RADTOUR – VOM STIFT HERZOGENBURG ZUM SCHLOSS GRAFENEGG

Die Radrundtour führt Euch vom Stift Herzogenburg über die sanften Weinberge im Traisental zum Urzeitmuseum in Nußdorf und weiter Schloss Grafenegg am Wagram. Die alte Römerstadt Traismauer besuchen wir am Rückweg.

Barock pur: Stift Herzogenburg

Stift Herzogenburg

Ausgangspunkt dieser Radtour ist Stift Herzogenburg, welches im gleichnamigen Ort am Fluss Traisen liegt. Eine gute Parkmöglichkeit befindet sich beim prachtvollen Nordtor, von wo sich die barocke Klosteranlage wunderbar entdecken lässt.

Stift Herzogenburg

Gegründet wurde Stift Herzogenburg im Jahr 1112 am Zusammenfluss von Traisen und Donau. Im Nachhinein betrachtet keine gute Wahl, da häufige Überschwemmungen die Klosteranlage massiv bedrohten. Aus diesem Grund verlegten die Mönche das Stift im Jahr 1244 an den heutigen Standort. Ein prächtiges allegorisches Deckengemälde oberhalb der Prälatenstiege erinnert an den historischen Umzug.

Stift Herzogenburg

Sein heutiges Aussehen verdankt Stift Herzogenburg den beiden barocken Stararchitekten Jakob Prandtauer und Joseph Munggenast, die ab 1714 mit den Umbauarbeiten begannen. Die minimalistische Variante einer Stiftsbesichtigung ist der Besuch der Klosterkirche, welchen wir Euch auf alle Fälle ans Herz legen würden.

Stift Herzogenburg

Allein schon wegen der wunderbaren Fresken von Bartholomäus Hohenberg, besser bekannt als Bartolomeo Altomonte, der den Kirchenraum als Thronsaal Gottes gestaltete. Der berühmte barocke Freskenmaler Altomonte italianisierte aus kommerziellen Gründen seinen Namen, da Italiener zu dieser Zeit als Künstler den besten Ruf hatten und bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugt wurden.

Stift Herzogenburg

Ein weiteres Highlight barocker Kunst ist die mächtige Kirchenorgel, die der Orgelbauer Johann Hencke gebaut hat und damit eine der bedeutendsten Orgeln unseres Landes schuf.

Stift Herzogenburg

Im Rahmen einer Stiftführung könntet ihr noch die Prälatenstiege, den Festsaal, den einzigartigen Bildersaal und natürlich auch die Bibliothek besichtigen.

Interieur trifft Geschichte: Schloss Walpersdorf

Schloss Walpersdorf

Zeit sich in den Sattel zu schwingen. Noch ein letzter Blick auf das Nordtor und dann »velozipedieren« wir am Weinbergradweg in das rund vier Kilometer entfernte Walpersdorf, wo uns bereits das gleichnamige Schloss erwartet.

Schloss Walpersdorf

Von wechselnden Besitzern bewohnt, diente das Renaissanceschloss Walpersdorf als Adelssitz, Seidenspinnerei oder Ordenssitz eines katholischen Frauenordens. Heute nutzt ein Interieur-Fachgeschäft die Schlossräumlichkeiten als Verkaufsfläche. Einen Sessel oder ein Bücherregal werdet ihr heute wohl kaum mitnehmen, aber ein Packerl Servietten passt auch in den kleinsten Radrucksack.

Schloss Walpersdorf

Die bekannteste Schlossherrin war vermutlich Eleonora Gonzaga, die zweite Frau von Kaiser Ferdinand II, dessen Regierungszeit vom Kampf gegen den Protestantismus geprägt war. Sein Wahlspruch lautete »Besser eine Wüste regieren als ein Land voller Ketzer«. Doch zurück zur frommen Eleonora, die in die Chronik der Habsburger als Stifterin der »Herzerlgruft« in der Wiener Augustinerkirche einging.

Schloss Walpersdorf

Damit wurde für Jahrhunderte ein neues Begräbnis-Ritual begründet: Das »Ausbanlnden« der verstorbenen Herrscher aus dem Hause Habsburg. Die Eingeweide fanden ihre letzte Ruhestätte in der Krypta des Stephansdoms, die Herzen kamen in die Herzerlgruft in der Augustinerkirche und die Leichname wurden in der Kapuzinergruft bestattet.

