VENEDIG AUF DEN SPUREN VON GIACOMO CASANOVA ENTDECKEN

Die Sehenswürdigkeiten von Venedig auf den Spuren von Giacomo Casanova entdecken. Taucht ein in das Labyrinth verschwiegener Kanäle und enger Gassen. Entdeckt prachtvolle Palazzi und Kirchen. Alles was ihr für unsere Casanova-Tour benötigt ist ein wenig Zeit und bequeme Schuhe.

Markusplatz

Giacomo Casanova, Schriftsteller, Abenteurer, Diplomat, Alchemist und der größte Liebhaber aller Zeiten kam im Jahr 1725 in Venedig auf die Welt. Geboren als Kind eines Schauspielerehepaares, verbrachte der kleine Giacomo seine ersten Lebensjahre in den Gassen rund um die Kirche San Samuele.

Geburtshaus Giacomo Casanova

Sein Vater stirbt früh, seine Mutter, die Schauspielerin Zanetta Farussi, tingelt ständig mit einer Theatertruppe quer durch Europa. Giacomo wächst bei seiner Großmutter auf, die ihm eine Ausbildung an der Universität Padua ermöglicht. Er promoviert in Jus und Theologie und schlägt die Priesterlaufbahn ein. Für ein Kind aus ärmlichen Verhältnissen die einzige Chance auf einen sozialen Aufstieg.

Kirche San Samuele

Chiesa di San Samuele

In der Kirche San Samuele hält Casanova seine erste Predigt und begeistert das Publikum, besonders das weibliche. Im Klingelbeutel landen mehr Liebesbriefe als Münzen. Seine zweite Predigt endet jedoch in einem Fiasko. Völlig betrunken fällt er mitten in der Predigt von der Kanzel. Damit fand seine kirchliche Karriere ein jähes Ende.

Campo dei Frari

Santa Maria Gloriosa dei Frari

Vom Campanile der Frari-Kirche ertönt ein Glockenschlag, fast so, als würde der schlichte Backsteinbau auf sich aufmerksam machen wollen. Doch das hat Frari-Kirche gar nicht notwendig, denn das Innere ist voll mit prächtigen Kunstwerken von Tizian und Bellini.

Grabmal Tizian, Santa Maria Gloriosa dei Frari

Für den Hochaltar hat Tizian ein Meisterwerk geschaffen, die »Die Himmelfahrt Marias«, welches Casanova als das schönste Gemälde der Welt bezeichnete. In der Frari-Kirche befindet sich auch die letzte Ruhestätte des berühmten Malers.

Haus von Carlo Goldoni

Wohnhaus von Carlo Goldoni

Im Jahr 1707 wird in diesem gotischen Palazzo der Komödiendichter Carlo Goldoni geboren. Zuerst schlägt Goldoni die Laufbahn eines Advokaten ein, doch seine Liebe gilt dem Theater und den Schauspielerinnen. Bei einem Auftritt in Verona lernt Goldoni Casanovas Mutter kennen und ist begeistert von der »sehr hübschen und talentierten« Schauspielerin. Mehrfach ist Casanovas Mutter zu Gast im Hause Goldoni. Ob die beiden eine Affäre hatten? Man weiß es nicht. Bekannt ist aber, dass Goldoni für sie die Komödie »Das Mündel« schrieb.

Campo San Polo

Campo San Polo

Der Campo San Polo ist nach dem Markusplatz der zweitgrößte Platz Venedigs und für Casanova der wichtigste Ort in seinem Leben. Wir schreiben das Jahr 1746. Casanova, stets knapp bei Kasse, nimmt ein Engagement als Geiger zur Unterhaltung einer Hochzeitsgesellschaft im Palazzo Soranzo an. Als er spätnachts den Palazzo verlässt, bemerkt er, wie ein wohlhabender Mann im Vorbeigehen einen Brief verliert. Er eilt dem Adeligen nach, als dieser plötzlich zusammenbricht. Casanova leistet Erste Hilfe und begleitet den Unbekannten ihn in sein Haus.

Palazzo Soranzo, Campo San Polo

Ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte, denn der Fremde ist der einflussreiche Senator Matteo Bragadin. Casanova schlüpft in die Rolle eines Arztes, wacht tagelang am Krankenbett des Senators und pflegt ihn aufopfernd. Seine Behandlungsmethoden zeigen Erfolg und Bragadin gesundet. Aus Dankbarkeit behandelte er Casanova wie seinen Sohn und stattet ihn mit einer Gondel, einem Diener und einer großzügigen Apanage bis zu seinem Lebensende aus.

