt vorbei an kleinen Kiesbuchten, Jachthäfen und an der Statue “Mädchen mit Seemöwe”.

Opatija, Mädchen mit Taube

Das Mädchen blickt hinaus auf das offene Meer. Vielleicht wacht es auch über die Seelen von Graf Kesselstatt und Gräfin Fries, die hier 1891 ertrunken sind. Die Staue ist übrigens ein beliebtes Fotomotiv. Zahlreiche Touristen posieren vor ihr – mit oder ohne Selfiestick.

Herrliche Paläste, Prunk und Pracht, schöne Frauen! Ich liebe das Meer und bade darin mein Herz!

Peter Rosegger
Opatija, Lungomare

Am Lungomare flanierte bereits Katharina Schratt, Gustav Mahler oder Peter Rosegger. Schneidige k.u.k. Offiziere hielten Ausschau nach einer “Liebelei”. Herren mit Girardi-Hut und Spazierstock diskutierten über die politische Situation am Balkan. Damen in weißen Sommerkleidern und dem obligaten Sonnenschirm fädelten standesgemäße Partien ihrer Kinder ein oder tauschten den neuesten Klatsch und Tratsch aus.

Man sagt ja nix, man red’t ja nur – Von der Schratt bis zur Duncan

Opatija, Lungomare

Und es wurde viel gred’t in Abbazia. Beispielsweise über das heimliche Tête-à-Tête von Kaiser Franz Joseph mit der Burgschauspielerin Katharina Schratt in der Villa Madonna.

Opatija, Sonnenschirme

Gerüchteweise soll auch Kaiserin Sisi in Abbazia frischen Schwung in ihr Liebesleben gebracht haben. In der Villa Minich vergnügte sie sich mit dem ungarischen Grafen Andrássy. Ihre Tochter Marie Valerie soll ein Ergebnis dieser Liaison sein. Aber nichts Genaues weiß man nicht. Man sagt ja nix, man red’t ja nur.

Opatija

Gerade schockiert war man über Konsul Kremensek. Der vergriff sich nämlich in seiner Villa am Dienstmädchen. Dummerweise hatte die junge Dame schnell ein Messer bei der Hand. Ein Schnitt und der Konsul stand ohne sein bestes Stück da.

Wer erinnert sich nicht mit Wonne an das köstliche Bad von Abbazia! So schattig, so kühl, das Wasser so krystallrein, ein wahres Götterbad!

Erzherzog Ludwig Salvator
Opatija, Hotel Miramar

Für Aufsehen sorgte auch der “Dicker Luigi”, wie Erzherzog Franz Salvatot hinter vorgehaltener Hand genannt wurde. Sein besonderes Markenzeichen war seine nachlässige Kleidung. Er trug abgewetzte Anzüge und hatte die Manschetten mit Spagat zusammengebunden. Viele Gerüchte beschäftigen sich auch mit seinem Liebesleben. Der Erzherzog war niemals verheiratet, soll aber den Reizen beider Geschlechter zugetan gewesen sein. Weilte der “Dicker Luigi” in Abbazia, dann quartierte er sich in der Villa Neptun ein, einem Abbild des Schlosses Miramare bei Triest.

Nur kein Knie zeigen – Die Bademode um die Jahrhundertwende

Opatija, Hotel Kvarna

Das Hotel Quarnero – heute Hotel Kvarner – ist das älteste Hotel Abbazias. Hier feierte und tanzte die Hautevolee der Donaumonarchie im großen Kristallsaal mit funkelnden Kronleuchtern und blanken Marmorböden die Nächte durch.

Opatija

In der Villa Amalia – einer Dependance des Quarnero für betuchte Gäste – stiegen nicht nur der deutsche Kaiser Wilhelm II, sondern auch die amerikanische Tänzerin Isadora Duncan ab.

Opatija, Isabella Duncan

Die Duncan sorgte am hoteleigenen Strand des Quarnero gleich einmal für einen handfesten Skandal. Die Tänzerin wagte doch tatsächlich ein ärmelloses und kniefreies Badekleid zu tragen. Noch dazu tief dekolletiert. In einer Zeit als Frauen mit einem langen Rock, Strümpfen und Badeschuhen schwimmen gingen. Während die holde Weiblichkeit in eine Schockstarre verfiel, konnte Erzherzog “Luziwuzi” Ludwig Viktor, der für seine homosexuellen Eskapaden berrüchtigt war und normalerweise für weibliche Reize nicht viel übrig hatte, seine Augen von der Duncan nicht lassen.

Opatija

Und noch ein Gerücht ist von der Duncan aus Abbazia überliefert. Die vom Wind bewegten Palmblätter sollen sie zu neuen Tanzbewegungen inspiriert haben. Den Zuseher blieb bei der Vorführung des neuen Tanzes im wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg. So wie der Künstlerin selbst am Ende ihres Lebens. Ihr langer roter Seidenschal, den sie um ihren Hals geschlungen hatte, verfing sich in den Radspeichen ihres Cabrios und strangulierte die Tänzerin.

Opatija, Cafe Wagner

So eine Entdeckungstour durch die Geschichte macht natürlich hungrig und durstig. Da bietet sich doch ein Besuch des Traditionscafés Wagner an, wo noch die gute alte Wiener Kaffeehaustradition gelebt wird. Bereits zu Kaisers Zeiten traf man sich beim Wagner auf eine Schale Gold und eine Cremeschnitte oder Sachertorte. Beide Mehlspeisen sind noch heute zu empfehlen.

Opatija, Figuraler Fassadenschmuck

Und gerade als wir über die Mehlspeisen im Wagner reden, bringt der Kellner des Hotel Miramar den letzten Gang unseres Abendessen – ein wunderbares Nuss-Krokant-Parfait.

NOCH MEHR FOTOS ZUR INSPIRATION?
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einer Reise nach Abbazia, dem schönsten Seebad der kuk Donaumonarchie, inspirieren konnten. Noch mehr Fotos aus Abbazia findet Ihr im Fotoalbum unter: ABBAZIA – ZU BESUCH IM SCHÖNSTEN SEEBAD DER DONAUMONARCHIE