Wer an Berge denkt, hat meist steile Gipfel und felsige Landschaften vor Augen. Doch manchmal verstecken sich die schönsten Überraschungen dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Die Leiser Berge im Weinviertel sind so ein Ort: eine sanfte Hügellandschaft mit weitem Blick über das Land, stillen Wegen und einer Geschichte, die bis in die Zeit der Kelten zurückreicht. Unsere Wanderung führt uns hinauf zum Buschberg und weiter zur Aussichtswarte Oberleis – zwei Höhepunkte einer Landschaft, die viel mehr zu erzählen hat, als ihr Name vermuten lässt.
Leiser Berge und der Buschberg

Mit seinen 491 Metern gehört der Buschberg sicher nicht zu den Bergen, bei denen man ins Schwitzen kommt, bevor man überhaupt den Gipfel erreicht hat. Doch Höhe ist bekanntlich nicht alles: Oben angekommen, wartet eine Aussicht, die man mitten im Weinviertel kaum erwarten würde. Vom Gipfelkreuz reicht der Blick an klaren Tagen weit über das Land – bis zum Ötscher, Schneeberg und zur Rax.

Auch der Name des Buschbergs erzählt eine kleine Geschichte. Er hat nämlich nichts mit den Büschen zu tun, die man heute vielleicht mit der Landschaft verbindet, sondern geht auf das althochdeutsche Wort »pusk« zurück, das so viel wie „Beule“ bedeutet. Eine durchaus passende Beschreibung, denn die Erhebungen der Leiser Berge – vom Steinberg über den Schulberg bis zum Oberleiser Berg – wirken tatsächlich wie sanfte Hügel, die aus der weiten Weinviertler Landschaft herausragen.
Ausgangspunkt der Buschberg Wanderung: Niederleis

Unsere Reise durch die Leiser Berge beginnt in Niederleis. Noch ahnt man wenig davon, dass wenige Kilometer später einer der schönsten Aussichtspunkte des Weinviertels auf uns wartet. Der kleine Ort wirkt zunächst ruhig und unscheinbar – doch genau das macht den Reiz dieser Wanderung aus. Bevor wir den eigentlichen Anstieg zum Buschberg beginnen, führt unser Weg vorbei am Schloss Niederleis. Hinter seiner hohen Mauer verbirgt sich ein prächtiges Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, das sich den Blicken neugieriger Wanderer allerdings weitgehend entzieht. Ein kleiner Vorgeschmack darauf, dass es entlang dieser Tour immer wieder etwas zu entdecken gibt.

Wir folgen der Straße Richtung Buschberg und verlassen sie nach etwa 700 Metern in der zweiten Kehre der Serpentinen. Ein Wald- und Wanderweg bringt uns anschließend wieder näher an unser erstes großes Ziel. Nach rund 1,8 Kilometern erreichen wir schließlich den Buschbergparkplatz. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, sollte hier einen kurzen Zwischenstopp einlegen: Die Sonnenuhr „4 Jahreszeiten“ des Niederleiser Künstlers Harry Raab ist ein ungewöhnlicher Blickfang. Ob man sie als großes Kunstwerk oder einfach als charmante Überraschung am Wegesrand sieht, bleibt jedem selbst überlassen – sehenswert ist sie allemal.
Der Buschberg und sein ungewöhnlicher Gipfel

Schon kurz vor dem eigentlichen Höhepunkt der Wanderung zeigt der Buschberg seine unterschiedlichen Seiten. Wer es gemütlicher angehen möchte, folgt einfach den Serpentinen hinauf zur Buschberghütte. Wer noch etwas Energie in den Beinen hat, nimmt den kürzeren Pfad über die Wiese und nähert sich dem Gipfel auf direktem Weg. Die Buschberghütte ist dabei nicht nur ein beliebter Rastplatz für Wanderer, sondern trägt auch einen besonderen Titel: Sie gilt als die tiefstgelegene Hütte des Alpenvereins. Ein kleiner Superlativ, der irgendwie perfekt zu den Leiser Bergen passt – hier muss man keine alpinen Höhen erklimmen, um besondere Geschichten zu entdecken.

Direkt neben der Hütte fällt ein ungewöhnlicher Nachbar ins Auge: die Radarstation der österreichischen Flugsicherung. Der riesige weiße Radom auf ihrer Spitze erinnert ein wenig an einen überdimensionierten Golfball und ist längst zu einem Wahrzeichen des Buschbergs geworden. Der Turm ragt rund 40 Meter in den Himmel und sorgt dafür, dass der höchste Berg des Weinviertels auch aus der Ferne unverwechselbar bleibt.

VBis zum Gipfelkreuz ist es von hier nur noch ein kurzer Spaziergang. Ganz oben angekommen, stellt man allerdings fest: Der höchste Punkt des Buschbergs gehört gar nicht dem Gipfelkreuz, sondern der Radarstation. Trotzdem lohnt sich der Weg, denn die Aussicht ist beeindruckend. Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über das Wiener Becken bis zu den Gipfeln der Wiener Hausberge – vom Ötscher bis zu Schneeberg und Rax.
Weiter durch die Leiser Berge

Vom Gipfelkreuz des Buschbergs führt unser Weg wieder hinunter in die stille Landschaft der Leiser Berge. Bald lassen wir die Radarstation hinter uns und folgen einem aussichtsreichen Höhenweg in Richtung Schulberg. Hier zeigt sich die Landschaft von ihrer typisch weinviertlerischen Seite: sanfte Hügel, trockene Wiesen und immer wieder überraschende Blicke hinüber zum Oberleiser Berg und seinem markanten Wahrzeichen.