Ponte Bernado

Ponte Bernado

Enge Gassen und kleine Brücken über schmale Kanäle gibt es viele in Venedig. Sie sind perfekte Orte für einen Überfall. Einen solchen plante Casanova am Ponte Bernado. Sein Opfer, Antonio Razzetta, ein windiger Kaufmann. Als Casanovas Großmutter stirbt werden Giacomo und seine Geschwister bei Pflegeeltern untergebracht. Haus und Möbel werden verkauft. Den Verkauf der Möbel wickelt Razzetta ab, der den Verkaufserlös aber selbst in die Tasche steckt. Als Casanova davon erfährt, sinnt er auf Rache. Maskiert lauert er Razetta auf, prügelt ihn windelweich und wirft ihn ins Wasser. Seine Rache ist zwar gestillt, aber sein Geld sieht Casanova trotzdem nicht.

Ponte del le tete

Ponte del le tete

Zur Zeit von Casanova befand sich rund um die »Brücke der Brüste« das Rotlicht-Viertel Venedigs. Der Name der Brücke kommt von den Prostituierten, die von Balkonen und Fenstern rund um die Brücke ihr blankes Dekolleté zur Schau stellten, um Kunden anzulocken. Prostitution war in der Serenissima zwar nicht gerne gesehen, aber eine »Sex-Steuer« spülte viel Geld in die Kassen der Lagunenstadt. Die Stadtväter hofften auch, dass die entblößten Brüste Homosexuelle »von der Sünde gegen die Natur« heilen würden.

Rialtomarkt

Rialtomarkt

Jahrhundertelang war die Gegend rund um die Rialto-Brücke der wichtigste Handelsplatz der Stadt, wo das Leben pulsierte. Händler aus aller Herren Länder löschten am Kai ihre Waren und versorgten die Venezianer mit wertvollen Stoffen, Gewürzen und anderen Luxusartikeln. Stellt euch das Treiben früh morgens zur Zeit Casanovas vor. Der Uferkai ist von Lärm, Rufen und Flüchen erfüllt. Händler preisen lautstark die hohe Qualität ihrer Fische und Meerestiere an. Mägde eilen von Stand zu Stand um frisches Obst und Gemüse für ihre Herrschaften einzukaufen.

Rialtomarkt

Dazwischen stolziert Casanova herum und erwirbt bei den Händlern in den Seitengassen seidene Strümpfe oder gestickte Strumpfbänder mit goldenen Spangen für seine Angebeteten. Oder besorgt Zutaten für Heilmittel, die er für Freunde selbst herstellt. So berichtet Casanova in seinen Memoiren, dass er für eine hübsche Freundin, die ungewollt schwanger wurde, ein Abtreibungsmittel aus Safran, Myrrhe und Kräutersäften braute.

Rialtomarkt

Diese Salbe musste dann vor der täglichen Anwendung nur noch mit frischem Sperma vermischt werden. Selbstlos wie Casanova nun einmal war, steuerte er das Sperma gerne bei. Er strich sich die Salbe auf seine Penisspitze, führte diese der Freundin ein und hatte eine Woche lang sein Vergnügen. Das dieses Mittel nichts half, könnt ihr Euch wohl denken. Die aufgebrachten Eltern steckten das Mädchen in ein Kloster, wo es heimlich das Kind auf die Welt brachte.

San Giacomo di Rialto

San Giacomo di Rialto

Die Kirche San Giacomo di Rialto gilt als die älteste Kirche der Serenissima und wurde gerne von den Händlern der Umgebung aufgesucht. Vielleicht ermahnt deshalb eine Inschrift an der Kirche, die Kaufleute, ihr Gewerbe mit Anstand auszuüben, die Waagen nicht zu manipulieren und nicht zu betrügen.

Gobbo di Rialto, der Bucklige von Rialto

Erwischte man einen Kaufmann, der seine Kunden betrog, so bekam er beim »Buckligen von Rialto« (Gobbo di Rialto) die Peitsche zu spüren. Damals war halt die Welt noch in Ordnung.

Rialto-Brücke

Rialto Brücke

Die Rialtobrücke ist neben dem Dogenpalst sicherlich das bekannteste Bauwerke der Stadt. 48 Meter lang und 22 Meter breit verbindet sie die Stadtbezirke San Marco und San Polo.

