
Diese Variante der Fladnitz Radtour in Niederösterreich führt von Palt über Klein-Wien & Schloss Walpersdorf nach Traismauer. Perfekt für Genussradler!
Palt am Fuße des Göttweiger Hügels

Unsere Fladnitz Radtour beginnt in Palt, einem idyllischen Ort am Fuße eines Hügels, von dessen Höhe das prachtvolle Benediktinerstift Göttweig weit sichtbar über der Landschaft thront. Auch wenn das berühmte Stift Göttweig nicht direkt auf der Fladnitz Radtour liegt, solltet ihr dem Stift am Ende der Tour unbedingt einen Besuch abstatten. Von Palt aus folgen wir der Fladnitz Radtour entlang des Göttweiger Hügels über Furth bei Göttweig und Steinaweg nach Klein-Wien.
Klein-Wien – Eine architektonische Überraschung

Nach etwa fünf gemütlichen Kilometern erreichen wir unseren ersten Zwischenstopp: Klein-Wien! Ja, du hast richtig gelesen, der Name klingt wie ein Scherz, aber dahinter verbirgt sich ein typisches niederösterreichisches Dorf mit faszinierender Geschichte. Während das »große« Wien mit Prunk und Pracht lockt, punktet Klein-Wien mit einem architektonischen Kleinod.

Es handelt sich um die Villa Betonia, die der Architekt Carlo von Boog im Jahr 1901 für seine Mutter errichten ließ. Sie gilt als die erste in Beton gebaute Villa Österreichs. Carlo von Boog war kein Unbekannter: Gemeinsam mit Otto Wagner wurde er später mit der Planung der berühmten Landesheil- und Nervenanstalt am Steinhof betraut. Aus seiner Feder stammte beispielsweise das bekannte Jugendstiltheater am Areal.

Nur wenige Pedaltritte entfernt erwartet uns eine weitere Sehenswürdigkeit: der Ava-Turm, benannt nach Ava von Göttweig, der ersten namentlich bekannten deutschsprachigen Dichterin, die fromme Texte verfasste. Der im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaute Turm wurde einst als Wacht- oder Wehrturm errichtet, um den Klosterberg zu schützen. Nach dem Tod ihres Mannes lebte Ava als Einsiedlerin in diesem alten Bauwerk am Fuß des Göttweiger Berges, wo sie auch im Jahr 1127 verstarb.

Wir verlassen nun Klein-Wien und folgen den Gleisen der Kremser Bahn, die Herzogenburg mit Krems verbindet. Nach Paudorf – bekannt für seinen streitbaren Pfarrer, der einst in heftigen Konflikt mit dem erzkonservativen Bischof Kurt Krenn geriet – und Hörfarth wandelt sich das Landschaftsbild merklich.

Während die Fladnitz Radtour zunächst durch die sanft ansteigenden Hügel des Dunkelsteiner Waldes führt, öffnet sich die Landschaft später zunehmend. Weite Kukuruzfelder bestimmen nun das Bild, dazwischen blitzen gepflegte Weingärten an den Hängen hervor. Auffällig ist auch die Vielzahl an Marterln am Wegesrand, die von gelebter Volksfrömmigkeit zeugen.
Oberwölbling – Eine Salzburger Enklave in NÖ bis 1803

Nach rund 14 Kilometern erreichen wir auf unserer Fladnitz Radtour die Gemeinde Oberwölbling, die erstmals im Jahr 1047 als »Welmica« in Salzburger Urkunden erwähnt wurde und, man höre und staune, bis 1803 tatsächlich zu Salzburg gehörte. Naheliegend ist die Vermutung, dass sich die Salzburger Fürsterzbischöfe damit den Zugang zu bestem Wein sichern wollten – schließlich waren sie bekanntermaßen keine Kinder der Traurigkeit, sondern wussten gutes Trinken ebenso zu schätzen wie die Gesellschaft mancher Mätresse.

Sehenswert ist in jedem Fall die Pfarrkirche von Oberwölbling: Ursprünglich als Wehrkirche mit einer Mauer und zwei Türmen errichtet, präsentiert sie sich heute als barockisierter spätgotischer Bau. Ein kurzer Zwischenstopp lohnt sich hier allemal.
Adieu Fladnitz Radtour

Zwischen Oberwölbling und Ambach befindet sich die einzig längere und nennenswerte Steigung auf unserer Variante der Fladnitz Radtour, die aber mit 3% recht moderat ausfällt und leicht zu bewältigen ist. In Ambach verlassen wir nun die offizielle Fladnitz Radroute, die von hier weiter nach Karlstetten führen würde. Wir kürzen jedoch ab und radeln über wenig befahrene Landesstraßen über Hausheim nach Statzendorf, wo wir noch einmal kurz auf die Fladnitz Radtour stoßen.
Das Brotwunder von Statzendorf

Um die von einem Friedhof umgebene Pfarrkirche von Statzendorf rankt sich seit Jahrhunderten eine Sage: Einst bat eine hungrige Bettlerin, angelockt vom Duft frisch gebackenen Brotes, eine reiche, aber geizige Bäuerin um eine Scheibe. Doch diese wies sie mit den Worten ab: »Wenn ich wirklich Brot im Ofen haben sollte, so möge es zu Stein werden!« Als sie kurz darauf nachsah, lag im Ofen tatsächlich nur noch ein versteinerter Laib.

