ISTRIEN – DIE MALERISCHEN BERGDÖRFER LABIN UND GROŹNJAN

Im Hinterland Istriens gibt es zahlreiche mittelalterliche Bergdörfer, die interessante Geschichten zu erzählen haben. Meist mit einer massiven Stadtmauer umgeben, wachen diese kleinen Ortschaften auf steilen Felsen über Täler oder Meerengen.

Groźnjan

In der Regel betritt man die Bergdörfer durch ein schmales Stadttor, welches oft mit dem Habsburgerwappen oder dem venezianischen Löwen verziert ist. Kein Wunder stand doch Istrien jahrhundertelang unter dem Einfluss der Serenissima oder des Kaiserhofes zu Wien. Wir haben auf unserer Reise durch Istrien einige dieser alten Bergdörfer besucht. Zwei davon möchten wir Euch in diesem Beitrag vorstellen.

Labin

Labin

Eine besonders interessante Geschichte hat uns die Altstadt von Labin zu erzählen, die auf einem rund 320 m hohen Hügel liegt. Rund um Labin wurde jahrhundertelang Steinkohle unter Tage abgebaut. Als Istrien nach dem Ersten Weltkrieg an Italien angeschlossen wurde, begannen sich die Bergarbeiter gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung durch die italienischen Minenbesitzer zu wehren.

Labin

Die rigorose Zwangsitalianisierung, wie das Verbot der kroatischen Sprache, war der Tropfen, der das Fass im März 1921 zum Überlaufen brachte. Die Bergarbeiter probten den Aufstand, die Bauern und Einwohner von Labin schlossen sich an. Man besetzte die Minen und die Stadt und es wurde die Republik Labin ausgerufen. Der Traum eines eigenen Staates währte 36 Tage lang, dann wurde der Aufstand vom italienischen Militär blutig niedergeschlagen.

Labin

Von diesen dramatischen Ereignissen bemerken wir bei unserem Spaziergang durch die reizvolle Altstadt natürlich nichts mehr. Beim Stadttor folgen wir einer Treppengasse, die uns an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeiführt. Hier trifft Renaissance auf Gotik und Romanik auf Barock.

Labin

Die Venezianer haben in Labin zahlreiche Spuren hinterlassen. So findet man den Markuslöwen nicht nur am Stadttor, sondern auch auf der Fassade der Pfarrkirche Mariä Geburt.

Labin

Besonders beeindruckend ist der Palazzo Battiala-Lazzarini. Dieser wunderbare Palazzo aus dem 18. Jhdt beherbergt heute ein interessantes Museum über die Geschichte der Stadt. Sehenswert ist im Kellergeschoss ein begehbarer Kohlebergwerksstollen, wo man den anstrengenden Arbeitsalltag der Kumpels hautnah miterleben kann.

Groźnjan

GroźnjanDas zweite istrische Hügeldorf, welches wir Euch vorstellen wollen, ist das Künstlerdorf Groźnjan. Das Städtchen liegt auf einem 228 m hohen Hügel und bietet einen wunderschönen Ausblick ins Mirna-Tal auf Weinberge und Olivenhaine. Groźnjan soll nie von einer feindlichen Armee angegriffen worden sein.

Groźnjan

Vermutlich wollte sich kein Heerführer den mühsamen Aufstieg zum Dorf je antun. Touristen sind da anders gestrickt. Ein wahrer Ansturm ist heute in Groźnjan eingefallen, trotz des Regenwetters.

Groźnjan

Enge, verwinkelte Gassen mit Kopfsteinpflaster führen vorbei an alten massiven Steinhäusern. Pflanzentröge mit Oleanderbäumen bringen Farbe ins Grau der Hausfassaden. Von einer unentdeckten Perle, wie wir in verschiedenen Reiseführern gelesen haben, kann keine Rede sein. Dazu bevölkern einfach zu viele Touristen die Stadt.

Groźnjan

Groźnjan ist bekannt für seine zahlreichen Kunstgalerien, sowie den kleinen Läden, die heimischen Käse, Olivenöl, Wein und verschiedenste Trüffelprodukte feilbieten.

Groźnjan

Am Weg zur Stadtloggia, die einst als öffentlicher Gerichtssaal diente, und dem Palazzo Spinotti-Morteani, entdecken wir einen der zahlreichen Künstler des Dorfes. Nicht umsonst trägt Groźnjan den Beinamen Künstlerdorf. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde das bisher italienische Istrien, Jugoslawien zugesprochen. Der Exodus der italienischsprachigen Bewohner von Grožnjan führte dazu, dass der Ort in den 1950er Jahren zu einem Geisterdorf wurde.

Groźnjan

In den roaring sixties wurde Grožnjan jedoch durch den Bildhauer Aleksandar Rukavina wiederentdeckt. Mit befreundeten Künstlern begann er die Häuser zu renovieren und Ateliers einzurichten. Noch heute leben und arbeiten zahlreiche Künstler in Groźnjan.

Groźnjan

Unseren Stadtbummel beenden wir im Cafe Vero mit seiner Terrasse, wo man einen wunderschönen Panoramablick ins Tal hat. Bei einem Cappuccino und einem Espresso lassen wir nochmals die heutigen Eindrücke Revue passieren. Dabei fällt uns auch unser letzjähriger Trip nach Hum, der kleinsten Stadt der Welt, wieder ein.

NOCH MEHR FOTOS ZUR INSPIRATION?
Wir hoffen, dass wir Euch mit unseren Tipps zu einer Rundreise nach Kroatien inspirieren konnten. Noch mehr Fotos zu den Bergdörfern findet Ihr im Fotoalbum unter: BERGDÖRFER IN ISTRIEN