STADTSPAZIERGANG WIEN – AUF DEN SPUREN BERÜHMTER LITERATEN

Der heutige Wien-Spaziergang wandelt auf den Spuren berühmter Schriftsteller. Ihr entdeckt die Lieblingslokale der Kaffeehausliteraten im Wien um 1900, besucht Plätze, die in ihren Romanen eine Rolle spielen und erfahrt zahlreiche Anekdoten aus ihrem Leben. Alles was ihr für diese Entdeckungstour durch die Wiener Innenstadt benötigt ist ein wenig Zeit und bequeme Schuhe.

Justizpalast: Elias Canetti

Justizpalast

Wir beginnen unseren Literaturspaziergang beim Justizpalast am Schmerlingplatz, der im Stil der Neorenaissance erbaut wurde. Besonders prunkvoll ist die Empfangshalle mit ihrer pompösen Freitreppe und der monumentalen Marmorstatue Justitia. Drehen wir das Rad der Zeit ins Jahr 1927 zurück.

Justizpalast

Bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Sozialdemokraten und Konservativen im burgenländischen Ort Schattendorf starben zwei unschuldige Menschen. Die Täter wurden jedoch vor Gericht freigesprochen. Der Schriftsteller Elias Canetti wird Augenzeuge als im Zuge einer Demonstration gegen das Urteil der Justizpalast in Brand gesetzt wird.

Justizpalast

Die Polizei erhielt Schießbefehl, der 89 Menschen das Leben kostete. In seinen Lebenserinnerungen »Die Fackel im Ohr« schreibt  Canetti »Seither weiß ich, wie es beim Sturm auf die Bastille zuging«.

Burgtheater: Berühmteste Sprechbühne

Burgtheater

Wir spazieren weiter Richtung Ring und werfen einen kurzen Blick auf das Burgtheater, der wohl berühmtesten Sprechbühne des deutschen Sprachraums. An der Außenfassade entdecken wir Büsten von Grillparzer, Schiller oder Goethe. Ensemblemitglied des Burgtheaters zu sein, zählt zu den höchsten Auszeichnungen eines Künstlers. Klaus Maria Brandauer, Erika Pluhar, Josef Meinrad, Fritz Muliar, Paula Wessely oder Attila Hörbiger zählen zu den berühmtesten Künstlern der letzten Jahrzehnte.

Volksgarten: Franz Grillparzer

Theseustempel

Betreten wir nun den Volksgarten, wo uns gleich der Theseustempel ins Auge sticht. Die Nachbildung eines griechischen Tempels beherbergte einst die Skulptur des Helden Theseus. Die von Antonio Canova geschaffene Figur befindet sich heute im Stiegenaufgang des Kunsthistorischen Museums.

Grillparzer-Denkmal im Volksgarten

Wir gehen nur ein paar Schritte weiter und sehen schon das monumentale Grillparzer-Denkmal mit Reliefszenen seiner berühmtesten Werke, wie der »Ahnfrau«, »König Ottokars Glück und Ende« oder »Ein Bruderzwist im Hause Habsburg«. Das Denkmal wurde nach den Plänen des Architekten Hasenauer, sowie der Bildhauer Kundmann und Weyr errichtet.

Grillparzer-Denkmal im Volksgarten

Das Leben des großen österreichischen Nationaldichters war von zahlreichen Schicksalsschlägen gekennzeichnet. Bruder und Mutter begingen Selbstmord, zum Heiraten fehlte ihm der Mut. Er verlobte sich zwar mit seiner ewigen Jungendliebe Kathi Fröhlich, doch sein Eheversprechen löste er nie ein. Mehr zu Franz Grillparzer gibt es noch später.

Heldenplatz: Thomas Bernhard

Hofburg

Wir verlassen den Volksgarten und stehen nun am Heldenplatz. Seinen Namen verdankt der Heldenplatz den beiden Reiterstatuen von Prinz Eugen und Erzherzog Carl. Der eine verdrosch erfolgreich die Türken, der andere fügte Napoleon die erste Niederlage zu. Der Heldenplatz ist jedoch auch untrennbar mit dem größten Theaterskandal Österreichs verbunden. Fünfzig Jahre nach dem »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich feierte das Drama »Heldenplatz« von Thomas Bernhard am Burgtheater seine Premiere.

