UNTERWEGS AM YBBSTALRADWEG – VON LUNZ NACH WAIDHOFEN

Ich mache mich auf den Weg ins Mostviertel. Mein Ziel ist der rund 59 km lange Ybbstalradweg zwischen Waidhofen an der Ybbs und Lunz am See. Der landschaftlich reizvolle und 2017 eröffnete Ybbstalradweg führt zum Großteil auf der ehemaligen Bahntrasse der Ybbstalbahn.

Ybbstalradweg

Nachdem ich das Höhenprofil der Strecke studiert hatte, war auch die Richtung klar, nämlich von Lunz am See (610 m) nach Waidhofen an der Ybbs (350 m). Eine weise Entscheidung, da es stets leicht bergab geht. Warum auf verschiedenen Portalen stets die umgekehrte Fahrtrichtung propagiert wird, hat sich mir nicht erschlossen. Zeitig in der Früh geht es mit dem Auto nach Waidhofen. Dort steige ich in den Radtramper-Bus (Linie MO1) nach Lunz um. Der Bus fährt um 8.42 Uhr vom Bahnhof los und erreicht kurz nach 10 Uhr den Zielort.

Lunz am See

Lunz am See - Amonhaus

Bekanntlich gilt ja Lunz am See als der Kältepol Österreichs. Davon war am heutigen Tag nichts zu merken. Das Thermometer kletterte rasant der 30 Grad Marke entgegen. Trotz der hohen Temperaturen unternehme ich eine kleine Dorfbesichtigung und einen kurzen Abstecher zum Lunzer See. Es geht vorbei am Amonhaus, dem berühmtesten Wahrzeichen des Ortes. Es gilt als eines der schönsten Renaissancebauten Österreichs und wurde 1551 errichtet. Die Fassade ist reich mit Sgraffiti verziert.

Lunz am See - Amonhaus

Der Name des Hauses geht auf den Hammerherrn Johann Franz von Amon zurück. Die “Schwarze Grafen”, wie die Hammerherrn genannt wurden, bestimmten über Jahrhunderte die Geschicke des Ortes und erlangten Wohlstand durch Eisenverarbeitung und Eisenhandel. Auch von einem berühmten Gast weiß die Chronik des Hauses zu berichten. Der “gute Kaiser Franz I” nächtigte auf seiner Durchreise zweimal hier.

Lunzer See

Eingebettet zwischen Bergen liegt der smaragdgrün schimmernde Lunzer See. Am See herrscht bereits Hochbetrieb. Zahlreiche Badegäste lassen im Seebad “die Seele baumeln”. Bei den Bootsverleihern klingelt die Kasse.

Lunzer See

Das kristallklare Wasser ist wirklich verlockend, doch ich widerstehe des Teufels Versuchung und schwinge mich aufs Rad.

Ötscherland-Express

Der Ybbstalradweg ist perfekt beschildert und führt stets entlang der Ybbs. Errichtet wurde der Ybbstalradweg auf der ehemaligen Trasse der Ybbstalbahn, die 2010 eingestellt wurde. Nur die Bergstrecke zwischen Kienberg-Gaming, Lunz und Göstling blieb als Museumsbahn erhalten. Am Wochenende kann man hier eine Fahrt mit dem “Ötscherland-Express”, der von einer über 100 Jahre alten Dampflok oder einer 80-jährigen Diesellok gezogen wird, unternehmen.

Gerade als ich beim Bahnhof Lunz vorbeiradle, höre ich in der Ferne das Pfeifen der alten Diesellok. Ich lege einen kurzen Fotohalt ein und bewundere noch schnell die ruckelnde und zuckelnde Schmalspurbahn bei der Einfahrt in den Bahnhof.

Töpplerbrücke

Nun geht es aber wirklich weiter Richtung Göstling. Kurz nach Lunz passiere ich die Töpperbrücke über die Ybbs mit mächtigen gusseisernen Heiligenstatuen. Errichtet wurde sie vom Hammerherrn Andreas Töpper .

Göstling an der Ybbs

Göstling an der Ybbs

Nach rund 11 km erreiche ich Göstling an der Ybbs. Auch Göstling war jahrhundertelang von der Eisenverarbeitung geprägt. Davon zeugen noch heute stattliche Herrenhäuser. Besonders sehenswert sind der Pfarrhof und das “Pfarrstöckl” bei der Kirche mit wunderschönen Sgraffitomalerein aus der Renaissance.

Göstling/Ybbs

Kurios mutet bei Temperaturen jenseits der 30 Grad ein Riesenschneemann an. Beharrlich trotzt er den hohen Temperaturen und erinnert an den Weltrekord im Schneemannbauen mit 3.580 Schneemännern, aufgestellt im Winter 2011. Für den Besuch einer der letzten Holztriftanlagen im Mendlingtal, in der Nähe von Göstling, fehlt mir leider diesmal die Zeit.

Impreesione vom Ybbstalradweg

Den nächsten Zwischenstopp habe ich im 17 km entfernten Hollenstein geplant. Der Radweg führt durch eine beeindruckende Berglandschaft. Bewaldete Berge begrenzen das meist breite Ybbstal. Nur an wenigen Stellen wird das Tal enger. Aus der Ferne grüßt der Ötscher. Die Landschaft ändert sich hinter jeder Kurve. Auf steil aufragende Felsen folgen Wiesen und Obstbäume.

Kilometerstein am Ybbstalradweg

Entlang des Weges stehen noch die alten Kilometersteine der Ybbstalbahn.

Ybbstalradweg

Sand- und Steinbänke in der Ybbs werden von den Einheimischen als Badeplätze genutzt.

