WEINWANDERN POYSDORF – VON KELLERGASSE ZU KELLERGASSE

Begebt Euch mit uns auf eine Weinwanderung nach Poysdorf, entdeckt dabei die schönsten Kellergassen in der Umgebung und verkostet den legendären Poysdorfer Saurüssel!

Poysdorf – Das Zentrum des Veltliner Landes

Johanneskirche

In der mit sanften Hügeln durchzogenen Landschaft des Weinviertels liegt nahe der Grenze zu Tschechien die Weinstadt Poysdorf. Urkundlich erstmals 1194 als »Poistorf« erwähnt, entwickelte sich die Stadt bereits im Mittelalter zu einem bedeutenden Weinbauort.

Poysdorf - Pestsäule

Die florierende Weinwirtschaft brachte den Poysdorfern schon bald Wohlstand und Ansehen. Davon zeugen heute noch die Pestsäule oder das Bürgerspital, die von den Bürgern Poysdorf und nicht von Adeligen gestiftet wurden.

Denkmal für Kaiser Joseph II

Vier kriegerischer Auseinandersetzungen prägten die Geschichte von Poysdorf: Die Besetzung durch schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg 1645, die Plünderungen durch die Franzosen in den Jahren 1805 und 1809, die Einquartierung preußischer Truppen nach der Niederlage in der Schlacht bei Königgrätz 1866 und der Einmarsch der Russen 1945.

Ausgangspunkt – Die Kirche von Poysdorf

Poysdorf - Kirche

Genug der Geschichte! Ausgangspunkt unserer Weinwanderung in Poysdorf ist die Kirche der Stadtgemeinde, die durch ihre Lage auf dem 225 Meter hohen Kirchenhügel kaum zu übersehen ist. Den frühbarocken Bau, der Johannes, dem Täufer geweiht ist, könnt Ihr von Süden aus über Treppen erreichen.

Johanneskirche

Während des Dreißigjährigen Krieges besetzen die schwedischen Truppen unter General Lennart Torstensson Poysorf und bauten die Kirche als kleine Festung aus. Den Bereich unter der Empore nutzen die Schweden dabei als Stallungen für ihre Pferde. Die Kirchenbänke in diesem Bereich werden daher noch heute »Reitschule« genannt. Um den Ort vor Plünderungen zu bewahren, versorgten die Poysdorfer die schwedischen Truppen mit 1000 Eimern Wein, Getreide, sowie Schlachtvieh und blieben als Gegenleistung von den gröbsten Schandtaten verschont.

Die kleinste Kellergasse

Kellergasse Kirchengraben

Gleich hinter der Kirche stoßt ihr auf die erste Kellergasse unserer Weinwanderung. Treffenderweise heißt sie »Kirchengraben« und liegt – wie in einem Dornröschenschlaf – in einem Hohlweg hinter der Kirche. Die einseitige Kellergasse gilt als die kleinste ihrer Art in Poysdorf. Wir verlassen nun den Kirchenhügel über ein paar Stufen, folgen dem Maria-Ohmeyer Weg und bewundern eine Mini-Open-Air Galerie mit zehn Reproduktionen von Meisterwerken der berühmten Poysdorfer Malerin.

Poysdorf - Kundschafter-Denkmal

Danach queren wir den Josefsplatz, schießen ein Foto vom Kundschafter-Denkmal, welches zwei Männer darstellt, die eine riesige Weintraube tragen und spazieren anschließend über Singergasse und Badgasse in die nächste Kellergasse.

Kellergasse Bürsting

Kellergasse Bürsting

Unser Weg führt uns nun durch die Kellergasse Bürsting, die eine Länge von rund 200 Meter aufweist. Entstanden sind die ersten Kellergassen unter der Regentschaft von Kaiser Joseph II als dieser die Leibeigenschaft der Bauern aufhob und eine Verordnung erließ, die den Bauern erlaubte, selbst Wein anzubauen und diesen »zu allen Zeiten des Jahres, wann und zu welchem Preis, zu verkaufen und auszuschenken«.

Kellergasse Bürsting

Nachdem der selbst gekelterte Wein auch gelagert werden musste, legte man meist außerhalb der Ortschaften Weinkeller an Hängen oder in Hohlwegen an. Dies hatte den enormen Vorteil, dass man einfach geradeaus in die Böschung graben konnte und kein tiefes Erdloch ausheben musste.