Hofburg

Bereits im Vorfeld gab es heftige Proteste der Boulevard Medien und Politiker. Anlass der Erregung waren wütende Schimpftiraden über den latenten Antisemitismus in Österreich, den Bernhard in diesem Drama thematisiert. Obgleich Aussagen, wie »Österreich, 6,5 Millionen Debile« machen einen Schriftsteller nicht zwingend sympathisch. Nach der Aufführung des Skandalstücks galt Thomas Bernhard zeit seines Lebens als Nestbeschmutzer Österreichs. Die Zeit war jedoch knapp bemessen, denn Bernhard starb ein halbes Jahr später im Februar 1989 an Herzversagen.

Hofburg: Alexander Lernet-Holenia, Robert Musil

Hofburg

Wir spazieren weiter durch die Höfe der Hofburg. Die Hofburg ist untrennbar mit Kaiser Franz Joseph und Sisi verbunden. Das 250.000 m2 große Areal umfasst rund 3.000 Räume und 18 Innenhöfe. Genug Platz für den Sitz des Bundespräsidenten, die Schatzkammer der Habsburger, das Sisi-Museum, das Weltmuseum, die barocke Nationalbibliothek oder die Spanische Hofreitschule mit den berühmten Lipizzanern.

Hofburg

Es gibt in der Hofburg aber auch ganz normale Wohnungen. In einer davon lebte bis zu seinem Tod im Jahre 1976 der Schriftsteller Alexander Lernet-Holenia, der gerüchteweise der uneheliche Sohn eines habsburgischen Erzherzogs war. Sein bekanntester Roman »Die Standarte« schildert die opfervolle, aber sinnlose Rettung einer alten Regimentsfahne eines Traditionsregiments kurz vor der Abdankung Kaiser Karls im Jahr 1918.

Hofburg

Die Hofburg spielt auch in Robert Musils Roman »Der Mann ohne Eigenschaften« eine Rolle. 1918 hätte Kaiser Franz Joseph sein 70-jähriges Thronjubiläum gefeiert. Der Hauptdarsteller des Romans ist Mitglied eines Komitees, welches anlässlich des Jubiläums eine pompöse Festveranstaltung organisieren soll.

Hofburg - Denkmal von Joseph II

Die Handlung des Romans ist spärlich, die philosophischen Abhandlungen umso ausführlicher. Nach rund 1.400 Seiten steht fest: Das Komitee ist mit der Planung gescheitert. Robert Musil arbeitete fast zwanzig Jahre an diesem Roman ohne diesen je fertigzustellen. 1938 musste der Schriftsteller vor den Nazis in die Schweiz emigrieren, wo er in Genf 1942 verstirbt.

Cafe Griensteidl: Die Kaffeehausliteraten

Hofburg

Wir verlassen die Hofburg durch das Michaelertor. Vor uns liegt der Michaelerplatz, wo sich an der Ecke zur Herrengasse das legendäre Cafe Griensteidl befand. In der Zeit des Fin de Siècle war es ein beliebter Treffpunkt der Kaffeehausliteraten.

Cafe Griensteidl

Das Café diente den Schriftstellern als Ort des Austausches mit Gleichgesinnten und als Inspirationsquelle für ihre Romane und Feuilletons.  Da kein Konsumzwang herrschte, konnten die Literaten Stunden im Kaffeehaus verbringen. Arthur Schnitzler entwarf bei einem Mokka das »süße Mädel« aus der Vorstadt. Es wurde zum Markenzeichen seiner Dramen. Hugo von Hofmannsthal skizzierte die ersten Fragmente seines Mysterienspiels »Jedermann«. Und Karl Kraus kassierte von Felix Salten wegen eines Zeitungsartikels eine kräftige Ohrfeige, was von Hermann Bahr freudig begrüßt wurde.