Dieser wurde in die Kirche von Statzendorf gebracht, wo er von den Gläubigen bestaunt und von Wallfahrern als mahnendes Zeichen gegen Hartherzigkeit verehrt wurde. So erhielt das Gotteshaus im Volksmund bald den Namen »Kirche zum Steinernen Laib Brot«. Und wer Lust und Laune hat, kann im Gotteshaus in der Nähe des Altars noch heute den steinernen Laib bewundern.
Nächster Zwischenstopp: Schloss Walpersdorf

Nachdem wir uns an diesem steinernen Brotlaib hoffentlich nicht die Zähne ausgebissen haben, folgen wir einer wenig befahrenen Landesstraße über Wetzmannsthal bis in die Kellergasse von Walpersdorf. Dort treffen wir auf den »Weinbergradweg«, der uns schnurstracks zum Schloss Walpersdorf führt. Das Schloss ist ein weiteres kulturelles Highlight unserer heutigen Variante der Fladnitz Radtour und zugleich ein beliebtes Ausflugsziel rund um Wien.

Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Renaissanceschloss Walpersdorf mehrfach seine Besitzer und diente dabei ganz unterschiedlichen Zwecken: einmal als Adelssitz, dann als Seidenspinnerei und später sogar als Ordenssitz eines katholischen Frauenordens. Heute erwartet uns hier ein Interieur-Fachgeschäft, das die alten Schlossräume als Verkaufsfläche nutzt. Einen Sessel oder gar ein Bücherregal werdet ihr wohl kaum im Rucksack verstauen können – aber ein Päckchen Servietten passt auch auf jedes Rad.

Unter den Schlossherren und -damen ragt besonders Eleonora Gonzaga hervor, die zweite Frau von Kaiser Ferdinand II. Dieser war ein glühender Verfechter der Gegenreformation, sein Wahlspruch lautete bezeichnenderweise: »Besser eine Wüste regieren als ein Land voller Ketzer.«

Während Ferdinand mit erbarmungsloser Strenge Jagd auf Andersgläubige machte, ging Eleonora als Stifterin der berühmten »Herzerlgruft« in die Geschichte ein. Mit dieser Stiftung führte das Herrscherhaus ein etwas skurriles Begräbnisritual ein: Die Eingeweide kamen in die Krypta des Stephansdoms, die Herzen wanderten in die »Herzerlgruft« und die Leichname wurden in der Kapuzinergruft bestattet.
Zuerst Weinbergradweg, dann Traisentalradweg

Wir schwingen uns wieder in den Sattel und folgen dem Weinbergradweg in Richtung Traisen. Kurz nach der Unterführung der S33 tauchen wir in die grünen Auwälder der Traisen ein, wo schattige Baumkronen den Radweg säumen – an heißen Tagen eine willkommene Abkühlung. Schon bald darauf wechseln wir auf den Traisentalradweg, der uns schnurstracks zu unserem nächsten Zwischenstopp Traismauer führt.
Traismauer – Stadt der Römer und Nibelungen

Um 60 n. Chr. errichteten die Römer zum Schutz ihrer Donaugrenze das Reiterkastell Augustiana, dessen Reste heute gut versteckt unter dem mittelalterlichen Stadtkern von Traismauer schlummern. Nicht zu übersehen ist jedoch das Wahrzeichen von Traismauer: ein imposantes Stadttor, dessen Grundmauern tatsächlich noch aus römischer Zeit stammen. Nur das Dach zwischen den Türmen ist ein mittelalterlicher Aufsatz.

Wer mit offenen Augen durch die Stadt schlendert, kann noch weitere Erinnerungsstücke aus der Römerzeit entdecken, wie beispielsweise im Arkadenhof von Schloss Traismauer, wo gleich zwei römische Meilensteine und einige Grabsteine ausgestellt sind.

Nicht weniger spannend ist der Hungerturm unweit des idyllischen Florianiplatzes. Ursprünglich Teil der römischen Stadtbefestigung, wurde er im Mittelalter zum Wohnturm umgebaut – gleichzeitig diente er auch als Gefängnis für Meuchelmörder, Diebe und, wie es heißt, „unzüchtige Weibsbilder“. Da wird die Geschichte plötzlich richtig lebendig!

