MÖRDERISCHES WIEN – EIN SPAZIERGANG ZU 13 SCHAURIGEN SCHAUPLÄTZEN

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Wer Wiens dunkle Seite kennenlernen will, sollte sich auf unseren Stadtspaziergang „Mörderisches Wien“ begeben. Abseits klassischer Sehenswürdigkeiten erzählt diese Tour von Attentätern, Henkern und Totenbrüdern – und von einer Stadt, die selbst dem Tod mit Wiener Schmäh begegnet.

Votivkirche – Ein Attentat mit Folgen

Votivkirche
Mörderisches Wien: Die neugotische Votivkirche

Wir beginnen unseren Stadtspaziergang „Mörderisches Wien“ bei der Votivkirche. Am 18. Februar 1853 flanierte Kaiser Franz Joseph I. durch die Wiener Innenstadt – ein gemütlicher Spaziergang, so schien es, bis János Libényi aus der Menge hervortrat und zustach. Der Kaiser überlebte nur knapp: Ein steifer Uniformkragen, sein Adjutant, ein beherzter Passant und eine gehörige Portion Glück verhinderten den Mord.

Votivkirche
Mörderisches Wien: Die neugotische Votivkirche

Aus Dankbarkeit für das überstandene Attentat ließ Erzherzog Ferdinand Maximilian die Votivkirche errichten. Mit einer Turmhöhe von 99 Metern ist der neugotische Sakralbau heute die zweithöchste Kirche Wiens – ein monumentales, steinernes Dankeszeichen mit düsterem Ursprung.

Votivkirche
Mörderisches Wien: Die neugotische Votivkirche

Und Wien? Wien reagierte wie immer: nicht mit Ehrfurcht, sondern mit Spott. Der Volksmund dichtete einen bissigen Vers über Libényi:

Auf der Simmeringer Had,
hat´s an Schneider verwaht.
Es g´schiecht ihm sch´recht,
warum sticht a so schlecht!

Libényi wurde festgenommen und wenig später hingerichtet – sein Beitrag zur Wiener Stadtgeschichte blieb kurz, aber nachhaltig.

Freyung – Asyl, Leo und zollfreie Zigaretten

Freyung
Mörderisches Wien: Freyung und Schottenstift

Die Freyung zählt zu den größten Plätzen der Wiener Altstadt und war stets Bühne für das bunte, nicht immer ganz gesetzestreue Stadtleben. Gaukler, Marktschreier und Beutelschneider prägten den Platz ebenso wie die Palais, die ihn bis heute umrahmen. Beherrscht wird er vom Schottenstift, 1155 von Herzog Heinrich II. Jasomirgott gegründet. Wer genau hinsieht, entdeckt den Babenberger-Herzog an der Außenseite des Stifts – steinern, würdevoll und ganz in historischer Pose.

Heinrich Jasomirgott
Mörderisches Wien: Herzog Heinrich II Jasomirgott

Der Name Freyung leitet sich von „frei“ ab und erinnert an das sogenannte „Leo“. Verfolgte konnten hier Zuflucht finden und standen unter dem Schutz der Kirche. Wer als Kind Fangerln gespielt hat, kennt das Prinzip: Im Leo war man sicher. Erfunden hat das „Leo“ Herzog Leopold, der Glorreiche. Daher auch der Name.

Austria-Brunnen
Mörderisches Wien: Austria-Brunnen

Ein letzter Blick gilt dem Austria-Brunnen, im Volksmund „Zigarrl-Brunnen“. Als der bayrischen Bildhauer Schwanthaler den Auftrag für den Austria-Brunnen übernahm, versteckte er in den Hohlräumen seiner Figuren Zigaretten, um diese „zollfrei“ von München nach Wien zu schmuggeln. Eine Krankheit verhinderte jedoch die rechtzeitige Bergung der Ware. Seit der letzten Restaurierung des Brunnens ist diese Geschichte leider wiederlegt.

