PILGERWEG – AM TRAISENTALRADWEG VON MARIAZELL NACH ST PÖLTEN

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Der Traisental-Radweg gehört zu den schönsten Radwegen im Mostviertel und ist gleichzeitig ein beliebter Pilgerweg nach Mariazell. Für unsere Tour drehen wir den Spieß allerdings um: Wir fahren nicht mit dem Fahrrad nach Mariazell, sondern lassen uns mit der Mariazellerbahn hinauf zum Wallfahrtsort bringen und radeln anschließend zurück nach St. Pölten.  

Mit der Mariazellerbahn in den Wallfahrtsort Mariazell

Mariazellerbahn

Für unsere Tour drehen wir den Spieß allerdings um: Wir fahren nicht mit dem Fahrrad nach Mariazell, sondern lassen uns mit der Mariazellerbahn hinauf zum Wallfahrtsort bringen und radeln anschließend am Traisentalreadweg zurück nach St. Pölten.

Mit der Mariazellerbahn nach Mariazell

Höhenprofil
Höhenprofil des Traisentalradwegs

Ein Blick auf das Höhenprofil genügt und die Fahrtrichtung ist schnell entschieden. Von Mariazell geht es zwar zunächst noch einmal ordentlich bergauf, danach überwiegt aber eindeutig das Gefälle.

Mariazellerbahn
Die Himmelstreppe der Mariazellerbahn

Mit dem Auto oder der Westbahn begeben wir uns zuerst einmal nach St Pölten und steigen dort samt Fahrrädern in die Mariazellerbahn ein. Die Fahrt nach Mariazell gehört bereits zum Erlebnis. Während die „Himmelstreppe“, ein moderne Niederflurtriebwagen, gemütlich durch das Mostviertel fährt und immer höher steigt, können wir uns entspannt zurücklehnen und die Landschaft genießen. Die Fahrräder sind ebenfalls kein Problem. Und so kommen wir nach rund zweieinhalb Stunden entspannt im Wallfahrtsort an.

Mariazell – wo unsere Pilgerfahrt beginnt

Logo Traisentalradweg
Hinweis auf den Traisentalradweg

Bevor wir uns auf die Räder schwingen, schauen wir uns natürlich noch Mariazell an. Bereits am Bahnhof beginnt die vorbildliche Beschilderung des Traisentalradweges. Das Ortszentrum und die berühmte Wallfahrtskirche liegen rund eineinhalb Kilometer vom Bahnhof entfernt.

Devotionalien soweit das Auge reicht
Devotionalienhändler mit einem breiten Sortiment

Am Hauptplatz herrscht ein ziemliches Remasuri. Mariazell ist schließlich einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Österreichs. Und wo Pilger sind, sind natürlich auch Devotionalienhändler nicht weit. Heiligenfiguren, Kerzen, Kreuze, Rosenkränze und allerlei andere religiöse Souvenirs gibt es in allen möglichen Größen und Ausführungen. Dazu noch der berühmte Magenbitter. So viel Kitsch auf engstem Raum sieht man selten. Vielleicht noch in Fatima. Dort gibt es sogar Supermärkte für Devotionalien.

Wallfahrtskirche Mariazell
Die berühmte Wallfahrtskirche in Mariazell

Mitten in diesem bunten Treiben steht die beeindruckende Basilika. Ein kurzer Besuch muss sein. Schließlich kann ein wenig göttlicher Beistand nicht schaden. Vor allem dann nicht, wenn wir gleich anschließend mit dem Fahrrad eine ziemlich steile Abfahrt vor uns haben. Frei nach dem Motto: „Lieber Gott, mach, dass meine Bremsen nicht versagen!“. Sicher ist sicher. Mariazell ist nicht nur das Ziel zahlreicher Pilger, sondern auch der bedeutendste Wallfahrtsort Österreichs, dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht.

Wallfahrtskirche Mariazell
Wallfahrtskirche Mariazell

Um die Entstehung des Wallfahrtsortes ranken sich gleich drei Legenden. Die bekannteste erzählt vom Mönch Magnus, der 1157 mit einer Marienstatue hierherkam. Ein Felsen versperrte ihm den Weg. Nachdem er die Statue aufgestellt und gebetet hatte, soll sich der Felsen geteilt haben. Magnus errichtete daraufhin eine kleine Kapelle – die „Zelle“ der Maria. Eine zweite Legende erzählt von den mährischen Markgrafen Heinrich und seiner Frau, die von schwerer Gicht geheilt wurden und aus Dankbarkeit eine erste steinerne Kirche errichten ließen.

