
Eine abwechslungsreiche Wanderung in Wien, die zeigt, wie viel Natur, Geschichte und Architektur sich mitten in der Stadt entdecken lassen. Von Hütteldorf nach Währing führt diese Stadtwanderung durch Parks, Weinberge und zu überraschenden Aussichtspunkten.

Unsere Wanderung durch Wien beginnt an der Station Rettichgasse der Linie 49 auf der Linzer Straße. Gleich gegenüber steht das Fuhrmannhaus ein Gebäude, das sich den Titel ältestes Haus im Westen Wiens redlich verdient hat. Sein ältester Baukern stammt aus dem späten 15. Jahrhundert. 200 Jahre später erhielt es seine heutige Gestalt. Wir biegen hier in die Rosentalgasse ein, lassen den Stadtverkehr hinter uns und erreichen nach einem kurzen Anstieg bereits den Dehnepark – der ruhige Auftakt dieser abwechslungsreichen Stadtwanderung.
Dehnepark in Hütteldorf – Historischer Auftakt der Wanderung in Wien

Der Dehnepark empfängt einen zunächst friedlich. Zwischen alten Bäumen taucht jedoch bald eine Ruine auf – ein Überrest des einstigen Landsitzes der Fürstin Antonie Paar. Die Anlage entstand ab 1791 als englischer Garten, wechselte im 19. Jahrhundert mehrfach den Besitzer und gehörte später dem Hofzuckerbäcker August Dehne – bekannt durch seine Konditorei, das spätere Demel – sowie dem Filmschauspieler Willi Forst. 1973 machte die Stadt Wien den Park der Öffentlichkeit zugänglich.
Otto-Wagner-Kirche – Jugendstil-Highlight der Wiener Stadtwanderung

Vom Dehnepark führt der Weg schnurstracks in die Steinhofgründe und weiter zur Otto-Wagner-Kirche. Die Kirche gilt als Meisterwerk des Wiener Jugendstils – funktional, lichtdurchflutet und mit der berühmten goldenen Kuppel, die schon von Weitem signalisiert: Hier lohnt sich der Anstieg! Die Glasfenster entwarf Koloman Moser und verleihen der Kirche eine ganz besondere Atmosphäre. Otto Wagner plante auch die komplette Innenausstattung und berücksichtigte dabei die besonderen Anforderungen einer Kirche für eine Irrenanstalt.

Die Kirchenbänke hatten deshalb keine scharfen Ecken, kurze Reihen ermöglichten ein schnelles Eingreifen des Pflegepersonals, und fließendes Weihwasser in den Becken verringerte die Ansteckungsgefahr. Spätestens hier zeigt sich, wie abwechslungsreich eine Wanderung in Wien sein kann: Jugendstil, Geschichte und weite Ausblicke liegen nur wenige Schritte auseinander.
Hinweis
Einen ausführlichen Beitrag zur Otto Wagner Kirche findest du unter JUGENDSTIL IN WIEN – EIN SPAZIERGANG ZUR OTTO WAGNER KIRCHE AM LEMONIBERG
Schloss Wilhelminenberg – Aussichtspunkt auf der Wanderung in Wien

Wir verlassen die Steinhofgründe und wandern weiter zum Schloss Wilhelminenberg, das hoch über der Stadt thront. Ursprünglich als habsburgerisches Refugium geplant, dient es heute als Hotel und Aussichtspunkt. Seine größte Stärke ist die Lage: Wien breitet sich zu Füßen aus, und man merkt plötzlich, wie viel Höhenmeter man bereits gewonnen hat.

Errichtet zwischen 1903 und 1908 an Stelle des baufälligen Schlosses der Fürsten Montléart, war das Gebäude ursprünglich als Wohnsitz des österreichischen ErzherzogsFerdinand Rainer gedacht. Im Laufe des 20. Jahrhunderts erfüllte es jedoch ganz unterschiedliche Funktionen – vom Lazarett über ein Kinderheim bis zum heutigen Hotel. Der eigentliche Star bleibt dabei der Ausblick: Von hier oben öffnet sich ein Panorama über ganz Wien, das die vorangegangenen Anstiege schlagartig rechtfertigt.
Hinweis
Einen ausführlichen Beitrag zur Geschichte von Schloss Wilhelminenberg und die Steinhofgründe findest du unter STADTWANDERWEG 4a – AUF ZUR JUBILÄUMSWARTE UND ZUM SCHLOSS WILHELMINENBERG
Montléart-Mausoleum – Historischer Ort nahe dem Wilhelminenberg

