STADTSPAZIERGANG WIEN – AUF DEN SPUREN VON MÖRDERN, HENKERN, TOTENBRÜDERN

Dieser Stadtspaziergang durch Wien führt Euch zu schaurig-schönen Plätzen der Stadt. Wir zeigen Euch Orte, wo grauenvolle Bluttaten geschahen, der Mob wütete oder der Henker sein Handwerk verrichtete. Zur Einstimmung für diese Entdeckungstour durch Wien empfehlen wir zwei Lieder “Der Hofa wars” von Wolfgang Ambros und “Die Moritat vom Frauenmörder Wurm” von Georg Danzer. Für Freunde der Morbidität der ideale Wiener Stadtspaziergang.

Votivkirche – Das Attentat auf den Kaiser

Votivkirche

Wir beginnen unseren morbiden Wiener Stadtspaziergang bei der Votivkirche. Mit einer Höhe von 99 Metern ist der neugotische Sakralbau die zweithöchste Kirche Wiens. Die Errichtung der Votivkirche geht auf ein missglücktes Attentat auf Kaiser Franz Joseph I im Jahre 1853 zurück. Der Attentäter, der ungarische Schneidergeselle János Libényi, versuchte dem Kaiser ein Messer in den Nacken zu rammen, was aber vom Flügeladjutanten des Kaisers verhindert werden konnte.

Votivkirche

Auf der Simmeringer Had, / hat´s an Schneider verwaht. Es g´schiecht ihm sch´recht, / warum sticht a so schlecht!

Wiener Spottvers

Libényi wurde festgenommen und hing bereits acht Tage später bei der Spinnerin am Kreuz am Galgen.

Freyung – Von Schmugglern und dem Leo

Freyung

Die Freyung zählt zu den größten Plätzen in der Wiener Altstadt und war stets ein Ort der Gaukler, Marktschreier und Beutelschneider. Altehrwürdige Palais säumen den Platz. Dominiert wird dieser jedoch vom Schottenstift, welches vom Babenberger-Herzog Heinrich II Jasomirgott im Jahr 1155 gegründet wurde. Ihr könnt den Herzog an der Außenseite des Stifts in voller Pracht bewundern.

Heinrich Jasomirgott

Der Name Freyung leitet sich vom Wort “frei” ab und erinnert daran, dass Verfolgte sich ins “Leo” im Schottenstift flüchten konnten. Wer als Kind “Fangerln” spielte, kennt sicher noch den Begriff “Leo”. Das war jener Ort, wo Gejagte in Sicherheit waren. Erfunden hat das “Leo” Herzog Leopold, der Glorreiche. Daher auch der Name. Verfolgte, die sich ins Leo flüchteten, stellten sich unter den Schutz der Kirche und konnten nicht vor ein weltliches Gericht gestellt werden.

Austria-Brunnen

Werft noch einen Blick auf den Austria-Brunnen, im Volksmund auch “Zigarrl-Brunnen” genannt. Als der bayrischen Bildhauer Schwanthaler den Auftrag für den Austria-Brunnen übernahm, versteckte er in den Hohlräumen seiner Figuren Zigaretten, um diese “zollfrei” von München nach Wien zu schmuggeln. Eine Krankheit verhinderte jedoch, dass Schwanthaler die Rauchware noch vor der Aufstellung des Brunnens aus den Figuren nehmen konnte. Seit der letzten Restaurierung des Brunnens ist diese Geschichte leider wiederlegt. Oder Schwanthaler war doch nicht so krank, wie seinerzeit behauptet.

Am Hof – Hang ’Em High

Am Hof

Heinrich II Jasomirgott verlegte 1145 seine Regierungsgeschäfte von Klosterneuburg nach Wien, wo er am Platz “Am Hof” seine Residenz errichten ließ. Um 1280 übersiedelten seine Nachfolger Richtung Hofburg und der Platz wurde für Märkte, Turniere und als Hinrichtungsstätte genutzt. Vom Balkon der Kirche “Zu den neun Chören der Engel” rief sich der gute Kaiser Franz 1806 zum ersten österreichischen Kaiser aus und beendete damit das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen.

Am Hof

Wo heute ein Luxushotel seine Pforten geöffnet hat (Am Hof 2) stand einst das Kriegsministerium. In dieses drangen im Revolutionsjahr 1848 Wutbürger ein und lynchten den wenig beliebten Kriegsminister Latour. Sein Leichnam wurde zum Gaudium des Mobs auf einer Gaslaterne in der Mitte des Platzes aufgehängt. Kurz darauf war aber schon wieder Schluss mit der Revolution. Die kaiserlichen Truppen siegten und die Revoluzzer beschränkten sich nur mehr auf das Granteln. Bekanntlich eine typische Wiener Spezialität.

