
Unser Literaturspaziergang führt auf den Spuren berühmter Schriftsteller und Literaten durch die Wiener Innenstadt. Ihr entdeckt die Lieblingslokale der Kaffeehausliteraten um 1900, besucht Orte aus ihren Romanen und erfahrt spannende Anekdoten aus ihrem Leben. Für diesen Literaturspaziergang durch Wien braucht ihr nur etwas Zeit und bequeme Schuhe.
Justizpalast: Elias Canetti

Wir beginnen unseren Literaturspaziergang am Justizpalast am Schmerlingplatz. Die mächtige Anlage aus der Zeit der Neorenaissance wirkt eher wie ein Palast als wie ein Gerichtsgebäude. Durch die hohen Fenster fällt Licht auf die monumentale Freitreppe, über der Justitia mit unbewegter Miene wacht. Doch hinter der prachtvollen Fassade verbirgt sich auch eines der dramatischsten Kapitel der österreichischen Geschichte. Drehen wir das Rad der Zeit zurück ins Jahr 1927.

Im burgenländischen Schattendorf waren bei politischen Auseinandersetzungen zwei Menschen erschossen worden. Als die Angeklagten freigesprochen wurden, entlud sich die Empörung in Wien. Tausende Menschen zogen zum Justizpalast. Unter ihnen befand sich auch der junge Schriftsteller Elias Canetti. Aus der Demonstration wurde ein Aufruhr, aus dem Aufruhr ein Flammenmeer. Noch am selben Tag stand der Justizpalast in Brand.

Die Polizei erhielt Schießbefehl. Zahlreiche Menschen verloren ihr Leben, Hunderte wurden verletzt. Für Elias Canetti wurde dieser Tag zu einem Schlüsselerlebnis, das ihn nie mehr loslassen sollte. Jahrzehnte später erinnerte er sich in seinem autobiografischen Werk Die Fackel im Ohr: „Seither weiß ich, wie es beim Sturm auf die Bastille zuging.“
Burgtheater: Berühmteste Sprechbühne

Wir spazieren weiter zum Ring und werfen einen Blick auf das Burgtheater, die wohl berühmteste Sprechbühne des deutschen Sprachraums. An der Fassade entdecken wir die Büsten von Grillparzer, Schiller und Goethe. Seit mehr als hundert Jahren zählt ein Engagement am Burgtheater zu den höchsten Auszeichnungen für Schauspieler. Hier standen Legenden wie Josef Meinrad, Paula Wessely, Attila Hörbiger, Fritz Muliar, Erika Pluhar oder Klaus Maria Brandauer auf der Bühne und prägten die österreichische Theatergeschichte.
Volksgarten: Franz Grillparzer

Wir betreten den Volksgarten, eine der schönsten Parkanlagen der Wiener Innenstadt. Gleich am Eingang fällt der klassizistische Theseustempel ins Auge, die Nachbildung eines antiken griechischen Heiligtums. Einst beherbergte er Antonio Canovas berühmte Statue des Helden Theseus, die heute im Kunsthistorischen Museum zu sehen ist. Doch unser Weg führt uns zu einer anderen Wiener Berühmtheit.

Nur wenige Schritte weiter erhebt sich das monumentale Denkmal von Franz Grillparzer. Reliefs zeigen Szenen aus seinen bekanntesten Werken, darunter Die Ahnfrau, König Ottokars Glück und Ende und Ein Bruderzwist im Hause Habsburg. Kaum ein anderer Schriftsteller hat die österreichische Literatur des 19. Jahrhunderts so geprägt wie der Dichter, dessen Gestalt hier nachdenklich über den Volksgarten blickt. Das Denkmal wurde nach den Plänen des Architekten Hasenauer sowie der Bildhauer Kundmann und Weyr errichtet.

