USEDOMER SCHWEIZ – AUF DEN SPUREN DES MALERS LYONEL FEININGER

Dieser Beitrag entführt Euch in die Usedomer Schweiz. Entdeckt gemeinsam mit dem Maler Lyonel Feininger idyllische Dörfer mit kleinen feinen Sehenswürdigkeiten.

Wie der Name Usedomer Schweiz entstand

Rund um Mellethin

Einst trafen sich findige Touristiker und diskutierten, wie sie Usedoms Hinterland besser vermarkten könnten. Denn »Achterland«, wie die Region hinter den drei Kaiserbädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck heißt, klingt zwar recht nett, aber nicht besonders sexy. Nach endlosen Brainstormings fiel endlich der Groschen!

Rund um Benz

Nennen wir doch die hügelige Gegend mit Wäldern, Wiesen und sieben Seen einfach »Usedomer Schweiz«. Der Einwand, dass es keinen 4.000er hier zu besteigen gibt, wurde rasch verworfen, denn immerhin kann man mit dem Kückelsberg aufwarten, der sage und schreibe 56 Meter misst. Eine nette Geschichte, aber ich gebe zu, diese ist frei erfunden!

Die Radtouren des Malers Lyonel Feininger

Neppermin

Wenn in den Kaiserbädern zu viel Trubel herrscht, dann bietet sich eine Tour in das ruhigere Inselinnere von Usedom an. Die Ruhe und Schönheit dieser Gegend schätzte auch der deutsch-amerikanischen Maler Lyonel Feininger, der viele seiner Urlaube auf Usedom verbrachte.

Kirche von Benz

Zu seinen Lieblingsmotiven zählte die St-Petri-Kirche in der kleinen Gemeinde Benz, deren Geschichte bis in die erste Hälfte des 15. Jhdt zurückreicht. Geboren 1871 als Sohn deutscher Eltern in New York, kam Feininger mit 16 Jahren zurück nach Deutschland und besuchte die »Königlichen Akademie der Künste« in Berlin. Zuerst als freier Illustrator für verschiedene Zeitschriften tätig, widmete sich Feininger am Beginn des 20. Jhdt immer mehr der Malerei.

Benz, das Zentrum der Usedomer Schweiz

Holländermühle in Benz

Im Jahr 1908 besucht Lyonel Feininger erstmals die Insel Usedom. Von Heringsdorf aus unternahm Feininger unzählige Radausflüge in die Usedomer Schweiz, wo er Landschaften und Gebäude skizzierte. Mit seinem für die damaligen Verhältnisse hypermodernen Fahrrad mit Luftreifen erregte er bei den Einheimischen überall Aufsehen. In Benz verewigte er nicht nur die St-Petri-Kirche auf Papier, sondern auch die Holländermühle auf dem Berg oberhalb des Ortes, die im Jahre 1830 erbaut wurde.

Windmühle in Benz

Von diesem wahrlich schönen Plätzchen habt ihr einen schönen Ausblick auf die Landschaft und den Schmollensee. Ein Jahr nach seinem ersten Aufenthalt auf Usedom wird er Mitglied der Berliner Secession, die sich dem Impressionismus verschrieben hatte.

Rund um Benz

Im Jahr 1919 gründet Feininger gemeinsam mit Walter Gropius das Bauhaus in Weimar und gehört mit seinen Arbeiten schon bald zu den bedeutendsten Künstlern der Klassischen Moderne. 1937 muss Feininger in die USA zurückkehren, da seine Bilder im Nazi-Deutschland als »entartete Kunst« gelten. Der Maler stirbt 1956 in New York.

Lyonel Feininger in Neppermin

Neppermin

Auf der Suche nach geeigneten Motiven führten Feininger seine Radtouren auch in die kleine Ortschaft Neppermin, die erstmals im Jahr 1254 urkundlich erwähnt wurde. Der Ortsname geht auf die erste Besiedelung der Insel durch Slawen zurück und bedeutet so viel wie »der Ort an einem stehenden Gewässer«, was sich auf die Lage am Achterwasser bezieht. Feininger gab den Ort die liebevollen Spitznamen »Nevermind« und »Peppermint«.

Die Bockwindmühle von Pudagla

Bockwindmühle von Pudagla

Am Weg zwischen Pudagla und Neppermin fertigte Feininger Skizzen von der Bockwindmühle in Pudagla an. Sie gilt als letzte noch im Originalzustand erhaltene Bockwindmühle auf Usedom. Das Merkmal einer Bockwindmühle ist, dass das gesamte Mühlenhaus auf einem senkrechten dicken Pfahl – dem »Bock« – steht.

Bockwindmühle von Pudagla

Die Geschichte der Mühle geht bis in das Jahr 1779 zurück und sie war bis 1937 in Betrieb. Nach umfassenden Restaurierungsarbeiten ist heute ein kleines Museum in der Mühle eingerichtet.

Mellethin – Der Mittelpunkt von Usedom

Kirche von Mellethin

So manche Radtour führte Feininger auch in das Gutsdorf Mellethin mit einer hübschen mittelalterlichen Backsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert. Das Wort »Mellenthin« kommt aus dem slawischen und bedeutet »Mittelpunkt«. Und wie der Zufall will, steht genau dort, wo sich der Mittelpunkt der Insel Usedom befinden soll, das Wasserschloss Mellenthin.

Schloss Mellethin

Das Renaissance-Schloss Mellethin ist das einzige Wasserschloss auf Usedom. Errichtet um 1575 wurde das Schloss zu DDR-Zeiten für Wohnzwecke, als Kindergarten und als Gaststätte genutzt.

Schloss Mellethin

Nach der Wende wurde das Wasserschloss im Jahr 2001 aufwendig renoviert und zu einem beliebten gastronomischen Ausflugziel umgebaut. Unserer Meinung nach kann, aber man muss es nicht zwingend besuchen, denn das Schloss ist ein magischer Anziehungspunkt für alle Reisebusse und – jetzt wird es böse – »Rollatoren-Touren« .

Die »Lyonel-Feininger-Tour«

Wegweiser Feininger Radtour

Alle diese Motive könnt ihr im Rahmen der »Lyonel Feininger Radtour« besuchen. Plaketten im Boden markieren alle seinen Wirkungsstätten. Natürlich ist diese Tour auch mit dem Auto möglich. Weitere Infos findet ihr auf der Seite usedom.de

NOCH MEHR FOTOS ZUR INSPIRATION?
Wir hoffen, dass wir Euch zu einer Rundreise in die Usedomer Schweiz inspirieren konnten. Noch mehr Fotos von der Insel Usedom findet Ihr im Fotoalbum unter: USEDOMER SCHWEIZ – AUF DEN SPUREN DES MALERS LYONEL FEININGER