Golfplatz Poysdorf

Wir folgen nun dem »3 Schwestern-Weg« Richtung Norden, der durch die berühmte sanfthügelige Landschaft des Weinviertels verläuft. Weingärten und Felder wechseln sich einander ab. Dazwischen versuchen begabte und weniger begabte Golfspieler am weitläufigen Golfplatz ihr Handicap zu verbessern. Also Obacht vor tiefliegenden Golfbällen.

Poysbrunnerkreuz und Einsiedel-Kapelle

Poysbrunnerkreuz

Beim Poysbrunnerkreuz, einem Hexenkreuz, das dem hl Sebastian geweiht ist, queren wir die Brünnerstraße und folgen dem Poysbrunner Weg weiter Richtung Norden.

Wandern rund um Poysdorf

1722 befahl Kaiser Karl VI den Bau von fünf Kaiserstraßen, die alle Teile der riesigen Monarchie mit dem Zentrum von Wien verbinden sollten. Eine davon war die legendäre Brünnerstraße, die heutige B7. Schon bald nach dem kaiserlichen Befehl rumpelten Postkutschen und Transportfuhrwerke über die staubige Landstraße von Wien nach Brünn.

Wandern rund um Poysdorf

Berühmt waren die unzähligen Kutschen mit Weinfässern, die den berüchtigten »Brünnerstrassler« nach Wien oder in das ferne St Petersburg in Russland transportierten. Der »Brünnerstrassler« war für Jahrzehnte ein Synonym für besonders billige und saure Weine. Böse Zungen meinten gar, dass man nach einem Doppler »Brünnerstrassler« einen Blindenhund brauchen würde. Doch das sind Legenden aus längst vergangenen Zeiten.

Einsiedel-Kapelle

Nach einer Wegkreuzung treffen wir am Wegesrand auf die barocke Einsiedel-Kapelle in der einst ein Einsiedler hauste. Im Inneren der Kapelle befand sich bis in die 1960er Jahre eine wertvolle Pietà, die aber nach einem Einbruch durch Spitzbuben aus Sicherheitsgründen entfernt wurde.

Hermannschachern, die älteste Riede Österreichs

Weinwandern rund um Poysdorf

Nachdem wir durch einen schattenspendenden Wald gewandert sind, geht es wieder entlang von Weingärten und Feldern zur Riede »Hermannschachern«, die bereits erstmals im Jahr 1338 urkundlich erwähnt wurde. Damit gilt sie als eine der ältesten Rieden Österreichs. Ihr Name geht vermutlich auf das Wort »Schachen«, ein altes Waldmaß, zurück.

Riede Hermannschachern

Die Lössböden rund um Poysdorf lassen den Grünen Veltliner besonders gut gedeihen. Seit dem Jahr 2003 werden herkunftstypische Qualitätsweine aus dem Weinbaugebiet Weinviertel, die aus der Rebsorte Grüner Veltliner gewonnen werden, als Weinviertel DAC Weine vermarktet. Besonders das »Pfefferl« zeichnet einen guten Veltliner aus und verleiht ihm eine unverkennbare Note.

Hegerkreuz

Der Zusatz DAC steht übrigens für »Districtus Autriae Controllatus« und bedeutet »Kontrollierte österreichische Herkunfstbezeichnung«. Unser Weg verläuft stets hügelauf und hügelab durch weitere Weingärten. Unser nächstes Ziel ist Wilhelmsdorf und die Kellergasse Rösselberg.

Die schöne Kellergasse Rösselberg

Die schöne Kellergasse Rösselberg

Von wildem Pflanzenwuchs zum Teil bedeckt säumen sich rund 70 Kellergebäude einen steilen Löss-Hohlweg entlang. Die Kellergasse führt nach Norden auf einen Höhenrücken hinauf, wo einst eine Rossweide lag. Sie zählt sicherlich zu den schönsten und fotogensten Kellergassen in Poysdorf.

Die schöne Kellergasse Rösselberg

An vielen Flurnamen und Rieden lässt sich erkennen, dass man in Poysdorf neben dem Weinbau auch Viehwirtschaft betrieben hatte, wie beispielsweise die Riede »Saurüsseln«, wo einst Schweine gehalten wurden und die in den 1950er Namensgeberin für die Weinmarke »Poysdorfer Saurüssel« war. Der »Poysdorfer Saurüssel« erreichte schon bald nach seiner Geburtsstunde Kultstatus, nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland und in der Schweiz.

