AUSFLUG RUND UM WIEN – DER KALENDERBERG BEI MÖDLING

Die gemütliche Wanderung begibt sich auf die Spuren von Fürst Johann I von Liechtenstein, der den Kalenderberg bei Mödling mit seinen künstlichen Ruinen »zum Vergnügen des Publikums« einst behübschte.

Burg Liechtsenstein

Der Kalenderberg kann zu Recht als Spielwiese von Fürst Johann I von Liechtenstein bezeichnet werden. Der umtriebige Fürst hatte sich zum Ziel gesetzt rund um die Burg Liechtenstein zahlreiche malerische Blickpunkte zu errichten. Damit folgte er einer Modeströmung, die am Beginn des 19. Jhdt sehr en vogue war.

Pfarrkirche St Othmar

Pfarrkirche Sank Othmar

Als Ausgangspunkt unserer rund 5,5 km langen Wanderung haben wir die gotischen Pfarrkirche St Othmar in Mödling ausgewählt. Gottes Segen am Beginn einer Tour kann ja bekanntlich niemals schaden. Mit dem Bau der Kirche wurde 1454 begonnen. Erst 69 Jahren später war sie endlich fertiggestellt.

Pfarrkirche Sank Othmar

Der Weihrauchduft von der Einweihungsfeier lag noch in der Luft, als türkische Horden die Kirche 1529 zerstörten. Danach begann sich die Geschichte zu wiederholen: Wiederaufbau – Zerstörung durch die Türken im Jahr 1683 – Wiederaufbau.

Tipp: Stadtspaziergang durch Mödling
Falls Ihr genug Zeit habt, unternehmt auch einen Stadtspaziergang durch die sehenswerte Altstadt von Mödling. Mehr dazu findet Ihr im Beitrag AUSFLUG RUND UM WIEN – RUNDWANDERUNG ZUR BURG MÖDLING UND ZUM HUSARENTEMPEL

Schwarzer Turm

Schwarzer Turm

Beim Kirchenvorplatz führt eine Treppe zum Anton Wildgans Weg. Folgt danach dem Werbeschild »Mödlinger Kobenzel« bis zum Jubiläumspark. Beim Parkplatz des Ausflugslokals führen Stufen und ein kurzer Anstieg direkt zum »Schwarzen Turm«.

Schwarzer Turm

Der »Schwarze Turm« ist eines jener romantischen Bauwerke, mit denen Fürst Johann I den Kalenderberg schmücken ließ. Errichtet wurde der »Schwarze Turm« nach Plänen des Architekten Joseph Hardtmuth in den Jahren 1809/10. Ursprünglich als Aussichtsturm errichtet, diente das markante Bauwerk später als Försterwohnung. Joseph Hardtmuth war jahrelang der Lieblingsarchitekt des Fürsten.

Aquädukt der I. Wiener Hochquellenwasserleitung

Er plante für ihn zahlreiche Obelisken, Triumphbögen und künstliche Ruinen. Doch dummerweise stürzten seine Gebäude gerne ein. Nach dem dritten Gebäudeeinsturz fiel Hardtmuth beim Fürsten in Ungnade und wurde durch den Architekten Joseph Kornhäusel ersetzt. Der Ärger über seine Entlassung währte nur kurz, ging doch Hardmuth später in die Geschichte als Erfinder der Bleistiftminen ein.

Augengläser

Augengläser am Kalenderberg

Nur einen Steinwurf vom Schwarzen Turm entfernt, befindet sich eine weitere künstliche Ruine, die an die Brille eines Riesen erinnert. Die sogenannten Augengläser gehen ebenfalls auf Fürst Johann I zurück. Ein Blick durch die zwei Spitzbögen eröffnet einen schönen Ausblick ins Wiener Becken, auf Mödling und zum mächtigen Aquädukt der Ersten Wiener Hochquellwasserleitung. Vom »Schwarzen Turm« folgen wir nun den Wegweisern zur Ruine Pfefferbüchsel.

Schwarzföhren am Kalenderberg

Flott geht es auf dem gut ausgebauten Wanderweg durch Schwarzföhrenwälder dahin. Als der Fürst seinen englischen Landschaftsgarten rund um den Kalenderberg anlegen ließ, befanden sich hier nur karge Berghänge. Ein Gräuel und eine Beleidigung für das fürstliche Auge. Dem musste Abhilfe geschaffen werden. Kurzerhand ließ der Fürst seine Bediensteten antreten und befahl ihnen den Kalenderberg mit schirmförmigen Schwarzföhren zu bepflanzen.

Schwarzföhren am Kalenderberg

Man stelle sich die armen Bediensteten vor, wie sie mühsam Setzlinge, Humus und Wasser über Berg und Tal schleppten um die Wünsche des Fürsten zu erfüllen. Im Volksmund tragen die die Schwarzföhren den Spitznamen »Parapluie-Bäume«. Die Bezeichnung stammt noch aus der Zeit des Biedermeiers, als die Verwendung französischer Fremdwörter als très chic galt.

Ruine Pfefferbüchsel

Ruine Pfefferbüchsel

Nach rund 20 Minuten Gehzeit sind bereits die spärlichen Mauerreste der Ruine Pfefferbüchsel zu sehen. Im Jahr 1818 hatte Fürst Johann I die Idee das Hochplateau des Kalenderbergs mit einer Pilgerkapelle zu verschönern. Wegen ihres eigenwilligen Daches, welches Ähnlichkeit mit einer Gewürzdose hatte, erhielt die Kapelle im Volksmund bald den Spitznamen Pefferbüchsel.