Doch nicht nur die Natur sorgt für Abwechslung. Entlang des Weges tauchen plötzlich große Granitblöcke auf, die wie kleine Kunstwerke in der Landschaft wirken. Wer diese ungewöhnlichen Skulpturen geschaffen hat und welche Geschichten dahinterstehen, lässt sich heute nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Gerade diese kleine Ungewissheit macht den Fund am Wegesrand aber umso spannender. Manchmal sind es eben nicht die großen Sehenswürdigkeiten, sondern die unerwarteten Entdeckungen am Weg, die eine Wanderung besonders machen.
Der Oberleiser Berg: Aussicht und Geschichte vereint

Nach dem Buschberg wartet mit dem Oberleiser Berg ein weiterer Höhepunkt unserer Wanderung. Mit 457 Metern ist er zwar nur der dritthöchste Gipfel der Leiser Berge, doch bei der Aussicht muss er sich keineswegs verstecken. Vor allem die markante Aussichtswarte macht ihn zu einem der schönsten Plätze der Region. Ihr Entwurf soll an einen römischen Wachturm erinnern – eine passende Anspielung auf die lange Geschichte dieses besonderen Ortes.

Bevor wir den Blick von oben genießen, lohnt sich ein kurzer Abstecher zur Wallfahrtskirche Maria Oberleis. Das dem heiligen Mauritius geweihte Gotteshaus gehört zu den ältesten Bauwerken entlang der Wanderung. Bereits um das Jahr 1050 entstanden, vereint die Kirche romanische, gotische und barocke Elemente und erzählt damit von vielen Jahrhunderten religiöser und kultureller Geschichte.
Aussichtswarte Oberleiser Berg: Ein Blick über Jahrtausende

Von Maria Oberleis führt uns ein Kreuzweg hinauf zum Plateau des Oberleiser Berges. Die Stationen wurden vom niederösterreichischen Künstler Hermann Bauch gestaltet und begleiten uns auf dem kurzen, aber stimmungsvollen Anstieg. Oben angekommen, wartet schließlich das Wahrzeichen des Berges: die Aussichtswarte Oberleiser Berg. Der 23 Meter hohe Turm wurde in den 1970er Jahren errichtet und mag auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich wirken – doch spätestens nach den 89 Stufen nach oben weiß man, warum sich der Aufstieg lohnt. Von der Plattform eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama über das Weinviertel.

Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über die Landschaft hinaus – zu den Karpaten, den Pollauer Bergen und bis zu den Gipfeln von Rax und Schneeberg. Ein Moment, bei dem man gerne etwas länger stehen bleibt und die Weite auf sich wirken lässt. Doch der Oberleiser Berg beeindruckt nicht nur mit seiner Aussicht. Seine strategisch günstige Lage an alten Verkehrswegen machte ihn schon vor Tausenden Jahren zu einem begehrten Siedlungsplatz. Archäologische Funde belegen eine Geschichte, die rund 6.000 Jahre zurückreicht. Bereits im 3. Jahrhundert vor Christus errichteten hier keltische Siedler eine bedeutende Anlage – doch die spannendsten Entdeckungen stammen aus einer viel späteren Zeit.

Bei archäologischen Grabungen stießen Forscher auf die Fundamente eines außergewöhnlichen Wohngebäudes. Aufgrund seiner Bauweise vermutete man zunächst, dass es sich um ein römisches Bauwerk handeln könnte. Doch diese Annahme erwies sich als falsch: Tatsächlich entstand hier im 4. oder 5. Jahrhundert nach Christus ein befestigter germanischer Königssitz. Errichtet wurde er von einem wohlhabenden germanischen Adeligen, der sich beim Bau offenbar stark am eleganten römischen Lebensstil orientierte.

Nach all den Eindrücken rund um Buschberg und Oberleiser Berg machen wir uns langsam wieder auf den Rückweg. Der Kreuzweg führt uns zurück, bevor wir über den Römerweg bergab weiterwandern. Über einen Steg queren wir die B6 und folgen anschließend der Auer Straße zurück Richtung Niederleis. Beim Schloss Niederleis schließt sich schließlich der Kreis unserer Wanderung.
Leiser Berge Wanderung: Fazit
Was am Morgen noch wie ein unscheinbarer Ausgangspunkt wirkte, erscheint nun mit ganz anderen Augen: Hinter den ruhigen Wegen der Leiser Berge verbirgt sich eine Landschaft voller Aussichtspunkte, überraschender Details und jahrtausendealter Geschichte. Eine Wanderung, die zeigt, dass man nicht weit reisen muss, um Neues zu entdecken.
Tourdaten: Buschberg und Leiser Berge
Tipp
Die Weinradroute Blauburger führt vom Zayatal in die Leiser Berge. Zu den Highlights des »Blauburgers« zählen Schloss Asparn an der Zaya, die Aussichtswarte in Oberleis und der Wildpark Ernstbrunn. RADWEG BLAUBURGER – VOM ZAYATAL IN DIE LEISER BERGE
