DURCH DEN WIENER PRATER AM STADTWANDERWEG 9

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Im Grünen Prater

Der Stadtwanderweg 9 führt durch den Wiener Prater und verbindet dabei weitläufige Auenlandschaften mit der pulsierenden Vergnügungswelt des Wurstelpraters.

Startpunkt Wiener Praterstern

Bahnhof Praterstern
Bahnhof Praterstern

Die durchwegs flache und familienfreundliche Wanderung durch das Naherholungsgebiet Prater beginnt und endet am Praterstern, der gut mit U-Bahn, S-Bahn oder Straßenbahn erreichbar ist.

Prater Hauptallee

Prater Hauptallee
Prater Hauptallee

Vom zentralen Verkehrsknotenpunkt spazieren wir gemütlich die berühmte schnurgerade Prater Hauptallee entlang, wo schattenspendende Kastanienbäume die Straße säumen, ein Paradies für Läufer und Radfahrer. Der Wiener Prater war einst ein kaiserliches Jagdrevier für adelige Müßiggänger, bis Kaiser Josef II. 1766 beschloss, das Gelände für die Wiener Bevölkerung aus allen Gesellschaftsschichten zu öffnen.

Prater Hauptallee
Ausflugslokal im Wiener Prater

Da der Wiener aber bei Ausflügen in die Natur schnell grantig wird, wenn er nichts zu essen und zu trinken bekommt, erlaubte der Kaiser auch die Ansiedlung von Wirtshäusern, Kaffeesiedern und Weinschenken. Und weil ohne »a echte Hetz« gar nichts geht, folgten schon bald Vergnügungsbuden, wie Schaukeln, Ringelspiele und Kegelbahnen. So entstand der Vorläufer vom Wurstelprater. Doch dazu später mehr.

Carl Michael Ziehrer-Denkmal
Carl Michael Ziehrer Denkmal

Schon bald erreichen wir das Denkmal des Komponisten Carl Michael Ziehrer. Ziehrer komponierte rund 600 Musikstücke und 23 Operetten, doch er erreichte nie die Berühmtheit und den Kultstatus der Strauss-Dynastie, die als die unbestrittenen »Walzer-Könige« galten. Sein Ende war tragisch: Während des Ersten Weltkriegs verlor er sein gesamtes Vermögen und starb verarmt im Jahr 1922.

Konstantinhügel

Konstantinhügel
Der sieben Meter hohe Konstantinhügel

Knapp 800 Meter vom Ziehrer-Denkmal entfernt erwartet uns das Highlight unserer Wanderung: der stolze, sieben Meter hohe Konstantinhügel – quasi der Gipfel des Wiener Praters. Entstanden ist dieser Hügel aus dem Erdaushub für die Errichtung der Rotunde zur Weltausstellung 1873. Und weil man in Wien große Namen liebt, taufte man ihn kurzerhand auf Konstantin Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, den damaligen Obersthofmeister. Wenig überraschend ist die Aussicht von der Spitze des Hügels eher bescheiden.

Lusthaus im Wiener Prater

Lusthaus im Wiener Prater
Lusthaus im Wiener Prater

Vorbei an Sportplätzen, Kleingartensiedlungen und Liegewiesen geht es weiter bis zum Lusthaus, dass das Ende der 4,4 km langen Prater Hauptallee markiert.Erstmals urkundlich erwähnt wurde das achteckige Gebäude im Jahr 1560 als »Casa verde«, also als ein »Grünes Häusl«, welches der kaiserlichen Familie als Jagdhaus diente.

Lusthaus im Wiener Prater
Lusthaus im Wiener Prater

Nach der Öffnung des Wiener Praters für die Öffentlichkeit ließ Kaiser Josef II. das ehemalige Jagdhaus ganz dem Zeitgeist entsprechend, nach Plänen von Isidore Canevale neu errichten. Im Laufe der Geschichte diente das Lusthaus immer wieder als festlicher Veranstaltungsort für bedeutende Anlässe wie den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leibzig, in der Napoleon vernichtend geschlagen wurde.