Cafe Griensteidl

Das Griensteidl ist längst geschlossen. Geblieben sind zahlreiche Klassiker der Weltliteratur. Arthur Schnitzler verfasste die Dramen »Der Reigen«, »Das weite Land« oder »Liebelei«. Karl Kraus schuf das Theaterstück »Die letzten Tage der Menschheit« und war Herausgeber der satirischen Zeitschrift »Die Fackel«, in der er schonungslos über seine Schreibkollegen herzog.

Palais Dietrichstein

Und Felix Salten erlangte mit dem Kinderroman »Bambi« Weltruhm. Die Idee zum Buch kam Salten bei einer Jagdtour. 1942 wurde die Geschichte über das Rehkitz als Zeichentrickfilm erfolgreich von Walt Disney verfilmt. Salten gilt auch als Autor des erotischen Skandalromans »Josefine Mutzenbacher«. Die Blütezeit der Kaffeehausliteraten endete mit dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland.

Looshaus: Die Wiener Moderne

Looshaus

Werfen wir noch schnell einen Blick auf das Looshaus, einem wichtigen Bauwerk der »Wiener Moderne«. Das nach den Entwürfen des Architekten Adolf Loos errichtete Gebäude löste einen Schock in der Kaiserstadt aus. Die schlichte schmucklose Fassade ohne die damals üblichen Fensterverdachungen brachte dem Gebäude den Spitznamen »Haus ohne Augenbrauen« ein.

Looshaus

Kaiser Franz Joseph soll den Rest seines Lebens die Kutschenfahrt über den Michaelerplatz vermieden haben, damit er das »scheußliche« Haus nicht sehen musste.

Café Central: Die neue Bleibe der Kaffeehausliteraten

Cafe Central

Wir gehen die Herrengasse ein paar Schritte weiter bis zum Palais Ferstl. In dem im Neorenaissance-Stil errichtetes Gebäude befindet sich noch heute das Café Central. Nachdem das Griensteidl 1897 geschlossen wurde, entwickelte sich das Café Central zum neuen Treffpunkt der Kaffeehausliteraten. Arthur Schnitzler und Egon Friedell debattierten mit Sigmund Freud über die neuesten Erkenntnisse der Psychoanalyse. Alfred Polgar schrieb Sketches für das Cabaret »Fledermaus« und war ein scharfzüngiger Theaterkritiker.

Cafe Central

Sein Lieblingsopfer war Arthur Schnitzler, dem er jegliches Schreibtalent absprach. Anton Kuh bevorzugte statt Kaffee Cognac und machte sich mit seinen satirische Essays keine Freunde. Auf die Frage, was wäre Ihr schönster Tod, antwortete der Schriftsteller und Journalist Egon Erwin Kisch »Ein Schlaganfall aus lauter Freude über den Tod von Anton Kuh«. Zu Gast im Café Central waren auch Robert Musil, Hugo von Hofmannsthal oder Stefan Zweig.

Cafe Central

Für den Dichter und Bohème Peter Altenberg war das Café Central sein Wohn- und Arbeitsraum. Er gab es bei den Behörden als Wohnadresse an und ließ sich seine Post hierher schicken. Eine lebensgroße Skulptur erinnert noch heute im Eingangsbereich des Kaffeehauses an den Schriftsteller.

Prunksaal der österreichischen Nationalbibliothek

Prunksaal der Nationalbibliothek

Wir gehen zurück zum Josefsplatz, bewundern das Reiterstandbild von Joseph II und statten dem Prunksaal der österreichischen Nationalbibliothek einen kurzen Besuch ab. Er gilt neben der Universitätsbibliothek von Coimbra, als der schönste barocke Bibliothekssaal der Welt.

Prunksaal der Nationalbibliothek

Der prachtvolle Lesetempel wurde zwischen 1723 und 1726 nach den Plänen von Vater und Sohn Fischer von Erlach errichtet. Die beeindruckenden Deckenfresken stammen von Daniel Gran. Der Prunksaal beherbergt etwa 200.000 Bücher aus einem Zeitraum von 1501 bis 1850. Darunter befindet sich auch die Privatbibliothek von Prinzen Eugen, deren 15.000 Bände in roten, blauen und gelben Leder eingebunden sind.