Judenplatz – Schauplatz der Wiener Gesera

Lessingdenkmal am Judenplatz

Der stimmungsvolle Judenplatz war im Mittelalter das Zentrum der jüdischen Gemeinde Wiens. 1421 kommt es jedoch zu einem blutigen Pogrom. Herzog Albrecht V beschuldigte die jüdische Gemeinde der mehrfachen Hostienschändung und der Finanzierung von Waffenlieferungen an die Hussiten. Albrecht ordnet die Inhaftierung aller Juden und deren Vertreibung “aus Stadt und Land” an. Wenige können in die Synagoge am Judenplatz fliehen und begehen kollektiven Selbstmord um der Zwangstaufe zu entgehen.

Lessingdenkmal am Judenplatz

Die ärmeren Juden lässt der Herzog nach Ungarn deportierten. Rund 200 Mitglieder der jüdischen Gemeinde werden auf die Weißgerberlände –in der Nähe des Hundertwasser Museums – getrieben und auf einem Scheiterhaufen lebendig verbrannt. Ein Relief am Haus “Zum großen Jordan” am Judenplatz 2 nimmt auf diese brutale Vertreibung Bezug.

Mahnmal für die jüdischen Opfer am Judenplatz

An die Auslöschung der jüdischen Bevölkerung im Dritten Reich erinnert das Holocaust-Mahnmal der britischen Künstlerin Rachel Whiteread. Das Denkmal stellt Bibliothekswände dar. Kein Buchrücken ist lesbar, da die Bücher nach Innen stehen. Jedes der Bücher symbolisiert ein Opfer des Holocaust und dessen Lebensgeschichte.

Am Petersplatz – Spielts auf zum Bauerntanz!

Peterskirche

Wir umrunden die Peterskirche, die – neben der Ruprechtskirche – als eine der ältesten Kirchen Wiens gilt. Kaiser Karl der Großen soll diese persönlich um 792 gegründet haben. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Peterskirche 1733.

Bürgerhaus "Zum Bauerntanz"

Mit dem schönen Bürgerhaus “Zum Bauerntanz” am Petersplatz 10 ist eine blutige Anekdote verbunden. Der Name erinnert an den Bauernaufstand von 1595, wo ein Bauernheer gegen die Unterdrückung durch die Grundherrn aufbegehrte. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, die Anführer auf dem Platz “Am Hof” durch Rad und Schwert hingerichtet. Mitläufern schnitt man Nasen und Ohren ab. Die Ur-Wiener, bekannt für ihren bitterbösen Humor, witzelten, dass die Unglücklichen nun “herausgeputzt zum Tanze” gehen könnten. Dieser zynische Witz gefiel dem Hausherrn so gut, dass er fortan sein Haus “Zum Bauerndantz” nannte.

Hoher Markt – Diese Uhr schlägt keinem Glücklichen

Schranne

Der Hohe Markt zählt zu den ältesten Plätzen Wiens. Unter den Pflastersteinen ruhen die Ruinen des römischen Vindobona. Für viele Jahrhunderte stand am Hohen Markt die Schranne, wo der Stadtrichter seines Amtes waltete und Urteile verkündete. Todesurteile wurden in der Regel gleich im Anschluss der Urteilsverkündung vollstreckt. Das Geläut des Armesünderglöckleins von der Kapelle “Zur Todesangst Christi” und das Gejohle der Bevölkerung begleiteten den Verurteilten auf seinem letzten Weg. Frauen wurden meist geköpft, Männer viergeteilt oder gehängt.

Vermählungsbrunnen

Hinrichtung waren im alten Wien immer “a Hetz und Gaudi”. Urteilsweiber verteilten Flugzettel, die über den Delinquenten selbst und seine Todesart berichteten, quasi eine Art Theaterprogramm für die Hinrichtung. Keinen Spaß verstand das Publikum bei Dilettanten. Im Jahr 1501 lynchten aufgebrachte Zuseher den Henker, weil er mehrere Versuche gebraucht hatte, einen Verurteilten zu köpfen. Gegenüber der Schranne stand das Narrenkotterl. In diese Menschenkäfige sperrte man Unruhestifter, Dirnen und Trunkenbolde und gab diese dem Spott der Wiener preis.

Vermählungsbrunnen

Wo einst Verbrecher am Galgen baumelten, steht heute der Vermählungsbrunnen, der die Vermählung von Joseph und Maria darstellt. Dieser wurde von Joseph Emanuel Fischer von Erlach nach den Plänen seines Vaters errichtet.