Krebsenwasser

Krebsenwasser
Krebsenwasser

Die weitere Strecke führt durch Auwälder entlang des idyllischen Krebsenwassers, oft als »Wiener Dschungel« bezeichnet. Eintritt frei, Froschkonzert und Gelsen inklusive! Dieses Altgewässer im Grünen Prater entstand aus ehemaligen Donauarmen und gibt einen lebendigen Eindruck von Wiens ursprünglicher Aulandschaft, als die Donau noch nicht in ihr Flussbett gezwungen war.

Krebsenwasser
Krebsenwasser

Heute bietet das Krebsenwasser zahlreichen, teils seltenen Pflanzen- und Tierarten – vor allem Amphibien und Vögeln – einen wichtigen Lebensraum.

Abstecher zum Schiffsmuseum und zur Pagode

Schiffsmuseum Wien
Schiffmuseum Wien

Die beiden nächsten Highlights auf unserer Wanderung durch den Wiener Prater sind zwar nicht direkt auf der Wanderroute, aber gut erreichbar und lohnen den kurzen Umweg. Über die Grünhaufenbrücke gelangen wir zum Treppelweg an der Donau, wo nur wenige Schritte entfernt das Schiffmuseum mit seinem restaurierten Passagierschiff MS Frédéric Mistral auf uns wartet.

Schiffsmuseum Wien
MS Frédéric Mistral im Schiffmuseum Wien

Man mag es kaum glauben, aber die k.u.k. Monarchie war am Ende des 19. Jahrhunderts tatsächlich die größte Binnenschifffahrtsnation der Welt. Die „MS Frédéric Mistral“, benannt nach einem französischen Dichter, diente als geheimes Inspektionsschiff für Kaiser Franz Joseph I., der so inkognito sein Reich auf der Donau bereisen konnte.

Friedenspagode Wien
Friedenspagode Wien

Nur ein kleines Stück weiter fühlt man sich plötzlich wie in Südostasien: Vor uns erhebt sich in unschuldig strahlendem Weiß die Friedenspagode – ein stiller, fast verborgener Ort, an dem buddhistische Spiritualität mitten in Wien eine unerwartete Oase der Ruhe und des Friedens schafft. Zwischen 1982 und 1983 von japanischen Mönchen des Nipponzan Myōhōji-Ordens errichtet, ragt die rund 26 Meter hohe Stupa majestätisch empor.

Friedenspagode Wien
Friedenspagode Wien

Über dem Stiegenaufgang thront eine Buddha-Statue, die so ruhig und gelassen wirkt, dass man fast meint, sie hätte das ständige Wiener-Stress-Chaos längst durchschaut – ein stilles Symbol für Weltfrieden und Einheit, das zumindest für ein paar Minuten den Großstadtdschungel außen vor lässt.

Wallfahrtskirche Maria Grün

Wallfahrtskirche Maria Grün
Wallfahrtskirche Maria Grün

Zurück im Stadtwanderweg 9 erreichen wir die Wallfahrtskirche Maria Grün – ein beschaulicher Rückzugsort im Wiener Prater, der aus einer schlichten Waldandacht in den 1860er Jahren entstanden ist, als ein Lehrer einfach ein Marienbild an einen Baum hängte, um Kinder zum Gebet zu versammeln. Was als Kinderandacht begann, zog bald auch Erwachsene an, und 1911 sorgte ein findiger Gastwirt mit der Aufstellung von Marien- und Herz-Jesu-Statuen für wachsendes Pilgeraufkommen.

Wallfahrtskirche Maria Grün
Wallfahrtskirche Maria Grün

Diese brachten ihrerseits Heiligenbilder an den umgebenden Bäumen an, so dass sich die Praterverwaltung gezwungen sah, diese zum Schutz der Bäume zu entfernen. Es soll sich dabei um mehrere Wagenladungen gehandelt haben.