Unweit des Schlosses liegt das Montléart-Mausoleum – ein Ort, der zugleich still, würdevoll und überraschend gut platziert ist. Hier ruhen Angehörige des Hauses Montléart, und während man dort steht, fragt man sich unweigerlich, ob man sich selbst auch so einen Platz aussuchen würde. Ihre letzte Ruhestätte fand hier Fürstin Wilhelmine von Montléart-Sachsen-Curland, die Namensgeberin des Schlosses Wilhelminenberg. Sie galt als großzügige Mäzenin des ausgehenden 19. Jahrhunderts und spendete unter anderem 300.000 Kronen zur Errichtung des nach ihr benannten Wilhelminenspitals.
Über die Eselsstiege nach Dornbach

Wir folgen noch ein Stück der Savoyenstraße, bevor es über die unzähligen Stufen der Eselstiege hurtig hinunter nach Dornbach geht. Der Abstieg ist steil, aber lohnend – nicht nur für die Beine, sondern auch historisch. Dornbach war lange vom Weinbau geprägt, entwickelte sich im 19. Jahrhundert jedoch zur Sommerfrische für wohlhabende Wiener und Adelige.

In der heutigen Andergasse entstanden Villen und Sommerhäuser, von denen noch heute einige existieren, darunter auch die sogenannte Bärenvilla des Rathausarchitekten Friedrich von Schmidt. Das markante Gebäude spielte einst eine bedeutende Rolle im kulturellen Leben der Gegend: Im gemütlichen Turmstübchen waren Persönlichkeiten wie Theophil Hansen, Heinrich Ferstel, Hans Makart und Josefine Gallmeyer zu Gast.

Nur wenige Schritte weiter erreicht man die Pfarrkirche Dornbach, deren Geschichte mehr als 850 Jahre zurückreicht. Bereits 1139 wurde an dieser Stelle eine Kirche eingeweiht, die im Laufe der Jahrhunderte durch Brände, die Türkenkriege und mehrere Umbauten immer wieder verändert wurde. Ihre heutige Gestalt erhielt sie maßgeblich durch einen Umbau 1931/32 nach Plänen von Clemens Holzmeister, der die Hauptachse um 90 Grad drehte und Alt- und Neubau miteinander verband.
Himmelmutterweg – Der steilste Anstieg der Wanderung in Wien

Von der Dornbacher Pfarrkirche führt unsere Wanderung in Wien wieder bergauf. Was nun folgt, trägt einen frommen Namen, verlangt aber vor allem Kondition: Der Himmelmutterweg klingt nach Andacht, ist jedoch vor allem eines – steil. Dieser Abschnitt zählt zu den größten Steigungen der gesamten Tour. Kurz, aber intensiv, zieht sich der Anstieg entlang eines Weingartens und lässt kurz Zweifel aufkommen, ob die Luft noch bis oben reicht.

Nach dem Anstieg wird der Weg wieder gemütlicher – und plötzlich wartet eine ganz andere Versuchung: das Schafbergbad. Unweigerlich überkommt einem der Gedanke: „Warum eigentlich noch weiterwandern?“ Bei passendem Wetter ertappt man sich dabei, wie man die Wanderung gedanklich gegen einen erfrischenden Sprung ins Wasser eintauscht. Gerade an warmen Tagen wirkt das Freibad wie ein frecher Kontrapunkt zum bisherigen Natur- und Kulturprogramm – fast so, als würde es einem zuzwinkern und sagen: „Komm schon, ein bisschen Spaß muss sein!“
Schafbergbad – Sommerlicher Fixpunkt der Stadtwanderung

Das Schafbergbad entstand kurz vor dem Ersten Weltkrieg als Attraktion zu einem Aussichtshotel am Schafberg und entwickelte sich nach einem Ausbau in den 1920er-Jahren zu einem der beliebtesten Sommerbäder in den westlichen Bezirken Wiens. Nach Jahren des Verfalls wurde die Anlage von der Stadt Wien übernommen und 1973 als öffentliches Bad neu eröffnet.
Tipp
Im Sommer Badesachen einpacken – das Schafbergbad liegt direkt an der Route!
Thomas-Morus-Kirche (Schafbergkirche) – Moderne Architektur mit Aussicht

