WANDERN IM KREMSTAL: 3 BURGEN, WEINBERGE & AUSBLICKE RUND UM SENFTENBERG

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Ruine Senftenberg

Entspanntes Wandern im Kremstal: Entdecke die Ruinen von Imbach, Rehberg und Senftenberg – mit herrlichen Ausblicken, Geschichte und Wein.

Wandern im Kremstal: Start in Senftenberg

Ruine Senftenberg
Ruine Senftenberg

Manchmal sind es nicht die großen Sehenswürdigkeiten, sondern die Kleinode, die am längsten in Erinnerung bleiben. Drei Burgruinen, sanfte Weinberge und immer wieder dieser Blick ins Kremstal – klingt nach viel, ist aber überraschend entspannt zu schaffen. Gestartet wird unsere Wanderung zu den Burgen im Kremstal in Senftenberg beim Parkplatz unter dem Friedhof an der L73. Der Ort liegt im unteren Kremstal und wird von seiner markanten Burgruine überragt – doch dazu kommen wir erst am Ende der Tour.

Wandern im Kremstal - Hochwassermarke Senftenberg
Hochwassermarke entlang der Krems

Der Weg führt zunächst entlang der Krems, die hier friedlich dahinzieht. Kaum zu glauben, dass der Fluss beim Hochwasser 2002 erhebliche Schäden anrichtete. Ein Denkmal erinnert gleich zu Beginn an dieses Ereignis.

Erste Station: Ruine Imbach & Friedenskapelle

Kreuzwegs der Religionen
Kreuzwegs der Religionen in Imbach

Ihr folgt der Straße „Hofstatt“ für rund einen Kilometer. Bei der Hausnummer Hofstatt 1 und einem kleinen Kinderspielplatz zweigt ein unscheinbarer Waldweg ab, der den Beginn des von Maria Bußmann gestalteten „Kreuzwegs der Religionen“ markiert.

Kreuzwegs der Religionen
Kreuzwegs der Religionen in Imbach

Der Waldpfad führt an mehreren Bildstöcken vorbei und lädt immer wieder zu kurzen Pausen ein. Es ist einer jener Wege, die harmlos wirken, aber schon nach dem ersten Höhenmeter zeigen, dass sie es in sich haben. Kacheln mit feinen Zeichnungen zieren jeden Bildstock und der Aufstieg beginnt mit der symbolträchtigen Jakobsleiter und setzt sich in einer vielschichtigen Pflanzensymbolik fort, die an Paradiesgärten erinnert und mit den Gegensätzen von Gift und Heilung spielt.

Ruine Imbach
Ruine Imbach

Nachdem wir den letzten Bildstock passiert haben, stehen wir auch schon vor den kärglichen Resten der Ruine Imbach. Einst galt die Ruine Imbach als eine der bedeutendsten Burgen des Hochmittelalters. Nach mehreren Besitzerwechseln übergab im Jahr 1269 Albero von Feldsberg die Burg dem von ihm im selben Jahr gegründeten Dominikanerinnenkloster Imbach, das dann die Steine der Burg für den Bau des Klosters verwendete.

Friedenskapelle Imbach
Friedenskapelle Imbach

Ein Stück oberhalb der Ruine Imbach erhebt sich die Friedenskapelle, rund 45 Höhenmeter über dem Kremstal. Sie wurde 1999 errichtet und soll als ökumenischer Ort dem friedlichen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen dienen. An der Fassade sind die Symbole der Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus und Taoismus dargestellt. Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass der Grundriss der Friedenskapelle jenem der ehemaligen Burgkapelle entspricht.

Friedenskapelle Imbach
Friedenskapelle Imbach

Bei so einem sakralen Ort geht es aber nicht nur um die schöne Aussicht, sondern auch um alles, was man nicht sieht – etwa unterirdische Wasseradern oder sich kreuzende Energielinien. Bei der Friedenskapelle hat man jedenfalls ordentlich gemessen und Werte zwischen 14.000 und 15.800 Boviseinheiten festgestellt.

