PILGERWEG – AM TRAISENTALRADWEG VON MARIAZELL NACH ST PÖLTEN

Der Traisental-Radweg zählt zu den beliebtesten Rad-Pilgerwegen nach Mariazell. Am besten fährt man mit der Mariazellerbahn in den Wallfahrtsort und dann mit dem Rad – meist leicht bergab – über Lilienfeld zurück nach St Pölten.  

Mit der Mariazellerbahn in den Wallfahrtsort Mariazell

Mariazellerbahn

Jetzt habe ich mir schon wieder einen heißen Tag für eine Radtour ausgesucht. Auch heute waren 38 Grad angesagt. Trotzdem wollte ich mich auf den Spuren der Pilger bewegen. Mein Ziel war Mariazell. Nachdem ich das Höhenprofil des Traisental-Radwegs studiert hatte, war auch die Richtung sofort klar. Ich beschloss mit der Mariazellerbahn nach Mariazell zu fahren und von dort zurück nach St Pölten.

Höhenprofil

Mit Ausnahme zweier Steigungen geht der Traisental-Radweg zwischen Mariazell und St Pölten permanent bergab – von rund 900 auf 270 Höhenmeter. Und ich denke es war eine weise Entscheidung. Mit dem Auto begebe ich mich zuerst nach St Pölten. Dort bestieg ich die Himmelstreppe aufwärts zum Wallfahrtsort Mariazell, der auf knapp 900 Meter Höhe liegt. Weniger poetisch ausgedrückt: Ich überwand keine tausenden Stufen, sondern fuhr mit der Mariazellerbahn gemütliche zweieinhalb Stunden zum Ausgangspunkt dieser Radtour.

Mariazellerbahn

Seit Herbst 2013 setzt die Mariazellerbahn moderne Niederflurtriebwagen („Himmelstreppe“) auf dieser Strecke ein, die sich als ausgesprochen bequem und klimatisiert – was bei den heutigen Temperaturen sicher kein Fehler war – präsentieren.

Mariazellerbahn

Auch die Mitnahme eines Fahrrades funktioniert problemlos. Die Fahrscheine für den Zug kann man entweder online oder erst beim Schaffner im Zug kaufen. Ich war ja schon überrascht beim Einsteigen des Zuges. Selten habe ich so freundliches und hilfreiches Zugpersonal erlebt.

Mariazellerbahn

Überraschenderweise verging die Zeit wie im Flug, trotz zweier unfreiwilliger Halts wegen Stromausfalls mitten auf der Strecke.

Mariazell, Ziel vieler Pilgerwege und Pilgerreisen in Österreich

Als ich Mariazell aus dem Zug stieg, fühlte ich mich ein wenig wie Gary Cooper. Es war “12 Uhr Mittags”. Statt Grace Kelly und einem Revolverduell gab es die obligate Mittagssirene.

Mariazell, Hauptplatz

Bereits am Bahnhof beginnt die vorbildliche Beschilderung des Traisentalradweges. Das Ortszentrum und die berühmte Wallfahrtskirche liegen rund eineinhalb Kilometer vom Bahnhof entfernt.

Devotionalien soweit das Auge reicht

Am Hauptplatz von Mariazell herrschte ein ziemliches Remasuri, oder ein großes Remmidemmi, wie unsere nördlichen Nachbarn sagen würden. Insbesondere die Devotionalienhändler hatten Hochbetrieb.

Devotionalien soweit das Auge reicht

Hier bekommt man einfach alles: Beginnend von Heiligenfiguren, Kerzen und Kreuzen bis zum berühmten Magenbitter. Soviel Kitsch auf engsten Raum sieht man selten. Vielleicht noch in Fatima. Dort gibt es sogar Supermärkte für Devotionalien.

Mariazell, Wahlfahrtskirche

Und inmitten des Geschehens thront die beeindruckende Wallfahrtskirche. Einen kurzen Besuch des Gotteshauses sollte man schon einplanen. Soviel Zeit muss sein. Gottes Segen kann ja nicht schaden, insbesondere auf den steilen Bergabfahrten. Unter dem Motto: “Lieber Gott, mach, dass meine Bremsen nicht versagen!”

Bergab am Traisentalradweg zur Wuchtelwirtin beim Hubertussee

On the road ...

Denn gleich auf den ersten drei Kilometern geht es in steilen Serpentinen abwärts Richtung Hubertussee. Hier erreichte ich auch gleich einmal die Höchstgeschwindigkeit des heutigen Tages. Und die Bremsen haben Gott sei Dank funktioniert. Auf einer wenig befahrenen Landstraßen gelangt man anschließen zum Hubertussee.

Kaiser Franz Joseph auf der Pirsch

Kurz davor habe ich sogar den seligen Kaiser Franz Joseph auf der Pirsch getroffen. Ich winkte ihm huldvoll zu. Ob es ihm gefreut hat mich zu sehen, weiß ich nicht. Auf alle Fälle setze ich meinen Weg durch das landschaftlich reizvolle Tal fort.

