WEINGARTENRADWEG – VON MÖDLING NACH BAD VÖSLAU MIT ARTHUR SCHNITZLER

  • Beitrags-Autor:

Auf den Spuren von Arthur Schnitzler am Weingartenradweg von Mödling nach Bad Vöslau. Zurück geht es entlang des Wiener Neustädter Kanals.

Ausgangspunkt des Weingartenradwegs: Mödling

Pfarrkirche Sank Othmar
Mödling

Arthur Schnitzler war ein begeisterter Velozipedist und radelte am Wochenende gerne mit seinem »Bicycle« nach Baden und Vöslau. Wir werden es dem berühmten österreichischen Schriftsteller gleichtun und entlang des Weingartenradwegs nach Bad Vöslau fahren. Als fiktiver Radfreund wird uns Schnitzler persönlich begleiten und uns dabei mit der einen oder anderen Anekdote aus seinem bewegten Leben unterhalten.

Herzoghof
Altstadt von Mödling

Wir treffen Schnitzler in der ältesten Fußgängerzone Österreichs. Diese befindet sich nicht in Wien, sondern in Mödling. Während wir noch die zahlreichen Bürgerhäuser aus der Spätgotik und Renaissance bewundern, trifft Schnitzler ein. Er hat sich nach der neuesten »Dreß-Ordnung« gekleidet und trägt Sakko mit Kniebundhose. Die Aufmachung wirkt ein wenig dandyhaft.

Rathaus von Mödling
Rathaus von Mödling

Bevor es losgeht, werfen wir noch einen Blick auf das sehenswerte Rathaus. Dort, wo einst über Übeltäter Recht gesprochen wurde, wird heute besonders gerne der Bund fürs Leben geschlossen. Schnitzler grummelt vor sich hin, dass dieser bei ihm nur 18 Jahre gehalten hat. Seine Frau hatte ihn betrogen, ausgerechnet ihn, den Womanizer seiner Zeit.

Weingartenradweg
Weingartenradweg

Seid ihr nun bereit für literarische Höhen und sportliche Tiefen? Dann schwingen wir uns aufs Rad! Beim Bahnhof von Mödling finden wir den Einstieg zum Weingartenradweg. Die rund 20 km lange Strecke führt meist eben durch Weingärten und berühmte Weinorte. Arthur Schnitzler kann kaum glauben, wie weit die Welt des Radfahrens fortgeschritten ist. Eigens gebaute Radwege für Velozipedisten – zu seiner Zeit hätte man ihn dafür ausgelacht!

Weingartenradweg
Am Weingartenradweg

Während wir gemütlich am Weingartenradweg in die Pedale treten erzählt Schnitzler, dass er stets eine »Bic-Peitsche« zur Vertreibung von Passanten und lästigen Hunden mit sich trug. Heftige Aversionen von Fußgängern, Kutschern und Automobilisten gegenüber Radfahrern standen schon um die Jahrhundertwende an der Tagesordnung. Gott sei Dank war die Gottesgeisel e-Tretroller zur damaligen zeit noch nicht erfunden.

Thallern und Gumpoldskirchen

Mödling
Freigut Thallern

Flott geht es am Fuße des Anningers entlang zum Freigut Thallern, einem der ältesten Weingüter Österreichs, das bereits seit 1141 von den Zisterziensern bewirtschaftet wird. Schnitzler erzählt uns schmunzelnd, dass er viele seiner literarischen Weggefährten wie Hofmannsthal, Herzl oder Salten zu ausgedehnten Radtouren motivieren konnte.

Rathaus von Gumpoldskirchen

Kurz nach Thallern erreichen wir Gumpoldskirchen. Schneller als wir schauen können, ist Schnitzler in einem der zahlreichen Heurigen verschwunden. Der Weinbau spielte schon immer eine große Rolle in Gumpoldskirchen. Im 16. Jahrhundert rollten schwer beladene Kutschen mit Fässern des edlen Tropfens bis nach Schlesien, Böhmen oder Bayern. Der Weinhandel machte die Gumpoldskirchner Winzer reich und selbstbewusst. Davon zeugen noch heute zahlreiche Häuser aus dem 16. Jahrhundert und das Renaissance-Rathaus mit seinen hübschen Arkadengängen und dem markanten Turm.