Pagode Imbach
Pagode nahe der Friedenskapelle

Die Boviseinheit ist dabei eine Art esoterische Maßeinheit für „Lebensenergie“ – nicht genormt, nicht im Physikunterricht zu finden, aber in der Geomantie durchaus beliebt. Ab etwa 14.000 spricht man von einem „Kraftplatz“. Darunter ist es quasi nur ein netter Hügel – darüber wird’s dann spirituell ambitioniert. Nachdem wir den Ausblick ausgiebig genossen haben, geht es über einen anderen Waldweg, wo sich auf jeden Fall gutes Schuhwerk bewährt, wieder hinunter ins Kremstal.

Zweite Station: Ruine Rehberg

Kremstal - Entlang der Krems
Wandern im Kremstal

Zurück an der Krems folgen wir dem Fluss weiter Richtung Rehberg. Kurz vor dem Sportplatz des SV Rehberg geht rechts ein Weg ab, der uns an der Trainerbank vorbeiführt. Am Ende des Weges taucht das Vereinshaus auf.

Rehberger Kellergasse
Blick auf die Kellergasse in Rehberg

Ein paar Meter weiter wird es wieder ernst: Ein schmaler, steiler Waldweg führt uns in engen Zickzack-Kurven hinauf zur Ruine Rehberg. Der Aufstieg ist kurz, aber steil genug, um in Erinnerung zu bleiben. Oben angekommen wird man dafür mit einem schönen Blick auf Rehberg und die Umgebung belohnt.

Hinweis

Wer schmale Waldwege nicht so schätzt, kann auch weiter entlang der Krems bis in den Ort Rehberg gehen und dann weiter hinauf auf einer asphaltierten Straße zur Ruine.

Ruine Rehberg
Ruine Rehberg

Die Ruine Rehberg stammt vermutlich aus dem 12. Jh. und thront oberhalb des Kremstals. Nach mehreren Zerstörungen und langem Verfall blieb schließlich eine Ruine zurück. Der letzte adelige Eigentümer, ein gewisser Graf von Falkenhayn, verkaufte die Anlage schließlich 1822 um 1.100 Gulden (zum Vergleich: ein Arbeiter verdiente damals 1 Gulden pro Tag) an die Gemeinde Rehberg – nicht etwa als romantisches Ausflugsziel, sondern ganz pragmatisch als Steinbruch für neue Gebäude.

Ruine Rehberg
Ruine Rehberg

Seit 1966 gehört die Burgruine dem Verein zur Förderung der Erneuerung von Krems – und darf endlich einfach das sein, was sie jetzt ist: eine Ruine mit Geschichte und schöner Aussicht auf Rehberg oder die rund 250 Meter lange Rehberger Kellergasse. Die Hochburg selbst ist durch ein Gitter versperrt, doch ein Blick ins Innere ist möglich.

Dritte Station: Das Kloster Imbach

Kirche von Rehberg
Kirche von Rehberg am Burghügel

Durch das mächtige Burgtor verlassen wir die Ruine Rehberg. Der asphaltierte Abstieg ist deutlich angenehmer als der Aufstieg, fordert aber eventuell die Knie auf, sich dezent zu Wort zu melden.

Markttor in Rehberg
Markttor in Rehberg

Unterwegs lohnt sich noch ein Blick auf das alte Markttor und auf die Kirche „Zur Enthauptung des hl. Johannes des Täufers“, die gemeinsam mit der Ruine Rehberg oberhalb des Ortes wachen. Danach führt unsere Wanderung im Kremstal entlang der Krems zurück nach Imbach.

Kirche von Imbach
Kirche von Imbach

Auf der Höhe der Kirche von Imbach quert man den Fluss und nähert sich dem ehemaligen Klosterbereich. Die Kirche war einst Teil des Dominikanerinnenklosters und gilt als die früheste erhaltene zweischiffige Hallenkirche Österreichs.

Kirche von Imbach
Kirche von Imbach

Das Kloster Imbach wuchs im Mittelalter durch zahlreiche Schenkungen zu einer stattlichen Grundherrschaft heran und verfügte schließlich über umfangreichen Besitz. 1782 wurde es im Zuge der Reformen Kaiser Josephs II. aufgehoben. Damit endete das klösterliche Leben an diesem Ort abrupt.

Kirche von Imbach
Kirche von Imbach

Nach der Auflösung wurden die Gebäude unterschiedlich weitergenutzt oder umgestaltet. Vom einst weitläufigen Klosterkomplex ist heute vor allem die Kirche als eindrucksvolles Zeugnis geblieben.