Albertina

Albertina

Wir folgen der Augustinerstrasse bis zur Albertina, die eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Wiens beherbergt. Von Monet, Picasso und Chagall bis zu Nolde oder Kokoschka: Alle großen Künstler der modernen und zeitgenössischen Kunstgeschichte sind hier vertreten. Sehenswert sind auch die Prunkräume von Herzog Albert und Erzherzogin Marie Christin, der Lieblingstochter von Kaiserin Maria Theresia. Den Besuch der Albertina heben wir uns für einen anderen Stadtspaziergang durch Wien auf.

Kapuzinergruft: Joseph Roth

Kapuzinergruft

Unser nächstes literarisches Ziel führt uns auf den Neuen Markt zur Kapuziner Gruft. Seit 1617 dient die Kapuzinergruft als Begräbnisstätte der Habsburger, deren Besuch ein Spaziergang durch 400 Jahre europäischer Geschichte ist. Hier warten 12 Kaiser, sowie 19 Kaiserinnen und Königinnen in prachtvollen Sarkophagen auf das Jüngste Gericht, darunter Kaiser Karl VI, Maria Theresia oder Kaiser Franz Joseph.

Kapuzinergruft

Für den Schriftsteller Joseph Roth ist die Kapuzinergruft im gleichnamigen Roman ein Symbol für den Untergang Österreich-Ungarns. Ein Kriegsheimkehrer findet sich nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie in der neuen Weltordnung überhaupt nicht zurecht. Nur ein Besuch der Kapuzinergruft gibt ihm Kraft, denn dort liegt seine alte Welt begraben.

Kapuzinergruft

Die traumatischen Erlebnisse an der Front, der Tod von Kaiser Franz Joseph und der Untergang des Habsburgerreichs sind die zentralen Themen der Romane von Joseph Roth. Nach dem Krieg geht Roth als Journalist nach Berlin, wo sein berühmter Roman »Radetzkymarsch« erscheint. Als Hitler 1933 an die Macht kommt, verlässt Roth Berlin. Alkoholkrank und von Schicksalsschlägen schwer gekennzeichnet verstirbt Roth 1939 in Paris.

Literaturmuseum im Grillparzerhaus

Grillparzerhaus

Wir verlassen die Nekropole der Habsburger, überqueren den Neuen Markt und die Kärntnerstraße. Unser Ziel ist das ehemalige Hofkammerarchiv in der Johannesgasse 6, welches Franz Grillparzer von 1832 bis zu seiner Pensionierung leitete. Doch statt der Archivierung der Akten widmete sich der Beamte Grillparzer während der Amtsstunden lieber dem Schreiben. Am Stehpult seiner noch heute erhaltenen Amtsstube entstanden die Klassiker »Die Ahnfrau« oder »König Ottokars Glück und Ende«. Aber auch das Leben eines Beamten kann gefährlich sein. Klingt komisch, ist aber so. Als Grillparzer eines Tages auf der obersten Sprosse einer Leiter steht, verliert er das Gleichgewicht und stürzt mit seinen Akten neun Meter in Tiefe. Doch der Literat hatte Glück, denn Grillparzer erlitt nur ein paar Abschürfungen.

Wirtshaus Matschakerhof: Zum letzten Mal Grillparzer

Matschakerhof

Pünktlich zu Mittag verließ Grillparzer die Amtsstube und spazierte in das nahegelegene Wirtshaus Matschakerhof in der Spiegelgasse 5. Eine Gedenktafel mit dem Konterfei des Literaten erinnert daran, dass Grillparzer hier Stammgast war. In der schummerigen Wirtsstube wurde ihm stets ein Eckplatz an einem länglichen Tisch freigehalten.