Hinter dem gefeierten Nationaldichter verbarg sich allerdings kein glücklicher Mensch. Das Leben Grillparzers war von Schicksalsschlägen überschattet. Bruder und Mutter nahmen sich das Leben, und auch in Liebesdingen blieb er zeitlebens zögerlich. Zwar verlobte er sich mit seiner großen Jugendliebe Katharina Fröhlich, doch zur Hochzeit kam es nie. Grillparzer blieb Junggeselle – und machte aus seinen Zweifeln, Sehnsüchten und Enttäuschungen große Literatur. Auf unserem Spaziergang werden wir ihm später noch einmal begegnen.
Heldenplatz: Thomas Bernhard

Wir verlassen den Volksgarten und treten hinaus auf den Heldenplatz. Die gewaltige Freifläche wird von den Reiterstandbildern Erzherzog Karls und Prinz Eugens beherrscht. Doch der Platz erzählt nicht nur von militärischen Siegen und imperialer Vergangenheit. Er ist auch Schauplatz eines der größten Literaturskandale der Zweiten Republik. Fünfzig Jahre nach dem »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich feierte hier gewissermaßen Thomas Bernhards Drama „Heldenplatz“ seine Premiere am benachbarten Burgtheater. Das Stück setzte sich schonungslos mit dem fortwirkenden Antisemitismus und der mangelnden Aufarbeitung der NS-Zeit auseinander.

Bereits im Vorfeld gab es heftige Proteste der Boulevardmedien und Politiker, die sich über Aussagen wie „Österreich, 6,5 Millionen Debile“ heftig mokierten. Seine bissigen Urteile über die österreichische Gesellschaft machten ihn zu einem der bedeutendsten, aber auch umstrittensten Schriftsteller des Landes. Nach der Uraufführung von „Heldenplatz“ galt er für viele endgültig als Nestbeschmutzer. Die Aufregung um das Stück sollte ihn bis an sein Lebensende begleiten. Nur wenige Monate später, im Februar 1989, starb Thomas Bernhard im Alter von 58 Jahren.
Hofburg: Alexander Lernet-Holenia, Robert Musil

Wir spazieren weiter durch die Höfe der Hofburg. Die Hofburg ist untrennbar mit Kaiser Franz Joseph und Sisi verbunden. Das weitläufige Areal umfasst rund 3.000 Räume und 18 Innenhöfe – genug Platz für den Sitz des Bundespräsidenten, die Schatzkammer der Habsburger, das Sisi-Museum, das Weltmuseum, die barocke Nationalbibliothek oder die Spanische Hofreitschule mit ihren berühmten Lipizzanern.

Doch die Hofburg ist nicht nur ein Ort der Macht, sondern auch ein Ort des Alltäglichen. In einer ihrer Wohnungen lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1976 der Schriftsteller Alexander Lernet-Holenia, der gerüchteweise als unehelicher Sohn eines habsburgischen Erzherzogs galt. Sein bekanntester Roman „Die Standarte“ erzählt von der opferreichen, letztlich sinnlosen Rettung einer alten Regimentsfahne in den letzten Tagen der Monarchie, kurz vor der Abdankung Kaiser Karls im Jahr 1918.

Auch in der Literatur Robert Musils spielt die Hofburg eine zentrale Rolle. In seinem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ steht das Jahr 1918 im Zeichen eines geplanten Jubiläums: Kaiser Franz Joseph hätte sein 70-jähriges Thronjubiläum gefeiert. Der Protagonist ist Mitglied eines Komitees, das eine pompöse Festveranstaltung vorbereiten soll.

Die Handlung des Romans ist spärlich, die philosophischen Abhandlungen umso ausführlicher. Nach rund 1.400 Seiten steht fest: Das Komitee ist mit der Planung gescheitert. Robert Musil arbeitete fast zwanzig Jahre an diesem Roman ohne diesen je fertigzustellen. 1938 musste der Schriftsteller vor den Nazis in die Schweiz emigrieren, wo er in Genf 1942 verstirbt.
Cafe Griensteidl: Die Kaffeehausliteraten

Am Michaelerplatz betreten wir das ehemalige Zentrum der Wiener Kaffeehausliteratur: das Café Griensteidl. Das Café diente den Schriftstellern des Fin de Siècle als Ort des Austauschs mit Gleichgesinnten und als Inspirationsquelle für ihre Romane und Feuilletons. Da kein Konsumzwang herrschte, konnten die Literaten hier Stunden verbringen – schreiben, diskutieren, beobachten und wieder verwerfen.