Am Hof – Hier hing Geschichte in der Luft

Am Hof
Mörderisches Wien: Am Hof – Kirche „Zu den neun Chören der Engel“

Heinrich II. Jasomirgott verlegte 1145 seine Regierungsgeschäfte von Klosterneuburg nach Wien und errichtete „Am Hof“ seine Residenz. Als die Herrscher um 1280 weiter zur Hofburg zogen, blieb der Platz zurück – und fand neue Aufgaben: Märkte, Turniere und, ganz pragmatisch, Hinrichtungen. Vom Balkon der Kirche „Zu den neun Chören der Engel“ rief sich Kaiser Franz im Jahr 1806 selbst zum ersten Kaiser von Österreich aus und beendete damit nebenbei das Heilige Römische Reich Deutscher Nation.

Am Hof
Mörderisches Wien: Am Hof

Wo heute ein Luxushotel residiert (Am Hof 2), stand einst das Kriegsministerium. Im Revolutionsjahr 1848 stürmte ein aufgebrachter Mob das Gebäude und lynchte den wenig beliebten Kriegsminister Latour. Sein Leichnam wurde – zur allgemeinen Erbauung – an einer Gaslaterne in der Platzmitte aufgehängt.

Am Hof
Mörderisches Wien: Am Hof

Allzu lange hielt die Begeisterung allerdings nicht. Die kaiserlichen Truppen schlugen zurück, die Revolution war beendet und die Wiener beschränkten sich fortan wieder auf das, was sie am besten können: granteln. Eine Disziplin, die bis heute überlebt hat – und perfekt zu einem morbiden Stadtspaziergang durch Wien passt.

Judenplatz – Wo Wien das Erinnern lernte

Lessingdenkmal am Judenplatz
Mörderisches Wien: Judenplatz mit Lessing-Denkmal

Der Judenplatz war im Mittelalter das Zentrum der jüdischen Gemeinde Wiens – ein lebendiger, selbstverständlicher Teil der Stadt. Im Jahr 1421 jedoch endete dieses Zusammenleben abrupt. Herzog Albrecht V. beschuldigte die jüdische Bevölkerung der Hostienschändung und der Unterstützung der Hussiten. Der Vorwurf genügte. Albrecht ließ die Juden verhaften, enteignen und „aus Stadt und Land“ vertreiben.

Lessingdenkmal am Judenplatz
Mörderisches Wien: Judenplatz

Einige wenige konnten sich in die Synagoge am Judenplatz flüchten. Um der Zwangstaufe zu entgehen, wählten sie den kollektiven Suizid. Die ärmeren Mitglieder der Gemeinde ließ der Herzog nach Ungarn deportieren. Rund 200 Juden wurden auf die Weißgerberlände getrieben und dort auf einem Scheiterhaufen lebendig verbrannt. Heute erinnert ein Relief am Haus Zum großen Jordan (Judenplatz 2) an diese sogenannte Wiener Gesera – ein Ereignis, das man lange lieber verschwieg als erklärte.

Mahnmal für die jüdischen Opfer am Judenplatz
Mörderisches Wien: Holocaust-Mahnmal der Künstlerin Rachel Whiteread

Heute dominiert ein Bauwerk den Platz, das sich jeder schnellen Erklärung entzieht. Rachel Whitereads Holocaust-Mahnmal zeigt eine verschlossene Bibliothek: Bücher ohne Titel, sichtbar und doch unerreichbar. Jedes steht für ein ausgelöschtes Leben und eine Geschichte, die nicht mehr erzählt werden kann.

Am Petersplatz – Spielts auf zum Bauerntanz!

Peterskirche
Mörderisches Wien: Peterskirche

Wir umrunden die Peterskirche, eine der ältesten Kirchen Wiens, gegründet wohl schon 792 von Kaiser Karl dem Großen. Ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt sie dem Umbau von 1733 – barock, prächtig und stiller Zeuge vieler Jahrhunderte Wiener Geschichte.

Bürgerhaus "Zum Bauerntanz"
Mörderisches Wien: Bürgerhaus „Zum Bauerntanz“ am Petersplatz 10

Das Bürgerhaus „Zum Bauerntanz“ am Petersplatz 10 erzählt eine blutige Geschichte. Der Name geht zurück auf den Bauernaufstand von 1595, der gnadenlos niedergeschlagen wurde. Die Anführer endeten am Platz „Am Hof“ unter Rad und Schwert, die Mitläufer verloren Nasen und Ohren. Die Wiener, für ihren morbiden Humor berühmt, kommentierten trocken, die Unglücklichen gingen nun „herausgeputzt zum Tanze“. Der Hausherr war von diesem makaberen Witz so entzückt, dass er sein Haus fortan „Zum Bauerndantz“ nannte.