Am Weinbergradweg nach Nußdorf ob der Traisen

Am Weinbergradweg im Traisental

Ab Walpersdorf verläuft der Weinbergradweg auf einer leichten Anhöhe durch das Weinbaugebiet Traisental. Die wenigen Anstiege sind moderat und mühelos zu überwinden, auch ohne eBike.

Am Weinbergradweg im Traisental

Das Traisental ist das kleinste Weinanbaugebiet Niederösterreichs, doch dafür blickt es auf eine jahrtausendalte Siedlungsgeschichte zurück. Schon 30.000 Jahre vor Christus haben sich in der Region Menschen angesiedelt, Mammuts gejagt und sich vor Höhlenbären gefürchtet.

Am Weinbergradweg im Traisental

Beim Bau der Schnellstraße S 33 von St. Pölten nach Krems entdeckten Archäologen in der Nähe von Nußdorf ob der Traisen einen riesigen bronzezeitlichen Friedhof mit hunderten Gräbern. Die Wissenschaftler konnten nicht nur kostbare Grabbeigaben sicherstellen, sondern auch – man lese und staune – Traubenkerne. Damit war es amtlich, dass in dieser Gegend schon lange vor den Römern Weinbau betrieben wurde.

Am Weinbergradweg im Traisental

Ob die Kelten den reschen Grünen Veltliner oder den fruchtigen Riesling bevorzugten, darüber schweigen jedoch die Forschungsergebnisse. Vorbei an Wein- und Obstgärten führt der Weibergradweg über Inzersdorf, Getzersdorf und Reichersdorf nach Nußdorf ob der Traisen.

Ice Age lässt grüßen: Urzeitmuseum Nußdorf ob der Traisen

Pfarrkirche Nußdorf ob der Traisen

Als Freunde des gemütlichen Pedalierens, sowie einem Interesse an Kultur und Geschichte ist ein kurzer Aufenthalt in Nußdorf ob der Traisen natürlich Pflicht. Hier besuchen wir das Urzeitmuseum, wo wir uns auf eine Entdeckungsreise von der Urzeit bis zur Bronzezeit begeben.

Urzeitmuseum Nußdorf ob der Traisen

Am Eingang des Museums werden wir stilecht von einem lebensgroßen Mammut begrüßt, welches friedlich vor dem Eingang grast. Fast scheint es so, als würde es auf seine Freunde »Sid« und »Diego« aus dem Film »Ice Age« warten.

Urzeitmuseum Nußdorf ob der Traisen

Kernstück des Museums sind die interessantesten Funde aus den bronzezeitlichen Gräbern. Gezeigt werden Keramikgefäße, Waffen, Bronzeschmuck, sowie Gräbernachbauten und Schädelknochen. Bei einem dieser Totenschädel kommt mir wieder die Inschrift in einer portugiesischen Kapelle in den Sinn, »Wir, die hier versammelten Knochen, warten auf die eurigen!«

Vom Donauradweg bis zum Wagram

Pfarrkirche Hollenburg

Der Weinbergradweg verläuft nun weiter Richtung Hollenburg, wo dieser in den Donauradweg mündet. Schon wieder bewegen wir uns auf geschichtsträchtigem Boden. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs tobten in dieser Region erbitterte Kämpfe zwischen deutschen Truppen und der Roten Armee.

Kriegerdekmal "Kremser Brückenkopf"

Die Deutschen versuchten verzweifelt das Übersetzen der Russen über die Donau zu verhindern. Eine Gedenksäule am Wegesrand erinnert noch heute an die blutigen Kampfhandlungen im Bereich des sogenannten »Kremser Brückenkopfs«.

Kraftwerk Theiß

Wir folgen dem Donauradweg für rund 2,5 km stromabwärts und queren die Donau in der Nähe von Traismauer. Auwälder, Felder und der Wagram begleiten uns die weitere Strecke bis nach Grafenegg.

Am Wagram entlang

Das Wort Wagram kommt übrigens aus dem mittelhochdeutschen und  bedeutet so viel, wie »Grenze der Wogen«. Kein Wunder, war doch der bis zu 40 Meter hohe, langgestreckte Höhenzug ein urzeitlicher Meeresstrand. Wo sich vor 30 Millionen Jahren noch Seekühe, Haie oder Delphine an den steilabfallenden Hängen im tropischen Urmeer tummelten, gedeiht heute ein köstlicher Rebensaft.