Kirche von Gumpoldskirchen

Wir schlendern weiter die Kirchengasse hinauf zur Kirche und dem Schloss, die gemeinsam das Wahrzeichen von Gumpoldskirchen bilden. Während wir noch das hübsche Ensemble bewundern, taucht plötzlich Schnitzler wieder auf und versichert uns mit unschuldigem Blick, dass er nur seinen Durst dringend löschen musste. Wasser scheint es nicht gewesen zu sein, denn sein Atem riecht verdächtig nach einem Rotgipfler.

Der Busserl-Tunnel

Gumpoldskirchen, Busserltunnel
Busserl-Tunnel

Auf ein Kuriosum stoßen wir in den Weingärten zwischen Gumpoldskirchen und Pfaffstätten. Nahe des Weingartenradwegs befindet sich der älteste Bahntunnel Österreichs, der »Busserl Tunnel«. Zu jeder schönen Bahnstrecke gehört ein Tunnel befand Kaiser Ferdinand I, der Gütige und so wurde der nur 156 m lange Tunnel im allerhöchsten Auftrag errichtet. Den Spitznamen erhielt der Tunnel deshalb, weil wegen der geringen Länge die Waggonbeleuchtung nicht eingeschaltet wurde und daher Zeit für ein Busserl im Dunkeln blieb. Schnitzler lächelt verschmitzt. Auch er nutze schon die Gunst der Stunde, wenn er zufällig mit einer Dame im Eisenbahn-Coupé reiste.

Von Pfaffstätten nach Baden

Baden Kaiserhaus
Hauptplatz in Baden bei Wien

Über Pfaffstätten radeln wir weiter nach Baden bei Wien, welches zur Zeit des Biedermeiers Treffpunkt der Wiener Gesellschaft war. Der gute Kaiser Franz war der Sommerhitze in Wien entflohen und verbrachte seine Sommerfrische kurzerhand in einem Stadtpalais im Zentrum Badens. Reiche Bürger, Adelige und Künstler, die auch im Sommer die Nähe zum Kaiser suchten, folgten ihm umgehend.

Baden bei Wien, Kurpark
Kurpark in Baden bei Wien

Im Kurpark erinnern zahlreiche Denkmäler, wie die Grillparzerbüste oder der Beethoventempel, an die berühmten Gäste der Stadt. Lanner und Strauss spielten im Kursalon zum Tanz auf.

Baden bei Wien, Kurpark
Udinebrunnen im Kurpark

Schnitzler erzählt uns, dass er hier gerne mit Adele Sandrock und Olga Waissnix flanierte. Oft spazierte er mit den Damen zum Undinebrunnen, dessen Hauptfigur Mercédès Jellinek darstellt, die Namensgeberin einer nicht unbekannten Automarke.

Baden bei Wien, Kurpark
Die berühmte Mercedes

Arthur Schnitzler wird oft als ein Frauenheld beschrieben, insbesondere aufgrund seiner zahlreichen Liebesaffären und seiner freizügigen Einstellung zur Liebe und Sexualität. Seine Werke reflektieren oft auch komplexe Liebesbeziehungen und die Vielschichtigkeit menschlicher Emotionen, die er aus persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen schöpfte.

Am Weingartenradweg weiter nach Soss und Bad Vöslau

Sooss

Am Weg nach Sooss schwärmt Schnitzler von der Zeit als ihm mit Felix Salten – dem geistigen Vater von Bambi und der Mutzenbacherin – eine tiefe Freundschaft verband. Nicht nur einmal hat Salten ihm die eine oder andere lästig gewordene Angebetete abgenommen.