Hoher Markt – Diese Uhr schlägt keinem Glücklichen

Schranne
Mörderisches Wien: Die Schranne am Hohen Makt

Der Hohe Markt zählt zu den ältesten Plätzen Wiens. Unter seinen Pflastersteinen ruhen die Überreste des römischen Vindobona. Für viele Jahrhunderte stand am Hohen Markt die Schranne, wo der Stadtrichter seines Amtes waltete und Urteile verkündete. Todesurteile wurden in der Regel gleich im Anschluss der Urteilsverkündung vollstreckt. Das Gejohle der Bevölkerung und das Läuten des Armesünderglöckleins von der Kapelle „Zur Todesangst Christi“ begleiteten die Verurteilten auf ihrem letzten Gang – ein makaberes Klangbild, bei der Frauen oft geköpft, Männer viergeteilt oder gehängt wurden.

Vermählungsbrunnen
Mörderisches Wien: Der Vermählungsbrunnen am Hohen Markt

Hinrichtung waren im alten Wien immer „a Hetz und Gaudi“. Urteilsweiber verteilten Flugzettel, die über den Delinquenten selbst und seine Todesart berichteten. Keinen Spaß verstand das Publikum bei dilettantischen Henkern. Im Jahr 1501 lynchten aufgebrachte Zuseher den Mann mit dem Beil, weil er mehrere Versuche gebraucht hatte, einen Verurteilten zu köpfen. Gegenüber der Schranne stand das Narrenkotterl. In diese Menschenkäfige sperrte man Unruhestifter, Dirnen und Trunkenbolde und gab diese dem Spott der Wiener preis.

Vermählungsbrunnen
Mörderisches Wien: Der Vermählungsbrunnen am Hohen Markt

Wo einst Verbrecher am Galgen baumelten, sprudelt heute der Vermählungsbrunnen, der die Hochzeit von Joseph und Maria darstellt. Joseph Emanuel Fischer von Erlach verwirklichte den Entwurf seines Vaters – und schenkt dem einstigen Schauplatz von Schrecken und Spott nun eine idyllische, beinahe heitere Pose. Morbides Wien trifft barocke Pracht: Wer genau hinsieht, spürt den Hauch vergangener Dramen hinter der eleganten Fassade.

Ankeruhr
Die Ankeruhr am Hohen Markt

Vergesst nicht die Ankeruhr von Franz Matsch im Jugendstil zu besichtigen. Findet Euch am besten kurz vor 12 Uhr bei der Uhr ein. Mit dem Glockenschlag marschieren dann Persönlichkeiten der Wiener Geschichte vorbei – von Marc Aurel bis Prinz Eugen und Maria Theresia, begleitet von Musik.

Stephansdom – Ein Griff, der Köpfe rettete

Stephansdom
Mörderisches Wien: Der Stephansdom

Der Stephansdom ist das Wahrzeichen Wiens und eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke Österreichs. Eine vollständige Würdigung würde Bücher füllen – und unseren Stadtspaziergang gehörig aufhalten.

Leo am Stephansdom
Mörderisches Wien: Das Leo am Stephansdom

Für unseren morbiden Rundgang genügt ein Blick auf ein unscheinbares Detail an der Außenseite des Doms: den Asylring, das sogenannte Leo, links vom Adlertor. Hier galt ein simples, aber wirksames Prinzip. Wer den eisernen Ring berührte, stellte sich unter den Schutz der Kirche und war der Stadtgarde vorerst entzogen. Ein Griff, der dem Gejagten Aufschub verschaffte.

Blutgasse – VonTemplern und Mythen

Blutgasse
Mörderisches Wien: Die Blutgasse

Wir stehen in der schmalen Blutgasse, im Mittelalter als Kothgässel bekannt. Denkt an faule Eier und ihr wisst, wie es hier im Mittelalter roch. Angeblich verdankt die Blutgasse ihren Namen dem Blut der Tempelritter. Dieses floss durch die Gasse in Strömen, als der Ritterorden 1312 aufgelöst wurde und es zu einem Blutbad an den Templern im Fähnrichhof kam. Natürlich darf auch der Templerschatz nicht fehlen.