Arthur Schnitzler entwarf bei einem Mokka das berühmte „süße Mädel“ aus der Vorstadt, das später zum Markenzeichen seiner Dramen wurde. Hugo von Hofmannsthal skizzierte hier die ersten Fragmente seines Mysterienspiels »Jedermann«. Und Karl Kraus, der mit seinen polemischen Texten selten um Gegner verlegen war, erhielt für einen Zeitungsartikel eine kräftige Ohrfeige von Felix Salten – was Hermann Bahr angeblich mit sichtlicher Genugtuung beobachtete.

Das Griensteidl ist längst geschlossen. Geblieben sind zahlreiche Klassiker der Weltliteratur. Arthur Schnitzler verfasste die Dramen »Der Reigen«, »Das weite Land« oder »Liebelei«. Karl Kraus schuf das Theaterstück »Die letzten Tage der Menschheit« und war Herausgeber der satirischen Zeitschrift »Die Fackel«, in der er schonungslos über seine Schreibkollegen herzog.

Und Felix Salten erlangte mit dem Kinderroman »Bambi« Weltruhm. Die Idee zum Buch kam Salten bei einer Jagdtour. 1942 wurde die Geschichte über das Rehkitz als Zeichentrickfilm erfolgreich von Walt Disney verfilmt. Salten gilt auch als Autor des erotischen Skandalromans »Josefine Mutzenbacher«. Die Blütezeit der Kaffeehausliteraten endete mit dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland.
Looshaus: Die Wiener Moderne

Werfen wir noch schnell einen Blick auf das Looshaus, einem wichtigen Bauwerk der »Wiener Moderne«. Das nach den Entwürfen des Architekten Adolf Loos errichtete Gebäude löste einen Schock in der Kaiserstadt aus. Die schlichte schmucklose Fassade ohne die damals üblichen Fensterverdachungen brachte dem Gebäude den Spitznamen »Haus ohne Augenbrauen« ein.

Kaiser Franz Joseph soll den Rest seines Lebens die Kutschenfahrt über den Michaelerplatz vermieden haben, damit er das »scheußliche« Haus nicht sehen musste.
Café Central: Die neue Bleibe der Kaffeehausliteraten

Wir gehen die Herrengasse ein paar Schritte weiter bis zum Palais Ferstl. In dem im Neorenaissance-Stil errichtetes Gebäude befindet sich noch heute das Café Central. Nachdem das Griensteidl 1897 geschlossen wurde, entwickelte sich das Café Central zum neuen Treffpunkt der Kaffeehausliteraten. Arthur Schnitzler und Egon Friedell debattierten mit Sigmund Freud über die neuesten Erkenntnisse der Psychoanalyse. Alfred Polgar schrieb Sketches für das Cabaret »Fledermaus« und war ein scharfzüngiger Theaterkritiker.

Sein Lieblingsopfer war Arthur Schnitzler, dem er jegliches Schreibtalent absprach. Anton Kuh bevorzugte statt Kaffee Cognac und machte sich mit seinen satirische Essays keine Freunde. Auf die Frage, was wäre Ihr schönster Tod, antwortete der Schriftsteller und Journalist Egon Erwin Kisch »Ein Schlaganfall aus lauter Freude über den Tod von Anton Kuh«. Zu Gast im Café Central waren auch Robert Musil, Hugo von Hofmannsthal oder Stefan Zweig.

Für den Dichter und Bohème Peter Altenberg war das Café Central sein Wohn- und Arbeitsraum. Er gab es bei den Behörden als Wohnadresse an und ließ sich seine Post hierher schicken. Eine lebensgroße Skulptur erinnert noch heute im Eingangsbereich des Kaffeehauses an den Schriftsteller.
Prunksaal der österreichischen Nationalbibliothek

Wir gehen zurück zum Josefsplatz, bewundern das Reiterstandbild von Joseph II und statten dem Prunksaal der österreichischen Nationalbibliothek einen kurzen Besuch ab. Er gilt neben der Universitätsbibliothek von Coimbra, als der schönste barocke Bibliothekssaal der Welt.