Bad Vöslau

Nachdem wir den Weinort Sooss passiert haben, geht es schnurstracks ins Zentrum von Vöslau, wo sich das altehrwürdige Thermalbad mit seinen historischen Kabanen befindet. Sein heutiges Aussehen verdankt das Vöslauer Bad dem bekannten Architekten Theophil Hansen. Schnitzler erinnert sich, dass er seine Ferienwochen öfters in Vöslau verbrachte und dabei in den lauen Quellenbädern schwimmen lernte.

Bad Vöslau

Der Schriftsteller pocht darauf in der Kabane 21, dem Restaurant im Thermalbad Vöslau zu soupieren. Nach dem Soupe – dieses bestand eigentlich nur aus Kaffee und Kuchen – bemerken wir, wie Schnitzler heftig mit einer Dame am Nachbartisch zu flirten beginnt.

Bad Vöslau

»Gnädige Frau, sie erinnern mich so an meine Jugendliebe Olga Waissnix. Sie war die einzig wahre Seelenfreundin” und mit keinem Frauenzimmer konnte ich so gescheidt Reden, wie mit der!«, waren nur einige Sätze, die wir aufschnappen.

Bad Vöslau

Schnitzler deutet diskret an, dass es an der Zeit ist, dass wir uns ohne ihn auf den Rückweg machen sollten. Wir nehmen höflich Abschied und folgen dem EuroVelo 9 entlang des Wiener Neustädter Kanals zurück nach Mödling.

Entlang des Wiener Neustädter Kanals zurück nach Mödling

Wiener Neustädter Kanal

Am Wiener Neustädter Kanal transportierten um 1800 von Pferden gezogene Lastkähne Kohle, Holz und Ziegel in die Residenzhauptstadt Wien. Zwischen Bad Vöslau und Guntramsdorf findet man noch Überreste dieser historischen Wasserstraße, die einst von Wien nach Triest führen sollte.

Wiener Neustädter Kanal

Flott geht es an Wasserschleusen und kleineren Ziegelbrücken vorbei. In der Nähe von Baden überquert der Wiener Neustädter Kanal auf einem Aquädukt die Schwechat.

Wiener Neustädter Kanal

Immer wieder treffen wir auch auf Industrieruinen. Der Kanal wurde einst nicht nur als Wasserstraße genutzt, sondern spielte auch eine wichtige Rolle als Energiequelle. Industriebetriebe, wie Mühlen oder Spinnereien siedelten sich am Kanal an, um das Wasser zum Betreiben der Maschinen zu nutzten. Bei Laxenburg mündet der Kanal in den Mödlingbach. Von hier bietet sich noch die Möglichkeit eines kurzen Abstechers zum Schlosspark Laxenburg an. MEHR DAZU HIER>

Wiener Neustädter Kanal

Schloss Laxenburg lassen wir aber diesmal rechts liegen und folgen dem Mödlingbach zum Ausgangspunkt unserer heutigen Radtour zurück.

Fazit

Eine schöne gemütliche Radtour durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Und mein Zwiegespräch mit Schnitzler hat auch Spass gemacht.

FOTOALBUM
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einer Radtour am Weingartenradweg inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Radtour findet Ihr im Fotoalbum unter: Weingartenradweg – Von Mödling nach Bad Vöslau

Streckenplan

Tourdaten

Radweg-Symbol: Grüne Tafel mit Aufschrift Weingartenradweg bzw retour am EuroVelo 9

Schwierigkeit: leicht, keine Steigungen

Strecke: ca 50 km  

Highlights der Strecke:

  • Mödling
  • Gumpoldskirchen
  • Baden bei Wien
  • Bad Voslau
  • Heurige entlang der Strecke
  • Wiener Neustadter Kanal

Der Weingartenradweg ist prinzipiell gut beschildert, aber in den Ortschaften fehlen oft Wegweiser. Doch es kann folgende Regel aufgestellt werden: Fehlt ein Schild, dann fahre gerade aus. Vom Euro Velo 9 nach Mödling folgt man dem Radweg entlang des Mödlingbachs. Es empfiehlt sich entweder mit gps-Daten zu nutzen oder eine Karte der Region mitzunehmen.