Fähnrichshof
Mörderisches Wien: Fähnrichhof

Überlebende des Massakers sollen ihn tief unten in den Kellergewölben des Fähnrichhofs versteckt haben. Gefunden wurde er bis heute nicht. Was in Wien allerdings weniger als Scheitern gilt, sondern als hervorragende Voraussetzung für weitere Legenden. Und dann wäre da noch die Platane. In ihrem Stamm, so heißt es, stecke ein Templerschwert – inzwischen so überwachsen, dass selbst Romantiker zweifeln dürfen. Fachleute vermuten nüchtern, es handle sich eher um einen alten Zaunsteher. Aber auch hier gilt: In Wien überlebt nicht unbedingt die Wahrheit, sondern die bessere Geschichte.

Franziskanerplatz – Tut Buße. Oder auch nicht.

Franziskanerplatz
Mörderisches Wien: Franziskanerplatz

Mittlerweile sind wir am malerischen Franziskanerplatz angekommen. Vor uns plätschert der Mosesbrunnen, dahinter erheben sich Franziskanerkloster und Franziskanerkirche – seit 1589 fest in der Hand des Ordens. Ein Ort der Besinnung, wie man meint. Wien wäre aber nicht Wien, hätte es hier nicht auch eine zweite, deutlich weltlichere Geschichte parat.

Franziskanerkirche
Mörderisches Wien: Franziskanerkirche

Denn hinter den dicken Klostermauern lebten einst reuige Lustdirnen, die hier eine zweite Chance auf ein sittsames Leben erhielten. Buße hieß Beten, Arbeiten und strenge Aufsicht durch eine sogenannte „Meisterin“. Wer sich bewährte, durfte das Kloster verlassen und sogar heiraten – ein sozialer Aufstieg mit Rosenkranz. Aber wehe, die Frauen kamen vom Pfad der Tugend ab! Denn dann ertränkte man die Unglückliche in der Donau. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts begann jedoch der Niedergang des Büßerinnenklosters.

Franziskanerkirche
Mörderisches Wien: Franziskanerkirche

Unter Meisterin Juliane Kleeberger kippte die fromme Ordnung endgültig. Statt Bußübungen soll es zu ausschweifenden Orgien gekommen sein und der Kirchenschatz wurde verprasst – selbst für Wiener Verhältnisse zu viel. Kleeberger wurde verhaftet und verschwand auf Nimmerwiedersehen hinter Klostermauern.

Franziskanerkirche
Mörderisches Wien: Franziskanerkirche

Wer nun glaubt, genug gehört zu haben, irrt sich gewaltig. Ein Blick ins Kircheninnere lohnt sich: Hier steht die Wöckherl-Orgel, die älteste noch spielbare Orgel Wiens aus dem Jahr 1642, und hoch über dem Altar thront die Statue „Madonna mit der Axt“. Der Name rührt daher, dass Protestanten vergeblich versucht hatten, die Statue mit einer Axt zu zerstören.

Malefizspitzbubenhaus – Wo Strafen noch Hand und Fuß hatten

Mörderisches Wien: Malefitzspitzbubenhaus
Mörderisches Wien: Rauhensteingasse 10 – Hir stand einst das Malefizspitzbubenhaus

Unser Rundgang führt uns weiter in die Rauhensteingasse 10. Wo heute ehrbare Bürger residieren, befand sich einst das berüchtigte Malefizspitzbubenhaus – das städtische Gefängnis der unangepassten Zeitgenossen. In den unterirdischen Kerker- und Foltergewölben lernten Spitzbuben die Härte des Gesetzes kennen: glühende Zangen und Daumenschrauben gehörten hier zum Tagesprogramm.

Malefitzspitzbubenhaus
Mörderisches Wien

Überlebten die Ärmsten die Folter, schleppte man sie zurück in ihre finstere Zelle, wo sie auf Strohmatten dahinvegetieren. Daran erinnert die Wiener Redewendung „Auf der Dacken liegen“. Nach Abschaffung der Folter unter Maria Theresia wurde das Malefizspitzbubenhaus abgerissen. Das heutige Wohnhaus stammt aus dem Jahr 1911 – und wirkt deutlich harmloser als seine Vorgeschichte.