Der prachtvolle Lesetempel wurde zwischen 1723 und 1726 nach den Plänen von Vater und Sohn Fischer von Erlach errichtet. Die beeindruckenden Deckenfresken stammen von Daniel Gran. Der Prunksaal beherbergt etwa 200.000 Bücher aus einem Zeitraum von 1501 bis 1850. Darunter befindet sich auch die Privatbibliothek von Prinzen Eugen, deren 15.000 Bände in roten, blauen und gelben Leder eingebunden sind.
Albertina

Wir folgen der Augustinerstrasse bis zur Albertina, die eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Wiens beherbergt. Von Monet, Picasso und Chagall bis zu Nolde oder Kokoschka: Alle großen Künstler der modernen und zeitgenössischen Kunstgeschichte sind hier vertreten. Sehenswert sind auch die Prunkräume von Herzog Albert und Erzherzogin Marie Christin, der Lieblingstochter von Kaiserin Maria Theresia. Den Besuch der Albertina heben wir uns für einen anderen Stadtspaziergang durch Wien auf.
Kapuzinergruft: Joseph Roth

Unser nächstes literarisches Ziel führt uns auf den Neuen Markt zur Kapuziner Gruft. Seit 1617 dient die Kapuzinergruft als Begräbnisstätte der Habsburger, deren Besuch ein Spaziergang durch 400 Jahre europäischer Geschichte ist. Hier warten 12 Kaiser, sowie 19 Kaiserinnen und Königinnen in prachtvollen Sarkophagen auf das Jüngste Gericht, darunter Kaiser Karl VI, Maria Theresia oder Kaiser Franz Joseph.

Für den Schriftsteller Joseph Roth ist die Kapuzinergruft im gleichnamigen Roman ein Symbol für den Untergang Österreich-Ungarns. Ein Kriegsheimkehrer findet sich nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie in der neuen Weltordnung überhaupt nicht zurecht. Nur ein Besuch der Kapuzinergruft gibt ihm Kraft, denn dort liegt seine alte Welt begraben.

Die traumatischen Erlebnisse an der Front, der Tod von Kaiser Franz Joseph und der Untergang des Habsburgerreichs sind die zentralen Themen der Romane von Joseph Roth. Nach dem Krieg geht Roth als Journalist nach Berlin, wo sein berühmter Roman »Radetzkymarsch« erscheint. Als Hitler 1933 an die Macht kommt, verlässt Roth Berlin. Alkoholkrank und von Schicksalsschlägen schwer gekennzeichnet verstirbt Roth 1939 in Paris.
Literaturmuseum im Grillparzerhaus

Wir verlassen die Nekropole der Habsburger, überqueren den Neuen Markt und die Kärntnerstraße. Unser Ziel ist das ehemalige Hofkammerarchiv in der Johannesgasse 6, das Franz Grillparzer von 1832 bis zu seiner Pensionierung leitete. Doch statt der Archivierung der Akten widmete sich der Beamte Grillparzer während der Amtsstunden lieber dem Schreiben. Am Stehpult seiner noch heute erhaltenen Amtsstube entstanden die Klassiker »Die Ahnfrau« oder »König Ottokars Glück und Ende«. Aber auch das Leben eines Beamten kann gefährlich sein. Klingt komisch, ist aber so. Als Grillparzer eines Tages auf der obersten Sprosse einer Leiter steht, verliert er das Gleichgewicht und stürzt mit seinen Akten neun Meter in Tiefe. Doch der Literat hatte Glück, denn Grillparzer erlitt nur ein paar Abschürfungen.
Wirtshaus Matschakerhof: Zum letzten Mal Grillparzer

Pünktlich zu Mittag verließ Grillparzer die Amtsstube und spazierte in das nahegelegene Wirtshaus Matschakerhof in der Spiegelgasse 5. Eine Gedenktafel mit dem Konterfei des Literaten erinnert daran, dass Grillparzer hier Stammgast war. In der schummerigen Wirtsstube wurde ihm stets ein Eckplatz an einem länglichen Tisch freigehalten.