Wallfahrtskirche Maria Grün
Erinnerung an die an AIDS-Verstorbenen

Die heute bescheidene Kirche mit Zwiebelturm wurde 1924 nach Plänen von Josef Münster geweiht und zeigt als Gnadenbild Maria mit dem Jesuskind, gemütlich sitzend auf einer Prater-Bank – ein stilles Symbol für Geborgenheit mitten im wilden Grün. Mit ihrem kreuzwegartigen Außenbereich und der entspannten Atmosphäre ist sie bis heute ein beliebter Ort im Wiener Prater, um für ein paar Minuten dem Trubel zu entfliehen.

Liliputbahn

Liliputbahn
Liliputbahn

Schon bald darauf werdet ihr auf die Schienen der Liliputbahn treffen – einer der charmantesten Attraktionen des Wiener Praters. Seit 1928 fährt die nostalgische Parkeisenbahn – gezogen von historischen Dampf- oder Dieselloks –auf einem fast vier Kilometer langen Rundkurs durch den Wiener Prater, vorbei am berühmten Riesenrad, hinein ins satte Grün der Auwälder, bis hin zum Ernst-Happel-Stadion. Ihr Name ist eine Hommage an Jonathan Swifts »Gullivers Reisen«, wo die winzigen Liliputaner zu Hause sind – und tatsächlich fühlt man sich an Bord ein bisschen wie ein Riese in einer Miniaturwelt.

Liliputbahn
Liliputbahn

Die Liliputbahn hat alles überlebt: Weltkriege, Brände, wirtschaftlich schwere Zeiten und manchen Besitzerwechsel. Wer den Prater wirklich erleben möchte, sollte sich diese gemächliche Fahrt nicht entgehen lassen. Ihr könntet ja, falls ihr keine Lust hat bis zum Wurstelprater weiterzuwandern, in den nächsten Zug der Liliputbahn einsteigen und ganz entspannt zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zurückfahren.

Der Wiener Wurstelprater

Geisterbahn im Wiener Prater
Eine Geisterbahn im Wiener Prater

Nach den naturbelassenen Abschnitten des Grünen Praters endet unsere Wanderung durch den Wiener Prater im lebhaften Wurstelprater, wo zahlreiche Schaustell- und Unterhaltungsbetriebe auf euch warten – darunter Geister- und Grottenbahnen, Ringelspiele, Hochschaubahnen, das Autodrom sowie einige Automaten-Spielhallen.

Das Riesenrad

Wiener Riesenrad
Wiener Riesenrad

Der Wurstelprater ist weit mehr als nur ein Vergnügungspark – er ist ein lebendiges Stück Wiener Geschichte und Kulturerbe. Sein unbestrittenes Wahrzeichen ist das berühmte Riesenrad, das 1897 zum 50. Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet wurde. Die von englischen Ingenieuren errichtete Attraktion hat einen Durchmesser von 61 Metern, ein Gesamtgewicht von 430 Tonnen und erreicht an ihrem höchsten Punkt knapp 65 Meter über dem Boden. Von den Gondeln aus bietet sich ein traumhafter Blick auf die Stadt.

Wiener Riesenrad
Wiener Riesenrad

Das Wiener Riesenrad war im Laufe seiner Geschichte auch Schauplatz waghalsiger Aktionen: So drehte die Zirkusdirektorin Madame Solange d’Atalide 1914 für einen Film auf einem Pferd sitzend eine Runde auf dem Dach eines Waggons des Riesenrads. Besonderen Ruhm erlangte das Wiener Riesenrad im Filmklassiker »Der dritte Mann«. Auch im 15. James-Bond-Film „Der Hauch des Todes“ wurde eine Szene auf dem Riesenrad gedreht.

Venedig in Wien

Toboggan
Toboggan – die älteste Holzrutsche der Welt

Der Wurstelprater ist zwar nur der zweitälteste Vergnügungspark der Welt, beherbergte jedoch den ersten Themenpark – »Venedig in Wien«. Gabor Steiner ließ 1895 eine faszinierende Miniatur-Lagunenstadt errichten, komplett mit Wasserkanälen, venezianisch anmutenden Gebäuden und originalen Gondeln, die von echten Gondolieri gesteuert wurden. Anfangs ein großer Erfolg, ließ die Begeisterung für diese Attraktion nach einigen Jahren nach, bis die Lagunenstadt schließlich 1914 abgerissen wurde.