Hubertussee

Badehalt am Hubertussee? Ein kleines Päuschen bei der berühmten Wuchtelwirtin? Ich konnte des Teufels Versuchungen widerstehen.

Wuchtelwirtin am Hubertussee

Aber es ist mir schwergefallen. Besonders eine frische Buchtel hätte mich gereizt. Und dazu einen Melange oder Häferlkaffee.

Der längste Anstieg am Traisentalradweg – Hinauf zum Gscheid Pass

Kurz nach der Wuchtelwirtin begann der lange Aufstieg zum Gscheid Pass auf 970 Meter Seehöhe. Bei diesen Temperaturen war das bergauf Radeln kein Honigschlecken. Frei nach Hamlet: “Quälen oder Schieben, das war hier die Frage”. Ich entschied mich mein Rad ein Stück zu schieben.

Gscheid Pass

Aber irgendwann ist jedes Ungemach überwunden und ab dann geht es tatsächlich nur mehr bergab. Es war ein wahrer Höllenritt. Die Kurven sind recht eng und man muss höllisch aufpassen, damit einem kein Fahrfehler passiert. Dummerweise kommen mir bei diesen steilen Abfahrten immer wieder ein Gedanke- was ist, wenn meine Bremsen plötzlich versagen? Gut ist´s gangen, nix ist g`schehen.

Kameltheater Kernhof

Und dann ging es nur mehr bergab bis zum Stift Lilienfeld

Vom Gscheid Pass bis nach Kernhof geht es gleich einmal 300 Höhenmeter hinunter auf vier Kilometer. Der steile Anstieg war sofort wieder vergessen. In Kernhof besteht die Möglichkeit ein Kameltheater zu besuchen, wo Kamele als Darsteller von einfachen Theaterstücken fungieren. Das Theater ließ ich im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und setzte meinen Weg Richtung Stift Lilienfeld fort.

Entlang der Traisentalbahn

Auf den nächsten 26 Kilometern führt der Radweg auf idyllischen Uferwegen und entlang der Traisentalbahn über die Ortschaften St Aegyd am Neuwalde, Hohenberg und Freiland nach Lilienfeld.

Entlang der Traisentalbahn

Das leichte Gefälle dieser Etappe mit rund 200 Höhenmetern läßt meinen Drahtesel beinahe von alleine laufen. Es hat so richtig Spass gemacht kräftig in die Pedale zu treten und Geschwindigkeit zu machen.

Stift Lilienfeld

Schon von weitem kann man das Stift Lilienfeld erkennen. Es handelt ich dabei um das größte mittelalterliche Kloster Österreichs mit einem wunderschönen Zisterzienserkreuzgang.

Stift Lilienfeld

Gegründet wurde es 1202 vom Babenbergerherzog Leopold VI, dem Glorreichen. Falls es die Zeit zulässt, sollte man die Klosteranlage unbedingt besuchen. Es zahlt sich aus.

Die letzte Etappe von Lilienfeld nach St Pölten

On the road ...

Von Lilienfeld sind es noch rund 25 km nach St Pölten, dem Ausgangspunkt meiner Radtour. Der Radweg führt auf asphaltierten Uferwegen und ruhigen Nebenstraßen über Wilhelmsburg direkt in das Regierungsviertel von St Pölten.

St Pölten, Regierungsviertel

Nach rund 89 Kilometern, vier Stunden reiner Fahrzeit und rund zwei Stunden Pausen ist es vollbracht. Der Ausgangspunkt beim Bahnhof ist wieder erreicht. Es war eine schöne Tour. Landschaftlich war für mich persönlich der erste Teil der Tour (bis nach St Aegyd am Neuwalde) am schönsten.

Pause

Und es klingt komisch, aber trotz der Hitze war die Radtour gar nicht so anstrengend, mit Ausnahme der beiden Steigungen. Die Radtour ist auch für weniger durchtrainierte Radfahrer an einem Tag zu schaffen. Man muss halt früher von Mariazell starten, damit der Gemütlichkeitsfaktor erhalten bleibt. Und es gibt entlang der Strecke zahlreiche Einkehrmöglichkeiten. Mit kleinen Kindern ist die Tour nicht zu empfehelen, da es mehrere steile Abfahrten gibt.

Ich bin mir ziemlich sicher, aber die Tour mache ich sicherlich noch einmal.

Streckenplan

Tourdaten

Radweg-Symbol: Grünes Schild “Traisentalradweg”, Radweg Nr 4

Schwierigkeit: mittel, nur zwei steilere Anstiege

Strecke: ca 89 km  

Highlights der Strecke:

  • Fahrt mit der Mariazellerbahn
  • Wallfahrstkirche Mariazell
  • Stift Lilienfeld
  • Altstadt von St Pölten

GPS-Daten: Route 3.204.065

Der Weg ist perfekt  ausgeschildert.