Campo San Bartolomeo

Goldoni-Denkmal, Campo San Bortolomeo

Wir spazieren weiter über den Campo San Bartolomeo, wo wir von Carlo Goldoni persönlich begrüßt werden. Auch er schreitet mit angemessenem Schritt über den Platz, ja es scheint fast so, als ob er jeden Vorbeigehenden grüßen würde.

Campo Santa Sofia, Campo Santi Apostoli

Chiesa dei Santi Apostoli

Wir schlendern weiter über den Campo Santa Sofia und Campo Santi Apostoli bis zur Chiesa della Madonna dell’Orto, wo der großartige Maler Tintoretto seine letzte Ruhestätte fand. Es gibt kaum einen Campo in Venedig, wo Casanova nicht nach schönen Frauen Ausschau hielt. Der größte Frauenheld aller Zeiten hatte unzählige Amouren mit Dienstmägden, Ehefrauen reicher Aristokraten, Kurtisanen und Tänzerinnen.

Ca’ d’Oro

Sie hießen Lucia, Annita, Caterina, Henriette oder Marina. Mehr als 300 sollen es gewesen sein. Doch kaum hatte er das Herz einer Angebeteten erobert, verliebte sich Casanova bereits unsterblich in sein nächstes Opfer. »Die Sinneslust war mir immer die Hauptsache«, schreibt Casanova in seinen Memoiren, »niemals hat es für mich etwas Wichtigeres gegeben. Ich habe die Frauen immer geliebt und mich von ihnen lieben lassen«. Er beherrschte die Kunst der Verführung perfekt, wusste den Damen zu schmeicheln und hatte Charme und Humor.

Fondamenta della Misericordia

Fondamenta della Misericordia

Mittlerweile haben wir den Stadtteil Cannaregio erreicht und folgen der Fondamenta della Misericordia. Hier lernte Casanova die damals erst vierzehnjährige Caterina kennen, in die er sich sofort unsterblich verliebte. Als Casanova im tief ausgeschnittenen Mieder die Knospen ihrer Brüste sieht, verspricht er ihr sofort die Ehe.

Fondamenta della Misericordia

Als der Vater des Mädchens von den Hochzeitplänen hört, lässt er Caterina sofort in ein Kloster auf der Insel Murano bringen. Doch das Kloster war kein Ort, wo man seine jungfräulichen Töchter in Sicherheit wiegen konnte, im Gegenteil. Mittelsfrauen spielten Postillon d’amour und schmuggelten Liebesbriefe in das Kloster hinein und heraus.

Campo Madonna dell’Orto

Madonna dell'Orto

Unser nächstes Ziel ist die Kirche Madonna dell’Orto am gleichnamigen Platz. Bekannt ist die Kirche, weil sie zahlreiche Werke von Tintoretto beherbergt, der in der Nähe der Kirche gewohnt hat und hier auch seine letzte Ruhestätte fand. Tintoretto gehört zusammen mit Tizian und Veronese zu den bedeutendsten Malern Venedigs im 16. Jahrhundert. Er malte religiöse Bilder, mythologische und allegorische Themen, sowie Porträts und Schlachtengemälde.

Madonna dell'Orto

Die Kirchen in Venedig waren zur Zeit Casanovas ein beliebter Ort um auf »Aufriss« zu gehen oder Kurtisanen kennen zu lernen. Unauffällig spazierten die Damen als Kirchgängerinnen mit Rosenkranz und Gebetsbuch getarnt rund um das Kirchenportal herum. Oder Sie täuschten eine tief im Gebet versunkene trauernde Witwe vor. In Wahrheit warteten sie nur auf das Hüsteln oder ein unauffälliges Handzeichen eines Interessenten, dem sie dann folgten.

Campo dei Mori

Campo dei Mori

Seinen Namen verdankt der Campo dei Mori, den drei Skulpturen, die Orientalen mit Turbanen darstellen. Es handelt sich dabei um drei Brüder aus der Kaufmannsfamilie Mastelli, die im 12. Jhdt von Morea nach Venedig ausgewandert waren und sich hier einen Palazzo errichten ließen.

Palast des Kamels, Campo dei Mori

Ihr erkennt ihn leicht, da seine Fassade mit einem Relief verziert ist, welches einen Kaufmann mit einem Kamel zeigt und dem Palazzo den Spitznamen »Palast des Kamels« einbrachte.