Ankeruhr

Versäumt auf keinen Fall die von Franz Matsch im Jugendstil geschaffene Ankeruhr. Findet Euch am besten kurz vor 12 Uhr bei der Uhr ein. Denn pünktlich mit dem Glockenschlag marschieren Persönlichkeit aus der Wiener Geschichte mit Musikbegleitung an Euch vorbei – von Marc Aurel bis Prinz Eugen und Maria Theresia.

Stephansdom – Das Leo beim Adlertor

Stephansdom

Der Stephansdom ist das Wahrzeichen Wiens und eines der wichtigsten gotischen Bauwerke Österreichs. Ihn im Detail zu beschreiben würde den Umfang des Beitrags sprengen.

Leo am Stephansdom

Zum Thema dieses Stadtspaziergangs passend, werfen wir aber einen Blick auf den Asylring bzw das Leo an der Außenseite des Doms. Der Asylring befindet sich der auf der linken Seite Adlertor. Auch hier galt das eiserne Gesetz: Verfolgte, die den Ring berührten, stellten sich unter den Schutz der Kirche und konnten von der Stadtgarde nicht festgenommen werden.

Blutgasse – Das Geheimnis der Tempelritter

Blutgasse

Wir stehen in der schmalen Blutgasse, im Mittelalter als Kothgässel bekannt. Lasst Eurer Flatulenz freien Lauf und ihr wisst, wie es hier im Mittelalter roch. Angeblich verdankt die Blutgasse ihren Namen dem Blut der Tempelritter. Dieses floss durch die Gasse in Strömen, als der Ritterorden 1312 aufgelöst wurde und es zu einem Blutbad an den Templern im Fähnrichhof kam.

Fähnrichshof

Den legendären Templerschatz, sollen Überlebende des Massakers im unterirdischen Kellerlabyrinth des Fähnrichhofs versteckt haben. Doch bis heute wurde dieser nicht gefunden. Eine Legende weiß zu berichten, dass im Stamm der mächtigen Platane ein Templerschwert steckt. Dieses ist aber von der Baumrinde schon sehr überwuchert. Experten vermuten, dass es sich dabei um kein Templerschwert, sondern um einen alten Zaunsteher handelt.

Franziskanerplatz – Tuet Buße!

Franziskanerplatz

Mittlerweile sind wir am malerischen Franziskanerplatz angekommen. Vor uns der Mosesbrunnen, dahinter Franziskanerkloster und Franziskanerkirche. Kloster und Kirche befinden sich seit 1589 im Besitz des Franziskanerordens.

Franziskanerkirche

Davor lebten hinter den dicken Klostermauern reuige Lustdirnen, die in einer klosterähnlichen Gemeinschaft Unterstützung für die Rückkehr zu einem sittenhaften Leben erhielten. Die Buße bestand aus Beten und harter Arbeit unter der Obhut einer “Meisterin”. Geläuterten Frauen durften das Kloster verlassen und heiraten. Aber wehe, die Frauen wurden rückfällig! Denn dann ertränkte man die Unglückliche in der Donau.

Franziskanerkirche

Am Beginn des 16. Jhdts begann der Niedergang des Büßerinnenklosters. Unter der Leitung von Meisterin Juliane Kleeberger feierten die “gefallenen Mädchen” wilde Orgien. Bald hatte das Kloster den Ruf eines Nobelbordells. Die Meisterin vergnügte sich mit einem Ordenspriester und verprasste mit ihm den wertvollen Kirchenschatz. Das war dann der Obrigkeit doch zu viel. Die Kleeberger wurde verhaftet und verschwand für ewig hinter den  Mauern eines Nonnenklosters.

Franziskanerkirche

Besucht auf alle Fälle auch das Kircheninnere. Dort seht ihr die Wöckherl-Orgel, die älteste noch bespielbare Orgel Wiens aus 1642 und die Statue “Madonna mit der Axt” oberhalb des Altars. Der Name rührt daher, dass Protestanten vergeblich versucht hatten, die Statue mit einer Axt zu zerstören.

Malefizspitzbubenhaus

Malefitzspitzbubenhaus

Unser Rundgang führt uns weiter in die Rauhensteingasse 10. Wo heute ehrbare Bürger wohnten, befand sich das Malefizspitzbubenhaus, das berüchtigte Gefängnis der Stadt. In den weitläufigen unterirdischen Kerker- und Foltergewölbe saßen die Spitzbuben nicht nur hinter Schloss und Riegel, sondern machten auch Bekanntschaft mit glühenden Zangen oder Daumenschrauben.

Malefitzspitzbubenhaus

Überlebten die Ärmsten die Folter, schleppte man sie zurück in ihre finstere Zelle, wo sie auf Strohmatten dahinvegetieren. Daran erinnert die Wiener Redewendung “Auf der Dacken liegen”. Nach der Abschaffung der Folter unter Maria Theresia wurde das Malefizspitzbubenhaus abgerissen. Das heutige Wohnhaus stammt aus dem Jahr 1911.