Ein Märchenschloss: Schloss Grafenegg

Schloss Grafenegg

Mittlerweile haben wir Schloss Grafenegg erreicht, welches zweifellos zu den bekanntesten Ausflugzielen dieser Region zählt. Am ersten Blick wirkt das Schloss so, als wäre es der britischen Kultserie »Downtown Abbey« entsprungen. Der Vergleich kommt nicht von ungefähr, war doch der Bauherr ein begeisterter Fan von englischen Schlössern im Stile der Tudorgotik.

Schloss Grafenegg

Mitte des 19. Jhdt beschloss der damalige Besitzer, ein gewisser Graf August von Breuner-Enckevoirt, dass der Vorgängerbau nicht mehr en vogue ist. Nachdem Geld keine Rolle spielte, ließ er die alte Bausubstanz großzügig mit Treppengiebeln, Türmchen, Erkern, Arkaden oder Wasserspeiern »behübschen«.

Schloss Grafenegg

So entstand ein Traumschloss, welches heute zu einem der drei bedeutendsten Schlossbauten des romantischen Historismus in Österreich zählt. Schwere Zeiten erlebte Grafenegg zwischen 1945 und 1955. Wie viele andere Schlösser in Niederösterreich wurde das Schloss vollkommen geplündert und devastiert.

Schloss Grafenegg

Möbel sowie Bücher landeten in den Öfen und spendeten Wärme. Wertvollere Gegenstände wurden am Schwarzmarkt gehandelt oder verschwanden auf Nimmerwiedersehen in den Weiten des Sowjetreiches. Von diesem Zerstörungswahn ist »Gott sei Dank« nichts mehr zu sehen und so präsentiert sich Grafenegg wieder von seiner schönsten Seite.

Klangturm Schloss Grafenegg

Wenn ihr noch genug Zeit habt, empfehlen wir Euch einen kurzen Spaziergang durch den 32 Hektar großen englischen Landschaftspark zu unternehmen. Dieser zählt mit seinem historisch interessanten Baumbestand zu den bedeutendsten gartenarchitektonischen Denkmälern Österreichs.

Klangturm Schloss Grafenegg

Sehenswert ist auch der östlich vom Schloss gelegene Wolkenturm, der von den Architekten Marie-Therese Harnoncourt und Ernst J. Fuchs entworfen wurde. Diese futuristische Open-Air-Bühne mit 1.700 Sitzplätzen ist jeden Sommer Schauplatz hochkarätiger Klassikkonzerte.

Von Grafenegg zurück zur Donaubrücke

Stupa am Wagram

Es wird Zeit wieder in die Pedale zu treten. Doch vorher gilt es noch eine Entscheidung zu treffen: Entweder gleich zurück Richtung Donaubrücke bei Traismauer oder eine Extraschleife von rund fünf Kilometern zu einem für diese Gegend ungewöhnlichen Bauwerk.

In den Donauauen

Alle, die auf die Extrarunde verzichten, überspringen den folgenden Absatz und radeln über die kleinen Ortschaften Kamp und Jettsdorf zum Donauradweg. Diesem folgt ihr stromaufwärts bis zur bereits bekannten Brücke über den Donaustrom.

Zusatzschleife: Die Friedenspagode am Wagram

Stupa am Wagram

Schon von weitem sichtbar erhebt sich inmitten der Weinberge an der Wagramkante ein für diese Region außergewöhnlich exotisches Bauwerk: Ein Stupa, dessen Anblick uns gedanklich nach Südostasien versetzt.

Stupa am Wagram

Das buddhistische Bauwerk steht als Symbol für ein friedvolles Miteinander. Wer von Euch den Stupa im Uhrzeigersinn umrundet erfährt Glück und sammelt gutes Karma. Beides kann man bekanntlich immer brauchen. Denn niemand will die Reinkarnationsleiter aufgrund eines miesen Karmas hinunterfallen und als Eintagsfliege enden.

Ausblick von der Stupa am Wagram

Steigt auf alle Fälle auch die Treppe an der Außenwand hinauf und genießt gemeinsam mit Buddha den Ausblick über das Tullnerfeld und den Wagram. Das Innere der Stupa kann auch betreten werden, vergesst aber nicht eure Schuhe auszuziehen. 