Devotionalien soweit das Auge reicht
Stand eines Devotionalienhändlers

Die dritte handelt vom ungarischen König Ludwig I., der nach einem Sieg über ein zahlenmäßig überlegenes türkisches Heer aus Dankbarkeit die gotische Kirche errichten ließ. Ob sich die Geschichten tatsächlich so zugetragen haben? Wer weiß. Aber zu Mariazell gehören diese Legenden genauso wie die Pilger, die Basilika und natürlich die unzähligen Devotionalien.

Bergab zum Hubertussee

Hubertussee
Hubertussee

Jetzt wird es ernst. Bereits auf den ersten Kilometern geht es in teilweise steilen Serpentinen bergab Richtung Hubertussee. Hier können wir gleich einmal ordentlich Geschwindigkeit aufnehmen. Allerdings sollten wir uns daran erinnern, dass ein Fahrrad zwar schnell beschleunigt, aber nicht unbedingt genauso schnell wieder stehen bleibt. Also Augen auf und Hände an die Bremsen.

Kaiser Franz Joseph auf der Pirsch
Kaiser Franz Joseph am Hubertussee

Über eine wenig befahrene Straße geht es anschließend weiter Richtung Hubertussee. Die Landschaft wird immer ruhiger und die Strecke führt durch das reizvolle Tal. Kurz vor dem Hubertussee treffen wir sogar den seligen Kaiser Franz Joseph auf der Pirsch. Wir winken ihm huldvoll zu. Ob er sich über unseren Besuch gefreut hat, wissen wir allerdings nicht.

Hubertussee und die Wuchtelwirtin

Wuchtelwirtin am Hubertussee
Wuchtelwirtin am Hubertussee

Am Hubertussee hätten wir nun mehrere Möglichkeiten. Im Sommer könnten wir baden. Wir könnten auch eine Pause einlegen. Oder wir könnten bei der berühmten Wuchtelwirtin einkehren. Die Versuchung ist groß. Eine frische Buchtel und dazu eine Melange oder ein Häferlkaffee – was will man mehr? Wir widerstehen. Zumindest dieses Mal. Denn der schwierigste Teil der Tour wartet noch auf uns.

Der längste Anstieg am Traisentalradweg – Hinauf zum Gscheid

Gscheid Pass
Abfahrt nach dem Gscheid Pass

Kurz nach dem Hubertussee beginnt der längste und anstrengendste Anstieg unserer Tour. Es geht es hinauf zum Gscheid Pass auf 970 Meter Seehöhe. Der Anstieg ist zwar nur etwa vier Kilometer lang, hat es aber ordentlich in sich. Für alle Durchschnittssportler und Nicht-E-Biker: Es ist keine Schande, das Fahrrad auch einmal ein Stück zu schieben. Man muss schließlich nicht jeden Berg bezwingen, nur weil man ein Fahrrad besitzt.

Vom Gscheid hinunter nach Kernhof

Kameltheater Kernhof
Kameltheater Kernhof

Vom Gscheid Pass geht es auf vier Kilometer rund 300 Höhenmeter hinunter nach Kernhof. Die Abfahrt ist ein wahrer Höllenritt. Die Kurven sind recht eng und man muss aufpassen, damit einem kein Fahrfehler passiert. Dummerweise kommt bei diesen steilen Abfahrten immer wieder ein Gedanke- was ist, wenn die Bremsen plötzlich versagen? Doch, gut ist´s gangen, nix ist g`schehen. In Kernhof besteht die Möglichkeit ein Kameltheater zu besuchen, wo Kamele als Darsteller von einfachen Theaterstücken fungieren. Das Theater ließ ich im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und setzte meinen Weg Richtung Stift Lilienfeld fort.

Entlang der Traisentalbahn nach Lilienfeld

Entlang der Traisentalbahn
Entlang der Traisentalbahn

Von Kernhof führt der Radweg teilweise entlang der Traisen und der Traisentalbahn weiter über St. Aegyd am Neuwalde, Hohenberg und Freiland Richtung Lilienfeld. Das leichte Gefälle dieser Etappe mit rund 200 Höhenmetern läßt den Drahtesel beinahe von alleine laufen. So macht Radfahren Spaß.