Dritte Station: Das Highlight: Die Ruine Senftenberg

Weingärten rund um Senftenberg
Weingärten rund um Senftenberg

Zum Schluss wartet noch der Abschnitt, der die Tour noch einmal besonders schön abrundet: der Anstieg von Imbach durch die Weingärten hinauf zur Ruine Senftenberg. Die Strecke ist gut zwei Kilometer lang und geht stetig bergauf — also genau so viel, dass man unterwegs genug Zeit hat, die Aussicht zu würdigen und sich selbst ein bisschen für seine Kondition zu loben.

Ruine Senftenberg
Ruine Senftenberg

Die Ruine Senftenberg zählt zu den schönsten Anlagen im Kremstal und prägt mit ihrer Lage das Ortsbild eindrucksvoll. Ihre Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Für viele Jahrhunderte trotzte sie jedem Angreifer.

Ruine Senftenberg
Ruine Senftenberg

Während der ersten Wiener Türkenbelagerung war die Burg ein Zufluchtsort der einheimischen Bevölkerung. In den Bauernkriegen, gegen Ende des 16. Jahrhunderts, wurde oft versucht, die Burg zu stürmen. Doch mit Sensen und Mistgabeln scheiterten die Angreifer kläglich.

Ruine Senftenberg
Ruine Senftenberg

Erst während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg von schwedischen Truppen unter der Führung von General Torstenson eingenommen und zerstört. Heute kümmert sich der Burgruinenverein Senftenberg um den Erhalt der Ruine. Der Verein hat sie auf 100 Jahre gepachtet und sich ihre Renovierung zum Ziel gesetzt.

Ruine Senftenberg
Ruine Senftenberg

Das Gelände ist frei zugänglich und bietet herrliche Ausblicke auf die Weinterrassen und ins Tal. Gerade an einem klaren Tag hat man hier oben das angenehme Gefühl, dass sich jeder Schritt bergauf gelohnt hat. Eintritt wird für die Besichtigung nicht verlangt, aber eine Spende ist stets willkommen.

Wieder zum Ausgangspunkt zurück

Pfarrkirche Senftenberg
Kirche von Senftenberg

Der Abstieg führt schließlich über einen steinigen Waldweg hinunter zur Wehrkirche von Senftenberg. Ein gedeckter Übergang verbindet Kirche und Burgberg und verleiht dem Ort noch einmal einen besonders stimmungsvollen Charakter. Die Kirche ist dem heiligen Andreas geweiht und hat mittelalterliche Wurzeln.

Pfarrkirche Senftenberg
Kirche und Ruine Senftenberg

Von dort ist es nur noch ein kurzer Weg zurück zum Ausgangspunkt — mit dem schönen Gefühl, eine Runde gegangen zu sein, die Geschichte, Landschaft und Weinberge auf angenehm unaufgeregte Weise miteinander verbindet.

Wandern im Kremstal – Fazit

Diese Wanderung ist ideal für alle, die Kultur, Aussicht und Weinlandschaft in einer nicht zu anstrengenden Runde verbinden wollen.

Fakten

Beschilderung: keine

Startpunkt: Friedhof Senftenberg direkt an der L73

Länge: ca. 8,5 km

Gehzeit: ca. 2 Stunden (ohne Besichtigungen)

Schritte: ca. 13.000

Schwierigkeit: mittel (gutes Schuhwerk ist zu empfehlen)

Höhenmeter: ca. 270 m bergauf, ca. 260 m bergab

Wanderkarte, GPS-Daten

Tipp

Nur ein paar Kilomter von Senftenberg entfernt liegt Langenlois. Der bekannte Weinort bietet ebenfalls eine interessante Wandertour an. Mehr dazu unter WANDERN LANGENLOIS – ZWEI SCHLÖSSER UND DIE AUSSICHTSWARTE AM GOBELSBERG

Fotoalbum

Weitere Fotos zu dieser Wanderung im Kremstal zu den Ruinen von Senftenberg, Imbach und Rehberg findest du auf Flickr unter Drei Burgen, Weinberge und Ausblicke rund um Senftenberg