Matschakerhof

Der Dichter liebte die deftige Küche und das er vom Fasten wenig hielt, verdeutlicht folgende Textzeile aus »Weh dem, der lügt«: »Essen muss der Mensch, das weiß ein jeder und was er isst, fließt ein auf all sein Wesen. Esst Fastenkost und ihr seid schwachen Sinns. Esst Braten und ihr fühlet Kraft und Mut«.

Zu Gast bei Marie von Ebner Eschenbach

Wohnhaus von Marie von Ebner-Eschenbach

Wir folgen der Spiegelgasse Richtung Graben und bleiben kurz bei Hausnummer 1 stehen. In diesem Haus lebte bis zu ihrem Tod 1916 die Schriftstellerin Marie von Ebner Eschenbach. Sie gilt als bedeutendste deutschsprachige Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts. Ihr wohl berühmtester Roman ist die Geschichte vom treuen Jagdhund Krambambuli, die vermutlich noch heute jedes Schulkind lesen muss.

Das Graben-Hotel: Peter Altenberg

Grabenhotel

Unser nächstes Ziel ist das Graben-Hotel in der Dorotheergasse 3, wo Peter Altenberg von 1913 bis zum seinem Tod die letzten sechs Lebensjahre verbrachte. Das Zimmer soll mit unzähligen Aktaufnahmen seiner halbwüchsigen Freundinnen tapeziert gewesen sein. Der schrägste Dichter der Wiener Moderne verehrte Kindfrauen. Sein Credo: »Eine Frau ist immer zu alt, aber nie zu jung« Erstaunlich viele Literaten und Künstler, wie Adolf Loos, Oskar Kokoschka oder Egon Schiele begeisterten sich für das Schönheitsideal der Kindfrau. Das Altenberg nie wegen Pädophilie angeklagt wurde, grenzt jedoch auch schon damals an ein Wunder.

Grabenhotel

Weitere berühmte Gäste des Graben-Hotels waren Franz Kafka, zu dessen bekanntesten Werken »Der Prozeß«, »Das Schloß« oder »Die Verwandlung« zählen, sowie der Schriftsteller Max Brod, der als Entdecker des Dichters Franz Werfel gilt.

Café Bräunerhof: Thomas Bernhard

Bräunerhof

Wir spazieren die Dorotheergasse bis zur Stallburgasse entlang. Hier befindet sich auf Hausnummer 2 das Café Bräunerhof, welches gerne vom Schriftsteller Thomas Bernhard besucht wurde. In seinen Romanen, Theaterstücken und Erzählungen übt Bernhard häufig heftige Kritik an Österreich, was seinen Ruf als »Vaterlandsverräter« oder »Nestbeschmutzers« begründete. Doch davon haben wir ja Euch schon am Heldenplatz erzählt.

Bräunerhof

Das Haus, in dem sich das Café Bräunerhof befindet, hatte zahlreiche prominente Bewohner. Hier lebte Hugo von Hofmannsthal, zu dessen größten Erfolgen das Theaterstück »Jedermann« zählt. Mit dem »Jedermann« werden seit 1920 die Salzburger Festspiele traditionell eröffnet.

Bräunerhof

Auch der Theaterkritiker Alfred Polgar wohnte bis zum Anschluss 1938 in diesem Haus. Danach musste er vor den Nazis ins Ausland flüchten. Weitere berühmte Bewohner waren die Opernsängerin Maria Jeritza, sowie der Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, der beim erfolglosen Juliputsch österreichischer Nazis im Jahr 1934 im Bundeskanzleramt ermordet wurde.

Bräunerstraße: Johann Nestroy

Geburtshaus von Johann Nestroy

Wir folgen noch ein Stück der Stallburgasse und biegen in die Bräunerstraße ein. Auf Hausnummer 3 wurde im Jahr 1801 der Dramatiker und Schauspieler Johann Nestroy geboren. Zu seinen bekanntesten Werken zählen das Zauberspiel »Der böse Geist Lumpazivagabundus« und die satirische Posse »Einen Jux will er sich machen«.