Ruine Pfefferbüchsel

Die Kapelle wurde im Revolutionsjahr von 1848 zerstört und nie wieder aufgebaut. Entschädigung für die unspektakuläre Ruine bietet jedoch der Blick zum Husarentempel.

Husarentempel

Wer jetzt auf Fürst Johann I als Bauherrn tippt, hat die nichtgestellte Frage vollkommen richtig beantwortet. 1813 hatte der Fürst dem Architekten Joseph Kornhäusel den Auftrag erteilt, einen Heldentempel zur Erinnerung für die in den Schlachten von Aspern und Deutsch-Wagram Gefallenen zu errichten.

Tipp: Wanderung zum Husarentempel
Mehr zur Geschichte des Husaren-Tempels Ihr im Beitrag AUSFLUG RUND UM WIEN – RUNDWANDERUNG ZUR BURG MÖDLING UND ZUM HUSARENTEMPEL

Turnerwiese

Rund 300 Meter nach der Ruine Pfefferbüchsel haben wir den Gipfel des 352 Meter hohen Kalenderbergs erreicht. Von nun an geht es bergab. Vorbei an der Kirchbergwiese und Turnerwiese, folgen wir dem Wegweiser Richtung Maria Enzersdorf, wo uns die Burg Liechtenstein erwartet.

Burg Liechtenstein

Burg Liechtenstein

Die Burg Liechtenstein entspricht dem Idealbild einer Ritterburg. Errichtet um 1130 gilt die Burg als Stammsitz der Fürsten von Liechtenstein. Nach häufigem Besitzerwechsel wurde die Burg 1683 durch türkische Truppen großteils zerstört. 1808 kaufte Fürst Johann I den Stammsitz seiner Vorfahren zurück und ließ die Ruine ganz im Stile des Historismus als romantische Ritterburg wieder aufbauen.

Schloss Liechtenstein

Schloss Liechtenstein

Nur wenige Schritte von der Burg entfernt, befindet sich das Schloss Liechtenstein. Fürst Johann I ließ sich das klassizistische Schloss in den Jahren 1820/21 als Sommerresidenz errichten. Für die Baupläne zeichnete sich wieder der Architekt Joseph Kornhäusel verantwortlich, der sich die Weilburg in Baden zum Vorbild nahm. Über 100 Jahre feierte die fürstliche Familie rauschende Feste im Schloss, doch nach dem Ende des zweiten Weltkriegs begann der Verfall des fürstlichen Anwesens.

Schloss Liechtenstein

Zwischen 1945 und 1955 wurde das Schloss von den Russen besetzt und geplündert. Ein Jahr später diente es als Auffanglager für ungarische Flüchtlinge. Danach war das Schloss unbewohnbar und so desolat, dass das Fürstenhaus die Halbruine verkaufte. Mit Mühe konnte ein Total-Abbruch des Schlosses verhindert werden.

Schloss Liechtenstein

Während der Mitteltrakt m Original erhalten blieb, mussten die beiden Seitenflügel geschliffen und erneuert werden. Nach aufwendigen Sanierungsmaßnahmen dient das Schloss heute als Seniorenheim. Spaziert nun die Elfriede-Ott Promenade für ca 200 Meter entlang und biegt danach rechts auf den Wanderweg 41 (Hartmuthweg) ab. Ein Wegweiser lotst Euch direkt zum Amphitheater.

Amphitheater

Amphitheater

Plötzlich erheben sich mächtige Steinsäulen vor uns. Völlig unerwartet stehen wir mitten im Wald in einem Amphitheater. Als hätte uns eine Zeitmaschine ins »Alten Rom« gebracht. Hört ihr die Fanfaren und das jubelnde Publikum als die Gladiatoren die Arena betreten? Oder wie die Schwerter beim Kampf um Leben oder Tod  aufeinanderprallen? »Die wahren Abenteuer sind im Kopf«, sang schon Andre Heller, denn blutige Gladiatorenkämpfe haben hier nie stattgefunden.

Amphitheater

Das Amphitheater wurde erst 1810/11 nach den Plänen des Architekten Joseph Hardtmuth als römische Ruine errichtet. Auch diese künstliche Ruine sollte vom »Verschönerungssinn« des Fürsten zeugen. Inspiriert vom Kolosseum im Rom entstand ein halbrundes Theater mit 16 Gewölbebogen und zwei Türmen. Einer dieser Türme diente dem Fürsten einst als Aussichtsturm. Aus Sicherheitsgründen ist es jedoch heute nicht mehr möglich den Turm zu besteigen.

Amphitheater

Zurück zur Abzweigung folgen wir dem Wegweiser zum »Schwarzen Turm« bzw St Othmar um den Ausgangspunkt unserer Wanderung wieder zu erreichen.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim »Nach«Wandern dieser wunderschönen Tour rund um den Kalenderberg.

FOTOALBUM
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einer Wanderung rund um den Kalenderberg und auf den Spuren von Fürst Johann inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Wanderung findet Ihr im Fotoalbum unter: Mödling – Auf den Spuren des Fürsten Johann I von Liechtenstein

Streckenplan