Campo dei Mori

Einer der Brüder soll eine besonders gute Nase für erfolgreiche Geschäfte gehabt haben. Schaut Euch nach der Statue mit der dunklen Nase um. Es soll Glück bringen, wenn man diese berührt.

Geburtshaus von Tintoretto

Nur einen Steinwurf entfernt steht das Geburtshaus von Tintoretto, der von seinen Malerkollegen spöttisch das Färberlein genannt wurde, weil sein Vater Seidenfärber war.

Santi Giovanni e Paolo

Santi Giovanni e Paolo, San Zanipolo

Die Kirche Santi Giovanni e Paolo wird von den Venezianer liebevoll nur San Zanipolo genannt. Sie zählt mit einer Länge von rund 100 m zu den größten Gotteshäusern in Venedig. Die Klosterkirche der Dominikaner gilt als Pantheon Venedigs, da hier unzählige Dogen, reiche Adelsfamilien und Künstler bestattet wurden. Casanova war von dem gotischen Backsteinbau beeindruckt, doch viel mehr interessierte ihm das Reiterstandbild vor der Kirche.

Bartolomeo Colleoni, San Zanipolo

Die dem Feldherrn Bartolomeo Colleoni gewidmete Statue, war Casanovas Lieblingsort, um sich mit der Nonne Marina zu treffen, die er bei einem Besuch von Caterina im Kloster kennengelernt hatte. In seinen Memoiren erinnert sich Casanova, dass »er voller Vorfreude bereits eine Stunde vor der angesetzten Zeit zum Stelldichein eingetroffen war«. Als endlich eine Gondel am Kai anlegt, steigt nicht Marina sondern ein maskierter Mann aus dem Boot.

Santi Giovanni e Paolo, San Zanipolo

Der Maskierte nähert sich, redet ihn an und reicht ihm die Hand. Jetzt endlich erkennt er die Liebste, die sich als Mann verkleidet hat. Ihre männliche Verkleidung »turnt ihn sogar richtig an«. Die Verliebten eilen Richtung Markusplatz, wo Casanova für dieses Treffen Räumlichkeiten angemietet hat. Dort sinkt er trunken vor Liebe und Glück in ihre Arme und gibt ihr sieben Stunden hindurch den Beweis seiner Glut.

Campo Santa Marina

Palazzo Bragadin

Wir haben den Campo Santa Marina erreicht, wo sich der Palazzo von Senator Matteo Bragadin. befindet. Nachdem Casanova Bragadin nach einem Schlaganfall das Leben gerettet hat, behandelt der Senator ihn wie seinen Sohn. Durch Bragadin erhält Casanova Zugang in höchste aristokratische Kreise. Er lernt einflussreiche Freunde des Senators kennen und beeindruckt sie mit seinem scheinbar allumfassenden Wissen über Alchemie und Astrologie. Seine gutgläubigen Zuhörer merken jedoch nicht, dass Casanova ein raffinierter Blender ist.

Palazzo Bragadin

Wird über ein Leben auf dem Mond diskutiert, kennt er Pflanzen, die auf dem Mond blühen oder er nimmt vor dem erstaunten Publikum Kontakt mit Verstorbenen auf. Casanova war ein vortrefflicher Menschenkenner und es bereitet ihm Spass die Dummen reinzulegen. Schon bald tauchen aber bösartige Gerüchte auf. Man munkelte, dass zwischen Casanova und Bragadin mehr als nur eine Freundschaft besteht. Ja man sprach sogar »von der Sünde gegen die Natur«. Nach einer anonymen Anzeige beginnt sich der venezianische Geheimdienst für den umtriebigen Casanova näher zu interessieren.

Uhrturm

Uhrturm von San Marco

Zu den bekanntesten Gebäuden am Markusplatz zählt der prächtige Uhrturm aus der Renaissancezeit. Berühmt sind die beiden Mohren am Dach des Turmes, die mit zwei Hämmern jede Stunde die große Glocke schlagen, um die Uhrzeit zu verkünden. Was muss sich Casanova gedacht haben, als er beim Erklingen der Glocke von Geheimpolizisten über den Platz zum Dogenpalast geschleppt wird?

Uhrturm von San Marco

Hat mein letztes Stündlein geschlagen? Man wirft ihm Gotteslästerung, Besitz verbotener Bücher und Spionage vor. Zwei Tatbestände auf die in Venedig die Todesstrafe oder viele Jahre Kerker drohen.