Nach der Erfrischung im Schafbergbad geht es wieder ein Stück bergauf zur Thomas-Morus-Kirche. Das Gotteshaus, oft auch Schafbergkirche genannt, liegt exponiert am Südhang des Schafbergs – eine Lage, die ihr nicht nur viel Licht, sondern auch eine besondere Präsenz verleiht. Errichtet wurde sie 1958–1960 nach Plänen des Architekten Fritz Gerhard Mayr, in einer Zeit, in der Kirchenbau bewusst neue Wege ging. Von hier führt uns unsere Wanderung in Wien weiter in den Pötzleinsdorfer Schlosspark.
Pötzleinsdorfer Schlosspark – Erinnerung an tragisches Ereignis

Der Pötzleinsdorfer Schlosspark selbst ist ein Stück Wiener Geschichte und Landschaftskunst. Die Geschichte dieses grünen Refugiums reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück, als Gräfin Herberstein diese Ländereien an Johann Heinrich Geymüller verkaufte, der als Mitbegründer der Österreichischen Nationalbank gilt. Geymüller hatte Großes im Sinn und zauberte einen Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens.

Bald wurde der Park zum angesagten Treffpunkt der Wiener High Society. Als besonderes Highlight begegnen uns im Park das »Singende Quartett«: Vier monumentale Figuren, die einst die Attika des Wiener Ringtheaters schmückten und die vier Stimmlagen des Gesangs symbolisieren – Sopran, Alt, Tenor und Bass. Nach dem verheerenden Brand des Ringtheaters 1881 wurden sie hier im vorderen Bereich des Parks aufgestellt.
Hinweis
Durch den Park führt auch unser Stadtspaziergang durch Währing, den wir euch ebenfalls sehr empfehlen können: WÄHRING – EIN STADTSPAZIERGANG DURCH DEN SCHÖNSTEN BEZIRK WIENS
Johannes‑Nepomuk‑Kapelle – Barockes Kleinod am Ende der Tour

Nach dem Pötzleinsdorfer Park führt unsere Stadtwanderung in Wien weiter nach Gersthof, wo mit der Johannes-Nepomuk-Kapelle ein stilles, historisches Kleinod wartet. Die Mitte des 18. Jahrhunderts als Privatkapelle des Hofkriegsrats Matthäus Lydl von Schwanau errichtete Kapelle diente bald auch den Dorfbewohnern als Andachtsstätte. Nach einem Verfall im 20. Jahrhundert wurde sie in den 1970er-Jahren restauriert, wobei barocke Fresken ans Licht kamen.

Von hier sind es nur noch ein knapper Kilometer bis zur Station Gersthof der Vorortlinie, wo unsere Wanderung endet.
Fazit: Warum diese Wanderung in Wien besonders abwechslungsreich ist
Eine abwechslungsreiche Wanderung in Wien, die Natur, Geschichte und Architektur miteinander verbindet: Diese Wanderung in Wien führt von Hütteldorf nach Währing und zeigt, wie viel Grün und Kultur sich mitten in der Stadt entdecken lassen. Auf rund 11 Kilometern, etwa 260 Höhenmetern und insgesamt ungefähr 16.000 Schritten geht es durch den Dehnepark und die Steinhofgründe, vorbei an der Otto-Wagner-Kirche, dem Schloss Wilhelminenberg, über den Schafberg bis in den Pötzleinsdorfer Schlosspark und weiter nach Gersthof. Die Route ist ideal für alle, die Wien zu Fuß neu erleben und klassische Spaziergänge um eine echte, durchaus fordernde Wanderung erweitern möchten.
Fotoalbum
Weitere Fotos zu dieser Wanderung in Wien findest du auf Flickr unter Wanderung in Wien: Von Hütteldorf nach Währing
Die Streckenkarte für diese Wanderung in Wien
Die Route der Stadtwanderung:
Linzer Straße – Rosentalgasse – Dehnegasse – Dehnepark – Steinhofgründe – Otto Wagner Kirche – Feuerwache am Steinhof – Heschweg – Haydlergasse – Vogeltenngasse – Wanderweg entlang der Savoyenstraße – Schloss Wilhelminenberg – Savoyenstraße – Eselstiege – Andergasse – Dornbacherstraße – Rupertusplatz – Alszeile – Himmelmutterweg – Czartoryskigasse – Josef Redl Gasse – Utopiaweg – Pötzleinsdorfer Schlosspark – Pötzleinsdorfer Straße – Gersthofer Straße – Vorortlinie Gersthof – ca 16.000 Schritten