Stift Lilienfeld

Stift Lilienfeld
Stift Lilienfeld

Schon von weitem ist das Stift Lilienfeld zu erkennen. Das Zisterzienserstift wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von Herzog Leopold VI. als Tochterkloster des Stiftes Heiligenkreuz gegründet. 1217 versammelte Leopold VI. hier seine Adeligen, bevor er zum Fünften Kreuzzug aufbrach. Nach seiner Rückkehr schenkte er dem Kloster eine Kreuzreliquie aus Byzanz.

Stift Lilienfeld
Im Kreuzgang von Stift Lilienfeld

Der Stifter fand schließlich selbst in Lilienfeld seine letzte Ruhestätte. Über die Jahrhunderte entwickelte sich das Stift zu einem bedeutenden geistlichen und kulturellen Zentrum. Nach der Aufhebung durch Kaiser Joseph II. im Jahr 1789 wurde es bereits ein Jahr später wieder eröffnet. Ein großer Brand zerstörte 1810 weite Teile der Anlage, die anschließend wiederaufgebaut wurde.

Stift Lilienfeld
Bibliothek von Stift Lilienfeld

Heute präsentiert sich das Stift als beeindruckende Mischung aus mittelalterlicher Klosteranlage und barocker Erweiterung – und blickt auf mehr als 800 Jahre bewegte Geschichte zurück. Besonders sehenswert sind der wunderschöne Kreuzgang und die Bibliothek. Wenn genügend Zeit bleibt und es die Eintrittszeiten erlauben, sollte man sich die Klosteranlage unbedingt anschauen. Es zahlt sich aus.

Die letzten Kilometer nach St. Pölten

St Pölten, Regierungsviertel
Regierungsviertel von St. Pölten

Von Lilienfeld sind es noch rund 25 Kilometer bis nach St. Pölten. Der Radweg führt über Wilhelmsburg auf asphaltierten Uferwegen und ruhigen Nebenstraßen weiter Richtung Landeshauptstadt. Die Landschaft wird flacher und die letzten Kilometer lassen sich entsprechend entspannt zurücklegen. Irgendwann taucht das Regierungsviertel von St. Pölten vor uns auf. Damit ist das Ziel nicht mehr weit zum Bahnhof. Und dann ist sie tatsächlich zu Ende – unsere kleine Pilgerfahrt von Mariazell nach St. Pölten.

Fazit

Pause
Das Ende ist nah

Rund 89 Kilometer liegen hinter uns. Die reine Fahrzeit beträgt etwa fünf Stunden, dazu kommen natürlich noch einige Pausen. Schließlich sind wir nicht auf der Flucht. Die Strecke hat landschaftlich einiges zu bieten. Besonders gut gefällt uns der Abschnitt rund um Mariazell, den Hubertussee und das obere Traisental bis St. Aegyd am Neuwalde. Die Tour ist trotz ihrer Länge auch für weniger trainierte Radfahrer machbar. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass der Anstieg auf das Gscheid einiges an Kondition verlangt. Mit kleinen Kindern würden wir die komplette Strecke allerdings nicht unbedingt empfehlen. Vor allem die steilen Abfahrten rund um Mariazell verlangen etwas Erfahrung und Aufmerksamkeit.

Alles in allem ist die Strecke von Mariazell nach St. Pölten eine abwechslungsreiche und landschaftlich sehr schöne Tour.

Hinweis

Einen weiteren Abschnitt des Traisentalradwegs findest Du in unserem Beitrag VOM STIFT HERZOGENBURG ZUM SCHLOSS GRAFENEGG

Streckenplan

Fakten

Radweg-Symbol: Grünes Schild „Traisentalradweg“, Radweg Nr 4

Schwierigkeit: mittel, zwei steilere Anstiege

Strecke: ca. 89 km

Highlights der Strecke:

  • Fahrt mit der Mariazellerbahn
  • Wallfahrstkirche Mariazell
  • Stift Lilienfeld
  • Altstadt von St Pölten

Sonstiges:

  • Der Radweg ist perfekt ausgeschildert.

Hinweis: Erstfassung August 2015, umfassend aktualisiert und überarbeitet August 2026