Wiener Staatsoper – Hinter den Kulissen lauert der Wurm

Wiener Staatsoper
Mörderisches Wien: Wiener Staatsoper

Bei der Wiener Staatsoper, wo auf der Bühne die „Walküren“ einreiten, geschah 1963 ein grausamer Mord: Josef Weinwurm erstach eine elfjährige Ballettschülerin im Duschraum mit 34 Messerstichen. Erst ein halbes Jahr später konnte der Täter durch Zufall gefasst werden – beim missglückten Versuch, einer Frau die Handtasche zu stehlen. Weinwurm erhielt lebenslang, und der Fall inspirierte Georg Danzer zu seiner „Moritat vom Frauenmörder Wurm“.

Staatsoper
Mörderisches Wien: Wiener Staatsoper

Ein tragisches Schicksal ereignete sich bereits bei der Errichtung des Opernhauses. Durch einen Planungsfehler versank der Neubau förmlich in der Erde. Der Spott der Wiener war den Architekten Sicardsburg und van der Nüll gewiss. Der Kaiser sprach gar von einer „versunkenen Kiste“. In Folge dessen beging van der Nüll Selbstmord und Sicardsburg starb kurz darauf an einem Herzinfarkt.

Tipp

Mehr zur Wiener Staatsoper und der prächtigen Ringstraße findest du unter DIE WIENER RINGSTRASSE – EIN SPAZIERGANG ENTLANG DES PRACHTBOULEVARDS

Karlskirche – Wenn die Butzenmänner ziehen

Karlskirche
Die Karlskirche

Die Karlskirche, barockes Meisterwerk von Johann Bernhard Fischer von Erlach, erinnert an die Überwindung der Pest 1713 und den Sieg über die Türken 1683. Lange zuvor befand sich hier der Armensünder-Gottesacker, die letzte Ruhestätte von Hingerichteten, Gevierten und Gerädern. Um die Toten kümmerte sich die Totenbruderschaft – in schwarzen Kapuzenmänteln, die ein Totenschädel und gekreuzten Knochen zierte.

Karlskirche
Mörderisches Wien: Detail an der Karlskirche

Es muss ein gespenstischer Anblick gewesen sein! Vermummt und schweigsam zogen die „Butzenmänner“ mit den Leichen durch die Gassen. Angeblich geht das Kinderlied „Bi-Ba-Butzemann“ auf diesen unheimlichen Anblick zurück. 1783 hob Kaiser Joseph II den Bund auf. Ein Teil des Friedhofs wurde verbaut, der andere bildet heute Resselpark und Karlsplatz.

Schwarzenbergplatz – Das Grauen mitten in Wien

Hochstrahlbrunnen
Mörderisches Wien: Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz

Böse Zungen behaupten noch heute, dass der Hochstrahlbrunnen das Russendenkmal verdecken soll. Das „Denkmal des unbekannten Plünderers“ – so der Volksmund – erinnert an die Befreiung Wiens durch die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg. Zweimal war es Zielscheibe von Bombenanschlägen, die jedoch rechtzeitig vereitelt werden könnten.

Schwarzenbergplatz
Mörderisches Wien: Russendankmal am Schwarzenbergplatz

In die Kriminalgeschichte ging das Russendenkmal durch den Mordfall Ilona Faber ein. Die Mannequin Schülerin – ein schönes altmodisches Wort für Model – wurde im Frühjahr 1958 erwürgt hinter dem Denkmal aufgefunden. Der Fall sorgte für großes Aufsehen: Das Mädchen stammte aus gutem Haus, Tochter eines Ministerialbeamten. Der Täter wurde nie gefasst, nur ein Verdächtiger kurz festgenommen und mangels Beweisen freigesprochen.

Wer Wien einmal anders erleben will, kann diesen morbiden Stadtspaziergang durch Wien selbst nachgehen – mit offenen Augen und Sinn für schwarzen Humor.

FOTOALBUM
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einem schaurigen Spaziergang durch die Wiener Innenstadt inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Wanderung findet Ihr im Fotoalbum unter: Auf den Spuren von Mördern, Henkern und Totenbrüdern

Originalbeitrag: 1.6.2019; Umfassendes Update: 1.1.2026