Markusplatz

Markusturm, Campanile di San Marco

Der Markusplatz, das Herz von Venedig! Napoleon bezeichnete ihn gar als den schönsten Festsaal Europas. Der Platz ist geprägt vom Markusdom, seinem Campanile, dem Uhrturm und vom Dogenpalast. Hier tummeln sich Touristen, Fotografen und Tauben. Bereits zu Casanovas Lebzeiten zählte der Markusplatz zur Flaniermeile.

Markusturm, Campanile di San Marco

Männer mit gepuderten Perücken promenierten mit der Dame ihres Herzens über den Platz. Der Anblick der hübschen Venezianerinnen mit weiten Röcken und tiefem Dekolleté, welches von einem zarten Gazetüchlein bedeckt war, erweckten nicht nur in Casanova den Wunsch nach einem amouröse Abendteuer, der das bunte Treiben gerne von einem Café aus, beobachtete.

Dogenpalast, Seufzerbrücke

Dogenpalast, Palazzo Ducale

Der Palazzo Ducale war für Jahrhunderte Regierungssitz der Dogen, Symbol der Macht Venedigs und Staatsgefängnis. Thomas Mann bezeichnete den Dogenpalast mit seiner filigranen Fassade und den offenen Säulengängen gar als Märchentempel. Casanova war vermutlich anderer Meinung, nachdem man ihn ohne Anklage und Urteil fünfzehn Monate in den Bleikammern eingekerkerte.

Dogenpalast, Palazzo Ducale

Am 26. Juli 1755 hatte es die Geheimpolizei tatsächlich gewagt ihn trotz seiner einflussreichen Freunde zu verhaften. Er wurde vernadert, von einem Neider oder einem gehörnten Ehemann, der auf Rache sann. Gotteslästerung, der Besitz verbotener Bücher und seine sexuellen Eskapaden werden ihm in einer anonymen Anzeige vorgeworfen. Denunzianten hatten es leicht in Venedig. Sie konnten jederzeit ihre schriftliche Bezichtigung in einen Briefkasten in Form eines Löwenmauls, den »bocche di leone« werfen. Casanova wird in den Dogenplast zum Verhör gebracht und obwohl er seine Unschuld beteuert, landet er ihm Kerker.

Seufzerbrücke, Ponte dei Sospiri

Beim Gang über die Seufzerbrücke ist ihm ein letzter Blick auf sein geliebtes Venedig gestattet. Seine Zelle liegt direkt unter dem Dach des Dogenpalastes, welches mit Bleiplatten gedeckt ist. Schon bald beginnt Casanova Fluchtpläne zu schmieden. Er entdeckt, dass die Deckenbalken der Bleikammern aus Holz sind. Mit Hilfe eines zugespitzten Eisenstücks bohrt er ein Loch durch die Balken, durch das er dann fliehen kann.

Campanile di San Marco

Markusturm, Campanile di San Marco

Der Markusturm ist mit seiner Höhe von knapp 100 Meter das höchste Gebäude Venedigs und wird von den Venezianern »Hausherr «genannt. Ursprünglich diente seine Turmspitze den Schiffen als Leuchtturm. Als der im Jahr 888 errichtete Markusturm bei Umbauarbeiten 1902 unerwartet einstürzt, wird er originalgetreu wieder errichtet. Nach seinem spektakulären Ausbruch aus den Bleikammern, flieht Casanova mit einer Gondel aufs Festland.

Markusplatz

Vermutlich blickt er sehnsüchtig auf den Campanile, den er noch von der Ferne aus sehen kann. 18 Jahre wird Casanova seine Heimatstadt nicht wiedersehen. Doch der Ausbruch aus dem sichersten Gefängnis der damaligen Zeit macht ihn zur Legende. Seine Flucht führt in durch alle Metropolen Europas, wo er in den Salons der Reichen und Schönen ein gern gesehener Gast ist. Denn sie alle wollen seine Geschichte vom spektakulären Ausbruch hören.

Markusdom

Markusdom, Basilica di San Marco

Das schönste Gebäude am Markusplatz ist sicherlich der Markusdom. Von byzantinischen Kirchenbauten geprägt, wirkt das Gotteshaus mit seinen fünf Kuppeln und seinen prachtvollen goldglänzenden Mosaiken orientalisch. Errichtet wurde die Kirche im Jahr 828 als letzte Ruhestätte für die aus Alexandria geraubten Gebeine des Evangelisten Markus. Nach der Überlieferung hatten zwei venezianische Kaufleute die Gebeine gestohlen, unter gepökeltem Schweinefleisch versteckt und hurtig mit dem Schiff nach Venedig transportiert.