Der Dichter liebte die deftige Küche und dass er vom Fasten wenig hielt, verdeutlicht folgende Textzeile aus »Weh dem, der lügt«: »Essen muss der Mensch, das weiß ein jeder und was er isst, fließt ein auf all sein Wesen. Esst Fastenkost und ihr seid schwachen Sinns. Esst Braten und ihr fühlet Kraft und Mut«.
Zu Gast bei Marie von Ebner Eschenbach

Wir folgen der Spiegelgasse Richtung Graben und bleiben kurz bei Hausnummer 1 stehen. In diesem Haus lebte bis zu ihrem Tod 1916 die Schriftstellerin Marie von Ebner Eschenbach. Sie gilt als bedeutendste deutschsprachige Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts. Ihr wohl berühmtester Roman ist die Geschichte vom treuen Jagdhund Krambambuli, die vermutlich noch heute jedes Schulkind lesen muss.
Das Graben-Hotel: Peter Altenberg

Unser nächstes Ziel ist das Graben-Hotel in der Dorotheergasse 3, wo Peter Altenberg von 1913 bis zu seinem Tod die letzten sechs Lebensjahre verbrachte. Das Zimmer soll mit unzähligen Aktaufnahmen seiner halbwüchsigen Freundinnen tapeziert gewesen sein. Der schrägste Dichter der Wiener Moderne verehrte Kindfrauen. Sein Credo: »Eine Frau ist immer zu alt, aber nie zu jung« Erstaunlich viele Literaten und Künstler, wie Adolf Loos, Oskar Kokoschka oder Egon Schiele begeisterten sich für das Schönheitsideal der Kindfrau. Dass Altenberg nie wegen Pädophilie angeklagt wurde, grenzt jedoch auch schon damals an ein Wunder.

Weitere berühmte Gäste des Graben-Hotels waren Franz Kafka, zu dessen bekanntesten Werken »Der Prozeß«, »Das Schloß« oder »Die Verwandlung« zählen, sowie der Schriftsteller Max Brod, der als Entdecker des Dichters Franz Werfel gilt.
Café Bräunerhof: Thomas Bernhard

Wir spazieren die Dorotheergasse bis zur Stallburgasse entlang. Hier befindet sich auf Hausnummer 2 das Café Bräunerhof, welches gerne vom Schriftsteller Thomas Bernhard besucht wurde. In seinen Romanen, Theaterstücken und Erzählungen übt Bernhard häufig heftige Kritik an Österreich, was seinen Ruf als »Vaterlandsverräter« oder »Nestbeschmutzers« begründete. Doch davon haben wir ja Euch schon am Heldenplatz erzählt.

Das Haus, in dem sich das Café Bräunerhof befindet, hatte zahlreiche prominente Bewohner. Hier lebte Hugo von Hofmannsthal, zu dessen größten Erfolgen das Theaterstück »Jedermann« zählt. Mit dem »Jedermann« werden seit 1920 die Salzburger Festspiele traditionell eröffnet.

Auch der Theaterkritiker Alfred Polgar wohnte bis zum Anschluss 1938 in diesem Haus. Danach musste er vor den Nazis ins Ausland flüchten. Weitere berühmte Bewohner waren die Opernsängerin Maria Jeritza, sowie der Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, der beim erfolglosen Juliputsch österreichischer Nazis im Jahr 1934 im Bundeskanzleramt ermordet wurde.
Bräunerstraße: Johann Nestroy

Wir folgen noch ein Stück der Stallburgasse und biegen in die Bräunerstraße ein. Auf Hausnummer 3 wurde im Jahr 1801 der Dramatiker und Schauspieler Johann Nestroy geboren. Zu seinen bekanntesten Werken zählen das Zauberspiel »Der böse Geist Lumpazivagabundus« und die satirische Posse »Einen Jux will er sich machen«.