Die schöne Kellergasse Rösselberg

Jahrelang wurde er als »Diplomatenwein« bei Empfängen in den österreichischen Botschaften kredenzt. Ob jedem Gast der spritzige und mit einem »Pfefferl« versehene Grüne Veltliner gemundet hat, darüber schweigen jedoch die Protokolle der Botschafter. Nach Streitereien und Turbulenzen verschwand die Marke »Saurüssel« in den 1990er Jahren vom Markt. Seit 2010 haben 16 Poysdorfer Winzer den »Saurüssel« wieder zum Leben erweckt.

Blick auf die Johanneskirche

Vom höchsten Punkt des Rösselbergs können wir eine wunderschöne Aussicht auf die Kirche und die Umgebung von Poysdorf genießen. Weniger attraktiv ist der Blick auf die mächtigen Windräder, die durchaus eine Landschaft prägen können. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur längsten Kellergasse von Poysdorf.

Radyberg, die längste Kellergasse von Poysdorf

Kellergasse Radyweg

Wir folgen einem mit Steinen gepflasterten Hohlweg, wo sich über Jahrhunderte die Räder von Fuhrwerken und abfließendes Regenwasser tief in den Lössboden eingeschnitten haben. Schon bald tauchen die ersten Kellergebäude auf, wo in grauer Vorzeit die Trauben gepresst, gekeltert und der fertige Wein gelagert wurde. Die »Dörfer ohne Rauchfang«, wie die Kellergassen im Volksmund oft scherzhaft bezeichnet werden, galten für viele Jahrzehnte als eine reine Männerdomäne.

Kellergasse Radyberg

Die »Köllamauna« kümmerten sich um den Wein und genossen das eine oder andere Achterl allein, mit Nachbarn oder der Kellerkatze. Die Kellerkatze wird wohl manchem nun ein verschmitztes Lächeln ins Gesicht zaubern. Doch leider, wir müssen euch enttäuschen. Denn bei der Kellerkatze handelt sich hier nicht um ein fesches Dirndl, sondern um eine Hauskatze, die erfolgreich Jagd auf die Mäuse im Keller machte.

Kellergasse Radyberg

Nach getaner Arbeit machte sie es sich stets auf jenem Fass gemütlich, welches während der Gärung am wärmsten wurde. In diesem Fass, so sagt eine alte Bauernregel, entwickelt sich oft der beste Wein. Frauen waren in den Kellergassendort nur im Frühjahr beim »Kellerweißen« und im Herbst bei der Weinlese gerne gesehen.

Kellergasse Radyberg

Zu den wichtigsten Tagen im Weinbauernjahr zählt der 11. November. Am Festtag des hl Martin wird beim »Martiniloben« der heurige Wein zuerst gesegnet und dann zum Verkosten freigegeben. Ab diesem Tag gilt der Wein als »Bursch« und man darf mit »Prost« anstoßen.

Kellergasse Radyberg

In den alten Presshäusern in der Kellergasse Radyberg wird schon lange kein Wein mehr gepresst, da dies andernorts in modernen Kellergebäuden mit temperaturkontrollierten Stahltanks erfolgt. Trotzdem erfreuen sich Kellergassen als Erholungsort und Platz für Kellergassenfeste großer Beliebtheit.

Zurück in Poysdorf

Altes Bürgerspital

Mittlerweile haben wir das ehemalige Bürgerspital erreicht, welches heute als Teil der WEIN+TRAUBEN Welt genutzt wird. Hier dreht sich alles rund um Rebe, Traube und Wein, sowie die Geschichte Poysdorfs.

Poysdorf - Kunstgarten

Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein kleiner Kunstgarten mit satirischen Skulpturen des Bildhauers Martin Messinger. Am besten gefiel uns der Papst mit dem Dalai Lama. Wer sich noch ein Tröpfchen Wein für den Abend mitnehmen möchte wird im Vino Versum sicher fündig werden. Von hier ist es nur mehr ein Katzensprung bis zu unserem Ausgangspunkt bei der Kirche zurück. Wir hoffen, dass Euch die Tour gefallen hat und wünschen Euch viel Spass beim Nachwandern.

Noch mehr Fotos aus Poysdorf?
Noch mehr Fotos von dieser Wanderung rund um Poysdorf und den Kellergassen findet Ihr im Fotoalbum unter: WANDERN POYSDORF – VON KELLERGASSE ZU KELLERGASSE