Geburtshaus von Johann Nestroy

Der Meister der Sprachkunst gilt als wichtigster Autor der Wiener Vorstadttheater. Schaukästen im Hausflur dokumentieren das Leben und Werk des österreichischen Volksdichters. Sehenswert ist der Innenhof des Hauses mit seinen Pawlatschen.

Graben: Stefan Zweig, Felix Salten

Pestsäule am Graben

Unser Literaturspaziergang führt uns nun weiter zum Graben. Vor uns erscheint die barocke Pestsäule, die als Dank für die Überwindung der Pest 1679 errichtet wurde. Die Details der Pestsäule konnten schon die berüchtigten Grabennymphen und Strichmädchen bewundern, wenn sie nicht gerade Ausschau nach Kundschaft hielten. Ihr Standplatz war von der Polizei mit einem unsichtbaren Strich am Trottoir abgegrenzt, was zur Redewendung »auf dem Strich gehen« führte.

Graben

Stefan Zweig erinnerte sich in seinem Roman »Die Welt von Gestern«, dass die Gehsteige voller käuflicher Frauen waren, sodass es schwerer fiel, ihnen auszuweichen, als sie zu finden. Felix Salten sammelte am Spaziergang über den Graben unzählige Ideen für seinen erotisch-sinnlichen Roman »Josefine Mutzenbacher«, der die Geschichte einer Wienerischen Dirne zur Zeit der Jahrhundertwende erzählt.

Rotenturmstrasse: Die Geliebte der Schriftsteller

Residenzpalast

Lust und Begierde spielen auch bei unserer nächsten Adresse eine wichtige Rolle. Wir gehen an der Stephanskirche vorbei und folgen der Rotenturmstrasse bis zum Residenzpalast auf Hausnummer 20. Hier residierte die Schauspielerin Adele Sandrock, die als erotischste Frau und Verführerin im Wien des Fin de Siècle galt.

Residenzpalast

Zu ihren Opfern zählten die Schriftsteller Arthur Schnitzler, Felix Salten oder Alexander Roda Roda. Durch ihr schlampiges Verhältnis mit Schnitzler ging die Diva in die Literaturgeschichte ein. Schnitzler nahm sie als Vorbild für die Rolle der Schauspielerin in seinem skandalumwitterten Theaterstück »Der Reigen«. Das Stück handelt von zehn Personen, die sich für kurzzeitige sexuelle Abenteuer zusammenfinden.

Residenzpalast

Während die Uraufführung von Schnitzlers Reigen einen der größten Theaterskandale in den 1920er Jahren auslöste, waren die Romane von Roda Roda davon weit entfernt. In seinen satirischen Erzählungen nahm er liebevoll die Schwächen und Kuriositäten der Donaumonarchie aufs Korn.  Zu seinen bekanntesten Romanen zählt »Der Feldherrnhügel«, wo er die Eigenheiten der k.u.k. Offiziere humoristisch auf die Schaufel nimmt.

Sonnenfinsternis: Adalbert Stifter

Seitenstettengasse

Auf zu unserem letzten Ziel. Über den Fleischmarkt spazieren wir zum Rabensteig, der uns mitten in das alte Judenviertel führt. Unser Ziel ist die Adresse Seitenstettengasse 2. Eine Gedenktafel erinnert an den Schriftsteller Adalbert Stifter, der hier zwischen 1842 und 1848 wohnte und vom Dach des Hauses eine totale Sonnenfinsternis beobachtete.

Seitenstettengasse

Adalbert Stifter zählt zu den bedeutendsten Autoren des Biedermeier. Berühmt wurde er durch seine detailtreue Schilderung von Menschen, der Landschaft und Natur. Zu seinen bekanntesten Werken zählt Der Bergkristall oder Der Hochwald. Hier endet nun unser Stadtspaziergang “Auf den Spuren berühmter Literaten in Wien”. Wir hoffen, die Tour hat Euch Spass gemacht.

FOTOALBUM
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einem Literatur-Spaziergang durch Wien inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Wanderung findet Ihr im Fotoalbum unter: WIEN – AUF DEN SPUREN BERÜHMTER LITERATEN