Hollenstein

Hollenstein/Ybbs

Die auf einem Hügel thronende mächtige Pfarrkirche von Hollenstein ist schon von weitem sichtbar. Ich mache einen kurzen Abstecher in den Ort, wo die Zeit anscheinend stehen geblieben ist.

Hollenstein/Ybbs

Wie Lunz oder Göstling war auch Hollenstein jahrhundertelang von der Eisenverarbeitung geprägt. Davon zeugen noch heute einige Hammerherrnhäuser. Die Blütezeit der Eisenindustrie ging Mitte des 19. Jhdts zu Ende. Anstelle dessen setzte man auf Holz und errichtete Sägewerke und eine Papierfabrik.

Hollenstein/Ybbs

Sehenswert sind neben der Pfarrkirche auch das spätbarocke “Steinhaus” am Dorfplatz, sowie der Kalvarienberg mit einer barocken Kapelle.

Ybbstalradweg - Opponitzer Tunnel

Zurück am Ybbstalradweg. Rund 26 km sind es noch bis Waidhofen an der Ybbs. Flott geht es weiter Richtung Opponitz, wo der Radweg durch einen 87 m langen Tunnel führt.

Ofenloch

Hinter Opponitz wird das Ybbstal allmählich enger, bevor es beim “Ofenloch” zur Schlucht wird. Es ist vielleicht der spektakulärste Streckenabschnitt des Radweges. Aufwändige Hangsicherungen, wie Stützmauern und Fangnetze schützen die Benutzer des Radweges vor herabfallenden Steinen.

Ybbstalradweg

Eine alte Bahnbrücke über die Ybbs rostet vor sich hin und verfällt zusehens. Drei Kilometer später ändert sich das Landschaftsbild komplett. Das Ybbstal wird wieder weiter.

Waidhofen an der Ybbs – Stadt der Türme

Waidhofen/Ybbs

Nach rund 56 km erreiche ich meinen Ausgangspunkt wieder. Barocke Kirchtürme und mittelalterliche Wehrtürme prägen die Silhouette von Waidhofen an der Ybbs. Ich spaziere gemütlich durch die Innenstadt und bewundere die zahlreichen Häuser, die noch aus der Zeit des Mittelalters stammen.

Waidhofen/Ybbs

Wahrzeichen der Stadt ist der mächtige Stadtturm am Oberen Stadtplatz. Eine Mär berichtet, dass der Turm als Zeichen des Sieges über die Türken, die 1529 hier ihr Unwesen trieben, errichtet wurde. Eine der vier Turmuhren zeigt stets dreiviertel Zwölf an und soll an die Vertreibung des letzten Türken aus der Stadt erinnern.

Waidhofen/Ybbs

Der Spruch “Eisen und Stahl ernähren die Stadt” am mittelalterlichen Ybbsturm stammte noch aus der Zeit als Waidhofen neben Steyr das wichtigste Zentrum der Eisenverarbeitung war.

Waidhofen/Ybbs

Auffallend ist der von Franz Hollein gestaltete Glasaufsatz am Bergfried des Rothschildschlosses. Heute befindet sich das Schloss im Besitz der Stadt und beherbergt ein Museum über die Stadtgeschichte. Vom Rothschildschloss sind es noch knappe zwei Kilometer bis zum Bahnhof, wo ich mein Auto geparkt hatte.

Der Ybbstalradweg – Fazit

Ybbstalradweg

Der Ybbstalradweg bietet ein bisschen von allem: Liebevoll gepflegte Dörfer mit historischer Bausubstanz, eine spektakuläre Bergkulisse, den Lunzer See und die Ybbs zum Baden und genug Einkehrmöglichkeiten entlang der Strecke zur Stärkung. Es ist eine schöne und gemütliche Radtour durch das Ybbstal, die stets leicht bergab führt und angenehm zu befahren ist. Auffallend waren die zahlreichen Radler, die am heutigen Tag, trotz der hohen Temperaturen, unterwegs waren. Ich bin überzeugt, dass ich diese Tour sicher nochmals fahren werde.

FOTOALBUM
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einer Radtour am Ybbstalweg inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Radtour findet Ihr im Fotoalbum unter: AM YBBSTALRADWEG – VON LUNZ NACH WAIDOFEN

Streckenplan Ybbstalradweg – GPS-Daten

Tourdaten

Radweg-Symbol: Grünes Schild mit Aufschrift Ybbstalradweg

Schwierigkeit: leicht

Strecke: ca 59 km  

Highlights der Strecke:

  • Lunz am See
  • Göstling an der Ybbs
  • Hollenstein
  • Waidhofen an der Ybbs
  • Die Streckenführung

GPS-Daten: Route 40949391

Der Weg ist sehr gut ausgeschildert. Eine zusätzliche Radkarte ist mE nicht notwendig.

Hinweis Radtramper-Bus
Der Bus verkehrt von 30.04.2022 bis 26.10.2022 an Samstagen, Sonn- und Feiertagen (Abfahrt Waidhofen: 8:45, 11:45, 15:45 Uhr) sowie Juli und August täglich (7:45, 11:45, 15:20 Uhr) zwischen Waidhofen an der Ybbs und Lunz am See. Es gibt jeweils drei Abfahrtszeiten an den Betriebstagen. Ausführliche Informationen zu den Abfahrtszeiten findet Ihr hier: Radtramper-Bus Informationen. Die Fahrscheine für den Radtramper-Bus sind beim Bus-Chauffeur erhältlich. Eine Reservierung ist nicht möglich. Alternativ gibt es auch Radtramper-Taxis. Mehr Infos dazu findet man hier: Radtramper-Taxis