Der historische Stadtkern besticht mit Bürgerhäusern aus Gotik, Renaissance und Barock. Sehenswert sind besonders das barocke Giebelhaus am Hauptplatz 4 und das Bürgerhaus in der Wiener Straße 5, das früher im Besitz von Badern, Chirurgen und Wundärzten war – also den medizinischen Profis der damaligen Zeit.

Und für alle Nibelungenfans gibt es auch noch eine Legende: Kriemhild soll im Schloss von Traismauer übernachtet haben, bevor sie mit ihrem Gefolge am nächsten Tag Richtung Tulln zog. Ein Fresko im Römertor hält diese epische Episode lebendig – fast so spannend wie ein Roman!
Hinweis: Ausflüge rund um Wien
Zwei weitere empfehleswerte Radwege führen nach Traismauer: Der Tullnerfeldradweg von Tulln nach Traismauer und zurück. Dieser bietet neben einer schönen Streckenführung auch zahlreiche kulturelle Highlights. Sei es die Innenstadt und der Egon Schiele-Themenweg in Tulln, die Sommerfrische von Franz Schubert in Atzenbrugg oder die Römerspuren in Traismauer. Eine weitere empfehlenswerte Radtour in der Nähe von Wien ist eine Radtour vom Stift Herzogenburg zum Schloss Grafenegg. Die Highlights dieser Tour sind Stift Herzogenburg, das Urzeitmuseum Nußdorf ob der Traisen, Schloss Walpersdorf, sowie Schloss Grafenegg.
Zurück am Donauradweg nach Palt

Von Traismauer radeln wir weiter auf dem Traisentalradweg, der nach etwa drei Kilometern in den Donauradweg mündet. Diesem folgen wir nun in Richtung Krems. Nach rund zehn Kilometern erreichen wir die Abzweigung zum Romantikweg, der uns schließlich zurück zum Ausgangspunkt unserer Fladnitz-Radtour in Palt bringt.
Einen Abstecher auf alle Fälle wert: Stift Göttweig

Wenn du einen Ausflug rund um Wien planst, gehört das Stift Göttweig ohne Zweifel zu den lohnendsten Zielen. Aufgrund seiner exponierten Lage wird es auch als das »österreichische Montecassino« bezeichnet. Gegründet im Jahr 1083, wurde die Anlage nach einem verheerenden Brand 1718 als barockes Prachtwerk nach den Plänen von Johann Lucas von Hildebrandt neu erbaut.

Wegen der enormen Baukosten konnte der Neubau jedoch nur zu zwei Dritteln verwirklicht werden. Besonders beeindruckend sind die monumentale Fassade der Stiftskirche sowie die Kaiserstiege – Österreichs größtes barockes Treppenhaus, dessen Deckengemälde von Paul Troger stammt. Ein charmantes Detail am Rande: Die Uhren am Südturm sind lediglich aufgemalt, ein sprechendes Zeugnis barocker Sparsamkeit.
Fazit zur Fladnitz Radtour
Diese Variante der Fladnitz Radtour vereint Naturgenuss, Kulturerlebnis und entspanntes Radfahren. Von der imposanten Klosterlandschaft rund um Göttweig über die architektonischen Überraschungen in Klein-Wien bis hin zu den römischen Spuren in Traismauer bietet diese Route eine beeindruckende Vielfalt an Sehenswürdigkeiten. Besonders reizvoll ist die Mischung aus sanften Hügeln, weiten Feldern und schattigen Auwäldern – perfekt für Genussradler, die mehr als nur Kilometer sammeln möchten. Ein echtes Highlight für alle, die Niederösterreich auf zwei Rädern entdecken wollen!
Radwegkarte Fladnitz Radtour (Variante) inkl GPS-Daten
Tour-Fakten auf einen Blick
Streckendaten:
- Gesamtstrecke: ca. 52 km
- Schwierigkeitsgrad: Leicht
- Höchste Steigung: 3% (zwischen Oberwölbling und Ambach)
- Fahrzeit: 3-4 Stunden (ohne Besichtigungen)
- Start/Ziel: Palt (Rundtour)
Hauptsehenswürdigkeiten:
- Benediktinerstift Göttweig (Abstecher empfohlen)
- Villa Betonia in Klein-Wien (erste Betonvilla Österreichs)
- Ava-Turm in Klein-Wien
- Pfarrkirche Oberwölbling (ehemalige Wehrkirche)
- Steinerner Brotlaib in Statzendorf
- Schloss Walpersdorf (Renaissance-Schloss)
- Römerstadt Traismauer mit Stadttor und Hungerturm