Markusdom, Basilica di San Marco

Jetzt hatte Venedig nicht nur eine hochkarätige Reliquie eines Heiligen, sondern auch einen Schutzpatron, versinnbildlicht durch den geflügelten Löwen. Von der Schönheit dieses Gotteshauses war auch Casanova begeistert. Vielleicht träumte er davon, dass nach seinem Tod die sterblichen Überreste im Markusdom aufgebahrt werden, damit die weibliche Bevölkerung Gelegenheit zum Abschied hat. Doch dazu kam es nicht. 18 Jahre nach seiner Flucht aus den Bleikammern darf er 1774 noch einmal in Venedig einreisen.

Markusdom, Basilica di San Marco

Als er jedoch den venezianischen Adel in einer Schmähschrift verspottet, muss er neun Jahre später Venedig für immer verlassen. Seinen Lebensabend verbringt Casanova auf Schloss Dux in Böhmen, wo ihm eine Stelle als Bibliothekar angeboten wird. Dort verfasst er seine berühmten Memoiren, wo er sich an die »schönsten Weiber Europas« erinnert. Casanova stirbt in seinem Exil am 4. Juni 1798 an einem Prostataleiden und wird in Dux am Ortsfriedhof begraben.

Calle Vallaresso – Ridotto

Calle Vallaresso - Ridotto

In der Calle Vallaressso befand sich einst das berüchtigte Spielcasino Ridotto. Aufgrund der hohen Einsätze konnten es sich nur Adlige leisten an den Spieltischen Platz zu nehmen. Dazu kam noch eine strenge Kleiderordnung, die jedem Spieler Augenmaske und Dreispitz vorschrieb. Casanova verbrachte im Ridotto unzählige Nächte. Oft auch im Beisein der hübschen Nonne Marina, die sich bei den Casinobesuchen stets als Mann verkleidete. Pharao oder Basetta waren damals die angesagten Kartenspiele und Casanova verlor dabei ein Vermögen. »Jetzt brauchen wir keine Räuber mehr zu fürchten«, stellte einmal Marina fest, nachdem sie keinen Heller mehr in der Tasche hatten.

Campo San Maurizo

Palazzo Bellavista, Campo San Maurizo

Ecke Campo San Maurizo und Calle del Piovan befindet sich der Palazzo Bellavista, wo einst der Poet Giorgio Baffo lebte. Er galt als der größte Dichter erotischer Verse zur Zeit Casanovas. »Wenn die Wollust schreit, hat das Loch einer Bettlerin so viel Wert wie das einer Edelfrau«, lautet eines seiner Gedichte. Baffo war ein Freund der Familie, Verehrer von Casanovas Mutter und der Mentor des jungen Casanovas.

Campo San Maurizo

Er überzeugte Giacomos Großmutter den Knaben auf die Universität nach Padua zu schicken. Baffo soll dem Jungen auch die Kunst der Verführung beigebracht haben. Und das höchst erfolgreich, wenn man Casanovas Memoiren Glauben schenken darf. Soll er doch in seinem Leben mehr als 300 Frauen verführt haben.

Campo Santo Stefano

Campo Santo Stefano

Letzte Station unseres Rundganges ist der Campo Santo Stefano. Er ist einer der größten Plätze Venedigs und war zur Zeit Casanovas ein Ort der Gaukler, Beutelschneider und Flaneure. Man vergnügte sich hier bei der Stierhatz oder promenierte mit der Dame seines Herzens über den Platz. Andere gingen zum Gottesdienst in die Kirche Santo Stefano, die zu den bedeutendsten spätgotischen Kirchen Venedigs zählt.

Niccolò Tommaseo, Campo Santo Stefano

Hervorstechend ist das Portal mit seinem gotischen Spitzbogen und der 60 Meter hohe Kirchturm, der sich um zwei Meter zur Seite neigt. Werft noch unbedingt einen kurzen Blick auf das Denkmal des Schriftstellers Niccolò Tommaseo. Da der Dichter auf einem Bücherstapel sitzt wird das Denkmal von den Venezianern liebevoll auch der »Bücherscheißer« genannt.

FOTOALBUM
Wir hoffen, dass wir Euch mit unserem Stadtrundgang auf den Spuren von Casanova zu einer Städtereise nach Venedig inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu diesem Stadtrundgang findet Ihr im Fotoalbum unter: Venedig – Auf den Spuren von Casanova

Streckenplan