Wiener Staatsoper – Es schleicht herum der Frauenmörder Wurm!

Wiener Staatsoper

Mittlerweile sind wir bei der Wiener Staatsoper angekommen. Während auf der Bühne die “Walküren” einritten, fand hinter den Kulissen ein brutaler Mord statt. Im Februar 1963 erstach Josef Weinwurm eine elfjährige Ballettschülerin im Duschraum der Oper mit 34 Messerstichen.

Staatsoper

Erst ein halbes Jahr später konnte der Mörder verhaftet werden. Aus Zufall! Beim Versuch einer Frau die Handtasche zu stehlen wird der Flüchtige von einem Polizisten gestellt. Weinwurm wird schuldig gesprochen und landet für lebenslang hinter Gitter. Der in den 60er Jahren Aufsehen erregende Mord, inspirierte Georg Danzer zu dem Lied “Die Moritat vom Frauenmörder Wurm”.

Staatsoper

Ein tragisches Schicksal ereignete sich bereits bei der Errichtung des Opernhauses. Durch einen Planungsfehler versank der Neubau förmlich in der Erde. Der Spott der Wiener war den Architekten Sicardsburg und van der Nüll gewiss. Der Kaiser sprach gar von einer “versunkenen Kiste”. In Folge dessen beging van der Nüll Selbstmord und Sicardsburg starb kurz darauf an einem Herzinfarkt.

Der Armensünder-Gottesacker bei der Karlskirche

Karlskirche

Die von Johann Bernhard Fischer von Erlach erbaute Karlskirche zählt zu den barocken Meisterwerken Wiens. Der mächtige Kirchenbau wurde Kaiser Karl VI in Auftrag gegeben und symbolisiert die Überwindung der Pest-Epidemie von 1713, sowie den Sieg über die Türken 1683.

Karlskirche

Lange vor der Errichtung der Karlskirche befand sich an dieser Stelle der Armensünder-Gottesacker, die letzte Ruhestätte für diejenigen, die kurz davor gehängt, enthauptet, gerädert oder gevierteilt worden waren. Um die Bestattung dieser armen Seelen kümmerte sich die von Kaiserin Eleonora um 1638 ins Leben gerufene, Totenbrüderschaft. Als Erkennungszeichen trug die Bruderschaft schwarze Kapuzenmäntel, die ein Totenschädel mit zwei gekreuzten Knochen zierte.

Karlskirche

Es muss ein gespenstischer Anblick gewesen sein, wenn die “Butzenmänner” vermummt und schweigsam mit dem Leichenkarren durch die Gassen zogen. Der Legende nach, geht das Kinderlied “Bi-Ba-Butzemann” auf das furchteinflößende Aussehen der Bruderschaft zurück. 1783 hob Kaiser Joseph II den Männerbund auf und ließ den Friedhof schließen. Ein Teil des Gottesackers wurde verbaut, der andere Teil bildet heute den Resselpark und den Karlsplatz.

Schwarzenbergplatz – Der Platz des Grauens

Hochstrahlbrunnen

Böse Zungen behaupten noch heute, dass der Hochstrahlbrunnen das Russendenkmal verdecken soll. Das “Denkmal des unbekannten Plünderers” – so der Volksmund – erinnert an die Befreiung Wiens durch die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg. Zweimal war es Zielscheibe von Bombenanschlägen, die jedoch rechtzeitig vereitelt werden könnten.

Schwarzenbergplatz

In die Kriminalgeschichte ging das Russendenkmal durch den Mordfall Ilona Faber ein. Die Mannequin Schülerin – ein schönes altmodisches Wort für Model – wurde im Frühjahr 1958 erwürgt hinter dem Denkmal aufgefunden. Der Fall sorgte für großes Aufsehen, da das Mädchen aus gutem Haus stammte und die Tochter eines hohen Ministerialbeamten war.

Schwarzenbergplatz

Bereits einen Tag nach dem Mord nahm die Polizei einen Verdächtigen fest, der aber vor Gericht mangels dürftiger Beweise freigesprochen wurde. Der Mörder des Mädchens wurde nie gefasst. Wir sind am Ende unseres Spaziergangs angekommen und wir hoffen, die Tour durch das schaurig-schöne Wien hat Euch gefallen.

FOTOALBUM
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einem schaurigen Spaziergang durch die Wiener Innenstadt inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Wanderung findet Ihr im Fotoalbum unter: Auf den Spuren von Mördern, Henkern und Totenbrüdern