Der Meister der Sprachkunst gilt als wichtigster Autor der Wiener Vorstadttheater. Schaukästen im Hausflur dokumentieren das Leben und Werk des österreichischen Volksdichters. Sehenswert ist der Innenhof des Hauses mit seinen Pawlatschen.
Graben: Stefan Zweig, Felix Salten

Unser Literaturspaziergang führt uns nun weiter zum Graben. Vor uns erscheint die barocke Pestsäule, die als Dank für die Überwindung der Pest 1679 errichtet wurde. Die Details der Pestsäule konnten schon die berüchtigten Grabennymphen und Strichmädchen bewundern, wenn sie nicht gerade Ausschau nach Kundschaft hielten. Ihr Standplatz war von der Polizei mit einem unsichtbaren Strich am Trottoir abgegrenzt, was zur Redewendung »auf dem Strich gehen« führte.

Stefan Zweig erinnerte sich in seinem Roman »Die Welt von Gestern«, dass die Gehsteige voller käuflicher Frauen waren, sodass es schwerer fiel, ihnen auszuweichen, als sie zu finden. Felix Salten sammelte am Spaziergang über den Graben unzählige Ideen für seinen erotisch-sinnlichen Roman »Josefine Mutzenbacher«, der die Geschichte einer Wienerischen Dirne zur Zeit der Jahrhundertwende erzählt.
Rotenturmstrasse: Die Geliebte der Schriftsteller

Lust und Begierde spielen auch bei unserer nächsten Adresse eine wichtige Rolle. Wir gehen an der Stephanskirche vorbei und folgen der Rotenturmstrasse bis zum Residenzpalast auf Hausnummer 20. Hier residierte die Schauspielerin Adele Sandrock, die als erotischste Frau und Verführerin im Wien des Fin de Siècle galt.

Zu ihren Opfern zählten die Schriftsteller Arthur Schnitzler, Felix Salten oder Alexander Roda Roda. Durch ihr schlampiges Verhältnis mit Schnitzler ging die Diva in die Literaturgeschichte ein. Schnitzler nahm sie als Vorbild für die Rolle der Schauspielerin in seinem skandalumwitterten Theaterstück »Der Reigen«. Das Stück handelt von zehn Personen, die sich für kurzzeitige sexuelle Abenteuer zusammenfinden.

Während die Uraufführung von Schnitzlers Reigen einen der größten Theaterskandale in den 1920er Jahren auslöste, waren die Romane von Roda Roda davon weit entfernt. In seinen satirischen Erzählungen nahm er liebevoll die Schwächen und Kuriositäten der Donaumonarchie aufs Korn. Zu seinen bekanntesten Romanen zählt »Der Feldherrnhügel«, wo er die Eigenheiten der k.u.k. Offiziere humoristisch auf die Schaufel nimmt.
Sonnenfinsternis: Adalbert Stifter

Auf zu unserem letzten Ziel. Über den Fleischmarkt spazieren wir zum Rabensteig, der uns mitten in das alte Judenviertel führt. Unser Ziel ist die Adresse Seitenstettengasse 2. Eine Gedenktafel erinnert an den Schriftsteller Adalbert Stifter, der hier zwischen 1842 und 1848 wohnte und vom Dach des Hauses eine totale Sonnenfinsternis beobachtete.

Adalbert Stifter zählt zu den bedeutendsten Autoren des Biedermeier. Berühmt wurde er durch seine detailtreue Schilderung von Menschen, der Landschaft und Natur. Zu seinen bekanntesten Werken zählt Der Bergkristall oder Der Hochwald. Hier endet nun unser Stadtspaziergang „Auf den Spuren berühmter Literaten in Wien“. Wir hoffen, die Tour hat euch Spass gemacht.
FOTOALBUM
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einem Literatur-Spaziergang durch Wien inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu dieser Wanderung findet Ihr im Fotoalbum unter: WIEN – AUF DEN SPUREN BERÜHMTER LITERATEN