Calafati – Der große Chineser

Der große Chineser
Der große Chineser

Neben dem Wiener Riesenrad gibt es im Prater noch ein weiteres bedeutendes Wahrzeichen: den Calafati, benannt nach dem geschäftstüchtigen Schausteller Basilio Calafati. Im Jahr 1840 gehörte ihm ein dampfbetriebenes Ringelspiel, in dessen Mittelpunkt die imposante neun Meter hohe Riesenfigur eines Chinesen stand – der »Große Chineser«.

Basilio Calafati
Der geniale Schausteller Basilio Calafati

Mit diesem Ringelspiel wurde Calafati berühmt. Leider wurden das Karussell und die Figur 1945 durch einen Bombentreffer vollständig zerstört. Am heutigen Calafatiplatz könnt ihr eine Nachbildung des „Großen Chinesers“ bewundern. Zudem zieren die Statue des Basilio Calafati und die Statue der Fortuna den Platz. Übrigens befindet sich die originale Fortuna-Statue im Pratermuseum, das wir zum Abschluss dieser Wanderung noch kurz besuchen.

Pratermuseum

Wiener Pratermuseum
Heiraths-Vermittlungs-Bureau-Automat

Das Pratermuseum entführt euch auf eine mitreißende Zeitreise durch die bunte und pulsierende Geschichte des Wiener Praters. Hier entdeckt ihr skurrile und charmante Originale – zum Beispiel den legendären »Heiraths-Vermittlungs-Bureau«-Automaten. Nach Einwurf eines Obolus erhielt man eine Beschreibung des künftigen Gatten oder der Gattin – der urige Vorläufer von Tinder, Parship & Co!

Wiener Pratermuseum
Der Watschenmann

Oder den Kult-Watschenmann, dem man – ganz im Sinne seines Namens – nur eine Watsche verpassen konnte und dabei die Stärke des Schlages sehen konnte. Die Ausstellung glänzt zudem mit alten Fotos, bunten Plakaten, nostalgischen Ringelspielfiguren und der originalen Fortuna-Figur vom gleichnamigen Karussell.

Wiener Pratermuseum
Panoramagemälde im Pratermuseum

Den krönenden Abschluss bildet ein monumentales Panoramagemälde auf 100 Quadratmetern, das lebendig die aufregende Geschichte des Praters erzählt.

Wiener Pratermuseum
Ausschnitt aus dem Panoramagemälde im Pratermuseum

Nehmt euch Zeit und lasst euch verzaubern – entdeckt die Klassiker des Praters und trefft auf berühmte Persönlichkeiten, von Kaiser Franz Josef über Mozart, Johann Strauss, die Maler Schiele und Klimt bis hin zu Conchita Wurst und Dr. Kurt Ostbahn. Ein echtes Vergnügen für alle Adabeis und Geschichtsfreunde!

Highlights der Wanderung durch den Wiener Prater

  • Lusthaus: Historisches Kaffeehaus
  • Wallfahrtskirche Maria Grün – ein Ort der Stille im Auwald
  • Naturjuwel Krebsenwasser
  • Friedenspagode
  • Schifffahrtsmuseum
  • Fahrt mit der Liliputbahn
  • Wiener Riesenrad

Karte zur Wanderung Wiener Prater

Fazit

Diese Wanderung durch den Wiener Prater vereint auf einzigartige Weise Naturerlebnis und Kulturgenuss. Der Weg führt von stillen Auwäldern zu pulsierendem Vergnügungspark-Leben und zeigt dabei Wiens facettenreiche Geschichte – von kaiserlichen Jagdgründen bis zur modernen Freizeitkultur. Ideal für Familien und alle, die Wien abseits der üblichen Touristenpfade entdecken möchten. Ein Ausflug in Wien, der zu jeder Jahreszeit seine besonderen Reize hat.