Stupa am Wagram

Besonders ins Auge stechen die bullaugenartigen Fenster und die imposante Kuppel. Für ein ausgiebiges Meditieren bleibt keine Zeit mehr und wir schlagen symbolisch den Gong zum Aufbruch.

Donaubrücke bei Traismauer

Wir radeln wieder am selben Weg zurück nach Grafenegg und dann weiter auf der bereits weiter oben beschriebenen Route zur Donaubrücke.

Von Donaubrücke bis Traismauer

An der Traisen

Nachdem wir die Donau überquert haben, folgen wir dem Donauradweg für rund 3,5 km stromabwärts. Beim Jachthafen von Traismauer verlassen wir den Donauradweg, pedalieren die Donaustraße entlang und erreichen kurz darauf den Traisental-Radweg, der uns direkt zu unserem nächsten Ziel führt.

Traismauer – Stadt der Römer und Nibelungen

Römer Tor in Traismauer

Das Wahrzeichen von Traismauer ist ein mächtiges Stadttor, dessen Grundmauern noch aus der Zeit der römischen Besiedelung stammen. Nur der Dachaufbau zwischen den Türmen ist aus dem Mittelalter.

Altstadt von Traismauer

Um 60 n Chr errichteten die Römer zum Schutz der Grenze an der Donau das Reiterkastell Augustiana, dessen Reste heute unter dem mittelalterlichen Stadtkern von Traismauer begraben liegen.

Schloss Traismauer

Doch wer von Euch mit offenen Augen durch Traismauer spaziert, kann noch das eine oder andere Erinnerungsstück aus der Römerzeit entdecken. Als heißer Tipp gilt der Arkadenhof von Schloss Traismauer, wo man zwei römische Meilensteine und einige römische Grabsteine aufgestellt hat.

Hungerturm in Traismauer

Ein weiterer Zeuge aus der Römerzeit ist der Hungerturm, der in der Nähe des romantischen Florianiplatzes zu finden ist. Einst Teil der antiken Befestigungsanlage wurde er im Mittelalter zu einem Wohnturm umgebaut. Der Hungerturm ist auch als »Reckturm« bekannt, ein Hinweis, dass er auch als Gefängnis für Meuchelmörder, Diebe und »unzüchtige Weibsbilder« genutzt wurde.

Altstadt von Traismauer

Bürgerhäusern aus der Zeit der Gotik, Renaissance und des Barocks prägen den historischen Stadtkern von Traismauer. Besonders sehenswert ist das barocke Giebelhaus  am Hauptplatz 4 oder das Bürgerhaus an der Wiener Straße 5, welches einst im Besitz von Badern, Chirurgen und Wundärzten war.

Altstadt von Traismauer

Nach der Nibelungensage übernachtete Kriemhild im Schloss von Traismauer, bevor sie sich am nächsten Tag mit ihrem Gefolge auf den Weg nach Tulln machte. Ein Fresko an der Innenseite des Römertors erinnert an dieses epochale Ereignis.

Zurück nach Herzogenburg

An der Traisen

Nach diesem kurzen Stadtspaziergang durch Traismauer pedalieren wir – was für ein herrlich altmodisches Wort – entlang des Traisental-Radweges gemütlich zurück nach Herzogenburg.

FOTOALBUM
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einer Radtour am Weinbergradweg und nach Grafenegg inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Radtour findet Ihr im Fotoalbum unter: Vom Stift Herzogenburg nach Schloss Grafenegg

Tourdaten

Streckenplan

Radweg-Beschriftung: Weinbergradweg, Donauradweg, Traisentalradweg, am Wagram bitte gps-Daten/Karte verwenden

Schwierigkeit: leicht, nur geringe Steigungen am Weinbergradweg

Strecke: zwischen 32 km (ohne Zusatzschleife Grafenegg) 59 km (ohne Zusatzschleife Stupa) und rund 64 km (das komplette Programm)

Highlights der Strecke:

  • Stift Herzogenburg
  • Urzeitmuseum Nußdorf ob der Traisen
  • Schloss Grafenegg
  • Stupa am Wagram
  • Auf den Spuren der Römer in Traismauer